Strategien zum Erwerb und Veräußerung von Fertighäusern

Der Markt für Fertighäuser ist nicht auf den Neubau beschränkt, sondern umfasst ein komplexes Ökosystem aus Wiederverkäufen, Musterhaus-Abverkäufen und speziellen Aktionsangeboten. Wer in diesen Bereich eintritt, bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen extremen Kostenvorteilen und erheblichen logistischen Herausforderungen. Ein Fertighaus, das bereits auf Fundamenten steht oder als Referenzobjekt eines Herstellers diente, bietet oft eine hochwertige Ausstattung, bringt jedoch spezifische rechtliche und finanzielle Implikationen mit sich. Insbesondere beim Wiederverkauf von noch in der Abzahlung befindlichen Objekten kollidieren oft persönliche Lebensumstände mit harten wirtschaftlichen Realitäten. Die Entscheidung für oder gegen den Verkauf eines Fertighaues sowie die Wahl des richtigen Erwerbsweges erfordert eine tiefgehende Analyse der langfristigen finanziellen Belastungen und der bautechnischen Machbarkeit.

Die Dynamik des Wiederverkaufs von Fertighäusern

Der Verkauf eines Fertighaues, das sich noch in der Abzahlungsphase befindet, ist oft das Resultat externer Schocks oder unvorhersehbarer Lebensveränderungen. Ein klassisches Beispiel hierfür ist ein plötzlicher Standortwechsel des Arbeitgebers. Wenn ein Unternehmen verlangt, dass ein Mitarbeiter an einem völlig neuen, weit entfernten Standort die Tätigkeit aufnimmt, wird das tägliche Pendeln unmöglich.

Solche Situationen führen dazu, dass Eigentümer ernsthaft über den Verkauf ihres Fertighaues nachdenken müssen. Die Entscheidung ist jedoch komplex, da der Aufwand und der Ärger, den ein Verkauf eines noch nicht vollständig abbezahlten Hauses bedeutet, oft massiv sind. In der Praxis sollte ein Verkauf nur dann als die letzte Option in Betracht gezogen werden. Bevor dieser Schritt erfolgt, müssen Alternativszenarien geprüft werden, wie beispielsweise die Einreihung in die Gruppe der Wochenend-Pendler. Hierbei würde das Haus behalten und vor Ort lediglich eine kleine Mini-Wohnung gemietet werden, um die Kosten der doppelten Haushaltsführung zu begrenzen. Eine weitere Option besteht darin, das bestehende Haus zu vermieten, anstatt es zu veräußern.

Die einzige Situation, in der ein Verkauf zwingend und dringend geboten ist, ist die Unfähigkeit, die Verpflichtungen gegenüber dem Kreditgeber weiterhin zu begleichen. Wenn beispielsweise ein Arbeitgeber per Änderungskündigung einen Standortwechsel fordert und die Alternative die Entlassung ist, wird die finanzielle Tragfähigkeit der Hausfinanzierung gefährdet. Da Änderungskündigungen rechtlich oft zulässig sind, bleibt dem Eigentümer kaum eine andere Wahl, als das Objekt zu veräußern.

Strategien zur Veräußerung und Vermarktung

Wenn die Entscheidung für einen Verkauf gefallen ist, stellt sich die Frage nach der Methode der Käufersuche. Es gibt verschiedene Wege, ein Fertighaus auf dem Markt zu positionieren, die jeweils unterschiedliche Vor- und Nachteile hinsichtlich Zeit und Kosten haben.

  • Eigeninitiative durch Kleinanzeigen: Diese Methode ermöglicht es, ohne Provision zu verkaufen, erfordert jedoch einen hohen zeitlichen Aufwand für die Kommunikation mit Interessenten.
  • Beauftragung eines Maklers: In Fällen, in denen es schnell gehen muss, ist die Beauftragung eines Maklers ratsam. Zwar muss dieser bezahlt werden, was als bittere Kostenpille wahrgenommen wird, doch seine weitaus bessere Vernetzung ermöglicht eine zeitnahe Veräußerung.
  • Direktverkauf an Banken: In bestimmten Fällen fungieren Banken selbst als Immobilienhändler und kaufen Objekte direkt auf, was den Prozess extrem beschleunigt.

