Die Planung einer Terrasse in windexponierten Lagen stellt eine besondere Herausforderung dar. Während die Sonne gesuchte Schatten spendet, kann starker Wind ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstellen, wenn der gewählte Sonnenschirm nicht für solche Bedingungen konzipiert ist. Die Auswahl des richtigen Schirmmodells ist dabei nicht nur eine Frage des Komforts, sondern eine entscheidende Sicherheitsmaßnahme. In Lagen wie Dachterrassen, Küstennähe, Bergregionen oder offenen Feldrändern können Windböen Geschwindigkeiten erreichen, die herkömmliche Sonnenschirme zerstören oder umwerfen können. Ein solchzerstörter Schirm ist nicht nur ein finanzieller Verlust, sondern stellt eine Gefahr für Personen dar. Daher ist die Wahl eines windsicheren Sonnenschirms, der als „Starkwindsonnenschirm" bekannt ist, unverzichtbar. Diese speziellen Modelle sind darauf ausgelegt, Gewitterböen und schwere Stürme mit Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h, was der Windstärke 10 entspricht, standzuhalten.
Die technische Umsetzung von Windfestigkeit basiert auf einer Kombination aus Konstruktion, Materialwahl und korrekter Verankerung. Es reicht nicht aus, lediglich auf ein robustes Erscheinungsbild zu vertrauen; entscheidend ist das Ergebnis wissenschaftlicher Tests in Windkanälen. Verschiedene Hersteller bieten Modelle an, die spezifisch für extrem windgefährdete Standorte konzipiert und getestet wurden. Dabei spielen die Art der Befestigung, der Durchmesser des Mastes und die Flexibilität der Dachstreben eine zentrale Rolle. In diesem Artikel werden die technischen Unterschiede zwischen Schirmtypen analysiert, die spezifischen Anforderungen an Materialien erläutert und bewährte Lösungen für die Verankerung vorgestellt.
Konstruktive Unterschiede: Ampelschirm versus Mittelstockschirm
Die Wahl der Schirmkonstruktion ist der erste und wichtigste Schritt zur Gewährleistung von Windstabilität. Grundsätzlich unterscheidet man in der Branche zwei Haupttypen: den Ampelschirm (Seitenmastschirm) und den Mittelstockschirm (Mittelmastsonnenschirm). Diese Unterscheidung ist in windexponierten Lagen von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit.
Mittelstocksonnenschirme sind deutlich weniger windanfällig als Ampelschirme. Bei einem Mittelstockschirm befindet sich der Tragmast zentral im Schirmdach. Dies bedeutet, dass der Wind unter dem Schirm weniger Platz zum Unterdrücken findet, was die aerodynamische Stabilität erhöht. Das Schirmdach bewegt sich bei einem Mittelstockschirm im Vergleich zu einem Ampelschirm signifikant weniger. Im Gegensatz dazu befindet sich bei Ampelschirmen die Stange an der Seite. Obwohl dies den Vorteil bietet, dass im beschatteten Bereich kein Gestänge den Platz blockiert, führt die seitliche Aufhängung zu einer höheren Anfälligkeit für Wind. Durch die zum Pendeln neigende Aufhängung gelangt der Wind leichter unter den Sonnenschirm, was zu einer stärkeren Schwingbewegung führt. Bereits bei leichtem Wind beginnt das Schirmdach eines Ampelschirms sich zu bewegen.
Für windexponierte Standorte wie Dachterrassen, Küstenregionen oder Berge raten Experten grundsätzlich von der Nutzung von Ampelschirmen ab. In vielen Fällen ist dies keine sinnvolle Lösung. Insbesondere bei starkem Wind besteht die Gefahr, dass der Schirm umkippt oder das Dach reißt. Wenn eine hohe Windfestigkeit Priorität hat, ist die Wahl eines Mittelstockschirms die einzig richtige Entscheidung. Es gibt zwar windstabile Ampelschirme, diese sind jedoch nur bis maximal 55 km/h Windgeschwindigkeit stabil, was Windstärke 6 bis 7 entspricht. Für Böen, die über diesen Wert hinausgehen, ist dieser Typ nicht geeignet.
Eine weitere Besonderheit betrifft das Verhalten des Schirms bei Wind. Das Drehen des Sonnenschirms bei Wind tritt auf, wenn der Schirm im Sockel oder in der Bodenhülse nicht korrekt befestigt ist. Dieses Verhalten ist charakteristisch für minderwertige Sonnenschirme. Hochwertige Sonnenschirme können immer so befestigt werden, dass das Schirmdach nicht verdreht wird. Die richtige Befestigung ist hier der Schlüssel zur Vermeidung von Verdrehein.
