Tartanbahnen und Kunststoffbeläge im Sport: Anwendung, Normung und Nachhaltigkeit in der modernen Sportplatzgestaltung

Einleitung

Kunststoffbeläge sind aus dem modernen Sport nicht mehr wegzudenken. Während der Begriff „Tartanbahn“ für viele immer noch das klassische Stadion mit der ziegelroten Laufbahn assoziiert, hat sich die Welt der Sportböden erheblich diversifiziert. Heute decken moderne Kunststoffsysteme ein breites Spektrum sportlicher Aktivitäten ab – von der Hochleistungs-Leichtathletik über Schulsportanlagen bis hin zu Fallschutzböden auf Spielplätzen und Hard-Court-Tennisplätzen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Anwendungsbereiche, die technischen Anforderungen, die geltenden Normen und die zunehmende Bedeutung der Nachhaltigkeit in der Sportplatzgestaltung. Die Informationen basieren ausschließlich auf den technischen Beschreibungen und Anwendungshinweisen der Hersteller Polytan, Conica und Regupol.

Grundlagen und Anwendungsbereiche von Kunststoffsportböden

Moderne Kunststoffbeläge für den Sport zeichnen sich durch ihre Vielseitigkeit aus. Sie werden je nach Einsatzort und spezifischen Anforderungen in Aufbau und Eigenschaften differenziert.

Leichtathletik-Laufbahnen

Die Leichtathletik-Laufbahn, oft als Tartanbahn bezeichnet, ist das klassische Einsatzgebiet. Hier ist die Performance entscheidend. Ein moderner Laufbahnbelag muss eine perfekte Bodenhaftung in jeder Phase des Laufes bieten – vom Start über die Gerade bis zur Kurve. Dabei dämpft der Belag den Aufprall beim Fußaufsetzen und speichert die Energie, um den Athleten beim Abrollen wieder vorwärts zu katapultieren (Source 2). Die Anforderungen an Langlebigkeit, Wetterbeständigkeit und Umweltfreundlichkeit sind hoch, wobei die Funktion über die gesamte Lebensdauer erhalten bleiben muss.

Die Systeme für den Spitzensport sind oft mehrschichtig. Conica bietet beispielsweise einen innovativen 2-schichtigen Vollkunststoffbelag, der für sportliche Höchstleistungen konzipiert ist (Source 2). Für die professionelle Leichtathletikanlage wurde von Polytan der Rekortan GEL GT entwickelt, der die Anforderungen der World Athletics (ehemals IAAF) erfüllt und für den Spitzensport zertifizierbar ist (Source 1). Auch Regupol stellt Tartanbahnen her, die gemäß den strengen Anforderungen des internationalen Leichtathletikverbandes World Athletics und den Normen EN 14877 und DIN 18035-6 sowie den Gütebestimmungen nach RAL GZ 943 hergestellt werden (Source 3). Dies unterstreicht die Bedeutung von Normen und Zertifizierungen für die Qualitätssicherung.

Fallschutzbeläge für Spielplätze

Spezielle Anforderungen gelten für den Fallschutz im Sportplatz- und Spielplatz-Bau. Hier sind Rutschhemmung, Dämpfung und Langlebigkeit entscheidend. Moderne Fallschutz-Kunststoffsysteme sind nach Belagstyp B (DIN EN 14877) konzipiert. Polytan bietet in diesem Bereich HIC-geprüfte Fallschutzbeläge nach DIN EN 1177 der PolyPlay-Serie an (Source 1). Diese Beläge schützen Kinder vor schweren Verletzungen bei Stürzen und sind ein integraler Bestandteil der modernen Spielplatzsicherheit.