Ein wesentlicher Faktor beim Verkauf ist die Präsentation des Objekts. Da Fertighäuser, die erst wenige Jahre auf ihren Fundamenten stehen, in der Regel noch keine nennenswerten Abnutzungserscheinungen oder Wartungsstaus aufweisen, ist die optische Aufbereitung entscheidend. Besichtigungen sollten nicht im klassischen Alltagszustand erfolgen. Stattdessen sollte sich der Verkäufer an der Strategie von Musterhäusern orientieren. Diese sind nicht leer, sondern verfügen über eine vollständige Einrichtung, um lebendig zu wirken, vermeiden jedoch das wohnliche Chaos, das durch die tägliche Nutzung entsteht. Sorgfältiges Aufräumen, gründliches Saugen und Wischen vor jeder Besichtigung sind daher zwingende Voraussetzungen.

Die Preisgestaltung bei solchen Verkäufen ist oft schwierig, da es sich in der Regel um eine Art von Notverkauf handelt. Der Verkäufer steht unter dem Zeitdruck der doppelten Haushaltsführung, während potenzielle Käufer diese Notlage nutzen, um sehr niedrige Preise und Konditionen zu nennen. Dies führt zu harten Preiskämpfen. Es ist jedoch wichtig, dass der Verkäufer sich nicht zu stark rasieren lässt. Ein gewisser Preisabschlag aufgrund von Zeitdruck ist akzeptabel, aber ein Verkauf deutlich unter dem Marktwert ist nicht zielführend. Ein erst wenige Jahre altes Fertighaus ist bautechnisch als ein kleines architektonisches Kunstwerk zu betrachten und sollte entsprechend gewürdigt werden.

Erwerb von Musterhäusern und deren Rückbau

Eine attraktive Alternative zum Neubau ist der Kauf von Musterhäusern, die vom Hersteller zum Abverkauf angeboten werden. Diese Gebäude dienten als Referenzobjekte, um potenzielle Kunden zu überzeugen, und verfügen daher meist über eine sehr hochwertige und exklusive Ausstattung. Da sie zurückgebaut werden, stehen sie zu ausgesprochen günstigen Preisen zur Verfügung, die deutlich unter denen eines Neubaus liegen.

Trotz des Schnäppchenpreises für das Gebäude selbst müssen Käufer mehrere kritische Punkte berücksichtigen:

  • Logistik des Ab- und Wiederaufbaus: In der Regel liegt die Organisation und Bezahlung des Ab- und Wiederaufbaus beim Käufer. Der Zeit- und Arbeitsaufwand, insbesondere beim Abbau, ist enorm. Es muss strikt darauf geachtet werden, dass keine Schäden an den tragenden Bauteilen entstehen, da das Haus sonst nicht wieder korrekt aufgebaut werden kann.
  • Materialverluste: Trotz größter Sorgfalt beim Abbau kommt es zwangsläufig zu Schäden. Besonders betroffen sind hierbei die Bodenbeläge, die oft nicht vollständig wiederverwendbar sind.
  • Kostensteigerung: Durch die notwendigen Arbeiten beim Ab- und Wiederaufbau können die Gesamtkosten massiv ansteigen, was den ursprünglichen Preisvorteil des Gebäudes teilweise zunichtemachen kann.

