Holzwolle-Leichtbauplatten (HWL-Platten): Anwendung, Eigenschaften und Verarbeitung im Innenausbau

Holzwolle-Leichtbauplatten, im Volksmund auch als „Sauerkrautplatten“ oder nach dem führenden Hersteller als Heraklith-Platten bekannt, sind ein etablierter Baustoff mit einer jahrzehntelangen Tradition. Ursprünglich ab den 1920er Jahren als Putzträger beliebt, finden diese Platten aus langfasriger Holzwolle und mineralischem Bindemittel heute vielfältige Anwendungen im modernen Innenausbau. Dieser Artikel beleuchtet basierend auf den vorliegenden Quellen die Materialeigenschaften, Anwendungsbereiche, Vor- und Nachteile sowie die Verarbeitung der HWL-Platten, insbesondere im Kontext der Sanierung und des Innenausbaus.

Einführung: Was sind HWL-Platten?

HWL-Platten sind spezielle Leichtbauplatten, die aus langfaseriger Holzwolle, meist von Nadelhölzern wie Fichte oder Kiefer, und Bindemitteln auf mineralischer Basis hergestellt werden. Als Bindemittel kommen Zement oder kaustisch gebrannter Magnesit (Magnesiumoxid, Sorelzement) zum Einsatz. Produkte mit Magnesit als Bindemittel weisen eine beige Farbe auf, während jene mit Grau-Zement einen grauen Farbton haben; auch Weißzement wird verwendet, um den Naturton des Holzes zu erhalten.

Die Platten werden in Holzwollemaschinen langfaserig gehobelt und anschließend getrocknet. Sie werden seit 1938 in der DIN 1101 genormt und gehören damit zu den ältesten technisch hergestellten Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen. Die ursprüngliche Norm wurde im März 2007 zurückgezogen und durch die Europäische Norm EN 13168 und die DIN-Norm DIN V 4108-10 ersetzt.

Die grobporige, langfaserige Oberfläche hat zu der umgangssprachlichen Bezeichnung „Sauerkrautplatte“ oder „Sauerkohlplatte“ geführt. Trotz der grauen Farbe, die bei Zement-Bindemitteln auftritt, enthalten diese Platten kein Asbest.

Materialeigenschaften und Leistungsmerkmale

Die HWL-Platten bieten eine spezifische Kombination aus mechanischen, physikalischen und brandschutztechnischen Eigenschaften, die sie für bestimmte Anwendungsbereiche prädestiniert.

Brandschutz

Das Brandverhalten der Platten wird als positiv bewertet. Reine Platten aus Holzwolle gehören zur Baustoffklasse B1 und gelten als schwer entflammbar. Verbundplatten, die verschiedene Materialien kombinieren, können höchsten Ansprüchen in puncto Brandschutz genügen. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass die Platten bei einem Brand nicht schmelzen und lediglich wenig Rauch entwickeln.

Wärmeschutz und Wärmeleitfähigkeit

Die Wärmeschutzeigenschaften der HWL-Platten werden als durchschnittlich beschrieben. Die Wärmeleitfähigkeit ist gering, wodurch die Platten die Dämmwirkung von Gebäuden verbessern können. In der Praxis rückt die reine Wärmedämmung jedoch oft in den Hintergrund, da die Platten häufig in Kombination mit anderen Dämmmaterialien eingesetzt werden, um die Dämmwirkung des Gebäudes zu optimieren. Eine ideale Kombination von Wärme- und Schallschutz wird für HWL-Platten generell angeführt.

Schalldämmung

Ein herausragendes Merkmal der HWL-Platten ist ihre hervorragende Schalldämmung. Dieser Eigenschaft wird eine hohe Bedeutung für die Beliebtheit des Materials beigemessen. Die Platten werden explizit im Schallschutz und Akustikbereich eingesetzt.

Widerstandsfähigkeit und Haltbarkeit

Die robuste Oberfläche der Platten sorgt für eine hohe Widerstandsfähigkeit. Mechanische Beschädigungen sind laut den Quellen selten. Das Material ist zudem resistent gegen Schimmel, was für den Einsatz in feuchteren Bereichen oder in Kombination mit organischen Putzen wie Lehm- oder Kalkputz vorteilhaft sein kann.

Ökologische Aspekte

HWL-Platten werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Sie gelten als schadstofffrei und verhalten sich zu allen anderen Baustoffen neutral. Diese Eigenschaften haben dazu geführt, dass die Platten auch in den ökologischen Aus- und Neubau Einzug gehalten haben.

Anwendungsbereiche im Innenausbau und in der Sanierung

Die HWL-Platten sind für eine Vielzahl von Lösungen in der Sanierung und im Neubau prädestiniert. Ihre Eigenschaften machen sie besonders geeignet für den Holzrahmenbau, aber auch für andere Konstruktionen.

Verputzträger

Ein klassischer Einsatzbereich ist die Verwendung als Putzträger für Lehm- oder Kalkputz. Dies ist insbesondere im ökologischen Bau und bei der Sanierung von Altbauten relevant, wo der Einsatz von mineralischen oder ökologischen Putzen gewünscht ist. Die Platten bieten hierfür eine stabile, verputzbare Untergrund.

Leichtbauwände und Verkleidungen

Im Innenausbau werden HWL-Platten für Leichtbauwände und zur Verkleidung von Dachschrägen verwendet. Sie dienen hier sowohl der Konstruktion als auch der Dämmung. Ebenso werden sie für Deckenabhängigungen eingesetzt.

