Die deutsche Bodenbelagsbranche, ein wesentlicher Bestandteil des Bau- und Renovierungssektors, operiert nicht isoliert. Sie ist in ein komplexes Netz aus Herstellern, Großhändlern, Fachhändlern und Handwerksbetrieben eingebunden. Eine zentrale Rolle in dieser Wertschöpfungskette spielen Verbundgruppen und Fachverbände. Diese Organisationen bilden das Rückgrat des mittelständischen Handels und der Handwerksbetriebe, indem sie gemeinsame Interessen vertreten, Einkaufskonditionen optimieren und Fachkompetenz bündeln. Dieser Artikel beleuchtet anhand der vorliegenden Informationen die Struktur und Funktion dieser Verbünde, ihre Mitglieder und ihre strategischen Ausrichtungen, die für Eigentümer, Handwerker und Investoren von Bedeutung sind.
Einleitung
Die Bereitstellung von Bodenbelägen ist ein mehrstufiger Prozess, der von der Materialherstellung über den Großhandel bis zum fachgerechten Einbau durch spezialisierte Handwerker reicht. Die Effizienz und Qualität dieses Prozesses hängt maßgeblich von der Vernetzung der Akteure ab. Die vorliegenden Quellen beschreiben verschiedene Organisationsformen, die diese Vernetzung fördern: Einerseits gibt es Verbundgruppen, die sich primär auf den Großhandel und die Einkaufsverbände konzentrieren (wie die VFG), andererseits Fachverbände von Herstellern (wie der FEB) sowie Netzwerke, die zertifizierte Handwerksbetriebe zusammenführen (wie das Netzwerk Boden). Diese Strukturen sind entscheidend für die Marktstabilität, die Qualitätssicherung und die Innovationskraft der Branche. Im Folgenden werden diese Akteure detailliert vorgestellt und ihre jeweiligen Funktionen analysiert.
Die VFG: Ein etablierter Verbund im Großhandel
Die VFG (Vereinigter Farbengroßhandel) ist eine der etablierten Verbundgruppen in Deutschland. Laut den vorliegenden Informationen wurde sie 1967 in Köln unter dem Namen „Vereinigter Farbengroßhandel eGmbH“ gegründet. Sie ist ein Verbund mittelständischer Großhändler, der sich traditionell auf die Bereiche Farben und Lacke, Tapeten, Bodenbeläge und Werkzeuge spezialisiert hat. Die Gruppe besteht aus unabhängigen, freien Farben-Großhändlern.
Die Struktur der VFG ist mit 40 Mitgliedern und rund 200 Distributionspunkten beschrieben. Dieses Netzwerk ermöglicht eine flächendeckende Versorgung des Marktes. Die VFG unterhält Beziehungen zu über 140 Lieferanten und erzielte zum Zeitpunkt der Quellenlage einen Außenumsatz von 500 Millionen Euro. Diese Zahlen unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung der Gruppe innerhalb des deutschen Bauhandels.
Ein strategischer Schwerpunkt der VFG liegt in der Weiterentwicklung ihres Produktsortiments. Berichte zufolge plant die VFG für das Jahr 2023 eine Erweiterung ihrer Verbandsaktivität im Bereich Bodenbeläge. Bisher deckte dieser Produktbereich nur einen Teilbereich ab. Neben dem etablierten Schwerpunkt Anstrichmittel und Wandbeläge soll der Produktbereich Boden als weitere strategische Kernkompetenz ausgebaut werden. Diese Entwicklung ist nicht neu: Bereits 2020 hatte die VFG den Vertrieb von Bodenbelägen der ehemaligen Veeser-Marke Bonflair übernommen, nachdem die Großhandelsgruppe Veeser verkauft worden war. Dies zeigt ein langfristiges Engagement, den Bodenmarkt zu stärken.
Die strategische Bedeutung dieser Entwicklung wird durch die Beteiligung von Mitgliedern deutlich. Die VFG-Mitglieder cfa, Jedele, JOP, Spörr und Weigel sowie das zukünftige neue Mitglied Striegel mit Unternehmenssitz in Krumbach werden ihre Bodenaktivitäten und Umsätze auf die VFG übertragen. Dieser Schritt wird von der Geschäftsführung als notwendig angesehen, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden und positive Entwicklungen zu gewährleisten.
Die wirtschaftliche Performance der VFG wird als historisch gut beschrieben. Für das Geschäftsjahr 2020 wurde ein sehr gutes Ergebnis erzielt, das im Folgejahr 2021 im Innenumsatz und in der Zentralregulierung noch einmal deutlich übertroffen werden konnte. Diese positive Entwicklung fand Anerkennung bei den 34 Gesellschaftern und sechs Mitgliedern bzw. Partnern der VFG.
