Schul- und Kita-Bau in Bremen: Pilotgesellschaft BiBau beschleunigt Sanierung und Neubau

Einführung

Die Stadt Bremen sieht sich einer dringenden Herausforderung im Bildungsbau gegenüber. Marode Kitas, Schulen und Sporthallen belasten nicht nur die Infrastruktur, sondern auch die Qualität der Bildung. Um diesem Zustand entgegenzutreten, hat der Bremer Senat entschieden, die Gründung einer Pilotgesellschaft, der sogenannten BiBau (Bildungsbau), voranzutreiben. Die Gesellschaft, die in Form einer GmbH & Co. KG organisiert wird und mit 300 Millionen Euro Eigenkapital ausgestattet ist, soll den Ausbau, die Sanierung und den Neubau von Bildungseinrichtungen beschleunigen. Ziel ist es, durch schnelle Entscheidungsprozesse und angepasste Baustandards bis 2026 erste Ergebnisse zu erzielen und bis 2028 erste Mittel für weitere Projekte zu generieren.

In diesem Artikel wird ein Überblick über die aktuellen Sanierungs- und Baumaßnahmen in Bremer Schulen und Kindertagesstätten gegeben, ergänzt um die finanziellen Rahmenbedingungen, die Projektplanung der Pilotgesellschaft sowie die zukünftigen Pläne. Die Darstellung erfolgt ausschließlich auf der Grundlage der in den Quellen genannten Fakten.

Die aktuelle Situation im Bremer Bildungsbau

Zahl der Gebäude und Sanierungsbedarf

Laut Senatsangaben gibt es in der Stadtgemeinde Bremen insgesamt rund 450 Gebäude, die für Unterrichtszwecke genutzt werden. Diese Gebäude unterliegen regelmäßig der Prüfung durch das städtische Liegenschaftsmanagement, genannt Immobilien Bremen (IB). Auf Basis dieser Prüfungen wird der Sanierungsbedarf abgeleitet.

Für allgemein- und berufsbildende Schulen liegt der Sanierungsbedarf aktuell bei etwa 850 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere 70 Ausbauvorhaben, die sich in unterschiedlichen Projektständen befinden. Die Kosten für diese Projekte, in die bereits Preissteigerungen und Risikozuschläge einberechnet sind, summieren sich auf insgesamt rund 920 Millionen Euro über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren.

Sanierungsbedarf an Sporthallen

Neben den Schulgebäuden selbst ist auch der Sanierungsbedarf an Sporthallen und Außensportanlagen relevant. In diesem Bereich wird ein Sanierungsvolumen von etwa 47 Millionen Euro veranschlagt. Allerdings bleibt unklar, ob diese Summe bereits in den insgesamt 850 Millionen Euro für den allgemeinen Schulbau enthalten ist.

Zustand der Mensen

Ein positiver Ausblick hingegen gilt den Schulmensen. Laut Senatsangaben befinden sich diese in einem betriebsfähigen, guten Zustand. In den beiden letzten Jahren wurden neue Mensen in Betrieb genommen, unter anderem an der Alfred-Faust-Straße, der Rechtenflether Straße, dem Baumschulenweg und der Landskronastraße.

Sanierungsprojekte in Bremer Osten, Süden, Westen und Stadtmitte

In den einzelnen Stadtteilen laufen zahlreiche Sanierungs- und Baumaßnahmen, die in den Sommerferien und in den Monaten danach abgeschlossen werden sollen. Hier sind einige Beispiele:

  • Bremer Osten: An der Gesamtschule Walliser Straße entsteht ein Mobilbau, der bis zum Schulstart fertiggestellt sein soll. Damit entstehen vier zusätzliche Klassenräume. An der Schule Osterholz läuft die Sanierung der Turnhalle, bei der unter anderem die Gebäudeautomaten und der Kanal erneuert werden. Die Halle ist für den Vereins- und Schulsport geplant und soll im November wieder genutzt werden können.

  • Bremer Süden: An der Inge-Katz-Schule entsteht ein Gebäude, in dem ab dem neuen Schuljahr jeweils drei Klassen aus der Neuen Oberschule Delmestraße und der Grundschule Oderstraße unterrichtet werden. Auch an der Schule Grolland entsteht ein Mobilbau, um Raum zu gewinnen.

  • Bremer Westen: An der Musikschule Schleswiger Straße in Walle wird der Brandschutz erneuert, die Arbeiten sollen bis Dezember abgeschlossen sein. An der Schulzentrum Rübekamp läuft eine energetische Sanierung, die voraussichtlich bis in den November andauert.

