Marktrückgang bei Farben, Lacken und Tapeten: Ursachen und Vertriebsentwicklung 2024

Die deutsche Baustoffindustrie für dekorative Oberflächen erlebt einen anhaltenden Rückgang. Der Markt für Farben, Lacke, Tapeten und zugehörigen Malerbedarf wie Pinsel, Farbrollen oder Tapeziertische schrumpft. Ein aktueller Branchenbericht des IFH Köln analysiert die Entwicklungen des Jahres 2024 und identifiziert strukturelle Ursachen, die über konjunkturelle Schwankungen hinausgehen. Für Bauherren, Heimwerker und Handwerksbetriebe bedeutet dies Veränderungen in der Produktverfügbarkeit, im Preisgefüge und in der Bedeutung verschiedener Vertriebskanäle. Dieser Artikel beleuchtet die Marktdaten, die treibenden Faktoren und die Verschiebungen im Handel, die für die Planung von Renovierungs- und Bauprojekten relevant sind.

Marktdaten und langfristige Entwicklung

Der Markt für Farben, Lacke, Tapeten und Malerbedarf erzielte im Jahr 2024 ein Umsatzvolumen von knapp 4,4 Milliarden Euro zu Endverbraucherpreisen. Dies entspricht einem nominalen Minus von 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung bestätigt einen langfristigen Abwärtstrend, der nach den coronabedingten Sondereffekten der Jahre 2020 und 2021 wieder in den Vordergrund tritt (Quellen 1, 2, 3, 5, 6).

Bereinigt um die Ausnahmejahre 2020 und 2021 zeigt sich eine durchschnittliche Wachstumsrate von –0,4 Prozent seit 2015. Diese Daten unterstreichen, dass der Markt nach der Pandemie nicht zu einem nachhaltigen Wachstum zurückgekehrt ist, sondern seine vorherige Entwicklung von überwiegend stagnierenden bis leicht rückläufigen Tendenzen fortsetzt (Quellen 1, 2, 3, 4, 5, 6).

Ein differenzierter Blick auf die Produktsegmente ergibt eine ungleichmäßige Entwicklung. Während die Umsätze mit Farben, Lacken und Malerbedarf (wie Pinseln, Farbrollen, Tapeziertischen und Malervlies) 2024 etwa auf dem Niveau von 2015 liegen, verzeichnen insbesondere Tapeten sowie Verdünnungen deutliche Rückgänge im Vergleich zum damaligen Stand (Quellen 1, 2, 3, 4, 5, 6). Diese Diskrepanz deutet auf unterschiedliche Einflussfaktoren für die verschiedenen Produktgruppen hin.

Ursachen für den Negativtrend

Die Gründe für den anhaltenden Rückgang sind laut dem IFH Köln vielfältig und struktureller Natur. Christian Lerch, Senior Consultant am IFH Köln, identifiziert mehrere zentrale Faktoren, die die Nachfrage dämpfen (Quellen 2, 5, 6).

Verlängerte Renovierungszyklen

Ein wesentlicher Faktor ist die Verlängerung der Intervalle zwischen Renovierungen. Fortschrittliche Materialien und bessere Verarbeitungstechniken sorgen für langlebigere Oberflächen, was den Bedarf an frischer Farbe oder neuer Tapete reduziert. Dieser Trend wirkt sich direkt auf die Nachfrage aus, da Produkte mit höherer Haltbarkeit weniger häufig ersetzt werden müssen (Quellen 2, 4, 5, 6).

Effizientere Produkte mit höherer Flächenleistung

Die Produktentwicklung hat zu Farben und Lacken geführt, die eine größere Flächenleistung bei gleicher Produktmenge erzielen. Diese Effizienzsteigerung bedeutet, dass für die gleiche Wandfläche weniger Produkt benötigt wird. Für den Verbraucher ist dies ein Kostenvorteil, für den Gesamtmarkt führt es jedoch zu einer Reduktion des Absatzvolumens, da weniger Volumen pro Quadratmeter benötigt wird (Quellen 2, 4, 6).

Veränderte Wohnraumgestaltung

Moderne Architektur und Innenarchitektur beeinflussen den Bedarf an streich- und tapezierbaren Flächen. Größere Fensterflächen und offene oder kombinierte Wohnräume reduzieren die Wandfläche pro Raum erheblich. Weniger Wandfläche bedeutet weniger zu streichende oder zu tapezierende Flächen, was die Absatzentwicklung zusätzlich bremst (Quellen 2, 3, 4, 5, 6).

Schwächelnde Baukonjunktur

Die allgemeine Baukonjunktur hat einen direkten Einfluss auf den Markt für Baustoffe und dekorative Materialien. Eine schwächere Bautätigkeit im Neubau und in der Sanierung reduziert den Bedarf an neuen Produkten für Wandgestaltung und Oberflächenbehandlung (Quellen 1, 3).

Verschiebungen im Vertriebskanal: Handwerk vs. Einzelhandel

Eine entscheidende Erkenntnis des Branchenberichts betrifft die Verteilung des Marktes auf verschiedene Vertriebskanäle. Im Vergleich zu anderen DIY-Sortimenten wie Bauelementen, Baustoffen oder Haustechnik, in denen das Handwerk bis zu 90 Prozent des Umsatzanteils hält, spielt es im Segment Farben, Lacke und Tapeten mit einem Umsatzanteil von nur rund 31 Prozent eine deutlich geringere Rolle (Quellen 1, 4).