Die Führungsebene der VFG ist ebenfalls in den Quellen verankert. Der Aufsichtsrat setzt sich aus Vertretern der Mitgliedsunternehmen zusammen: Markus Weigel (Kurt Weigel), Andreas Rau (Farben Klotz, Aufsichtsratsvorsitzender), Jens Wiemers (Farben Scheller, stellv. Aufsichtsratsvorsitzender), Peter Koch (WABA/Walter Braun) und Hannes Jedele (Jedele). Geschäftsführer ist Dirk Vossen. Diese Struktur gewährleistet, dass die strategische Ausrichtung der Verbundgruppe direkt von den Praktikern des Großhandels bestimmt wird.
FEB: Fachverband der Hersteller elastischer Bodenbeläge
Während die VFG den Großhandel fokussiert, konzentriert sich der Fachverband der Hersteller elastischer Bodenbeläge e. V. (FEB) auf die Herstellerseite. Neun führende Unternehmen der Branche haben sich hier zu einem Interessenverbund zusammengeschlossen. Der FEB positioniert sich als zentrale Anlaufstelle für Marktpartner entlang der gesamten Wertschöpfungskette der elastischen Bodensysteme. Zu seinen Kernaufgaben gehören Produkt- und Anwendungstechnik, verbandsübergreifende Netzwerkarbeit, die Bereitstellung statistischer Markt- und Branchendaten sowie die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit. Ein weiteres Ziel ist die Positionierungsschärfe der „FEB“-Produkte.
Der Verband arbeitet eng mit Fördermitgliedern und Kooperationspartnern zusammen, um technologisch auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Diese Partnerschaften sind essenziell für das Funktionieren des Gesamtsystems „elastische Böden“. Der FEB begleitet Marktforschungs-Projekte und dient als Input-Geber für Verbandsevents. Eine besondere Bedeutung misst der Verband der Sicherung der Qualität von morgen bei. In diesem Kontext übernimmt der FEB Mitverantwortung für die Förderung der „bodennahen“ Berufsbilder Bodenleger/in, Raumausstatter/in, Parkettleger/in und Estrichleger/in. Diese Maßnahme zielt darauf ab, den Fachkräftemangel in den Handwerksberufen entgegenzuwirken und die Qualität der Handwerksleistungen zu sichern.
Die Struktur des FEB wird durch einen Vorstand und Arbeitskreise abgebildet. Der Vorstand besteht aus Volkmar Halbe (Vorsitzender), Dieter Overkamp (stellv. Vorsitzender und Schatzmeister) und Bernd Greve (stellv. Vorsitzender und Schriftführer). Innerhalb des Verbands sind die Arbeitskreise wesentliche Treiber. Besonders erwähnt wird der Arbeitskreis „Markt + Wissen“, der für die Bereitstellung hochaktueller Markt- und Branchendaten verantwortlich ist. Bernd Greve leitet diesen Arbeitskreis, während Michael Stein den Arbeitskreis „Markt + Wissen“ leitet. Diese interne Organisation ermöglicht eine fokussierte Arbeit an spezifischen Themenfeldern.
Netzwerk Boden: Handwerkskompetenz im Fokus
Ein dritter wichtiger Akteur ist das „Netzwerk Boden“. Dieser Verbund konzentriert sich explizit auf die Handwerksebene und definiert sich als „Verbund der besten Spezialisten rund um Bodenbeläge in Deutschland“. Die Mitglieder sind erfahrene, zertifizierte Handwerksbetriebe, die eng mit Industriepartnern zusammenarbeiten, um individuelle Lösungen für unterschiedlichste Bauprojekte zu erarbeiten. Das Netzwerk deckt ein breites Spektrum von Privathäusern über Gewerbeimmobilien bis hin zu öffentlichen Einrichtungen ab.
Die Kernbotschaft des Netzwerks „Die Besten. Lösungen. Gemeinsam.“ unterstreicht den Anspruch auf exzellente Referenzen und Leistungsstärke. Die Handwerksbetriebe bieten Fachkompetenz und Erfahrung bei der Realisierung anspruchsvoller Projekte. Ein zentrales Element der Netzwerkaktivität ist die Anerkennung erfolgreicher Kooperationen. Ab 2023 hat das Netzwerk seine Auszeichnung „Boden des Jahres“ zum „Bodenprojekt des Jahres“ weiterentwickelt. Ziel dieser Neuerung ist es, den Netzwerk-Charakter der Arbeit stärker in den Vordergrund zu rücken und erfolgreiche Projekte zu ehren, die durch die Zusammenarbeit mehrerer Netzwerk-Partner entstehen. Diese Auszeichnung dient als Qualitätsmerkmal und Marketinginstrument für die beteiligten Handwerksbetriebe und Industriepartner.
