Ökologische und gesundheitliche Aspekte von Bodenbelägen: Eine Analyse auf Basis von Studien und Tests

Einleitung

Die Wahl des richtigen Bodenbelags ist eine fundamentale Entscheidung in der Bau- und Renovierungsbranche, die weit über optische Präferenzen hinausgeht. Sie beeinflusst maßgeblich die Innenraumluftqualität, die ökologische Bilanz eines Gebäudes und die langfristige Gesundheit der Bewohner. In den letzten Jahren haben unabhängige Tests und wissenschaftliche Studien die Aufmerksamkeit auf potenzielle Schadstoffe in Bodenbelägen gelenkt. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus den bereitgestellten Quellen zusammen, die sich auf verschiedene Materialien konzentrieren: von Kork und Holz über Teppiche und Laminat bis hin zu PVC und elastischen Bodenbelägen. Die Analyse stützt sich auf Ergebnisse von Ökotest, einer Ökobilanzstudie des Deutschen Naturwerkstein Verbands (DNV) sowie Informationen zu Umweltsiegeln. Ziel ist es, Bauherren, Sanierungsinteressierten und Fachleuten eine fundierte Grundlage für die Auswahl eines nachhaltigen und gesundheitlich unbedenklichen Bodenbelags zu bieten.

Ökobilanz von Bodenbelägen: Eine vergleichende Studie des DNV

Eine umfassende ökologische Bewertung von Bodenbelägen liefert der Deutsche Naturwerkstein Verband (DNV) in einer vom Institut für Baustoffe der Universität Stuttgart durchgeführten Studie. Diese Analyse vergleicht verschiedene Bodenbelagstypen über einen Nutzungszeitraum von 50 Jahren in privaten und gewerblichen Umgebungen. Die Studie basiert auf Umweltproduktdeklarationen (EPDs) und folgt den Prinzipien der Norm EN ISO 14044.

Vergleichene Materialien und methodischer Ansatz

Zu den untersuchten Bodenbelagstypen gehören: * Nursteinfliesen * Keramikfliesen * Terrazzo-Fliesen * Teppichböden * Laminat * Parkett * PVC

Ein entscheidender methodischer Aspekt der Studie ist der Vergleich der gesamten Bodenkonstruktion. Dabei wurde die gleiche Struktur (Estrich, Mörtel usw.) für alle Materialien verwendet, um ausschließlich die Auswirkungen des spezifischen Bodenbelagstyps isoliert zu betrachten.

Ergebnisse im Treibhauspotenzial (GWP)

In der Wirkungskategorie Treibhauspotenzial (GWP), die das CO2-Äquivalent misst, zeigen sich deutliche Unterschiede. Laut der Studie weisen die Herstellung und Verlegung von Natursteinfliesen im Vergleich zu den anderen geprüften Bodenbelagstypen ein deutlich geringeres CO2-Äquivalent auf. Diese Erkenntnis unterstreicht die ökologischen Vorteile von mineralischen Bodenbelägen aus Naturstein im Hinblick auf den Klimaschutz.

Gesundheitsrelevante Schadstoffe in Bodenbelägen

Neben der ökologischen Bilanz ist die Innenraumluftqualität ein zentrales Kriterium. Verschiedene Bodenbeläge können Schadstoffe ausdünsten, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken können.

Problematische Stoffgruppen

Die Quellen identifizieren mehrere problematische Stoffgruppen: * Halogenorganische Verbindungen: Diese wurden in einem Ökotest von 2017 bei zehn von zwölf geprüften Böden nachgewiesen. Sie gelten als umstritten. * Weichmacher (Phthalate): Besonders in minderwertigen PVC-Böden können Weichmacher und Flammschutzmittel einen Anteil von über 50 % ausmachen. * Vinylchlorid: Dieser Stoff wird in den Schaumrücken von Teppichen erwähnt und dünstet nach dem Verlegen stark aus. * Styrol-Butadien: Ein weiterer potenzieller Schadstoff, der aus Teppichen ausdünsten kann. * Lösemittel in Klebstoffen: Können bei der Verlegung von Bodenbelägen unangenehm bemerkbar machen und die Raumluft belasten. * Pyrethroide: Werden in der Mottenschutzausrüstung von Schurwollteppichen verwendet und können gesundheitlich relevant sein. * Zinnorganische Verbindungen: Werden als Katalysatoren oder Stabilisatoren in Polyurethanen verwendet. Ein Hersteller erklärte, dass ein vollständiger Verzicht nach heutigem Stand der Technik noch nicht möglich ist. * Anthracen (polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoff - PAK): Dieser Stoff wurde im Belag "Takiron Wels" nachgewiesen. Er ist sehr umweltschädlich, reichert sich über die Nahrungskette im Menschen an und steht auf der Kandidatenliste der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) für besonders besorgniserregende Stoffe.

Spezifische Materialien und deren Risiken

  • Teppichböden: Gelten als besonders emittierend. Die Schaumrücken enthalten oft schädliches Vinylchlorid. Auch Styrol-Butadien-Ausdünsten oder Lösemittel im Klebstoff können Probleme bereiten. Selbst natürliche Schurwollteppiche enthalten häufig Mottenschutzausrüstungen mit schädlichen Pyrethroiden.
  • PVC-Böden: Sind gesundheitlich nicht unbedenklich. Weichmacher und Flammschutzmittel können in minderwertigen Produkten über 50 % ausmachen.
  • Parkett und Kork: Sind nicht generell schadstofffrei. Hier können Bodenverlegewerkstoffe wie Kleber oder die Versiegelung gefährliche Stoffe ausdünsten. Problematisch wird es, wenn Kleber verwendet wird.
  • Elastische Bodenbeläge (allgemein): Ein Test von Ökotest zeigte, dass keine der getesteten Materialien die elektrostatische Spannung gut ableiten kann. Beim Begehen können sich Oberflächenspannungen von bis zu 10.000 Volt aufbauen. Diese Spannungen wirken sich ungünstig auf das Raumklima aus, da Staub und Reizstoffe vermehrt durch die Luft wirbeln. PVC-Beläge aus einem früheren Test schnitten in diesem Punkt besser ab.

