Die Bauwelt und insbesondere der Innenausbau stehen vor einer Herausforderung: die Sicherung qualifizierten Fach- und Führungsnachwuchses. Im mittelständisch geprägten Umfeld der Ausbaubetriebe wird eine Kombination aus praktischer Handwerkskompetenz und theoretischem Ingenieurwissen zunehmend gefragt. Eine Antwort auf diesen Bedarf bietet das duale Studium Innenausbau an der Technischen Hochschule Rosenheim. Dieser Studiengang ist speziell darauf ausgelegt, Führungskräfte für die vorwiegend mittelständischen Betriebe der Ausbaubranche auszubilden. Der vorliegende Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Quellen den Aufbau, die Inhalte und die Karriereperspektiven dieses Studienmodells.
Das Konzept des Dualen Studiums im Innenausbau
Das duale Studium Innenausbau an der Technischen Hochschule Rosenheim folgt einem integrierten Ansatz, der eine klassische Handwerkslehre mit einem akademischen Bachelor-Studium verbindet. Das Studium führt zum Abschluss Bachelor of Engineering (B.Eng.) und umfasst eine Regelstudienzeit von sieben Semestern. Der Studiengang ist darauf ausgerichtet, Absolventen für vielfältige Funktionen in den Unternehmen des Innenausbaus zu befähigen. Die Ausbildung zielt darauf ab, die Anforderungen der Branche im Management zu bewältigen, Führungsfunktionen zu übernehmen oder die Betriebsnachfolge anzutreten.
Der Studiengang deckt eine große Bandbreite an Gewerken ab, die beim Ausbau und beim Bauen im Bestand eine Rolle spielen. Dies erfordert eine generalistische Ausbildung, die sowohl handwerkliche als auch ingenieurwissenschaftliche und betriebswirtschaftliche Kenntnisse umfasst. Das Studium ist für die Ausbildung von Führungskräften in den vorwiegend mittelständischen Betrieben der Ausbaubranche maßgeschneidert.
Ablauf und Struktur des Studiums
Der Ablauf des dualen Studiums ist in zwei klare Phasen unterteilt, die sich über die sieben Semester erstrecken.
Erste Phase: Ausbildung im Betrieb und Berufsschule Die Teilnehmer starten im ersten Jahr im Herbst mit der Ausbildung im Betrieb und begleitend in der Berufsschule. Im zweiten Lehrjahr beginnt die reguläre Ausbildung; das Berufsgrundjahr (BGJ) entfällt. Zur Vorbereitung auf den Ausbildungsbeginn wird der Besuch des Kurses „Schreiner intensiv“ des FSH Bayern empfohlen. Die erste Phase der Ausbildung erfolgt im Betrieb. Der Student beginnt seine Ausbildung regulär im zweiten Lehrjahr. Für die Berufsschule kann ein Gastschulantrag gestellt werden, um den Besuch der Umschüler-Klasse an der Berufsschule Holztechnik und Innenausbau in München zu ermöglichen, in der beispielsweise der Sportunterricht durch Fachunterricht ersetzt wird.
Zweite Phase: Studium an der Hochschule Rosenheim Im Oktober des zweiten Jahres beginnt das reguläre 7-semestrige Bachelorstudium an der Hochschule Rosenheim. Ab jetzt wechseln sich Studium und Praxisphasen in den Semesterferien ab. Während der Semesterferien und während des Praxissemesters setzen die Studierenden ihre Ausbildung im Betrieb fort. Das fünfte Semester ist ein praktisches Studiensemester mit 18 Wochen Praxiszeit und zwei Wochen praxisbegleitenden Lehrveranstaltungen. Das siebte Semester ist neben einigen ergänzenden Fächern hauptsa¨chlich der Bachelorarbeit gewidmet, die ebenfalls ganz oder teilweise im Betrieb erstellt wird.
Prüfungen Die Gesellenprüfung der Handwerkskammer findet in der Regel im 6. Semester statt. Die Bachelorarbeit am Ende des Studiums bildet den Abschluss. In der Bachelorarbeit weisen die Studierenden ihre Fähigkeiten zum wissenschaftlichen Arbeiten und zur berufsnahen, praktischen Umsetzung der Studieninhalte nach.
Zulassungsvoraussetzungen
Der Zugang zu diesem Studiengang ist zulassungsbeschränkt. Die Zulassungsvoraussetzungen der Hochschule umfassen: * Einen Bildungsvertrag mit einem Unternehmen. * Abitur oder Fachhochschulreife oder Meisterprüfung / gleichgestellte berufliche Fortbildungsprüfung oder fachgebundener Zugang für besonders qualifizierte Berufstätige. * Ein verpflichtendes Beratungsgespräch an der Hochschule.