Technische Spezifikationen und Testergebnisse
Die Windfestigkeit wird nicht nur durch die Konstruktion, sondern auch durch spezifische technische Daten bestimmt. Hersteller führen detaillierte Tests in Windkanälen durch, um die Belastungsgrenzen der Modelle zu ermitteln. Dabei werden die Schirme in einer fest verankerten Standrohr-Konfiguration stufenweise einer immer größeren Windkraft ausgesetzt. Die Ergebnisse dieser Tests ergeben klare Grenzwerte für verschiedene Modellreihen.
Beispielsweise bietet der Hersteller Uhlmann Modelle der Typen TS, TXS und TX an. Diese sind speziell für extrem windgefährdete Standorte konzipiert und im Windkanal getestet. Die Innenverstärkten Dachstreben, die äußerst stabilen Gelenkpunkte und der extrem starke Mast erlauben es diesen Schirmen, Windgeschwindigkeiten bis zu 102 km/h standzuhalten. Der Typ TS hat einen Mastdurchmesser von 80 mm und eine maximale Böenbelastung von 102 km/h. Der Typ TXS weist ebenfalls eine maximale Belastung von 102 km/h auf, verfügt jedoch über einen 110 mm dicken Mast. Der Typ TX ist für 70 km/h ausgelegt und nutzt ebenfalls einen 110 mm Mast.
Bei der Auswahl ist es entscheidend, die spezifischen Parameter des jeweiligen Modells zu kennen. Ein 3×3 Meter großer Mittelmastsonnenschirm sollte ein Mindestgewicht von 70 kg aufweisen. Bei einem größeren 5×5 Meter Schirm steigt das erforderliche Mindestgewicht auf 200 kg. Diese Gewichtsangaben beziehen sich auf den benötigten Gewichtssockel oder die Verankerung, nicht auf das Eigengewicht des Schirms selbst, sondern auf die notwendige Gegengewichtung oder Verankerungsmethode, um eine Umwerfung zu verhindern.
Die folgenden technischen Daten verdeutlichen die Unterschiede zwischen den Modellen:
| Merkmal | Typ TS | Typ TXS | Typ TX |
|---|---|---|---|
| Mastdurchmesser | 80 mm | 110 mm | 110 mm |
| Maximale Böenbelastung | 102 km/h | 102 km/h | 70 km/h |
| Einsatzgebiet | Küste, Tal, Dachterrasse, Gastronomie | Küste, Tal, Dachterrasse, Gastronomie | Windexponierte Lagen (geringere Belastung) |
| Materialstärke | 4 mm bis 5 mm | 4 mm bis 5 mm | 4 mm bis 5 mm |
| Strebenprofil | 45 x 25 x 2 mm bis 56 x 31 x 2,5 mm | 45 x 25 x 2 mm bis 56 x 31 x 2,5 mm | 45 x 25 x 2 mm bis 56 x 31 x 2,5 mm |
| Bedienung | Handkurbel / Kurbelstift | Handkurbel / Kurbelstift | Handkurbel / Kurbelstift |
Neben diesen harten Daten spielt auch das Design eine Rolle. Hersteller wie Glatz betonen, dass neben der Windstabilität (bis 80 km/h je nach Modell) auch die formschöne Ergonomie im Vordergrund steht. Eine leichte und bequeme Bedienbarkeit in einem zeitlosen Design ist wichtig, wobei die Windfestigkeit bei der Auswahl des Schirms ausschlaggebend ist, besonders in exponierten Lagen.
Materialien und Gewebeauswahl
Die Stabilität eines Sonnenschirms wird maßgeblich durch das verwendete Material des Schirmtuchs beeinflusst. Ein reißfestes Schirmtuch ist essenziell, um Windböen standzuhalten. Zwei Hauptmaterialien werden in diesem Kontext empfohlen:
- Acryl: Ein reißfestes Tuch mit einem Flächengewicht von ca. 300g pro Quadratmeter. Acryl ist bekannt für seine Wetterbeständigkeit und sein schönes Aussehen, bietet aber eine gewisse Dehnbarkeit.
- PVC Precontraint 302: Dieses Material weist ein Flächengewicht von 480g pro Quadratmeter auf. Es ist besonders robust und weniger dehnbar als Acryl, was bei starken Windböen vorteilhaft ist, da das Tuch weniger anfällig für das Aufblähen und Reißen ist.