Dämmung und Akustik

Die Anwendung im Bereich der Wärmedämmung und Schalldämmung ist vielfältig: * Innen- und Außendämmung: Die Platten können sowohl im Innen- als auch im Außenbereich eingesetzt werden. * Trittschall- und Fußbodendämmung: Sie werden zur Dämmung von Trittschall und Fußböden verwendet. * Vorsatzschalen am Mauerwerk: In der Sanierung von Altbauten finden sie Anwendung als Vorsatzschalen zur Verbesserung der Dämmung und des Schallschutzes an bestehendem Mauerwerk.

Konstruktionsplatte

Neben der Verwendung als Dämmplatte können HWL-Platten auch als Konstruktionsplatte dienen, insbesondere im Holzrahmenbau.

Vor- und Nachteile im Überblick

Die Entscheidung für oder gegen HWL-Platten sollte eine Abwägung der spezifischen Eigenschaften und Anforderungen umfassen.

Vorteile Nachteile
Schall- und Wärmeschutz: Kombiniert gute Schalldämmung mit durchschnittlicher Wärmedämmung. Hohes Eigengewicht: Im Vergleich zu modernen Dämmstoffen auf Kunststoffbasis sind HWL-Platten schwerer.
Brandschutz: Schwer entflammbar, schmelzen nicht, entwickeln wenig Rauch. Aufwändige Entsorgung: Beim Abbruch kann die Verarbeitung aufwändig sein, da die Platten bröselnd brechen und viel Staub verursachen.
Ökologisch und schadstofffrei: Aus nachwachsenden Rohstoffen, neutral gegenüber anderen Baustoffen. Durchschnittliche Wärmedämmung: Die reine Wärmedämmwirkung ist im Vergleich zu modernen Hochleistungsdämmstoffen geringer.
Robust und schimmelresistent: Hohe mechanische Stabilität und Resistenz gegen Schimmel. Unklare Datenlage: Einige Eigenschaften (z.B. exakte Wärmeleitfähigkeit) sind in den vorliegenden Quellen nicht detailliert spezifiziert.
Vielseitige Verarbeitung: Kann verputzt, beschichtet oder verfärbt werden; geeignet für Heimwerker aufgrund des leichten Gewichts.
Traditioneller Baustoff: Lange bewährte Technologie, die auch in modernen ökologischen Bauweisen Anwendung findet.

Verarbeitung und Handhabung

Die Verarbeitung von HWL-Platten erfordert einige spezifische Kenntnisse, besonders im Hinblick auf die Oberflächenbehandlung und die Handhabung bei der Demontage.

Verarbeitung für den Innenausbau

Die Platten werden im Innenausbau typischerweise verputzt. Sie bieten eine stabile Grundlage für Putze, insbesondere für ökologische Putzsysteme wie Lehm- oder Kalkputz. Aufgrund ihrer strukturierten Oberfläche sind sie für die direkte Verputzung prädestiniert. Darüber hinaus können Holzwolleplatten beschichtet oder verfärbt werden, was kreative Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

Das leichte Gewicht der Platten ermöglicht eine vielfältige Bearbeitung durch den Heimwerker. Sie sind für die Anwendung im Innen- und Außenbereich geeignet.

Demontage und Staubentwicklung

Ein kritischer Aspekt, der in den Quellen deutlich wird, ist die Demontage alter HWL-Platten. Beim Abbruch brechen die Platten bröselnd und verursachen erheblichen Staub aus vielen Jahrzehnten. Dies erfordert den Einsatz von Atemschutz (Staubmaske) und Schutzbrille. Der Staub kann sich über die Arbeitskleidung und den Raum verbreiten. Die Verarbeitung ist daher bei der Sanierung von Altbauten mit entsprechenden Planungen und Schutzmaßnahmen zu betrachten.

Fazit

Holzwolle-Leichtbauplatten (HWL-Platten), auch bekannt als Sauerkrautplatten, sind ein etablierter, vielseitiger Baustoff mit einer langen Tradition. Ihre Stärken liegen in der hervorragenden Schalldämmung, der schweren Entflammbarkeit (Brandschutzklasse B1), der ökologischen Herstellung aus nachwachsenden Rohstoffen und der Robustheit. Sie sind besonders geeignet für den Einsatz als Putzträger für ökologische Putze, in Leichtbauwänden, zur Dämmung von Dachschrägen, Deckenabhängigungen und Vorsatzschalen sowie im Trittschallschutz.

Für den Innenausbau bieten sie eine verarbeitbare, verputzbare Fläche mit guten akustischen Eigenschaften. Ihre durchschnittliche Wärmedämmung ist zu berücksichtigen und kann durch Kombination mit anderen Dämmstoffen optimiert werden. Einziger nennenswerter Nachteil in der Handhabung ist die aufwändige Demontage mit erheblicher Staubentwicklung, was bei Sanierungen eingeplant werden muss.

Insgesamt stellen HWL-Platten einen bewährten, nachhaltigen Baustoff dar, der insbesondere im öologischen Aus- und Neubau sowie in der Sanierung von Altbauten eine nachhaltige Alternative zu mineralischen oder kunststoffbasierten Systemen darstellt.

Quellen

  1. HWL-Platten
  2. Holzwolle-Leichtbauplatte
  3. Sauerkrautplatten
  4. Leichtbauplatte
  5. Sauerkrautplatten oder die Nachteile von Holzwolle-Leichtbauplatten

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