Bunkerumbau: Kosten, Herausforderungen und Chancen

Der Umbau von Bunkern zu Wohn- oder Nutzräumen ist in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. Insbesondere in städtischen Gebieten, in denen der Immobilienmarkt eng bebaut ist, bieten Bunker eine scheinbare Alternative – sie sind massiv gebaut, oft unterirdisch und damit unverwüstlich. Doch die Realität des Umbaus birgt erhebliche Herausforderungen, die sich in hohen Kosten, technischen Schwierigkeiten und gesetzlichen Vorgaben widerspiegeln. Dieser Artikel beleuchtet die Kosten und Risiken, aber auch die Chancen, die mit dem Umbau historischer Bunker verbunden sind.

Einführung

Historische Bunker, ursprünglich für den Schutz vor Bombenangriffen errichtet, sind heute in vielen Städten zu finden. Einige sind in staatlicher oder kommunaler Hand, andere in Privatbesitz. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), beispielsweise, verfügt über mehrere Bunker, die zum Verkauf oder zur Sanierung freigegeben werden. Derartige Bunker sind oft in schlechtem baulichem Zustand, benötigen aber auch aufgrund ihrer Konstruktion besondere, teure Sanierungsmaßnahmen.

Die Kosten für einen Bunkerumbau beginnen bereits beim Kaufpreis und steigen erheblich durch die nötigen Umbaumaßnahmen. Zudem spielen gesetzliche Vorgaben, wie Brandschutz oder Schutzräume-Gesetz, eine zentrale Rolle. Im Folgenden werden die Kostenfaktoren, die technischen Herausforderungen und die aktuellen Entwicklungen in der Bunkernutzung detailliert dargestellt.

Kostenfaktoren beim Bunkerumbau

Kaufpreis

Der Kaufpreis ist der erste Kostenfaktor, der sich bei einem Bunkerumbau stellt. Bunker, die von der BImA zum Verkauf angeboten werden, sind oftmals in einem katastrophalen Zustand. Ein Beispiel ist der Bunker an der Inrather Straße, der derzeit zum Verkauf steht. Laut Angaben der BImA liegt der Kaufpreis bei etwa 220.000 Euro. Dieser Preis ist auf groben Wertermittlungen basierend und dient lediglich als Orientierung.

Doch auch wenn der Kaufpreis im Vergleich zu anderen Immobilien gering erscheinen mag, ist er lediglich der Startpunkt. Die wirklichen Kosten entstehen vor allem in den Sanierungsarbeiten.

Sanierungskosten

Die Sanierung eines Bunkers ist aufwendig und kostspielig. Andrea Silberkuhl von der Projektentwicklungsgesellschaft Bahners & Schmitz betont, dass die Bunkerwände bis zu vier Meter dick sein können. Um sie zu öffnen, seien Diamantsägen notwendig, was die Arbeiten aufwändig und teuer macht. Die Dauer solcher Arbeiten kann Monate in Anspruch nehmen.

Die Stadt Siegen, die mehrere Bunker sanieren lässt, veranschlagt für die Sanierung von sechs Bunkern insgesamt drei Millionen Euro. Ein weiteres Beispiel ist die Sanierung der Schlossmauer in Siegen, die mit einer Million Euro abgeschätzt wird und bis 2025 abgeschlossen sein soll.

Zudem sind die Sanierungskosten von den Anforderungen an Brandschutz, Lüftung, Energieversorgung und Zugänglichkeit abhängig. Derartige Anforderungen können die Kosten nochmals erhöhen. So kostete beispielsweise die Sanierung der Lüftungsanlage eines Bunkers in Siegen 600.000 Euro.

Brandschutzmaßnahmen

Brandschutz ist ein weiterer Kostenfaktor, der oft unterschätzt wird. In einigen Bunkern hat die Feuerwehr bereits Veranstaltungen oder Proben von Vereinen verboten, da die Brandschutzanforderungen nicht erfüllt waren. In dem Bunker Lasallestraße in Frankfurt, der von der Stadt übernommen wurde, müssen Brandschutzmaßnahmen durchgeführt werden, bevor der Bunker vermietet werden kann.

Der Dartclub Riederwald 81 hat zwar brandtechnisch alles in Ordnung, doch für den Rest des Bunkers gilt dies nicht. Brandschutzmaßnahmen können daher auch einen Mehraufwand von mehreren hunderttausend Euro verursachen.