Vergleichende Analyse der Verbundstrukturen
Die drei vorgestellten Organisationen repräsentieren unterschiedliche Stufen der Wertschöpfungskette und unterschiedliche strategische Ausrichtungen:
| Organisationsform | Fokus | Kernmitglieder | Hauptfunktion | Strategische Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| VFG (Vereinigter Farbengroßhandel) | Großhandel, Einkaufsverbund | Mittelständische Großhändler (z.B. cfa, Jedele, Weigel) | Einkaufsoptimierung, Sortimentsentwicklung, flächendeckende Distribution | Ausbau des Bodenbelagssortiments als strategische Kernkompetenz; starker Innenumsatz |
| FEB (Fachverband elastischer Bodenbeläge) | Hersteller, Wertschöpfungskette | Hersteller elastischer Bodenbeläge, Fördermitglieder | Interessenvertretung, Technologie- und Nachhaltigkeitsdialog, Berufsförderung | Fokus auf elastische Bodensysteme, Arbeitskreis „Markt + Wissen“ für Daten |
| Netzwerk Boden | Handwerk, Projektabwicklung | Zertifizierte Handwerksbetriebe, Industriepartner | Vernetzung für anspruchsvolle Projekte, Qualitätsicherung, Auszeichnung | „Bodenprojekt des Jahres“ zur Förderung von Handwerks-Industrie-Kooperationen |
Die VFG operiert primär auf der Handelsebene und nutzt Skaleneffekte durch gebündelten Einkauf. Der FEB hat seine Wurzeln in der Herstellerseite und setzt auf technologische und regulatorische Vorreiterrolle, insbesondere im Bereich Nachhaltigkeit und Berufsbildung. Das Netzwerk Boden schließlich adressiert die letzte Stufe vor der Endkunde – die professionelle Ausführung – und setzt auf die Exzellenz zertifizierter Handwerksbetriebe. Diese Differenzierung zeigt, wie die Branche durch spezialisierte Verbünde auf verschiedene Marktbedürfnisse reagiert.
Bedeutung für die Praxis
Für Eigentümer, Investoren und Bauherren hat die Existenz dieser Verbünde direkte Konsequenzen. Die Mitgliedschaft in einem Netzwerk wie dem „Netzwerk Boden“ dient als Qualitätsindikator. Handwerksbetriebe, die in solchen Verbünden organisiert sind, verpflichten sich zu einem gewissen Standard an Ausbildung, Erfahrung und Kooperationsbereitschaft. Dies kann die Planungssicherheit bei Renovierungs- oder Neubauprojekten erhöhen.
Für die Handwerksbetriebe selbst bieten Verbünde wie die VFG oder das Netzwerk Boden entscheidende Vorteile. Durch den Zusammenschluss können sie bessere Einkaufskonditionen bei Herstellern und Großhändlern aushandeln, was ihre Wettbewerbsfähigkeit und Kalkulationsgrundlage verbessert. Zudem erhalten sie Zugang zu aktuellem Markt- und Branchenwissen, wie es beispielsweise durch den Arbeitskreis des FEB oder die Netzwerkaktivitäten bereitgestellt wird. Die Förderung von Berufsbildern durch den FEB ist zudem eine langfristige Investition in die Fachkräftebasis der gesamten Branche.
Die strategischen Entwicklungen, wie der Ausbau des Bodensortiments bei der VFG oder die Weiterentwicklung der Auszeichnungen im Netzwerk Boden, zeigen, dass die Verbünde aktiv auf Markttrends reagieren. Die zunehmende Professionalisierung und Spezialisierung im Bodenbereich spiegelt sich in diesen Strukturen wider.
Fazit
Die deutsche Bodenbelagsbranche ist durch ein dichtes Netz aus Verbundgruppen und Fachverbänden geprägt, das von der Materialherstellung bis zur Handwerksausführung reicht. Die VFG als etablierter Großhandelsverbund stärkt ihre Position durch den strategischen Ausbau des Bodensortiments und die Bündelung der Aktivitäten ihrer Mitglieder. Der FEB als Herstellerverband setzt auf technologische Innovation, Nachhaltigkeit und die Sicherung der Handwerksqualität durch die Förderung von Berufsbildern. Das Netzwerk Boden schließlich fokussiert auf die Exzellenz zertifizierter Handwerksbetriebe und fördert die Kooperation zwischen Handwerk und Industrie.
Diese Strukturen sind nicht nur für die internen Abläufe der Branche relevant, sondern bieten auch für externe Akteure wie Bauherren und Investoren Orientierung. Sie stehen für Qualität, Fachkompetenz und eine funktionierende Wertschöpfungskette. Die kontinuierliche Weiterentwicklung dieser Verbünde, dokumentiert in den vorliegenden Quellen, ist ein Indiz für die Dynamik und Anpassungsfähigkeit des deutschen Bodenmarkts. Für alle Beteiligten ist es daher von Vorteil, die Aktivitäten und Mitglieder dieser Organisationen zu kennen, um fundierte Entscheidungen im Bereich Bodenbeläge treffen zu können.