Es gibt verschiedene Modelle für den Erwerb solcher Häuser. In der einen Variante erhält der Käufer ein Ausbauhaus, bei dem der Innenausbau komplett in Eigenregie erfolgt. In einer anderen Variante übernimmt der Fertighaushersteller den kompletten Ablauf vom Abbau bis zum Wiederaufbau. Letzteres bietet den Vorteil einer vertraglich festgelegten Gewährleistung nach BGB. Allerdings ist fraglich, ob diese Full-Service-Variante am Ende tatsächlich günstiger ist als ein kompletter Neubau. Zudem sinkt durch den Prozess des Ab- und Wiederaufbaus der allgemeine Wert des Hauses, was bei einem späteren Weiterverkauf eine Rolle spielt.

Um die Kosten niedrig zu halten, empfiehlt es sich, den Innenausbau sowie den Wiedereinbau in Eigenleistung zu erbringen. Auch die Dacheindeckung kann mit handwerklichem Geschick und Hilfe von Bauhelfern selbst abgenommen und transportiert werden. Beim Ausbau der Innenausstattung ist höchste Sorgfalt geboten, um die Wiederverwendungsquote zu maximieren. Der eigentliche Abbau und Wiederaufbau der Gebäudestruktur sollte jedoch zwingend von Profis durchgeführt werden. Hierbei können Hersteller oft Kontakte zu spezialisierten Montagefirmen vermitteln. Für die benötigten Arbeitsstunden sollte man großzügig mit etwa 1.000 Stunden kalkulieren.

Marktübersicht: Kosten und Dimensionen von Fertighäusern

Für diejenigen, die kein gebrauchtes Haus suchen, sondern ein neues, preisoptimiertes Modell wünschen, gibt es verschiedene Anbieter mit spezifischen Preisstrukturen. Ein Beispiel hierfür sind die Angebote von Norges Hus, die eine große Bandbreite an Größen und Preisen abdecken. Dabei besteht die Möglichkeit, eigene Grundrisse basierend auf individuellen Einreichplänen umzusetzen.

Die folgenden Tabellen zeigen die preisliche und räumliche Staffelung verschiedener Fertighaus-Modelle.

Kompakte Fertighäuser (bis 120 m²)

Modell Fläche (m²) Zimmer / Bad / WC Preis (ab)
Individuell (Einreichplan) Variabel Variabel 55.700 €
Fertighaus 87 87 2 / 2 / 0 58.000 €
Fertighaus 94 94 2 / 3 / 0 65.700 €
Fertighaus 102 102 1 / 2 / 0 61.200 €
Fertighaus 104 104 1 / 1 / 0 63.700 €
Fertighaus 105 105 1 / 2 / 0 63.900 €
Fertighaus 107 107 2 / 3 / 0 71.800 €
Fertighaus 108 108 2 / 3 / 0 68.800 €
Fertighaus 109 109 1 / 3 / 0 72.800 €
Fertighaus 110 110 2 / 3 / 0 72.600 €
Fertighaus 112 112 2 / 2 / 0 68.200 €
Fertighaus 115 115 1 / 2 / 0 65.500 €

Mittlere Fertighäuser (121 m² bis 150 m²)

Modell Fläche (m²) Zimmer / Bad / WC Preis (ab)
Fertighaus 121 121 2 / 2 / 0 71.000 €
Fertighaus 124 124 2 / 3 / 0 72.700 €
Fertighaus 130 130 2 / 2 / 0 70.900 €
Fertighaus 131 131 2 / 3 / 0 78.000 €
Fertighaus 132 132 2 / 3 / 0 82.400 €
Fertighaus 133 133 2 / 3 / 0 73.800 €
Fertighaus 134 134 2 / 3 / 0 74.500 €
Fertighaus 141 141 2 / 4 / 0 75.900 €
Fertighaus 145 145 1 / 2 / 0 118.200 €
Fertighaus 147 147 2 / 4 / 0 73.600 €
Fertighaus 148 148 2 / 3 / 0 81.000 €
Fertighaus 149 149 2 / 3 / 0 72.700 €
Fertighaus 150 150 2 / 3 / 0 78.700 €