Die Wahl des Materials hängt von den spezifischen Umweltbedingungen ab. In Küstennähe, wo Salzluft und hohe Windgeschwindigkeiten herrschen, ist das schwerere PVC oft die sicherere Option. Für Lagen mit weniger extremem Wind kann Acryl ausreichend sein. Neben dem Material selbst ist auch die Qualität der Befestigung der Streben am Dach entscheidend. Robuste, verstärkte oder doppelte Streben, wie sie bei Modellen der Caravita Supremo oder der Glatz F-Reihe (Fortino, Fortero, Fortello) zu finden sind, tragen erheblich zur Gesamtstabilität bei.
Verankerungssysteme und Stabilisierungsmethoden
Die Windstabilität eines Sonnenschirms ist untrennbar mit der Art seiner Verankerung verbunden. Ein Sonnenschirmständer mit Rollen ist an sich windanfälliger als ein Ständer, der eine komplette Auflagefläche aufweist. Rollen erlauben eine leichte Bewegung, was bei Windböen zu einer unkontrollierten Verschiebung oder Kippbewegung führen kann. Für dauerhafte Installationen in exponierten Lagen sind festsitzende Lösungen erforderlich.
Es gibt verschiedene Methoden, um einen Sonnenschirm windfest zu machen:
- Verdübelte Bodenplatte: Der Schirm wird direkt in den Boden (Betongrund) gedübelt. Dies bietet eine extrem stabile Basis.
- Einbetonierte Bodenhülse: Eine Metallhülse wird in den Boden eingebettet, in welche der Mast des Schirms eingesteckt werden kann. Dies ist besonders für Dachterrassen und Terrassen mit festem Untergrund geeignet.
- Schirmdachstabilisator: Ein Schirmdachstabilisator ist eine flexible Stange, die an den Diagonalstreben des Schirmdaches angebracht und mit dem Boden verbunden wird. Dies erfordert zusätzliche Ständer oder Bodenhülsen zur Verfügung. Der Stabilisator ist die Lösung, wenn der Sonnenschirm auch bei Wind geöffnet bleiben soll. Dies wird oft in maritimen Lagen, auf ungeschützten Terrassen, Balkonen und Dachterrassen genutzt.
- Schwerpunkte und Gewicht: Für einen 3x3 Meter Schirm ist ein Mindestgewicht von 70 kg erforderlich, für einen 5x5 Meter Schirm mindestens 200 kg. Dies bezieht sich auf das notwendige Gegengewicht oder die Verankerungskraft.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Verankerung nicht nur die Stabilität sichert, sondern auch das Verdrehen des Schirms verhindert. Hochwertige Schirme können so befestigt werden, dass das Schirmdach bei Wind nicht verdreht. Ein unsachgemäße Befestigung führt dazu, dass sich der Schirm bei Wind dreht, was zu einer unkontrollierten Bewegung und potenzieller Beschädigung führt.
Für den Terrassenunterbau und für Flachdächer gibt es spezielle maßgefertigte Lösungen. Auch Wandhalterungen für Wände und Mauern sind möglich, was eine weitere Option zur Stabilisierung bietet. Die Wahl der Verankerungsmethode hängt vom Untergrund ab. Ist der Boden nicht betoniert, sind spezielle Gewichtssockel oder zusätzliche Befestigungsmittel erforderlich.
Spezielle Anwendungen: Gastronomie und Hochlagen
Die Anforderungen an windfeste Sonnenschirme sind in der Gastronomie besonders hoch. Im Außenbereich von Hotels, Restaurants, Cafés und Bars sind große, windfeste Sonnenschirme nötig, um Kunden vor starkem Wind zu schützen und sie nicht zu gefährden. Daher sollten in der Außengastronomie ausschließlich Sonnenschirme aufgestellt werden, die neben dem Sonnenschutz auch auf Windstabilität getestet wurden. Diese Schirme müssen außerordentlich robust sein und zuverlässig vor UV-Strahlen schützen. Ein windfester Schirm dient hier der Beschattung großer Flächen und bleibt auch bei starker Witterung stabil.
Besonders geeignet für extrem windgefährdete Standorte sind Modelle der Glatz F-Linie Pro, die Palazzo-Linie und der Castello Pro. Wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass Seitenmastschirme für extrem windexponierte Lagen nicht geeignet sind. Die F-Linie Pro bietet eine Windstabilität von bis zu 80 km/h (je nach Modell). Auch andere Hersteller wie Uhlmann bieten Modelle (Typ TS, TXS, TX) an, die bis zu 102 km/h standhalten können.