Zusätzlich ist eine Berufsausbildung erforderlich. Für die Zulassung kann eine Eignungsprüfung erforderlich sein.
Studieninhalte und Schwerpunkte
Das Studienprogramm ist in ingenieurwissenschaftlich-technische Inhalte und betriebswirtschaftliche Kenntnisse gegliedert. Nach einer ingenieurwissenschaftlichen Grundausbildung in den Fächern Chemie, Mathematik, Statistik und Grundlagen der Bauphysik können die Studierenden vertiefende fachwissenschaftliche Inhalte wählen. Die Studieninhalte sind in folgende Bereiche unterteilt:
- Werkstoffe und Konstruktion: Hier werden die Eigenschaften und Anwendungen von Werkstoffen im Innenausbau sowie die Konstruktion von Bauteilen vermittelt.
- Bauphysik und Gebäudetechnik: Dieser Bereich umfasst die physikalischen Grundlagen des Bauens, wie Wärme-, Schall- und Feuchtigkeitsschutz, und die Integration technischer Gebäudeausrüstung.
- Betriebswirtschaft, Organisation und Baurecht: Diese Kenntnisse sind die Basis für eine spätere Führungsaufgabe. Sie umfassen betriebswirtschaftliche Grundlagen, Organisationsstrukturen und rechtliche Rahmenbedingungen im Bauwesen.
- Fertigungstechnik: Hier werden Planungs- und Fertigungsprozesse vermittelt.
- Informations- und Kommunikationstechnik: Dieser Bereich befasst sich mit der Nutzung von Software und digitalen Werkzeugen in der Planung und Umsetzung.
Den Studierenden bietet sich im Hauptstudium durch Wahlpflichtfächer aus den Bereichen Bauen im Bestand, Bauphysik, Vertrieb sowie Gestaltung die Möglichkeit, das Studium entsprechend den persönlichen Neigungen und Berufswünschen zu gestalten. Semesterbegleitende Planungsseminare stellen einen Schwerpunkt des 3. bis 7. Semesters dar. Praxisnahe und fächerübergreifende Aufgaben werden in Teamarbeit mit einem hohen Grad an Selbständigkeit gelöst. Themenwahl und Begleitung erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Industrie.
Abschluss und Karriereperspektiven
Der Studiengang schließt mit dem akademischen Grad Bachelor of Engineering (B.Eng.) ab. Dieser Abschluss befähigt die Absolventen zur Übernahme vielfältiger Funktionen in den Unternehmen des Innenausbaus. Die Ausbildung befähigt dazu, Aufgaben im Produktdesign zu lösen, funktionsgerechte Konstruktionen zu entwickeln, Fertigungsprozesse zu planen und diese praxisgerecht unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten umzusetzen und zu vermarkten.
Die generalistische Ausbildung ermöglicht den Innenausbau-Ingenieurinnen und Ingenieuren, die Anforderungen der Branche im Management zu bewältigen, Führungsfunktionen zu übernehmen oder die Betriebsnachfolge anzutreten. Dies stellt eine große Chance für qualifizierten Führungsnachwuchs in mittelständischen Schreinerbetrieben dar.
Bewertungen und Studienumfeld
Laut einer Informationsquelle wird der Studiengang an der TH Rosenheim mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4,5 Punkten bewertet. Der Studienort ist Rosenheim. Das Studium wird in deutscher Sprache angeboten. Der Studienbeginn ist ausschließlich im Wintersemester. Die Hochschule Rosenheim ist eine staatlich getragene Fachhochschule.
Fazit
Das duale Studium Innenausbau an der Technischen Hochschule Rosenheim stellt ein zielgerichtetes Ausbildungsmodell für den mittelständischen Ausbaubereich dar. Es verbindet die handwerkliche Ausbildung im Schreinerhandwerk mit einem ingenieurwissenschaftlichen Bachelor-Studium. Der klare Ablauf mit integrierten Praxisphasen und der Fokus auf betriebswirtschaftliche und technische Inhalte zielt auf die Qualifikation von Führungskräften für die Ausbaubranche. Die Möglichkeit der Schwerpunktbildung in Wahlpflichtfächern sowie die enge Zusammenarbeit mit der Industrie in Planungsseminaren und der Bachelorarbeit unterstreichen die Praxisorientierung des Studiengangs. Für angehende Führungskräfte im mittelständischen Innenausbau bietet dieses Studium eine umfassende Grundlage für eine Karriere in der Branche.