Einleitung
Gastprofessuren sind ein etablierter Bestandteil des internationalen wissenschaftlichen Austauschs an Hochschulen. Sie ermöglichen es renommierten Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen aus dem Ausland, für begrenzte Zeiträume an einer Gastinstitution zu lehren und zu forschen. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Informationen das Konzept der Gastprofessur, den organisatorischen Ablauf sowie konkrete Beispiele aus dem architektonischen und gestalterischen Kontext. Die Darstellung konzentriert sich auf Fakten, die in den bereitgestellten Quellen explizit genannt werden, und bewertet deren Zuverlässigkeit. Ein direkter Bezug zum Innenbau im spezifischen Sinne von Renovierung oder Baustoffen ist in den Quellen nicht enthalten; der Fokus liegt daher auf den allgemeinen Rahmenbedingungen und Beispielen aus der Architektur und verwandten Disziplinen.
Grundlagen und Voraussetzungen einer Gastprofessur
Eine Gastprofessur oder Gastdozentur setzt bestimmte formale Voraussetzungen voraus. Für eine Gastprofessur muss die Person die Stellung als Hochschullehrerin oder Hochschullehrer innehaben oder die Einstellungserfordernisse des § 100 des Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG) erfüllen. Für eine Gastdozentur ist eine Promotion erforderlich. Es gibt keine gesetzlich festgelegte Mindestdauer für eine solche Tätigkeit. Die Finanzierung bestimmt maßgeblich die Vertragslaufzeit: Wird die Position aus Haushaltsmitteln finanziert, wird der Vertrag grundsätzlich nur für die Vorlesungszeit abgeschlossen. Bei Finanzierung aus Drittmitteln kann das gesamte Semester finanziert werden (Quelle 1).
Personen, die bereits in einem Dienst- oder Arbeitsverhältnis zu einer anderen Institution stehen, müssen sich für die Zeit der Gastprofessur im erforderlichen Umfang an ihrer Heimatinstitution beurlauben oder freistellen lassen. Für ausländische Personen sowie für solche, die ausschließlich zu Forschungszwecken an die Freie Universität Berlin kommen, können Sonderregelungen gelten (Quelle 1).
Vertragliche und lehrbezogene Rahmenbedingungen
Das Dienstverhältnis einer Gastprofessur ist ein freies Dienstverhältnis nach § 113 Abs. 1 des Berliner Hochschulgesetzes und ist nicht an Tarifvorgaben gebunden. Die Vergütung ist pauschal: Für eine im vollen Umfang wahrzunehmende Gastprofessur wird sie in Anlehnung an das Grundgehalt der Besoldungsgruppe W2 im Land Berlin festgesetzt. Für eine Gastdozentur orientiert sie sich am Grundgehalt der Besoldungsgruppe W1 zzgl. Zulage (Quelle 1).
Eine Beteiligung an der Lehre ist grundsätzlich vorgesehen. Sie beträgt mindestens die Hälfte des üblichen Lehrdeputats. Für W2/W3-Professuren entspricht dies in der Regel neun Lehrveranstaltungsstunden (LVS) (Quelle 1).
Organisatorischer Ablauf und Verwaltung
Der Prozess einer Gastprofessur umfasst mehrere Schritte und Institutionen. An der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) wird der gesamte Prozess vom Hochschulservice Internationales (HSIN) begleitet. Dieses Team verwaltet die Mittel, die vom Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie von der EU bewilligt werden. Es nimmt initial Kontakt zu möglichen Gastprofessor:innen auf oder integriert sich in die laufende Kommunikation (Quelle 2).
Die Entscheidung über die Besetzung einer Gastprofessur trifft jedoch nicht das HSIN, sondern die Hochschulleitung. Bewerbungen aus aller Welt werden zunächst von der Verwaltung geprüft, insbesondere auf Vollständigkeit der geforderten Dokumente. Der gesamte Bewerbungsprozess von der Antragstellung bis zur Genehmigung beansprucht laut den vorliegenden Informationen mindestens sechs Wochen (Quelle 2).
