Einführung
Die Ausgangssperre als Teil der Bundes-Notbremse hat in der Corona-Pandemie die täglichen Bewegungsmuster stark eingeschränkt. Für viele Mieter und Eigentümer stellt sich daher die Frage, ob Renovierungsarbeiten in dieser Zeit weiterhin durchgeführt werden dürfen. Insbesondere in Regionen mit einer hohen Inzidenz (über 100) sind die Ausgangsbeschränkungen besonders streng. Gleichzeitig ist die Sanierung von Immobilien oft nicht aufzuhalten, da sie aus notwendigen oder wirtschaftlichen Gründen durchgeführt werden muss.
Die aktuelle Rechtslage ist dabei relativ klar, wobei die Praxis manchmal unsicher bleibt. Renovierungsarbeiten, die in Eigenleistung oder mit der Unterstützung von Freunden, Familienangehörigen oder Handwerkern durchgeführt werden, sind in der Regel zulässig, solange sie nicht in Gruppen von mehr als zwei Personen stattfinden. Gleichzeitig gelten Ruhezeiten und Lärmbegrenzungen, die in der Wohnungsgemeinschaft und gegenüber Nachbarn zu beachten sind.
Dieser Artikel bietet eine detaillierte Übersicht über die rechtlichen Grundlagen, praktischen Tipps für die Durchführung von Renovierungsarbeiten unter Ausgangsbeschränkungen sowie Empfehlungen zur Zusammenarbeit mit Handwerkern und zur Planung großer Sanierungsmaßnahmen.
Ausgangssperre und Renovierungsarbeiten: Rechtliche Grundlagen
Die Bundes-Notbremse sieht ab einer Inzidenz von über 100 eine Ausgangssperre vor, die von 22:00 Uhr bis 5:00 Uhr am Folgetag gilt. In dieser Zeit ist es nur erlaubt, das Haus zu verlassen, wenn ein „guter Grund“ vorliegt. Dazu gehören unter anderem:
- der Arbeitsweg
- Notfälle
- Pflegebedürftige
- Tierhalter
- der Besuch von Kindern oder der Wahrnehmung von Umgangsrecht
Renovierungsarbeiten in der eigenen Wohnung oder bei einem Familienmitglied gelten in der Regel als „guter Grund“, sofern sie in Eigenleistung oder durch professionelle Handwerker durchgeführt werden. In der Praxis ist es jedoch wichtig, keine Gruppenbildung vorzunehmen und sich darauf zu beschränken, dass nur zwei Personen gleichzeitig an der Renovierung beteiligt sind.
Die Ausgangssperre ist insbesondere darauf ausgerichtet, soziale Kontakte und größere Versammlungen zu vermeiden. Renovierungsarbeiten, die im privaten Umfeld stattfinden und nicht zu einer erhöhten Infektionsgefahr führen, sind daher in der Regel zulässig. Wichtig ist jedoch, dass die Arbeiten nicht in öffentlichen Räumen stattfinden und keine zusätzlichen Personen als nötig anwesend sind.
Praktische Tipps für die Renovierung trotz Ausgangssperre
Die Durchführung von Renovierungsarbeiten unter den Bedingungen der Ausgangssperre erfordert eine sorgfältige Planung und Organisation. Folgende Aspekte sind dabei besonders wichtig:
1. Planung und Zeitsynchronisation
Da die Ausgangssperre in den Abend- und Nachstunden gilt, ist es sinnvoll, Renovierungsarbeiten tagsüber durchzuführen. Dies ermöglicht es, die Arbeiten innerhalb der erlaubten Zeiten abzuschließen, ohne gegen die Ausgangsbeschränkungen zu verstoßen.
2. Minimierung von Lärm und Störung
Lärmbelästigung ist in der Wohnungsgemeinschaft ein empfindliches Thema. Renovierungsarbeiten müssen daher so geplant werden, dass sie möglichst lautlos sind oder zumindest die Ruhezeiten der Nachbarn respektieren. Generell gelten folgende Regeln:
- Nachtruhe: 20:00 Uhr bis 6:00 Uhr
- Mittagsruhe: 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr
- Sonntags- und Feiertagsruhe: ganztägig
Außerdem gelten in einigen Kommunen zusätzliche Lärmbegrenzungen, die in der Hausordnung festgelegt sein können. Eine Kontaktaufnahme mit dem Vermieter oder der Hausverwaltung ist daher empfehlenswert, um sicherzustellen, dass die geplanten Arbeiten den geltenden Vorschriften entsprechen.
3. Einsatz von Handwerkern
In Zeiten von Ausgangsbeschränkungen kann es schwierig sein, Handwerker zu finden oder Materialien abzuholen. Der Einsatz professioneller Handwerker ist jedoch weiterhin erlaubt, da sie als „Essential Worker“ gelten. Es ist wichtig, klar zu kommunizieren, dass die Renovierungsarbeiten notwendig sind und wie sie durchgeführt werden.
4. Eigenleistung und DIY-Tipps
Renovierungsarbeiten, die in Eigenleistung durchgeführt werden, sind in der Regel nicht unter die Ausgangsbeschränkungen gefallen. Besonders bei kleineren Projekten wie Tapezieren, Streichen oder der Installation von Möbeln kann man gut selbst Hand anlegen. Es ist jedoch wichtig, sich über die notwendigen Fähigkeiten und Materialien im Klaren zu sein, um Unfälle oder fehlgeschlagene Arbeiten zu vermeiden.
5. Ressourcen- und Materialplanung
Baumärkte und Handwerker sind in der Pandemie oft überlastet. Eine gute Planung der Materialien ist daher unerlässlich. Es empfiehlt sich, Materialien im Voraus zu bestellen oder Alternativen zu finden, um Engpässe zu vermeiden.
