Schornstein im Innenausbau: Verkleidung, Vorschriften und praktische Umsetzung

Die Gestaltung des Wohnraums hat einen erheblichen Einfluss auf die Atmosphäre und den Wert einer Immobilie. Ein oft unterschätzter, aber zentraler Bestandteil vieler Häuser ist der Schornstein. Während er in modernen Heizsystemen aus technischer Sicht oft nicht mehr zwingend erforderlich ist, stellt sich bei der Renovierung oder dem Innenausbau häufig die Frage, wie dieser Baustein optisch integriert werden kann. Eine Verkleidung des Schornsteins im Innenbereich ist zwar nicht technisch notwendig, kann den Wohnbereich jedoch erheblich verschönern und aufwerten. Allerdings ist dies kein rein ästhetisches Projekt; es erfordert die strikte Beachtung von Vorschriften, insbesondere im Brandschutz, sowie eine sorgfältige Planung und Ausführung.

Dieser Artikel beleuchtet die Notwendigkeit eines Schornsteins im modernen Haushalt, stellt die rechtlichen Rahmenbedingungen dar, insbesondere die Novellierung der Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV), und bietet eine detaillierte Anleitung für die Verkleidung mit gängigen Materialien wie Gipskarton und Spezialputz. Zudem werden praktische Tipps zur Umsetzung und zur Einbindung von Fachleuten aufgeführt. Die Informationen basieren ausschließlich auf den zur Verfügung gestellten Quellen, um eine fachlich korrekte und rechtlich fundierte Grundlage für Eigentümer, Heimwerker und Bauhandwerker zu schaffen.

Schornsteine im modernen Heizungsbau: Eine technische Einordnung

Die Notwendigkeit eines klassischen, gemauerten Schornsteins hat sich mit dem technischen Fortschritt der Heizsysteme verändert. In Häusern mit modernen Heizsystemen spielt der Schornstein oft keine große Rolle mehr. Technisch aktuelle Gas- und Ölheizungen mit Brennwerttechnik benötigen keinen klassischen Schornstein mehr. In solchen Fällen sind Kunststoff-, Kupfer- oder Edelstahlschornsteine als Abgasrohr völlig ausreichend. Gleiches gilt für Haushalte, die elektrisch heizen, zum Beispiel mit Elektroheizung, Solaranlage oder Wärmepumpe. Für diese Systeme ist kein Schornstein notwendig.

Ein Schornstein ist hingegen nach wie vor vorgeschrieben, wenn eine ältere Gas- oder Ölheizung verwendet wird. Das Gleiche gilt, wenn die Heizung mit Holz befeuert wird, wie es bei Kaminöfen oder Holzheizungen der Fall ist. In diesen Szenarien dient der Schornstein nicht nur der Abführung von Rauchgasen, sondern ist ein integraler Bestandteil der sicherheitsrelevanten Anlage. Bei Unsicherheit über die Notwendigkeit eines Schornsteins für das eigene Heizsystem empfiehlt es sich, Rücksprache mit dem zuständigen Schornsteinfeger zu halten.

Rechtliche Rahmenbedingungen: Die Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV)

Die Planung und Errichtung eines Schornsteins unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben, die sich an der Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) orientieren. Eine wesentliche Neuregelung trat im Januar 2022 mit Inkrafttreten des §19 der 1. BImSchV in Kraft. Diese Vorschrift betrifft insbesondere die Nachrüstung von Schornsteinen, beispielsweise für den Einbau einer Holzheizung oder eines Kaminofens.

Die zentrale Neuerung besagt, dass die Mündung eines neu errichteten oder nachträglich gebauten Schornsteins den Dachfirst grundsätzlich um mindestens 40 Zentimeter überragen muss. Diese Regelung gilt unabhängig davon, ob der Schornsteinzug innenliegend oder außen an der Hauswand positioniert wird. Der Grund für diese Vorschrift ist die Sicherstellung einer bestmöglichen Verdünnung von Rauchgasen. Dieses Ziel wird dann erreicht, wenn die Austrittsöffnung des Schornsteins möglichst weit oben im freien Windstrom liegt. Je weiter der Standort des Schornsteins vom First entfernt ist, desto höher muss der Schornstein ausfallen, um die erforderliche Überragung zu gewährleisten.