Technische Herausforderungen beim Bunkerumbau

Zugang und Erschließung

Ein Bunker, der ursprünglich für den Schutz vor Bomben gebaut wurde, ist oft nicht für den Alltag geeignet. Die Zugänge sind eng, die Räume dunkel, die Ausstattung fehlt. Die Erschließung eines Bunkers bedeutet also nicht nur bauliche, sondern auch räumliche und technische Herausforderungen.

So hat sich beispielsweise der Verein der Dartspieler in Frankfurt über die mangelnde Erschließung des Bunkers aufgeregt. Sie mussten auf einen Gartenschlauch zurückgreifen, um Wasser für die Toiletten zu bekommen. Ein Neubau der Wasserleitung wurde mit nahezu 100.000 Euro veranschlagt, was von der Stadt jedoch als zu hoch erachtet wurde.

Beleuchtung und Lüftung

Bunker sind oft unterirdisch gelegen und verfügen über keine natürliche Beleuchtung oder ausreichende Lüftung. Die Sanierung einer Lüftungsanlage ist daher in den meisten Fällen notwendig. In Siegen kostet die Sanierung der Lüftungsanlage eines Bunkers 600.000 Euro, was unterstreicht, wie aufwendig und teuer solche Maßnahmen sein können.

Beleuchtung ist ebenfalls ein Thema. Viele Bunker verfügen über keine oder nur rudimentäre Beleuchtung. Der Einbau moderner Beleuchtungssysteme, die auch den Energiebedarf berücksichtigen, ist daher ebenfalls ein Kostenfaktor.

Baustoffe und Abrissarbeiten

Bunker bestehen überwiegend aus massiven Beton- und Stahlkonstruktionen. Der Abriss solcher Bauwerke ist nicht nur aufwendig, sondern auch kostspielig. Andrea Silberkuhl betont, dass die Abriss- und Entsorgungskosten enorm seien, insbesondere bei der Menge an Beton und Stahl, die anfällt.

Diese Materialien sind schwer, unhandlich und oft nicht recycelbar. Die Entsorgungskosten summieren sich daher rasch. Zudem sind bei Abrissarbeiten oftmals Genehmigungen erforderlich, was den Prozess weiter verzögert und verteuert.

Chancen und Vorteile eines Bunkerumbaus

Trotz der hohen Kosten und der technischen Herausforderungen bietet der Umbau von Bunkern auch Chancen. Insbesondere in Städten mit hohem Flächenpreis und begrenztem Grundstücksangebot kann ein Bunker eine sinnvolle Alternative sein. Sie sind massiv gebaut, langlebig und oft gut geschützt vor Wettereinflüssen.

Nutzungsflexibilität

Bunker können unterschiedlich genutzt werden. Sie eignen sich als Wohnraum, als Vereinsräume, als Eventlocations oder als Archivflächen. Der Förderverein des Siegerlandmuseums plant beispielsweise, einen Hochbunker in eine museale Ausstellung zu integrieren. Dies zeigt, wie vielfältig die Nutzungsmöglichkeiten sind.

Energieeffizienz

Bunker sind aufgrund ihrer Bauweise oft sehr dicht und haben daher ein gutes thermisches Verhalten. Sie können sich daher besonders gut für energieeffiziente Nutzung eignen. Allerdings sind oft auch Sanierungsmaßnahmen im Bereich der Energieversorgung notwendig, um die heutigen Standards zu erfüllen.

Sicherheit

Ein weiterer Vorteil von Bunkern ist ihre Robustheit. Sie sind massiv und können daher auch als Schutzräume genutzt werden. In Zeiten, in denen der Schutz vor Katastrophen oder Kriegsbedrohung in den Vordergrund rückt, können Bunker auch als privater Schutzraum dienen. In Schweden beispielsweise gibt es rund 64.000 Schutzräume, die für sieben Millionen Menschen Platz bieten.

Auch in Deutschland wird der Ausbau von Schutzräumen diskutiert. Ralph Tiesler, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), kündigte an, dass Tunnel, U-Bahnhöfe, Tiefgaragen und Keller öffentlicher Gebäude ertüchtigt werden sollen, um sie zu Schutzräumen zu machen. Dies könnte auch auf Bunker ausgeweitet werden.