Sanierungsmaßnahmen: Zeitliche Abstände und Kosten
Die Sanierung eines Hauses ist ein langfristiger Prozess, bei dem verschiedene Maßnahmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchgeführt werden. Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht über typische Renovierungsarbeiten, die Zeitpunkte, zu denen sie in der Regel durchgeführt werden, und die ungefähr Kosten:
| Renovierungsmaßnahme | Zeitpunkt (alle x Jahre) | Kostenbereich |
|---|---|---|
| Fassade streichen | 5–10 | 3.000–8.000 € |
| Neue Haustür | 30 | 2.000–5.000 € |
| Fenster erneuern | 30 | ab 8.000 € |
| Außendämmung der Fassade | 40 | 25.000–40.000 € |
| Innendämmung | 30 | ab 6.000 € |
| Kellerdecke dämmen | 30 | ab 2.500 € |
| Neue Heizungsanlage | 15 | 5.000–13.000 € |
| Elektrik erneuern | 30 | ab 8.000 € |
| Innenräume tapezieren/streichen | 5 | ab 3.000 € |
| Neuer Parkettboden | 40 | ca. 6.000 € |
| Bad modernisieren | 15–25 | ab 9.000 € |
| Küche modernisieren | 20 | 5.000–40.000 € |
| Dach dämmen | max. 40 | 4.000–20.000 € |
| Dach neu eindecken | 30–50 | ab 4.000 € |
| Dachausbau | 30–40 | ab 25.000 € |
Diese Kosten können je nach Region, Material und Handwerker variieren. Es ist daher wichtig, mehrere Angebote einzuholen und gegebenenfalls auf Fördermittel zurückzugreifen, die staatliche Unterstützung für energetische Sanierungen bieten.
Energetische Sanierung: Wichtige Maßnahmen und Vorschriften
Die Energieeinsparverordnung (EnEV) legt fest, welche Sanierungsmaßnahmen notwendig sind, um den Energiebedarf eines Hauses zu reduzieren. Besonders wichtig sind dabei:
- Außendämmung: Eine der effektivsten Maßnahmen, um Wärmeverluste zu minimieren.
- Wärmedämmende Fenster: Moderne Fenster mit Isolierung tragen zur Energieeinsparung bei.
- Rollladen und Türen: Diese verhindern Wärmeverluste und optimieren das Lichteinfall.
- Heizungsanlagen: Moderne Heizsysteme, wie Gas- oder Wärmepumpen, sind energieeffizienter.
Außerdem ist es wichtig, dass Sanierungsmaßnahmen in der richtigen Reihenfolge durchgeführt werden. Es gilt die Regel „vom Außen nach innen“, da die äußeren Schichten (Dach, Fassade) zuerst saniert werden sollten, um eine optimale Wärmedämmung zu gewährleisten.
Zusammenarbeit mit Handwerkern
Die Zusammenarbeit mit Handwerkern ist bei größeren Renovierungsarbeiten unerlässlich. In der aktuellen Situation ist es jedoch oft schwierig, einen freien Handwerker zu finden, da die Nachfrage hoch ist. Folgende Tipps sind hilfreich:
1. Frühzeitige Planung
Die frühestmögliche Planung ist entscheidend, um Engpässe und Verzögerungen zu vermeiden. Idealerweise sollte man bereits einige Wochen im Voraus nach Handwerkern suchen und Termine absprechen.
2. Klare Kommunikation
Eine klare Kommunikation mit dem Handwerker ist wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden. Es sollte klar sein, welche Arbeiten durchzuführen sind, welche Materialien verwendet werden und wann die Arbeiten beginnen und enden sollen.
3. Kosten und Verträge
Es ist wichtig, die Kosten für die Renovierungsarbeiten im Voraus zu klären und einen Vertrag zu schließen, der alle Aspekte der Arbeiten abdeckt. Dies beinhaltet die Arbeitszeiten, die Kosten, die Materialien und die Garantie.
4. Versicherungsschutz
Bei Renovierungsarbeiten mit Dritten (z. B. Handwerkern oder Freunden) ist es wichtig, den Versicherungsschutz zu prüfen. Einige Arbeiten können den Haftpflichtschutz von Mieter oder Eigentümer beeinträchtigen, besonders wenn sie ohne fachmännische Unterstützung durchgeführt werden.
Fazit
Renovierungsarbeiten in Zeiten der Ausgangssperre sind möglich, solange sie innerhalb der gesetzlichen Vorgaben durchgeführt werden. Es ist wichtig, sich über die rechtlichen Grundlagen zu informieren und sich an die geltenden Regeln zu halten, um keine Bußgelder oder andere Strafen zu riskieren.
Eine sorgfältige Planung, die Berücksichtigung von Lärmbegrenzungen und die Zusammenarbeit mit fachmännischer Unterstützung sind entscheidend für den Erfolg der Renovierung. Ebenso wichtig ist die Einhaltung der Zeitabstände und Kostenplanung, um die Renovierung möglichst effizient und wirtschaftlich durchzuführen.
Ob in Eigenleistung oder mit professioneller Unterstützung – Renovierungsarbeiten können auch unter den Bedingungen der Ausgangssperre durchgeführt werden, solange sie sorgfältig geplant und durchgeführt werden.
Quellen
- GuteFrage.net – Renovieren trotz Ausgangsbeschränkungen
- 24Rhein.de – Ausgangssperre und Regeln in NRW
- Nussbaum.de – Sanierung des Hauses in Eigenleistung
- LVZ.de – Renovieren im Corona-Lockdown
- Bussgeldkatalog.net – Lärmbelästigung durch Renovierung
- Heimhaus.de – Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Sanierung