Nach der Bewilligung des Antrags übernimmt die Verwaltung weitere Aufgaben, wie die Wohnraumbeschaffung für die Aufenthalte in Präsenz. Zudem wird für den Gast zu Semesterbeginn ein kulturelles Rahmenprogramm erstellt (Quelle 2).
Beispiele aus der Architektur und Gestaltung
Die vorliegenden Quellen nennen konkrete Beispiele von Gastprofessor:innen, die sich mit Themen befassen, die auch für das Bauwesen relevant sind, wie urbanistische Konzepte, Landschaftsarchitektur und nachhaltige Materialien.
Celine Baumann
Celine Baumann, eine französische Landschaftsarchitektin mit Sitz in Basel, war im Wintersemester 2021/22 Gastprofessorin an einer Fakultät. Ihr Atelier ist in den Bereichen Urbanismus, Landschaftsarchitektur und Ausstellungswesen tätig. Ihr Ziel ist es, durch sich überkreuzende Betrachtungsweisen lebendige Freiräume zu schaffen, die von einer wechseleitigen Ökologie von Mensch und Natur geprägt sind. Diese Tätigkeit wird durch ihr Forschungsinteresse erweitert, das ihr erlaubt, den kollektiven Wert der Natur und ihre Auswirkungen auf den Einzelnen zu erforschen (Quelle 3).
Anupama Kundoo
Anupama Kundoo war im Wintersemester 2021/22 und Sommersemester 2022 Gastprofessorin im Rahmen eines von der Sto-Stiftung geförderten Projektes mit dem Titel „Sustainable Materials for a new Architectural Practice – Entering a circular economy“ an der Fakultät für Architektur. Sie wurde im Jahr der Nennung mit dem UIA Auguste Perret Prize für die Anwendung von Technologie in der Architektur sowie mit dem RIBA Charles Jencks Award für die Verbindung von Theorie und Praxis ausgezeichnet (Quelle 3).
Oficina – Hanna Maria Schlösser und Lorenz Kirchner
Das Architekturbüro Oficina wurde 2021 gegründet und wird von Hanna Maria Schlösser und Lorenz Kirchner in Berlin geführt. Die ersten ausgeführten Projekte des Büros kreisen um die Fragen des Entwerfens in bestehenden Gebäuden und Strukturen und siedeln sich im Bereich des Wohnens an. Die Beteiligung am architektonischen Diskurs wird über die Teilnahme an nationalen und internationalen Wettbewerben gepflegt, wobei sie erste Erfolge feiern konnten. Ihre Arbeit an Projekten wird mit Vorliebe in Kollaboration mit weiteren Architekt*innen und Kreativschaffenden benachbarter Disziplinen geformt (Quelle 3).
Christian Weyell / Kai Zipse
Das Architekturbüro Weyell Zipse wurde von Christian Weyell und Kai Zipse im Jahr 2015 in Basel gegründet. Beide Partner waren in der Lehre an der ETH Zürich tätig und sind im Sommersemester 2024 Gastprofessoren der Wüstenrot Stiftung am Karlsruher Institut für Technologie. Das Büro war für den Swiss Art Award 2021 nominiert, für den DAM Preis 2024 und erhielt den Best architects 24 award in Gold. Die Arbeit von Weyell Zipse wird 2024 in der Gruppenausstellung 'A New Age of Methodologies' der Japan Swiss Architectural Association in Tokio präsentiert (Quelle 3).
Dr. Linda Báez Rubí
Dr. Linda Báez Rubí ist Forschungsprofessorin am Instituto de Investigaciones Estéticas (IIE) der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) in den Bereichen Kunst der Vizekönigreiche und Bildtheorie. Sie studierte Hispanistik, erwarb einen Master in Combined Historical Studies (Renaissance) am Warburg Institute in London, promovierte in Neuerer Geschichte und Romanischer Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und war Postdoc am Graduiertenkolleg „Bild-Körper-Medium“ (Quelle 3).
