Die Restaurierung eines Oldtimers wie des Ford Transit MK1 aus den 1970er-Jahren stellt für Eigentümer, DIY-Enthusiasten und Bauhandwerker eine anspruchsvolle, aber lohnende Aufgabe dar. Dieser spezifische Ford Transit MK1, ein Fensterbus aus dem Jahr 1974 mit H-Zulassung, wurde in einem umfassenden Restaurierungsprozess umgebaut und modernisiert. Die vorliegenden Informationen basieren auf einer detaillierten Dokumentation der durchgeführten Arbeiten, die Einblicke in Karosserietechnik, Antriebstechnik und Innenausbau bietet. Der Artikel folgt einer strukturierten Darstellung der verwendeten Methoden und Materialien, basierend ausschließlich auf den bereitgestellten Quellen.
Karosserie und Lackierung: Grundlegende Sicherheit und Ästhetik
Die Restaurierung des Ford Transit MK1 begann mit einer vollständigen Demontage des Fahrzeugs. Laut der Beschreibung wurde das Fahrzeug auf vier Bierfässer gestellt, um einen freien Zugang zu allen Bereichen der Karosserie zu gewährleisten. Dieser Schritt ist entscheidend, um eine gründliche Inspektion und Bearbeitung aller Bereiche zu ermöglichen.
Entrostung und Reparatur
Der erste Schritt nach der Demontage war die Entrostung von Roststellen. Die Quellen geben an, dass bei Bedarf geschweißt wurde. Anschließend wurden die behandelten Stellen mit 2K-Lack oder Brantho-Korrux versiegelt. 2K-Lacke (Zweikomponentenlacke) sind in der Fahrzeugrestaurierung für ihre hohe Haltbarkeit und chemische Beständigkeit bekannt. Brantho-Korrux ist ein spezieller Korrosionsschutz, der oft für Unterböden und Hohlräume verwendet wird.
Die Einstiege (Schweller) wurden komplett durch Reparaturbleche ausgetauscht. Dies ist ein Standardverfahren bei schweren Rostschäden an tragenden Teilen der Karosserie, um die strukturelle Integrität wiederherzustellen. Ebenfalls wurde das Dach durch fünf massive Überrollbügel verstärkt. Diese Maßnahme dient der Verstärkung des Daches, insbesondere wenn das Fahrzeug als Fensterbus mit großem Innenraum genutzt wird.
Isolierung und Unterbodenschutz
Nach den strukturellen Reparaturen wurde die Bodengruppe, die Seitenwände und die Türen mit Anti-Dröhnmatten und Armaflex beklebt und isoliert. Anti-Dröhnmatten dienen der Geräuschdämmung und Vibrationsschutz. Armaflex ist eine elastische Kunststoffschaumisolierung, die häufig in der Bau- und Fahrzeugtechnik zur Wärmedämmung und zum Schutz vor Kondenswasser eingesetzt wird. Diese Kombination verbessert das Fahrkomfortniveau erheblich.
Der Unterboden wurde mit Unterbodenschutz behandelt, und die Hohlräume mit Mike-Sanders Oldtimerfett versiegelt. Unterbodenschutz schützt die tragenden Teile vor Feuchtigkeit, Schmutz und Steinschlag. Mike-Sanders Oldtimerfett ist ein spezielles Konservierungsfett, das in der Oldtimerpflege Verwendung findet, um Hohlräume vor Korrosion zu schützen.
Lackierung und Schutz
Das Fahrzeug wurde in RAL 3000 Feuerrot komplett neu lackiert. RAL 3000 ist ein klassischer, leuchtend roter Farbton. Im letzten Sommer wurde zusätzlich im unteren Karosseriebereich, auf den Stoßstangen und dem Kühlerblech Raptor-Lack aufgetragen. Raptor-Lack ist ein extrem harter und schlagfester Schutzlack, der oft für Bereiche mit hohem mechanischen Belastung eingesetzt wird, wie z.B. Kotflügel oder Unterböden. Diese Maßnahme bietet einen zusätzlichen Schutz vor Steinschlag und Umwelteinflüssen.
Antriebstechnik: Einbau eines leistungsstärkeren Motors
Der originale Motor und Vergaser des Transit war nach langem Stand voll Wasser gelaufen und nicht mehr zu retten. Daher wurde ein neuer Antriebsstrang verbaut. Als Spender diente ein Ford Sierra MK1 mit einem 2,3-l-V6-Motor, der eine Leistung von 114 PS bei einer Originallaufleistung von 86.000 km aufwies.
Motorenüberarbeitung
Die Köpfe des Motors wurden bei Liebl Motorsport in Bayern komplett überarbeitet. Dabei wurden gehärtete Ventile und Ventilsitze für den bleifreien Betrieb verbaut. Die Ansaugkanäle wurden poliert und die Flächen gehohnt. Diese Maßnahmen zielen auf eine verbesserte Leistung und Effizienz des Motors ab.
Der Vergaser wurde zerlegt, im Ultraschallbad gereinigt und alle Membrane und Dichtungen mit einem kompletten Wartungssatz erneuert. Am Motor wurden außerdem Wasserpumpe, Wasserschläuche, Überlaufbehälter (vom Audi A6), Thermostat, Benzinpumpe, Zündkerzen, Zündkabel, Verteilerkappe (der Verteiler ist schon kontaktlos), Luftfilter, Starterbatterie und Keilriemen erneuert.
