Duales Ingenieurstudium im Innenausbau: Eine praxisnahe Ausbildung zur Führungskraft

Die Ausbaubranche in Deutschland, geprägt von einem vorwiegend mittelständischen Betriebsgefüge, steht vor einer Herausforderung: die Rekrutierung qualifizierter Führungskräfte, die nicht nur technisches Expertenwissen, sondern auch betriebswirtschaftliche Kompetenzen mitbringen. Eine Antwort auf diesen Bedarf ist das duale Studium im Bereich Innenausbau, insbesondere in Kombination mit einem ingenieurwissenschaftlichen Abschluss. Dieses Studienmodell verbindet eine handwerkliche Ausbildung mit einem akademischen Bachelor-Studium und zielt darauf ab, Absolventen als vielseitig einsetzbare Fachkräfte für die Bauindustrie und Ingenieurbüros zu qualifizieren. Im Gegensatz zu einem rein theoretischen Studium bietet der duale Weg bereits während der Ausbildung praktische Erfahrungen in Unternehmen und ermöglicht so einen nahtlosen Übergang in das Berufsleben. Für angehende Studierende, die sich für eine Karriere in der Planung, Sanierung und Restauration von Gebäuden interessieren, stellt das duale Studium Innenausbau eine attraktive Option dar, um sowohl handwerkliche als auch ingenieurwissenschaftliche Fähigkeiten zu entwickeln. Die folgende Analyse beleuchtet die Struktur, Inhalte, Voraussetzungen und Karriereaussichten dieses Studienmodells basierend auf den vorliegenden Informationen.

Das Studienmodell: Kombination aus Ausbildung und Studium

Das duale Studium im Innenausbau folgt einem integrierten Ablauf, der die praktische Ausbildung im Betrieb mit dem theoretischen Studium an einer Hochschule verbindet. Ein konkretes Beispiel für einen solchen Studiengang ist das „Innenausbau Verbundstudium“ an der Technischen Hochschule Rosenheim, das zum Abschluss „Bachelor of Engineering“ führt. Dieser Studiengang ist speziell für die Ausbildung von Führungskräften in den vorwiegend mittelständischen Betrieben der Ausbaubranche konzipiert und deckt eine große Bandbreite an Gewerken ab, die beim Ausbau und beim Bauen im Bestand eine Rolle spielen (Source [1]).

Der Ablauf des Studiums gliedert sich in mehrere Phasen. Die Teilnehmer starten im ersten Jahr im Herbst mit der Ausbildung im Betrieb und begleitend in der Berufsschule. Im Oktober des zweiten Jahres beginnt dann das reguläre 7-semestrige Bachelorstudium an der Hochschule Rosenheim. In den Semesterferien und während des Praxissemesters setzen die Studierenden ihre Ausbildung im Betrieb fort. Die Gesellenprüfung der Handwerkskammer findet in der Regel im 6. Semester statt (Source [1]). Dieser Ablauf zeigt, dass die praktische Erfahrung über den gesamten Studienzeitraum gewährleistet ist und nicht nur auf einen Block beschränkt bleibt.

Die zeitliche Organisation des dualen Studiums kann variieren. Es gibt unterschiedliche Zeitmodelle: Im Wochenmodell arbeitet der Studierende drei Tage im Betrieb und hat an zwei Tagen Vorlesungen. Das Blockmodell verteilt die Arbeits- und Studienzeit konstanter, indem sich Ausbildung und Studium alle drei Monate abwechseln (Source [2]). Die Wahl des Modells hängt von der Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeber und der Hochschule ab.

Studieninhalte und Schwerpunkte

Das duale Studium im Innenausbau vermittelt eine ingenieurwissenschaftliche Grundausbildung, die im weiteren Studienverlauf Raum für individuelle Schwerpunkte lässt. Die Grundsteine des Studiums bilden Fächer wie Mathematik und Chemie, wobei die angewandte Mathematik im Bauwesen eine zentrale Rolle spielt. Studierende lernen, welche Chemikalien im Bauwesen von Bedeutung sind und lösen Aufgaben der angewandten Mathematik (Source [2]).

Ein Kernfach ist die Bauphysik. Hier lernen Studierende, welche physikalischen Kräfte beim Bau wirken. Im Sinne der Funktionalität geht es darum, Wärme zu speichern, schalldicht zu isolieren und eine maximale Lichtzufuhr zu ermöglichen (Source [2]). Diese Kenntnisse sind für die Planung und Sanierung von Gebäuden von grundlegender Bedeutung.

Neben den ingenieurwissenschaftlich-technischen Inhalten ist ein großer Anteil an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen die Basis für eine spätere Führungsaufgabe. Den Studierenden bietet sich im Hauptstudium durch Wahlpflichtfächer aus den Bereichen Bauen im Bestand, Bauphysik, Vertrieb sowie Gestaltung die Möglichkeit, das Studium entsprechend den persönlichen Neigungen und Berufswünschen zu gestalten (Source [1]). Diese Wahlpflichtfächer ermöglichen eine Spezialisierung und Passung an individuelle Karriereziele.

Das Studium bereitet auf die Bewältigung praktischer Abläufe und organisatorischer Aufgaben vor und vermittelt eine gute Mischung aus technisch-konstruktiven und gestalterischen Elementen (Source [3]). Absolventen verstehen Konstruktionsprinzipien und Bauarten, können Entwürfe in die Realität umsetzen und Vorgänge in einen betriebswirtschaftlichen Kontext setzen (Source [2]). Am Ende des Studiums verlässt man den Hörsaal als Multitalent, das nicht nur technisches, sondern auch betriebswirtschaftliches Verständnis mitbringt (Source [2]).