  • Stadtmitte: Am Hermann-Böse-Gymnasium finden aufgrund von Schimmelbefall und Feuchtigkeit umfangreiche Sanierungsarbeiten statt. Hier werden alle Leichtbauwände und Teppiche entsorgt. Ziel ist es, bis zum Beginn des neuen Schuljahres alles wiederherzustellen.

  • Bremer Norden: Viele Projekte sind so terminiert, dass sie zu Schuljahresbeginn abgeschlossen werden. So ist etwa die Erweiterung der Oberschule an der Lerchenstraße in Vegesack in Arbeit. Die Sanierung eines Brandereignisses an der Oberschule Lesum hat sich als besonders aufwendig herausgestellt, da giftige Dämpfe sich über Leitungskanäle und Zwischendecken verbreitet haben. In Vegesack wird zudem ein Mobilbau installiert, um den Unterricht weiterhin gewährleisten zu können.

Die Pilotgesellschaft BiBau: Struktur und Ziele

Gründung und Finanzierung

Die Pilotgesellschaft BiBau ist als GmbH & Co. KG geplant, wobei die Stadt Bremen 100 Prozent der Anteile hält. Die Gesellschaft wird mit 300 Millionen Euro Eigenkapital ausgestattet und übernimmt Grundstücke sowie Gebäude zur Instandhaltung und Bewirtschaftung. Die Refinanzierung erfolgt durch eine kostendeckende Vermietung an die Stadt Bremen.

Finanzsenator Björn Fecker (Grüne) bezeichnete die Gründung der Gesellschaft als "Meilenstein" für den Bildungsbau. Ziel sei es, durch schnelle Entscheidungsprozesse und abgesenkte Baustandards zügige Fortschritte zu erzielen. Die Pilotgesellschaft soll zudem durch serielles Bauen und standardisierte Baumodule die Bauzeiten verkürzen und das Kostenbewusstsein stärken.

Zeitliche Planung

Mit der Fertigstellung der ersten Baumaßnahmen wird ab 2026 gerechnet. Bis 2028 sollen erste Mittel für weitere Projekte generiert werden können. Damit soll ein selbsttragender Kreislauf entstehen, der es ermöglicht, kontinuierlich in den Bremer Bildungsbau zu investieren.

Ausgewählte Projekte

Einige der Projekte, die im Fokus der Pilotgesellschaft BiBau stehen, sind:

  • Neubau einer vierzügigen Oberschule im Kämmerei-Quartier (Blumenthal)
  • Ersatzneubau der Grundschule Fährer Flur (Vegesack)
  • Neubau des Campus Sodenmatt mit Grundschule, Sporthalle und Kita (Huchting)
  • Campus Hulsberg mit einer Erweiterung der Grundschule Stader Straße und der Oberschule Schaumburger Straße
  • Neubau des Campus Osterholz mit Grundschule, Oberschule und Sporthalle (Osterholz)
  • Ersatzneubau der Grundschule am Alten Postweg mit Kita und Sporthalle (Hemelingen)

Diese Projekte spiegeln den breiten Planungshorizont der Pilotgesellschaft wider und zeigen, wie sie nicht nur die Sanierung bestehender Gebäude, sondern auch den Neubau einbezieht.

Weitere Projekte: Tami-Oelfken-Schule, Oberschule In den Sandwehen und KiTa Tidemannstraße

Tami-Oelfken-Schule: W+E-Raum

An der Tami-Oelfken-Schule am Lüssumer Ring entsteht ein W+E-Raum, in dem die Fußböden und Unterdecken erneuert werden. Dazu kommen notwendige Malerarbeiten. Dieser Raum wird für Wirtschafts- und Energiekurse genutzt, weshalb die Anforderungen an die Ausstattung besonders hoch sind.

Oberschule In den Sandwehen: Differenzierungsräume

An der Oberschule In den Sandwehen in Lüssum entstehen zwei großzügige Differenzierungsräume. Um den notwendigen Platz zu schaffen, werden zunächst die Wände zwischen zwei Klassenzimmern durchbrochen. Die umgestalteten Räume erhalten neue Fußböden und Akustikunterdecken, zudem werden kleine Küchenzeilen installiert.

KiTa Tidemannstraße: Anpassungen für U 3-Gruppen

In der KiTa Tidemannstraße in Grohn erfolgen im Rahmen eines Teilumbaus Anpassungen der Räume an die Anforderungen von U 3-Gruppen. Dazu gehören sanitäre Anlagen, die umgestaltet und Waschtische, die tiefer gesetzt werden. Die erforderlichen Kanalbauarbeiten sind bereits angelaufen.

