VW T5 Polizeifahrzeug: Innenverkleidung und Umbau für den Camper-Einsatz

Die Umwandlung eines ehemaligen Polizeitransporters in einen Wohnmobil-Camper ist ein beliebtes Projekt für Enthusiasten. Das Modell Volkswagen T5, das von 2003 bis 2015 produziert wurde, stellte über Jahre die Standardflotte der deutschen Polizei dar. Aus diesem Grund sind viele dieser Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt erhältlich und bieten eine solide Basis für Umbauten. Dieser Artikel beleuchtet die Besonderheiten der Innenausstattung eines ehemaligen Polizeifahrzeugs und stellt die Optionen für eine maßgeschneiderte Innenverkleidung vor, basierend auf den verfügbaren Informationen.

Einleitung

Der Volkswagen T5 ist ein vielseitiger Transporter, der in den Bauformen Kleinbus, Kastenwagen und Pritschenwagen in tausenden Exemplaren bei der Polizei zum Einsatz kam. Seine robuste Technik und die hohe Laufleistung machen ihn zu einer attraktiven Plattform für den Selbstausbau. Allerdings bringt ein ehemaliges Polizeifahrzeug spezifische Herausforderungen mit sich, insbesondere im Bereich der Elektrik und der Innenausstattung. Die ursprüngliche Innenausstattung ist oft auf den Dienstbetrieb ausgelegt und enthält spezifische Verkabelungen und Befestigungspunkte für Ausrüstung, die für einen Camperumbau nicht benötigt werden. Daher ist ein Umbau, insbesondere der Innenverkleidung, ein zentraler Schritt, um das Fahrzeug individuell an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Charakteristika des VW T5 im Polizeidienst

Der VW T5 gehörte von 2003 bis 2015 hauptsächlich im VW-Werk Hannover produziert und war zu den meist genutzten Kleintransportern der Polizei in Deutschland. Alle drei Bauformen – Kleinbus, Kastenwagen und vereinzelt auch Pritschenwagen – waren in mehreren tausend Exemplaren im Polizeidienst eingesetzt. Es wurden VW T5 mit langem und kurzem Radstand, mit Hochdach oder speziellen Sonderkarosserien für zahlreiche Einsatzgebiete verwendet. Die meisten Transporter dienten als Streifen- und Gruppenwagen. Hinzu kamen Lautsprecherwagen, Fahrzeuge zur Unfallaufnahme, Hundetransporter, Gefangenentransporter und vieles mehr.

Ein spezifisches Beispiel ist ein VW T5, der von 2011 bis 2024 zum Fuhrpark des Polizeipräsidiums Aachen in Nordrhein-Westfalen gehörte und anschließend ins Polizeioldtimer Museum Marburg überführt wurde. Solche Fahrzeuge sind oft die Basis für Camper-Umbauten. Beim Kauf eines solchen Fahrzeugs ist zu beachten, dass die Innenausstattung auf die ursprüngliche Nutzung ausgelegt war. Die Verkabelung kann komplex sein, da sie für die Integration von Funkgeräten, Blaulicht und anderer Spezialausrüstung notwendig war. Bei einem Umbau werden diese Komponenten entfernt, was zu undefinierten Zuständen in der Elektrik führen kann, wenn nicht sorgfältig vorgegangen wird.

Herausforderungen bei der Elektrik und Systemdiagnose

Ein häufiges Problem beim Umbau eines ehemaligen Polizeifahrzeugs ist die Neukonfiguration der Elektrik. Die ursprüngliche Verkabelung ist oft stark verändert und für die Integration von nicht-standardmäßiger Ausrüstung ausgelegt. Das Entfernen nicht benötigter Leitungen kann zu unerwarteten Fehlfunktionen führen, da die Fahrzeugelektronik auf bestimmte Signale angewiesen ist.

Ein typisches Szenario, das in Diskussionen beschrieben wird, ist der Ausbau von Leitungen, die für den Dienstbetrieb nicht mehr notwendig erscheinen. Nach dem Entfernen dieser Leitungen kann es zu Problemen beim Einschalten der Zündung kommen. Symptome können das Nichtblinken des Vorglühzeitens, das Blinken der Ganganzeige (Automatik), das Blinken der Wegfahrsperre und ein ständig laufender Lüfter vorne (ohne Luftgütesensor) sein. Der Anlasser dreht sich zwar, aber das Fahrzeug startet nicht oder geht sofort wieder aus. Dies deutet auf einen Fehler im Bereich der Motorsteuerung oder der Sicherungskonzeption hin. Insbesondere die fehlende Sicherung für ein Radio kann ein Indiz dafür sein, dass die ursprüngliche Elektrik auf einen bestimmten Funktionsumfang ausgelegt war und das Entfernen von Leitungen zu einem Kurzschluss oder einem definierten Fehlerzustand im Steuergerät führt.