Weitere Sportarten und multifunktionale Flächen

Die Palette der Kunststoffbeläge umfasst auch andere Sportarten. Für Sprungdisziplinen wie den Weitsprung auf Leichtathletik-Sportanlagen sind präzise Einbauten wie Absprungbalken notwendig, die sich ideal mit robusten, rutschhemmenden Kunststoffsystemen kombinieren lassen (Source 1). Darüber hinaus gibt es spezielle Beläge für den Tennissport. Der Laykold-Belag von Polytan kann direkt auf Beton oder Asphalt aufgebracht werden oder in Kombination mit einer elastischen Tragschicht installiert werden. Besonders innovativ ist hier das Laykold Masters GEL – ein Cushion Court System mit über 60 % nachwachsenden Rohstoffen, das Gelenke schont und Ermüdung reduziert (Source 1). Auch multifunktionale Sportflächen oder Hard-Court-Tennisplätze fallen unter das Spektrum moderner Kunststoffsysteme.

Technische Anforderungen und Normung

Die Qualität und Sicherheit von Sportböden werden durch nationale und internationale Normen sichergestellt. Die in den Quellen genannten Normen sind ein zentrales Kriterium für die Planung und Ausführung.

Weltweite Standards: World Athletics

Für den Hochleistungssport ist die Zertifizierung nach den Standards des internationalen Leichtathletikverbandes World Athletics (IAAF) entscheidend. Nur beläge, die diese strengen Anforderungen erfüllen, sind für internationale Wettkämpfe zugelassen. Conica bietet zertifizierte High-Tech-Systeme für internationale Wettkämpfe an (Source 2). Regupol-Tartanbahnen werden ebenfalls nach den Anforderungen von World Athletics hergestellt (Source 3). Polytan erwähnt den Rekortan GEL GT als erfüllend die World-Athletics-Anforderungen (Source 1). Diese Zertifizierung ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal, das auch für Trainingsanlagen und Schulsportanlagen eine hohe Standardsicherheit bedeutet.

Europäische und Deutsche Normen

Neben den weltweiten Sportverbandsnormen gelten europäische (EN) und deutsche (DIN) Normen: * DIN EN 14877: Diese Norm ist für Sportbodenbeläge relevant. Sie wird im Kontext von Fallschutzbelägen für Spielplätze erwähnt, die nach Belagstyp B konzipiert sind (Source 1). Sie regelt sicherheitstechnische Anforderungen. * DIN 18035-6: Diese Norm betrifft die Anforderungen an Laufbahnen im Leistungssport und wird von Regupol als eine der Normen genannt, nach denen ihre Produkte hergestellt werden (Source 3). * RAL GZ 943: Es handelt sich um Gütebestimmungen, die ebenfalls von Regupol für ihre Tartanbahnen genannt werden (Source 3). RAL-Zeichen sind ein wichtiges Gütesiegel für Produkte in Deutschland.

Die Einhaltung dieser Normen ist nicht nur für die Zulassung für Wettkämpfe notwendig, sondern auch für die allgemeine Sicherheit und Langlebigkeit der Anlage. Regupol weist explizit darauf hin, dass eine Nutzung der Produkte für andere als die beschriebenen Zwecke zu Sicherheitsfragen führen kann (Source 3).

Installationstechnologien und Materialien

Die Installation von Kunststoffbelägen kann auf verschiedene Weisen erfolgen, abhängig vom Untergrund und den Anforderungen.

Installation auf verschiedenen Untergründen

Der Laykold-Belag kann direkt auf Beton oder Asphalt aufgebracht werden. Alternativ kann er in Kombination mit einer elastischen Tragschicht installiert werden (Source 1, 5). Diese Flexibilität ermöglicht die Renovierung bestehender Flächen oder den Neubau auf verschiedenen Untergründen.

Innovative Installationstechnologien

Regupol präsentiert mit der „4.0 Installationstechnologie“ eine innovative Methode für ihre Tartanbahnen der champion Serie. Diese Technologie ermöglicht den kosteneinsparenden Wegfall eines kompletten Arbeitsschritts bei der Installation. Sie kann bei allen Hybrid-Sandwich-Laufbahnen von Regupol zum Einsatz kommen und spart Zeit, Material und Kosten (Source 3). Dies ist ein Beispiel für die stetige Weiterentwicklung im Bereich der Sportplatzbau-Technologien.