Gründung einer neuen Oberschule: Die Jugendschule

Eine Initiative aus Eltern, Pädagogen und ehemaligen Schülerinnen will eine neue Oberschule in Bremen gründen, die "Jugendschule" heißen soll. Die Schule soll mehr als 250 Kinder aufnehmen und praxisorientiert sein, um Schülern eigenverantwortliches Lernen zu ermöglichen und die Inklusion weiterzuentwickeln.

Die Idee der Jugendschule ist eng verknüpft mit der bestehenden Kinderschule in Hastedt, die aus einer illegal betriebenen Grundschule am Körnerwall entstand und mittlerweile in das normale Schulsystem integriert wurde. Die Philine Schubert, Leiterin der Kinderschule, setzt sich aktiv für die Gründung der Jugendschule ein und hat das Konzept mit erarbeitet.

Laut Schubert gab es bei der Bildungsbehörde sehr positive Rückmeldungen zu der Gründungsidee. Die Jugendschule soll eine Modellschule werden, wie es sie bereits in der Kinderschule gibt. Ziel ist es, neue pädagogische Formen auszuprobieren und ein Vorbild für andere Schulen zu sein.

Kritische Beurteilung der Quellen und offene Fragen

Die in den Quellen genannten Informationen stammen in erster Linie aus Pressemitteilungen der Senatspressestelle Bremen, der Weser-Kurier-Redaktion und der t-online-Regionalseite Bremen. Diese Quellen sind als verlässlich einzustufen, da sie entweder offizielle Stellen repräsentieren oder von renommierten Medien verbreitet werden. Es liegt kein Widerspruch zwischen den verschiedenen Quellen vor, sodass die Fakten homogen sind.

Allerdings fehlen konkrete Angaben zu den Kostenentwicklungen und Finanzierungsmodellen der Pilotgesellschaft BiBau. Die genannte Summe von 300 Millionen Euro Eigenkapital ist zwar klar, doch bleibt unklar, wie die Refinanzierung konkret erfolgen wird. Zudem fehlen konkrete Zeitpläne für alle Projekte, was für eine umfassende Planung von Interesse sein könnte.

Fazit

Die Stadt Bremen ist sich der dringenden Notwendigkeit des Ausbaus und der Sanierung von Bildungseinrichtungen bewusst. Mit der Gründung der Pilotgesellschaft BiBau hat der Senat einen klaren Schritt in Richtung einer beschleunigten und kosteneffizienteren Realisierung von Baumaßnahmen in Kitas und Schulen gemacht. Die Gesellschaft, ausgestattet mit 300 Millionen Euro Eigenkapital, wird bis 2026 erste Ergebnisse liefern und bis 2028 erste Mittel für weitere Projekte generieren.

In den einzelnen Stadtteilen laufen bereits zahlreiche Sanierungs- und Baumaßnahmen, die in den Sommerferien und in den Monaten danach abgeschlossen werden sollen. Diese Projekte zeigen, dass Bremen nicht nur auf die Gründung einer Pilotgesellschaft reagiert, sondern auch aktive Maßnahmen ergreift, um den Zustand von Bildungseinrichtungen zu verbessern.

Zudem wird der Neubau von Schulen und Campus-Konzepte geplant, die nicht nur Unterrichts- und Freizeiträume, sondern auch Kindertagesstätten beinhalten. Dies zeigt einen integrierten Ansatz im Bildungsbau, der auf die Zukunft ausgerichtet ist.

Die Initiative zur Gründung der Jugendschule unterstreicht zudem die pädagogische Vielfalt und die Bereitschaft zur Innovation in Bremer Bildungseinrichtungen. Die Schule wird eine Modellschule sein, die als Vorbild für andere dienen kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Bremen verfolgt mit der Gründung der Pilotgesellschaft BiBau und den laufenden Baumaßnahmen einen klaren Plan, um den Bildungsbau zu modernisieren und zu stärken. Die Erfolge dieser Maßnahmen hängen von der konsequenten Umsetzung, der Koordination zwischen den Beteiligten und der Bereitschaft zur Anpassung an veränderte Bedingungen ab.

Quellen

  1. Bremen: Senat startet millionenschweres Projekt für Schulsanierungen
  2. Millionen für Bremer Schulen und Kitas
  3. An diesen Bremer Schulen und Kitas wird in den Sommerferien gebaut
  4. Sanieren, erweitern, umgestalten
  5. Eine Initiative will in Bremen eine neue Schule gründen

Ähnliche Beiträge