Kühlung und Motorhalterung
Für die Kühlung wurde ein neuer, in den Frontgrill eingelassener Hochleistungskühler vom Fiat Barchetta mit elektrischem Lüfter verbaut. Diese Kombination erwies sich selbst im andalusischen Hochsommer als ausreichend. Es wurden stabile Motor- und Getriebehalter konstruiert und geschweißt, um den neuen Antriebsstrang sicher im Fahrzeug zu verankern.
Getriebe, Kupplung und Antriebsstrang
Direkt mit dem neuen Motor wurde das 5-Gang-Getriebe des Sierra eingebaut und die Antriebswelle entsprechend gekürzt. Das Kupplungsseil und das Getriebeöl wurden erneuert. Im Getriebe wurde ein Quickshifter (Schaltwegeverkürzung) aus dem Motorsport eingebaut, was eine sportlichere Schaltcharakteristik ermöglicht.
Achsen und Bremsen
Mit der gestiegenen Motorleistung musste auch die Vorderachse mit Trommelbremsen ausgetauscht werden. Hierfür diente ein Wohnmobil Transit MK2 als Spender. Die neue Vorderachse mit Scheibenbremsen wurde komplett restauriert: Die Sättel wurden entrostet, mit neuen Kolben und Dichtringen versehen, und neue Scheiben montiert.
Die Heckachse ist ein Schnellläufer mit der Übersetzung 1:4,6, was dem Transit nun Geschwindigkeiten von 120 km/h ermöglicht. An der Heckachse wurden die Trommelbremsen erneuert und das Getriebeöl sowie die Dichtung des Differenzials ausgetauscht. Der Hauptbremszylinder, die Nehmerzylinder, alle Bremsleitungen und das Handbremskabel sind neu. Alles wurde auf DOT5 Bremsflüssigkeit (wartungsfrei) umgestellt.
Innenraum und Ausstattung
Alle feuerwehrtypischen Einbauten (Funk, Signalgeber, etc.) wurden entfernt. Das Armaturenbrett wurde wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt und mit Kunstleder bezogen. Die Tachoeinheit wurde neu lackiert und um zeittypische Instrumente für Drehzahl (V6) und Spannung erweitert.
Marktübersicht für Ford Transit MK1 Teile
Die Verfügbarkeit von Ersatzteilen ist ein kritischer Faktor bei der Restaurierung. Die zweite Quelle bietet einen Einblick in den aktuellen Markt für Ford Transit MK1 Teile, basierend auf Online-Anzeigen.
Angebotsübersicht
Die Anzeigen zeigen eine breite Palette an verfügbaren Teilen, sowohl gebraucht als auch neu. Einige Beispiele:
- Vorderachse: Eine Vorderachse von einem Ford Transit MK1 wird für 125 € VB angeboten.
- Blinkerhebel: Ein gebrauchter Blinkerhebel (Typ 463821) für Ford 12m/15m P6 sowie Ford Transit MK1 ist für 45 € VB verfügbar.
- Sicherheitsgurt: Ein geprüfter Sicherheitsgurt vorne links für den Ford Transit Custom MK1 (BK21-V61294) kostet 199 €.
- Motor: Ein Original Ford Transit Connect Mk1 Motor 1.8 TDCi 66 kW 90PS mit 160.000 km Laufleistung wird für 1.250 € angeboten.
- Elektrische Bauteile: Kippschalter und Lichtschalter für den Ford Transit ab Baujahr 70, neu aus Altlagerbestand, werden für 40 € bzw. 70 € VB angeboten.
Preisspanne und Beschaffung
Die Preise variieren stark je nach Teileart, Zustand und Verfügbarkeit. Gebrauchte Teile aus "geschlachteten" Fahrzeugen sind oft preisgünstiger, während neuware oder aufbereitete Teile (z.B. Motoren mit Gewährleistung) entsprechend teurer sind. Anbieter aus Schkeuditz, Leipzig, Herford und anderen Orten bieten Motoren mit 12 Monaten Gewährleistung und Einbauservice an, wobei Preise zwischen 2.345 € und 3.257 € VB für komplette Motoren genannt werden. Ein Anbieter aus Eschwege gibt an, dass 95 % der Teile nur Originalteile sind.
Fazit
Die Restaurierung des Ford Transit MK1, wie in der Fallstudie beschrieben, ist ein umfassendes Projekt, das strukturelle Arbeiten an der Karosserie, einen kompletten Antriebsstrangtausch und eine detaillierte Innenausstattung umfasst. Die verwendeten Methoden – von der Entrostung und Lackierung mit speziellen Schutzlacken bis hin zum Einbau eines überarbeiteten V6-Motors mit angepasstem Kühlkonzept – demonstrieren einen hohen technischen Aufwand. Die Entscheidung, eine Vorderachse mit Scheibenbremsen vom Transit MK2 zu verwenden, zeigt eine pragmatische Herangehensweise, um die Leistungsfähigkeit an die Motorleistung anzupassen.
Der Markt für Ersatzteile zeigt eine gewisse Verfügbarkeit, sowohl für Standardkomponenten als auch für spezifische Teile wie Motoren und Achsen. Für interessierte Restauratoren ist es entscheidend, zwischen gebrauchten Teilen und neuwertigen Ersatzteilen mit Gewährleistung abzuwägen. Die Fallstudie belegt, dass mit fundiertem Know-how, Zugang zu passenden Spenderfahrzeugen und einer sorgfältigen Planung eine solide Basis für eine erfolgreiche Restaurierung geschaffen werden kann.