Materialzusammensetzung und Nachhaltigkeit

Die Materialzusammensetzung moderner Kunststoffbeläge hat sich deutlich weiterentwickelt. Eine wichtige Rolle spielt der Einsatz nachwachsender Rohstoffe und Recycling-Materialien. * Nachwachsende Rohstoffe: Das Laykold Masters GEL Cushion Court System von Polytan besteht zu über 60 % aus nachwachsenden Rohstoffen (Source 1, 5). Dies reduziert den Einsatz fossiler Rohstoffe und schont die Umwelt. * Recycling-Rohstoffe: Regupol betont, dass ihre Tartanbahnen und Sportböden in der Regel zu 75-95 % aus Recycling-Rohstoffen bestehen. Der Anteil kann je nach Produkt variieren (Source 3). Dies unterstreicht die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft in der Sportplatzgestaltung. * Langlebigkeit und Reparierbarkeit: Ein entscheidender Aspekt der Nachhaltigkeit ist die Langlebigkeit und die Möglichkeit zur Reparatur. Allen genannten Systemen ist gemein, dass sie langlebig und wetterbeständig sind (Source 2). Insbesondere Regupol-Tartanbahnen punkten durch ihre gute Sanierungs- und Reparaturfähigkeit. Anstatt eine gesamte Laufbahn auszuwechseln, kann auf der Oberfläche ein Re-Topping durchgeführt werden. Dies schont Ressourcen, Kosten und Zeit und ist ein wesentlicher Vorteil für Kommunen und Vereine, wie Thomas Eickmann, sportlicher Leiter und Trainer LAZ Puma Rhein-Sieg, bestätigt (Source 3).

Farbgebung und Ästhetik

Die Farbwahl bei Kunststoffbelägen hat nicht nur dekorative, sondern auch funktionale und psychologische Bedeutung. Während früher Laufbahnen fast ausschließlich ziegelrot waren, sind heute oft blaue oder grüne Bahnen zu sehen (Source 1, 5). Auf Spielplätzen werden durch den Einsatz mehrerer Farben, Formen und teilweise Figuren im Fallschutz die Fantasie der spielenden Kinder angeregt (Source 1, 5). Die Möglichkeit, Beläge in bis zu 17 UV-beständigen Farben zu erhalten, wie bei den Laykold-Belägen, bietet große Gestaltungsfreiheit für Architekten und Planer (Source 1, 5).

Fazit

Die Welt der Kunststoffbeläge für den Sport ist weitaus vielfältiger als die klassische Tartanbahn. Von zertifizierten Hochleistungs-Laufbahnen für den Spitzensport über sichere Fallschutzbeläge auf Spielplätzen bis hin zu nachhaltigen Tennis- und Multifunktionsflächen bieten moderne Kunststoffsysteme maßgeschneiderte Lösungen für nahezu jede sportliche Aktivität. Die Einhaltung strenger Normen wie DIN EN 14877, DIN 18035-6 und der Gütebestimmungen nach RAL GZ 943 sowie die Zertifizierung durch World Athletics sind entscheidend für Qualität und Sicherheit. Gleichzeitig gewinnt die Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung, was sich im hohen Anteil an Recycling- und nachwachsenden Rohstoffen sowie in innovativen Installationstechnologien widerspiegelt, die die Lebensdauer von Sportböden verlängern und Ressourcen schonen. Für Planer, Architekten und Vereine bedeutet dies, dass die Wahl des richtigen Belags eine Investition in Leistung, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit ist.

Quellen

  1. Polytan Blog: Mehr als nur Tartanbahn
  2. Conica: Sportbeläge Aussenbereich - Laufbahnen
  3. Regupol: Anwendungen - Leichtathletik

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