Stattdessen dominiert der stationäre Einzelhandel die Distribution an Endverbraucher. Baumärkte haben ihre Position nach der Studie des IFH Köln deutlich gestärkt und sind zum wichtigsten Vertriebsweg geworden (Quellen 1, 3, 4, 6). Neben den großen Baumärkten gewinnen auch spezialisierte Fachmärkte an Bedeutung. Im Gegenzug verliert das Malerhandwerk Marktanteile (Quellen 1, 3).

Diese Entwicklung hat mehrere Ursachen. Zum einen zeigen die Daten, dass private Haushalte zunehmend DIY-Aktivitäten (Do-it-yourself) übernehmen, anstatt professionelle Handwerker zu beauftragen. Zum anderen bieten Baumärkte eine breite Palette an Produkten, häufig verbunden mit Attraktivitäten wie eigenen Mischstationen für Farben, was die Entscheidung für den Fachhandel oder das Handwerk für viele Verbraucher obsolet macht. Die schwächelnde Baukonjunktur trifft das Handwerk stärker als den Endverbrauchermarkt, der weiterhin durch Heimwerker-Projekte getragen wird (Quellen 1, 3).

Implikationen für Bauherren und Planer

Die Marktdaten und die identifizierten Trends haben direkte Konsequenzen für verschiedene Akteure im Bau- und Renovierungssektor.

Für private Hausbesitzer und Heimwerker

Die Dominanz von Baumärkten und spezialisierten Fachmärkten bedeutet eine hohe Verfügbarkeit und einen starken Wettbewerb bei Produkten für die Eigenleistung. Die Effizienzsteigerung der Produkte führt zu einer geringeren benötigten Menge an Farbe oder Lack, was die Materialkosten senken kann. Allerdings kann der anhaltende Marktanteilsverlust des Handwerks zu einer weiteren Spezialisierung und möglicherweise zu höheren Preisen für professionelle Dienstleistungen führen, da die verbleibenden Betriebe ihre Wettbewerbsposition durch Spezialisierung oder höhere Qualität sichern müssen.

Für Bauunternehmen und Architekten

Die Planung von Wohnräumen mit größeren Fensterflächen und offenen Grundrissen, wie im Bericht beschrieben, hat direkte Auswirkungen auf den Bedarf an Wandgestaltungsmaterialien. Für große Flächen kann die höhere Flächenleistung der Produkte einen Kostenvorteil bedeuten. Die langfristige Planung muss jedoch berücksichtigen, dass Materialien mit längerer Haltbarkeit die Notwendigkeit für zukünftige Renovierungen hinauszögern.

Für den Fachhandel und das Handwerk

Für den Fachhandel besteht die Herausforderung, sich gegenüber dem breiten Angebot der Baumärkte zu differenzieren. Spezialisierung auf hochwertige, nachhaltige oder spezielle Produkte kann eine Strategie sein. Für das Malerhandwerk erfordert der verlorene Marktanteil eine Neuausrichtung. Der Fokus könnte auf komplexere Projekte, die über die reine Anwendung von Standardfarben hinausgehen, gelegt werden. Die Daten zeigen jedoch, dass das Handwerk nur einen kleinen Teil des Gesamtmarktes ausmacht, was die Wettbewerbsintensität in diesem Segment erhöht.

Fazit

Der Markt für Farben, Lacke, Tapeten und Malerbedarf in Deutschland befindet sich im strukturellen Rückgang. Das Umsatzvolumen von knapp 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2024 und der Rückgang um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr sind keine isolierten Konjunkturschwankungen, sondern setzen einen langfristigen Trend fort, der seit 2015 eine durchschnittliche Wachstumsrate von –0,4 Prozent aufweist. Die Analyse des IFH Köln identifiziert vier Haupttreiber: verlängerte Renovierungszyklen durch langlebigere Produkte, effizientere Produkte mit höherer Flächenleistung, architektonische Veränderungen wie größere Fenster und offene Räume sowie eine schwächere Baukonjunktur.

Eine entscheidende Marktverschiebung findet im Vertriebskanal statt. Während das Handwerk in anderen DIY-Bereichen dominiert, hält es in diesem Segment nur einen Umsatzanteil von rund 31 Prozent. Der stationäre Einzelhandel, insbesondere Baumärkte, gewinnt deutlich an Bedeutung, was die wachsende DIY-Kultur privater Haushalte widerspiegelt. Für alle Beteiligten – von Planern über Handwerker bis zu Heimwerkern – bedeutet dies, die veränderten Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Effizientere Produkte und veränderte Wohnkonzepte prägen die Zukunft der Wandgestaltung und Oberflächenbehandlung in der deutschen Bau- und Renovierungslandschaft.

Quellen

  1. IFH: Negativtrend bei Farben und Tapeten setzt sich fort
  2. Farben, Lacke und Tapeten: Markt verlor 2024 an Dynamik
  3. Markt für Farben, Lacke und Tapeten setzt 2024 seinen rückläufigen Trend fort
  4. Umsätze mit Produkten rund um die Themen Anstriche und Tapeten verzeichnen 2024 mit Umsatzvolumen von 4,4 Milliarden Euro ein Minus
  5. Der Markt für Farben, Lacke und entsprechendes Zubehör umfasst 2024 ein Umsatzvolumen von knapp 4,4 Milliarden Euro
  6. IFH: Markt für Farben, Lacke und Tapeten verliert an Dynamik

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