Große Fertighäuser (über 150 m²)

Modell Fläche (m²) Zimmer / Bad / WC Preis (ab)
Fertighaus 156 156 2 / 3 / 0 78.400 €
Fertighaus 158 158 1 / 2 / 0 105.700 €
Fertighaus 160 160 2 / 4 / 0 104.800 €
Fertighaus 164 (V1) 164 2 / 3 / 0 101.100 €
Fertighaus 164 (V2) 164 2 / 4 / 0 83.800 €
Fertighaus 167 167 2 / 3 / 1 87.100 €
Fertighaus 168 168 2 / 3 / 0 86.800 €

Preisoptimierung durch Aktionshäuser

Neben dem Kauf gebrauchter Objekte gibt es die Möglichkeit, neue Fertighäuser über Sonderangebote zu erwerben. Anbieter wie allkauf setzen hierbei auf Aktionshäuser, um ein erstklassiges Preis-Leistungs-Verhältnis zu schaffen. Das Ziel ist es, das Budget des Käufers zu schonen, ohne dabei die Qualität zu vernachlässigen.

Dabei wird die Strategie des Rotstifts angewandt, was bedeutet, dass bewährte Klassiker des Herstellers mit wertvollen Extras kombiniert werden. Diese Aktionshäuser dienen als Chance, ein hochwertiges Eigenheim zu einem günstigeren Preis zu erhalten, wobei die Sicherheit eines Marktführers und eine langjährige Erfahrung in der Qualitätssicherung (über 40 Jahre) gewährleistet sind.

Analyse der Kosten-Nutzen-Relation beim Abverkauf

Die Entscheidung zwischen einem Neubau, einem Aktionshaus und einem gebrauchten bzw. Musterhaus-Fertighaus ist eine komplexe finanzielle Abwägung. Während die reinen Anschaffungskosten eines Musterhauses verlockend niedrig sein können, verschiebt sich die Kostenstruktur massiv in Richtung Logistik und Montage.

Ein wesentlicher Punkt ist die Differenz zwischen dem Gebäudepreis und den Gesamtkosten. Beim Kauf eines Musterhauses müssen die Kosten für den Abtransport, die Lagerung und den Wiederaufbau eingerechnet werden. Wenn man die geschätzten 1.000 Arbeitsstunden für den Auf- und Abbau mit marktüblichen Stundensätzen kalkuliert, relativiert sich der Preisvorteil schnell. Nur durch eine hohe Eigenleistung beim Innenausbau und der Dacheindeckung kann ein echter wirtschaftlicher Vorteil gegenüber einem Neubau realisiert werden.

Im Gegensatz dazu bieten Aktionshäuser eine kalkulierbare Kostenstruktur. Hier entfallen die Risiken des Rückbaus und die potenziellen Schäden an tragenden Bauteilen oder Bodenbelägen. Die Gewährleistung ist bei einem Neubau oder einem durch den Hersteller wiederaufgebauten Musterhaus (gemäß BGB) ein entscheidender Sicherheitsfaktor, der bei privaten Wiederverkäufen oft fehlt oder komplizierter zu handhaben ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Abverkauf von Fertighäusern sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Für den Verkäufer ist es oft ein emotional und finanziell belastender Prozess, der durch eine professionelle Vermarktung und eine saubere Präsentation abgemildert werden kann. Für den Käufer bietet der Markt der gebrauchten oder Musterhäuser die Chance auf exklusive Ausstattung zu reduzierten Preisen, sofern die Bereitschaft zu organisatorischem Aufwand und Eigenleistung vorhanden ist. Der Weg über Aktionshäuser bleibt die sicherste Option für preisbewusste Bauherren, die auf maximale Planbarkeit und modernste Standards setzen.

Quellen

  1. Fertighauswelt
  2. Sanier
  3. Norges Hus
  4. allkauf

Ähnliche Beiträge