Umweltsiegel als Entscheidungshilfe

Umweltsiegel können Verbrauchern eine Orientierung bei der Wahl eines gesundheitlich unbedenklichen und ökologischen Bodenbelags bieten. Die folgenden Siegel werden in den Quellen genannt:

  • Natureplus: Ein Umweltsiegel, das textile Bodenbeläge und viele weitere Fußbodenbeläge zertifiziert. Es steht für die Einhaltung ökologischer, sozialer und ökonomischer Kriterien.
  • Blauer Engel: Eines der ältesten Umweltsiegel in Deutschland. Es zertifiziert Bodenbeläge und Bodenverlegewerkstoffe wie Kleber. Es steht für emissionsarme Produkte, jedoch gelten strenge Werte für die Raumluft erst nach vier Wochen Auslüften. Nur krebserzeugende, ausgasende Stoffe werden stark begrenzt. Phthalate als Weichmacher und halogenorganische Verbindungen sind in der Rezeptur tabu, können aber als Verunreinigungen noch im Material stecken. Der Blaue Engel bietet eine Orientierung, aber keine Gewähr für einen schadstofffreien Bodenbelag.
  • EMICODE der Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe e.V.: Kontrolliert Kleber und andere Verlegestoffe auf ihren Emissionsgehalt. Beim Kauf sollte auf einen EMICODE EC1 ("sehr emissionsarm") geachtet werden.
  • Euro-Blume: Eine Kommission der Europäischen Gemeinschaften, die Bodenbeläge, insbesondere Fliesen und weitere Baustoffe, zertifiziert.
  • Institut für Baubiologie Rosenheim (IBR) GmbH: Prüft und zertifiziert Bodenbeläge und Bodenverlegewerkstoffe mit Fokus auf die Wohngesundheit. Die Kriterien zur Umweltverträglichkeit sind sehr allgemein formuliert.
  • Korklogo des Deutschen Korkverbands e.V.: Speziell für Kork. Die Gültigkeitsdauer beträgt ein Jahr. Für die Zertifizierung darf eine Oberflächenschicht aus Kunststoff nicht stärker als 0,15 mm sein.
  • PEFC Label des Deutschen Forst-Zertifizierungsrats (DFZR): Speziell für Bodenbeläge aus Holz. Zertifiziert die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder, aus denen das Holz stammt.
  • ToxProof der TÜV Produkt und Umwelt GmbH: Ein Gütesiegel für Bodenbeläge und Bodenverlegewerkstoffe. Die Prüfergebnisse fokussieren auf gesundheitliche Unbedenklichkeit, hauptsächlich auf die Emissionsminderung bei der Herstellung.

Ein konkreter Produkttest: Korkfertigparkett von Meisterwerke

Ein Beispiel für ein getestetes Produkt ist das Korkfertigparkett "Classic KC 85 S Struktur" der Marke Meisterwerke. In einem Ökotest aus dem Jahr 2017 erhielt es die Note "gut". Der Hersteller betont, dass das Produkt besonders durch seine Schadstofffreiheit überzeugte. Bei zehn der insgesamt zwölf geprüften Böden unterschiedlicher Hersteller waren halogenorganische Verbindungen nachgewiesen worden. Das Korkfertigparkett von Meisterwerke konnte sich zudem in den Kategorien Feuchtebeständigkeit und Stuhlrollenbeständigkeit bewähren. Das Produkt ist im Format 910 x 304 mm erhältlich und bietet sechs Oberflächen, von hellem Vintage weißgrau bis zur klassischen, naturbelassenen Korkfarbe.

Fazit

Die Auswahl eines Bodenbelags sollte eine sorgfältige Abwägung zwischen ökologischen, gesundheitlichen und funktionalen Aspekten sein. Die vorliegenden Daten zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Materialien. Mineralische Bodenbeläge wie Natursteinfliesen schneiden in der Ökobilanz bezüglich des Treibhauspotenzials am besten ab. Bei der Innenraumluftqualität ist jedoch Vorsicht geboten: Viele konventionelle Bodenbeläge, insbesondere Teppiche, PVC und elastische Beläge, können eine Vielzahl an Schadstoffen wie halogenorganische Verbindungen, Weichmacher oder Lösemittel emittieren. Auch "natürliche" Beläge wie Parkett oder Kork sind nicht automatisch schadstofffrei, da die Verlegematerialien (Kleber, Versiegelung) problematische Stoffe enthalten können. Umweltsiegel wie der Blauer Engel, Natureplus oder EMICODE EC1 bieten wertvolle Hilfen bei der Produktauswahl, sollten jedoch kritisch hinterfragt werden, da sie keine absolute Schadstofffreiheit garantieren. Der konkrete Test eines Korkfertigparketts durch Ökotest zeigt, dass es auch Produkte gibt, die in puncto Schadstofffreiheit und Beständigkeit überzeugen. Für eine nachhaltige und gesundheitsorientierte Bau- und Renovierungspraxis ist daher eine fundierte Recherche und die Wahl von zertifizierten Produkten unerlässlich.

Quellen

  1. Meisterwerke - Ökotest bewertet Korkboden mit "gut"
  2. Brachot - Ökobilanz von Bodenbelägen
  3. Sanier - Umweltsiegel für Bodenbeläge
  4. Ökotest - Elastische Bodenbeläge im Test

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