Für eine erfolgreiche Diagnose und Reparatur ist es unerlässlich, das Fahrzeug vollständig auseinanderzubauen, um alle betroffenen Stellen zu identifizieren. Ein vorsichtiges Vorgehen ist entscheidend, da die Fahrzeugelektronik sensibel auf Veränderungen reagiert. Es ist ratsam, die originalen Schaltpläne des Fahrzeugs zu konsultieren, falls verfügbar, oder einen Fachmann hinzuzuziehen, der mit der Spezifikation von Polizeifahrzeugen vertraut ist.

Innenverkleidung: Selbstbau vs. Kauf

Nach der Bearbeitung der Elektrik und der Vorbereitung des Innenraums stellt sich die Frage der Innenverkleidung. Für den Camperumbau ist eine funktionale und ästhetisch ansprechende Verkleidung entscheidend. Hier bieten sich zwei Hauptoptionen: der Kauf einer vorgefertigten Verkleidung oder der Selbstbau. Beide Wege haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile, die im Folgenden dargelegt werden.

Option 1: Kauf einer vorgefertigten Innenverkleidung

Vorgefertigte Innenverkleidungen für den VW T5 sind im Handel erhältlich. Der Hauptvorteil liegt in der Zeit- und Arbeitsersparnis. Die Platten sind vorgeschnitten, lackiert und oft inklusive der notwendigen Befestigungselemente. Für den Käufer bedeutet dies, dass das Innenausbau-Projekt schneller voranschreitet. Allerdings sind gekaufte Verkleidungen auf Standardmaße ausgelegt und bieten möglicherweise nicht die gewünschte Individualität. Zudem können sie unnötige Öffnungen oder Befestigungspunkte enthalten, die für das eigene Konzept nicht relevant sind.

Option 2: Selbstbau der Innenverkleidung

Der Selbstbau einer Innenverkleidung erfordert mehr Zeit und handwerkliches Geschick, bietet aber erhebliche Vorteile. Der wichtigste Vorteil ist die individuelle Anpassung. Beispielsweise gibt es für den VW T5 keine vorgefertigte Abdeckung für die obere Hälfte der Schiebetür. Diese muss selbst gebaut werden. Zudem kann der Selbstbauer die Materialien frei wählen. Empfohlen werden beispielsweise Seekiefer-Sperrholzplatten mit einer Stärke von 4 mm. Diese sind leicht, stabil und bieten eine ansprechende Holzoptik.

Der Prozess des Selbstbaus umfasst mehrere Schritte:

  1. Schablone erstellen: Zuerst muss eine genaue Schablone der gewünschten Verkleidungsteile erstellt werden. Hierfür eignet sich Packpapier, das mit Tesaband oder kleinen Magneten direkt am Fahrzeug befestigt wird. Die Umrisse und die originalen Befestigungsbohrungen werden mit einem Bleistift abgepaust. Anschließend kann das Packpapier in der Mitte zusammengeklebt werden, um eine große, zusammenhängende Schablone zu erhalten.

  2. Material zuschneiden: Unter Verwendung der Schablone werden die Sperrholzplatten zugeschnitten. Es ist wichtig, die Platten zunächst nur grob zuzuschneiden und den endgültigen Sitz im Fahrzeug zu prüfen, bevor endgültige Bohrungen angebracht werden. Ein praktischer Tipp ist es, die Sperrholzplatte mit den Clips (siehe unten) zu fixieren, sobald ein Loch gebohrt wurde. Dadurch wird sichergestellt, dass alle folgenden Löcher passgenau sind.

  3. Oberflächenbehandlung: Die geschnittenen Sperrholzplatten sollten vor der Montage lasiert werden. Eine Holzlasur, beispielsweise von Amazon, wird in mehreren Schichten aufgetragen, damit die einzigartige Holzmaserung des Seekiefern-Sperrholzes durchschimmern kann. Dies verleiht der Verkleidung einen hochwertigen und natürlichen Look.

  4. Befestigung: Für die Montage werden die Original VW T5 Clips verwendet. Diese sind für die Abdeckungen aus Kunststoff konzipiert, eignen sich aber auch für die selbstgebaute Holzverkleidung. 50 Stück dieser Clips sind für ca. 7 € erhältlich. Die Clips werden in die vorhandenen Befestigungspunkte im Fahrzeug eingesetzt.

  5. Nachbearbeitung: Beim Selbstbau mit Sperrholz kann es zu ungleichmäßigen Kanten kommen. Diese können mit einer flexiblen Acrylfuge ausgebessert werden. Die Fuge wird in einer passenden Farbe gewählt und sorgt für einen nahtlosen Übergang zwischen der Verkleidung und den Fahrzeugbalken. Dies verbessert nicht nur die Optik, sondern auch die Dichtigkeit und Abriebfestigkeit.