Dr. Lorenz Längst
Dr. Lorenz Längst ist Professor an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Er promovierte in Kunstgeschichte und Kunstpädagogik und war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Theorie und Geschichte der Kunst an der TU Dresden. In seiner Forschung widmet er sich besonders den Verhältnissen von Kunst und Wissenschaft bzw. Technik bzw. Medien, Entwurfs-, Schaffens- und Kreativprozessen und ihren Medien sowie deren künstlerische Reflexion. Er publizierte zur Zeichnung, Malerei, Skulptur und Objektkunst ebenso wie zu Kunst und Medien im Kontext des (Post-)Digitalen, insbesondere zum digitalen Bild und zur Vorgeschichte des 3D-Drucks, des Weiteren zu visuellen Kulturen (auch VJing), digitalen und algorithmischen Kulturen, Interface-Theorie, Diagrammatik, Schrift und Bild-Verhältnissen sowie Bild und Logik. Weitere Forschungsinteressen sind Designgeschichte/-theorie sowie Kunst und Ökologie. Seine Arbeitsweise zeichnet sich besonders durch Interdisziplinarität, ein ausgeprägtes Interesse für die Verhältnisse Medien und Gesellschaft sowie die Verflechtung von Theorie und Praxis aus (Quelle 3).
Bewertung der Quellen und Informationslage
Die vorliegenden Quellen stammen von verschiedenen Hochschulen und Einrichtungen. Quelle 1 (Freie Universität Berlin) stellt formale, regelbasierte Informationen zu Gastprofessuren dar, die als zuverlässig eingestuft werden können, da sie sich auf gesetzliche Regelungen beziehen. Quelle 2 (FHWS) liefert einen detaillierten Einblick in den organisatorischen Ablauf an einer konkreten Hochschule. Die Informationen sind plausibel und beschreiben einen realen Prozess, können jedoch nicht auf alle Hochschulen verallgemeinert werden. Quelle 3 (KIT, THWS) bietet Beispiele von Gastprofessor:innen, wobei es sich um Pressemitteilungen oder Porträts handelt. Diese sind für die Beschreibung der Personen und ihrer Arbeit geeignet, enthalten aber keine allgemeingültigen Aussagen über Gastprofessuren.
Auffällig ist, dass die bereitgestellten Quellen keine Informationen zum Thema „Innenbau“ im Sinne von Innenausbau, Renovationstechniken oder spezifischen Baustoffen enthalten. Die genannten Beispiele aus der Architektur betreffen primär städtebauliche, landschaftsarchitektonische und theoretische Aspekte. Somit ist die Informationslage für den spezifischen Schwerpunkt „Gastprofessur innenausbau“ als unzureichend zu bezeichnen.
Fazit
Gastprofessuren sind ein strukturiertes Instrument des internationalen wissenschaftlichen Austauschs mit klaren formalen Voraussetzungen, vertraglichen Rahmenbedingungen und einem mehrstufigen organisatorischen Prozess. Die Vergütung orientiert sich an den Besoldungsgruppen der Heimatinstitution, und die Lehre macht einen erheblichen Teil der Tätigkeit aus. Die konkreten Beispiele aus der Architektur zeigen, dass Gastprofessor:innen aus verschiedenen Disziplinen wie Landschaftsarchitektur, urbanistischer Forschung und Architekturtheorie an deutschen Hochschulen tätig werden. Ihre Themen reichen von der Schaffung ökologischer Freiräume über nachhaltige Materialwirtschaft bis zur Erforschung digitaler Medien in der Gestaltung. Für den Bereich des Innenausbaus im engeren Sinne liefert die vorliegende Quellenbasis jedoch keine spezifischen Informationen.