Schornsteinnachrüstung: Innen- vs. Außenführung

Bei der nachträglichen Installation eines Schornsteins, etwa für einen Kaminofen, gibt es grundsätzlich zwei Lösungsansätze: die innen- und die außengeführte Abgasanlage.

Eine außengeführte Variante, typischerweise als Edelstahlschornstein ausgeführt, bietet den Vorteil einer zeitsparenden und flexiblen Installation. Eine größere Baumaßnahme im Hausinneren entfällt. Die Kosten für einen außengeführten Schornstein im Vergleich zur alten gesetzlichen Regelung liegen laut Quellenlage bei circa 900 bis 1.000 Euro. Für einen komplett neuen Außenkamin belaufen sich die Kosten auf circa 3.900 Euro. Muss ein vorhandener Schornstein nur verlängert werden, liegen die Kosten bei circa 500 Euro. Eine wichtige statische Anforderung ist die Höhe: Bis zu 3 Metern Höhe über der letzten Abstützung der Anlage sind in der Regel ohne weitere Maßnahmen möglich. Darüber hinaus muss der Schornstein zwingend zusätzlich abgesichert, also abgestützt oder abgespannt werden.

Auch eine innen geführte Abgasanlage ist mit überschaubarem Montage- und Kostenaufwand sowie ohne hohe statische Anforderungen möglich. Lösungen werden mit Leichtbauschächten und Edelstahlinnenrohr sowie in gemauerter Form angeboten. Hierbei müssen Decken- und Wanddurchbrüche vorgenommen werden. Systeme mit Leichtbauschächten sind sehr kompakt und so leicht, dass sie auf jeder normalbelastbaren Geschossdecke montiert werden können. Die Installation dieser Systeme gehört zu den anspruchsvolleren Arbeiten und erfordert besondere Fachkenntnisse.

Verkleidung des Schornsteins im Innenraum: Materialien und Vorschriften

Die Verkleidung eines bestehenden Schornsteins im Innenbereich dient vor allem ästhetischen Zwecken. Um Feuchtigkeitsbildung zu vermeiden, muss zwischen dem Schornstein und den Verkleidungsmaterialien eine ausreichende Hinterlüftung bestehen. Es ist nicht zwingend notwendig, den Hohlraum zu dämmen. Falls eine Dämmung erwünscht ist, sollten ausschließlich nicht brennbare Dämmstoffe verwendet werden. Die Notwendigkeit einer Dämmung sollte am besten mit dem zuständigen Schornsteinfeger besprochen werden.

Für die Verkleidung kommen hitzebeständige Materialien in Frage, die den thermischen Belastungen durch den Schornstein standhalten können. Übliche Materialien für Innenverkleidungen sind:

  • Gipskartonplatten (Rigips): Diese sind einfach zu montieren und flexibel in der Gestaltung. Sie können anschließend tapeziert, streichen oder verputzt werden, um eine harmonische Optik zu erzielen.
  • Spezieller Ofenputz: Diese Option verleiht dem Schornstein eine rustikale Note und eignet sich besonders gut für hohen Temperaturen.

Es ist von entscheidender Bedeutung, keine herkömmlichen Putze zu verwenden, da diese den spezifischen Anforderungen an einen Schornstein nicht gerecht werden.