Vor- und Nachteile des Selbstbaus im Überblick

Vorteile: * Kein komplizierter Unterbau notwendig: Die Verkleidung kann direkt an den vorhandenen Befestigungsbohrungen befestigt werden. * Individueller Look: Der Selbstbauer bestimmt den Look selbst, z.B. durch die Art der Lasur. * Materialauswahl: Freie Wahl der Materialien, wie z.B. Seekiefer-Sperrholz. * Anpassungsfähigkeit: Möglichkeit, Verkleidungen zu bauen, die es nicht zu kaufen gibt (z.B. obere Hälfte der Schiebetür). * Kostenersparnis: Geringere Materialkosten im Vergleich zu fertigen Komplettlösungen. * Spaßfaktor: Das selbstbestimmte Arbeiten kann befriedigend sein.

Nachteile: * Zeitaufwand: Der Selbstbau erfordert deutlich mehr Zeit als der Kauf einer fertigen Lösung. * Handwerkliche Fähigkeiten: Grundkenntnisse im Sägen, Bohren und Lasieren sind erforderlich. * Ungleichmäßige Kanten: Perfekt geschwungene Kanten sind ohne professionelle Werkzeuge schwer zu erreichen, was eine Nachbearbeitung mit Acrylfuge erforderlich macht. * Werkzeugbedarf: Zugang zu Säge, Bohrmaschine und anderen Werkzeugen ist notwendig.

Praktische Umsetzung und Materialien

Für die Umsetzung des Selbstbaus werden folgende Materialien und Werkzeuge benötigt, basierend auf den verfügbaren Informationen:

Materialien: * Seekiefer-Sperrholzplatten, 4 mm Stärke * Original VW T5 Clips (für Kunststoffabdeckungen) * Holzlasur (nach Wahl, z.B. für einen hellen oder dunklen Look) * Flexibles Acryl für Fugen (farblich passend zur Lasur) * Packpapier für Schablonen * Tesaband oder kleine Magnete

Werkzeuge: * Säge (idealerweise eine Kreissäge für gerade Schnitte) * Bohrmaschine * Schleifpapier * Pinsel oder Rolle für die Lasur * Messwerkzeug (Lineal, Winkel)

Der Prozess sollte sorgfältig und in Ruhe durchgeführt werden. Ein Probieren der Platten im Fahrzeug vor dem endgültigen Zuschneiden und Bohren ist unerlässlich, um Fehlmengen zu vermeiden.

Marktübersicht: Ehemalige Polizeifahrzeuge und Zubehör

Der Markt für ehemalige Polizeifahrzeuge und entsprechendes Zubehör ist belebt. Auf Plattformen wie Kleinanzeigen finden sich regelmäßig Angebote für VW T5 in verschiedenen Ausstattungsvarianten. Die Preise für komplette Fahrzeuge variieren stark, abhängig vom Zustand, der Laufleistung und der Ausstattung. Ein VW T5 Caravelle als Ex-Bundespolizeifahrzeug, umgebaut zum Camper und aufgelastet auf 3.500 kg, kann beispielsweise für ca. 11.690 € bis 11.950 € angeboten werden.

Zubehör wird ebenfalls aktiv vertrieben. Dazu gehören: * Ausbau-Teile von Ex-Polizei-Fahrzeugen (z.B. Waffenhalter, 50 €) * Türverkleidungen (ca. 8 €) * Modellautos des VW T5 Polizei (10 € - 20 €) * Prospekte und Literatur (ca. 8 €)

Diese Übersicht zeigt, dass sowohl die Fahrzeuge selbst als auch Ersatzteile und Zubehör verfügbar sind, was den Umbau erleichtert. Allerdings sind die Angebote oft zeitlich begrenzt und die Verfügbarkeit kann schwanken.

Fazit

Die Umwandlung eines ehemaligen VW T5 Polizeifahrzeugs in einen Camper ist ein anspruchsvolles, aber lohnendes Projekt. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der sorgfältigen Planung und Umsetzung, insbesondere im Bereich der Elektrik. Das Entfernen der ursprünglichen Polizeiausrüstung kann zu komplexen Fehlfunktionen führen, die eine detaillierte Diagnose erfordern.

Bei der Innenausstattung bietet der Selbstbau einer Verkleidung aus Sperrholz eine hervorragende Möglichkeit, das Fahrzeug individuell und funktional zu gestalten. Während gekaufte Lösungen Zeit sparen, ermöglicht der Selbstbau eine nahtlose Anpassung an die eigenen Raumbedürfnisse und den persönlichen Geschmack. Die Verwendung von Materialien wie Seekiefer-Sperrholz und die sorgfältige Nachbearbeitung mit Acrylfugen führen zu einem hochwertigen und einzigartigen Innenraum. Für DIY-Enthusiasten stellt der Selbstbau somit die empfehlenswerte Option dar, um aus einem ehemaligen Dienstfahrzeug ein individuelles Wohnmobil zu schaffen.

Quellen

  1. Polizei-Oldtimer - VW T5
  2. Ausgevandert - T5 Innenverkleidung
  3. Kleinanzeigen - T5 Polizei
  4. tx-board.de - Thread zu Polizei-T5

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