Bunker als Schutzräume – Kosten und Voraussetzungen

Kosten für einen privaten Schutzraum

Wer sich einen privaten Schutzraum bauen lassen möchte, muss mit hohen Kosten rechnen. Laut der Firma Deutsches Schutzraum Zentrum kostet ein Schutzraum, der bereits beim Hausbau integriert wird, etwa 40.000 Euro. Bei nachträglichen Einbauten sind die Preise deutlich höher. Ein Zehn-Quadratmeter-Bunker kostet beispielsweise mindestens 80.000 Euro.

Diese Preise sind stark von der Ausstattung abhängig. Je nach Wunsch können zusätzliche Einrichtungen wie Betten, Nahrungsmittelvorräte oder sanitäre Anlagen integriert werden. Zudem ist die Planung und der Bau von Schutzräumen in Deutschland aufgrund der geringen Nachfrage und der fehlenden gesetzlichen Vorgaben oft unklar.

Voraussetzungen für Schutzräume

Für die Errichtung eines Schutzraums gelten in Deutschland keine einheitlichen gesetzlichen Vorgaben. In anderen Ländern hingegen, etwa in Schweden, gibt es klare Standards und eine staatliche Unterstützung. In Deutschland sind Schutzräume bislang vor allem für den Katastrophenfall gedacht, aber nicht flächendeckend vorgesehen.

Der BBK-Präsident Tiesler betonte, dass Schutzräume in Deutschland nicht flächendeckend eingerichtet werden. Der Bund und die Länder arbeiten an einem Schutzraumkonzept, das im Herbst vorgestellt werden soll. Nach aktuellem Kenntnisstand wird dieser Fokus auf sogenannte „Mehrzweckbauten“ gelegt – also öffentliche Gebäude wie Bahnhöfe oder Tiefgaragen, die bei Bedarf als Schutzräume genutzt werden können.

Der Bunkerschutz in der Zukunft

Mit der wachsenden Unsicherheit im internationalen Sicherheitskontext wird der Bunkerschutz immer relevanter. Die Pläne des BBK, bestehende Infrastruktur in Schutzräume umzufunktionieren, deuten darauf hin, dass Bunker künftig eine größere Rolle spielen könnten. In Städten mit hohem Bunkerbestand, wie beispielsweise Krefeld oder Siegen, könnten solche Bunker daher nicht nur als Immobilien genutzt werden, sondern auch als Schutzräume dienen.

Die Herausforderung liegt dabei weniger in der technischen Machbarkeit als in der Finanzierung. Die Kosten für die Sanierung von Bunkern sind hoch, und es braucht oft hohe Investitionen, um sie in eine moderne Nutzung zu überführen. Dennoch zeigen Projekte wie der Bunkerumbau in Düsseldorf oder die Sanierung der Bunker in Siegen, dass es möglich ist.

Fazit

Der Umbau von Bunkern ist aufwendig, teuer und technisch anspruchsvoll. Die Kosten beginnen beim Kaufpreis, steigen aber oft in Millionenhöhe durch Sanierungsarbeiten, Brandschutzmaßnahmen und Erschließung. Die technischen Herausforderungen, wie Zugangserweiterungen, Beleuchtung, Lüftung und Energieversorgung, machen den Umbau komplex und langwierig.

Trotz dieser Hürden bietet der Bunkerumbau auch Chancen: Er kann in Städten mit begrenztem Grundstücksangebot eine wertvolle Alternative darstellen. Zudem eignen sich Bunker aufgrund ihrer Robustheit und Dichtigkeit besonders gut für energieeffiziente Nutzung. In Zeiten, in denen Schutzräume wieder an Bedeutung gewinnen, können Bunker auch einen Beitrag zum Bevölkerungsschutz leisten.

Zukünftig wird es wahrscheinlich immer mehr Projekte geben, die Bunker nicht nur saniern, sondern auch in moderne Schutzräume oder Wohn- und Nutzräume überführen. Die Kosten bleiben jedoch hoch, und es braucht oft staatliche Unterstützung, um solche Projekte umzusetzen.

Quellen

  1. Luftschutzbunker umzubauen: ist aufwendig und teuer
  2. Stadt will Bunker Lasallestraße sanieren und vermieten
  3. Fünf Millionen Euro Spendengelder: Bunkerumbau kann kommen
  4. Zivilschutz: Schutzräume – Den Privat-Bunker gibt's ab 40.000 Euro
  5. Bevölkerungsschutz will Tiefgaragen zu Schutzräumen ertüchtigen

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