Praktische Umsetzung: Schritt-für-Schritt-Anleitungen

Methode 1: Verkleidung mit Gipskartonplatten

Die Verkleidung eines Schornsteins mit Gipskartonplatten ist eine praktikable Lösung, die flexible Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Die Vorgehensweise umfasst folgende Schritte:

  1. Metall-Ständerwerk montieren: Ein stabiles Metall-Ständerwerk wird zunächst an der Decke und am Boden befestigt. Dieses Ständerwerk dient als Trägerkonstruktion für die Gipskartonplatten.
  2. Platten befestigen: Die Gipskartonplatten werden an dem vorher montierten Ständerwerk befestigt. Alternativ lassen sich die Gipskartonplatten mit Ansetzbinder oder Kleber auf der tragfähigen Schornsteinschale befestigen.
  3. Hohlraum ausfüllen: Der entstandene Hohlraum kann mit nicht brennbaren und geeigneten Dämmstoffen ausgefüllt werden, falls der Schornstein nicht gedämmt ist.
  4. Oberflächenbehandlung: Auf die Platten können anschließend herkömmlicher Putz aufgetragen werden, da diese als Putzträgerplatten dienen. Im Anschluss lässt sich der Schornstein auch beispielsweise mit einer Vliestapete aufpeppen.

Wichtig: Auf keinen Fall darf man in den Schornstein bohren.

Methode 2: Schornstein verputzen

Wenn Sie handwerklich begabt sind, können Sie das Neuverputzen Ihres Schornsteins selbst durchführen. Für diese Arbeit ist Spezialputz erforderlich. Sind Sie sich unsicher, sollten Sie Ihren Schornsteinfeger um Rat bitten oder einen Fachbetrieb beauftragen.

Planung und Zusammenarbeit mit Fachleuten

Eine sorgfältige Planung und die Wahl der richtigen Materialien sind entscheidend für die Langlebigkeit und Sicherheit des Projekts. Bei der nachträglichen Installation eines Schornsteins oder einer Verkleidung sollte man sich mit folgenden Partnern in Verbindung setzen:

  • Schornsteinfeger: Er ist die erste Anlaufstelle für alle Fragen zu Vorschriften, der Notwendigkeit eines Schornsteins und der Geeignetheit von Materialien.
  • Schornsteinhersteller: Bietet technische Informationen zu den verwendeten Systemen.
  • Dachdecker: Relevant für die Ausführung am Dach, insbesondere bei Außenschornsteinen.
  • Kaminstudio/Ofenbauer: Bietet Fachkenntnisse für die Integration des Kaminofens und des Schornsteins.

Es wird ausdrücklich empfohlen, den Schornsteinfeger von Anfang an in die Planung mit einzubeziehen, um sicherzustellen, dass alle baulichen und rechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Dies gilt insbesondere auch für die Verkleidung im Dachgeschoss, wo ein Schutz des Schornsteins gegen Feuchtigkeitsaufnahme von außen notwendig ist, um Versottung zu vermeiden.

Fazit

Die Verkleidung eines Schornsteins im Innenausbau ist ein Projekt, das ästhetischen Nutzen mit technischen und rechtlichen Anforderungen verbindet. Während die Notwendigkeit eines Schornsteins von der verwendeten Heiztechnik abhängt, unterliegt dessen Errichtung, Nachrüstung und Gestaltung strengen Vorschriften, insbesondere der Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV). Die Wahl der Materialien – von Gipskartonplatten bis zu Spezialputz – muss hitzebeständig sein, und eine ausreichende Hinterlüftung ist zwingend erforderlich. Die praktische Umsetzung, ob durch Gipskarton oder Verputzen, erfordert handwerkliches Geschick und vor allem die frühzeitige Einbindung des zuständigen Schornsteinfegers. Eine fachgerecht geplante und ausgeführte Verkleidung wertet den Wohnraum optisch auf und sorgt für ein angenehmes Wohnambiente, sofern alle technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.

Quellen

  1. Haus.de - Schornstein innen verkleiden
  2. Energie-Fachberater.de - BImSchV: Wie können die Schornstein-Regeln umgesetzt werden?
  3. Hausjournal.net - Schornsteinverkleidung Innenausbau
  4. Sanier.de - Schornstein im Innenraum verkleiden oder verputzen

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