Die Tests im Windkanal zeigen, dass diese Schirme speziell für Lagen entwickelt wurden, in denen der Wind ein konstantes Risiko darstellt. Dazu zählen: - Dachterrassen - Küstenregionen - Windschneisen - Feldrandlagen - Berge - Hügeltäler (Föhntäler) - Seeufer und Strandpromenaden
In diesen Gebieten ist es ratsam, in die stabileren Modelle zu investieren. Ein Schirm, der als „Starkwindsonnenschirm" bezeichnet wird, ist in der Lage, auch bei Gewitterböen und schweren Stürmen (über 100 km/h) standzuhalten. Es gibt windstabile Sonnenschirme in allen Größen, sowohl mit Fundament als auch mit Sockel.
Strategien für maximale Sicherheit und Langlebigkeit
Um einen Sonnenschirm windfest zu machen, gibt es eine Reihe von Grundsätzen, die beachtet werden sollten. Eine der wichtigsten Regeln lautet: Lieber zwei kleine Sonnenschirme als einen großen. Ein großer Schirm bietet eine größere Angriffsfläche für den Wind und ist daher anfälliger für Umwerfen oder Beschädigung. Zwei kleinere Schirme verteilen die Last besser und sind handhabbarer.
Weitere zentrale Punkte zur Sicherheit sind: - Keine Ampelsonnenschirme auf Dachterrassen oder anderen windexponierten Lagen verwenden. - Besser auf einen Mittelstockschirm setzen anstelle eines Ampelsonnenschirms. - Auf die Ausführung und Qualität des Sonnenschirms achten. - Den Mastdurchmesser von mindestens 30mm bei kleinen Schirmen bis 3m Durchmesser oder 2,4x2,4m sicherstellen. - Robuste, verstärkte oder doppelte Streben wählen. - Die Verankerung des Sonnenschirms vornehmen, wenn möglich mit Bodenhülse. - Zusätzliche Schirmdachstabilisatoren verwenden. - Eine Verdrehsicherung nutzen, um das Verdrehen des Sonnenschirms bei Wind zu verhindern.
Die Kombination dieser Faktoren – Konstruktion (Mittelstock vs. Ampel), Material (Acryl vs. PVC), Verankerung (Bodenhülse vs. Gewicht) und spezifisches Zubehör (Stabilisatoren) – ergibt ein sicheres System. Es ist wichtig, dass die Wahl nicht nur auf dem Preis basiert, sondern auf den technischen Spezifikationen. Ein Schirm, der im Windkanal getestet wurde, bietet eine garantierte Sicherheit.
Auch wenn der Schirm als „Regenschirm" auf der Terrasse genutzt wird, ist die Windfestigkeit ein entscheidender Faktor. Viele Nutzer denken an die Nutzung als Regenschutz, vergessen aber, dass Wind oft mit Regen einhergeht. Ein windfester Schirm bietet hier den notwendigen Schutz. Es gibt auch windstabile Ampelschirme, diese sind jedoch nur bis maximal 55 km/h stabil. Für Lagen mit stärkerem Wind sind diese nicht ausreichend.
Die Investition in einen hochwertigen, windsicheren Sonnenschirm ist daher nicht nur eine Frage des Komforts, sondern eine Notwendigkeit für die Sicherheit. Die Verfügbarkeit von maßangefertigten Lösungen für Terrassenunterbau und Flachdächer erweitert die Möglichkeiten der sicheren Installation. Ob als Einzelstück für den privaten Garten oder als Großanlage für die Gastronomie: Die Wahl des richtigen Typs und die korrekte Installation sind der Schlüssel zur langfristigen Nutzung ohne Schäden durch Wind.
Fazit
Die Sicherung einer Terrasse vor windigen Bedingungen erfordert mehr als nur den Kauf eines teuren Schirms. Es ist ein komplexer Prozess, der die Auswahl des richtigen Schirmtyps (Mittelstock statt Ampel), die Wahl robusten Materials (PVC oder schweres Acryl) und eine fachgerechte Verankerung umfasst. Die technische Entwicklung hat zu Modellen geführt, die Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h standhalten können. Dies ist besonders wichtig in exponierten Lagen wie Küste, Dachterrassen oder Bergen.
Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Unfälle oder Schäden durch mangelhafte Verankerung oder die Wahl des falschen Schirmtyps entstehen. Ein Mittelstockschirm ist in diesen Fällen die sicherere Wahl. Zusätzlich können Schirmdachstabilisatoren und spezielle Bodenhülsen die Stabilität weiter erhöhen. Für die Gastronomie gelten diese Regeln ebenso, da hier die Sicherheit der Gäste im Vordergrund steht.
Letztlich ist die Investition in einen zertifizierten Starkwindsonnenschirm eine Entscheidung für Sicherheit und Langlebigkeit. Durch die Einhaltung der oben genannten technischen Spezifikationen und die Anwendung der richtigen Verankerungsmethoden kann die Terrasse auch bei starkem Wind genossen werden, ohne Gefahr zu laufen.