Voraussetzungen und Eignung

Um einen Studienplatz für ein duales Studium im Innenausbau zu erhalten, sind bestimmte formale und persönliche Voraussetzungen erforderlich. Formale Zugangsvoraussetzung ist die allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder die fachgebundene Hochschulreife (Fachabitur) (Source [2]). Gute Noten in den Fächern Mathematik und Technik/Werken werden als hilfreich angesehen, um gut durch das Studium zu kommen (Source [2]).

Neben den formalen Anforderungen werden bestimmte persönliche Eigenschaften und Fähigkeiten als wichtig erachtet. Dazu gehören ein Reichtum an Ideen und Visionen, logisches Denken sowie ein technisches Verständnis (Source [2]). Für ein erfolgreiches Studium und die spätere Tätigkeit sind zudem Fantasie und Vorstellungskraft gefragt. Gleichzeitig sollte man logisch denken können, denn realistische und kreative Bauvorhaben entstehen nur dann, wenn die Ideen die Gesetze der Physik einhalten (Source [2]).

Für die Karriere im Innenausbau ist auch eine gewisse Machermentalität von Vorteil. Anstatt nur im Hörsaal zu sitzen, packt man in der praktischen Ausbildung selbst mit an – sei es auf der Baustelle, dem Messegelände oder im Büro (Source [2]). Diese praktische Ausrichtung ist ein zentrales Merkmal des dualen Studiums.

Karriereaussichten und Übernahmechancen

Das duale Studium im Innenausbau bereitet auf eine Karriere in der Bauindustrie oder in Ingenieurbüros vor. Grundsätzlich sind Absolventen für die Sanierung und Restauration von Gebäuden zuständig (Source [2]). Im Gegensatz zu Vollzeitstudenten sind sie sowohl in Theorie als auch in Praxis ausgebildet. Dieses Studienmodell beweist viel Organisationskraft und Verantwortungsbewusstsein und heben sich positiv aus der Masse hervor (Source [2]).

Ein entscheidender Vorteil ist die hohe Übernahmechancen im Ausbildungsbetrieb. Da die Studierenden Gesichter, Unternehmens- und Arbeitsabläufe kennen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme nach dem Abschluss sehr hoch (Source [2]). Dies bietet eine gewisse Sicherheit für den Berufseinstieg.

Mit dem Bachelor-Abschluss „Bachelor of Engineering“ ist eine Qualifikation für ein anschließendes Masterstudium verbunden. Dies ermöglicht eine Weiterbildung in Bereichen der Holztechnik oder der Innenarchitektur, wofür in der Regel weitere zwei Jahre benötigt werden (Source [2]). Somit bietet das duale Studium eine solide Basis für eine langfristige Karriere mit Aufstiegsmöglichkeiten in Führungspositionen (Source [2]).

Für diejenigen, deren kreative Ader stärker ausgeprägt ist, besteht auch die Möglichkeit, sich in Bereichen wie dem Produktdesign zu spezialisieren. Hierfür sind Kenntnisse und Erfahrung mit CAD-Programmen von Vorteil (Source [2]).

Vergütung während des Studiums

Während des dualen Studiums erhalten die Studierenden eine Vergütung durch ihren Ausbildungsbetrieb. Die Höhe variiert je nach Betrieb und Bundesland. Im Durchschnitt beträgt das Gehalt während des dualen Studiums im Innenausbau 945 € (Source [2]). Die Vergütung steigt in der Regel mit den Studienjahren an. Im ersten Lehrjahr liegt sie bei durchschnittlich 879 €, im zweiten Lehrjahr bei 940 € und im dritten Lehrjahr bei 1.018 € (Source [2]). Diese finanzielle Absicherung ist ein wesentlicher Aspekt des dualen Studienmodells und erleichtert den Studieneinstieg.

Fazit

Das duale Studium im Innenausbau stellt ein zukunftsorientiertes Ausbildungsmodell dar, das gezielt auf den Bedarf der Ausbaubranche nach qualifizierten Führungskräften eingeht. Es kombiniert eine handwerkliche Ausbildung mit einem ingenieurwissenschaftlichen Bachelor-Studium und vermittelt somit eine breite Palette an Fähigkeiten – von technischen und physikalischen Grundlagen über betriebswirtschaftliche Kenntnisse bis hin zu gestalterischen Elementen. Die integrierte Praxisphase in Unternehmen gewährleistet eine hohe Berufsnähe und fördert die Übernahmechancen. Für angehende Studierende mit Abitur oder Fachabitur, die über ein technisches Verständnis, logisches Denken und Kreativität verfügen, bietet dieses Studium eine solide Basis für eine Karriere in der Bau- und Ausbaubranche. Die finanzielle Vergütung während des Studiums und die Aussicht auf ein anschließendes Masterstudium machen es zu einer attraktiven Alternative zu einem reinen Hochschulstudium. Insgesamt ist das duale Studium im Innenausbau eine praxisnahe und umfassende Ausbildung, die Absolventen für vielfältige Aufgaben in der Planung, Sanierung und Restauration von Gebäuden qualifiziert.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
  2. azubi.de
  3. duales-studium.de

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