Vorsicht bei Altbausanierungen: Schadstoffbelastung durch Holzschutzmittel im Innenraum

Die Sanierung von Altbauten ist ein zentraler Baustein der Gebäudesanierung in Deutschland. Doch hinter der Fassade moderner Innenraumgestaltung lauert eine unterschätzte Gefahr: altbekannte, aber dennoch aktuelle Schadstoffe aus der Vergangenheit. Insbesondere bei der Sanierung von Gebäuden, die in den Jahrzehnten nach der Jahrhundswende errichtet wurden, tauchen erhebliche Gesundheitsrisiken auf, die durch die Innenraumluft und hauswirtschaftliche Abbauprodukte verursacht werden. Die Quelle dieser Belastung sind vor allem Holzschutzmittel, die in der Zeit von etwa 1956 bis 1989 nach der rechtsverbindlichen Norm DIN 68800 in vielen Gebäuden eingesetzt wurden. Diese Maßnahme wurde als notwendig erachtet, um Holzbestandteile vor Verrottung zu schützen – doch der Preis für diesen Schutz war hoch. Heute zeigt sich, dass die in den Holzbestandteilen verwendeten Schadstoffe wie Dioxin, Pentachlorphenol (PCP), Lindan und andere biozide Substanzen noch Jahrzehnte nach der Anwendung weiterhin in die Raumluft austreten und sich in Staub und Teppichen ansammeln. Besonders betroffen sind Wohnungen und Häuser in Westdeutschland, die nach der damaligen Norm errichtet wurden und mittlerweile energetisch saniert wurden. Die dadurch entstehende Luftdichtheit verschließt die Räume und baut somit die schädlichen Stoffe in der Innenraumluft auf.

Die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Belastung sind gravierend. Laut Angaben des Bundesfachbeirates Umweltschutz und Normung der NaturFreunde Deutschland kann es zu schweren Erkrankungen wie Krebs, Parkinson, Multiple Sklerose oder Schäden an Leber, Niere und Blutbildung kommen. Besonders schockierend ist die Tatsache, dass es für die Innenraumluft derzeit weder gesetzliche Grenzwerte noch entsprechende Empfehlungen gibt. Dieses fehlende Regulierungsniveau führt dazu, dass die Bundesregierung und das Umweltministerium über das Ausmaß der Gefahren informiert sind, aber keinen Handlungsbedarf erkennen. Kritiker wie Karl-Jürgen Prull bezeichnen diese Haltung als „einen riesigen unbegleiteten Menschenversuch“. Die Bundesregierung plant zudem weder die Untersuchung von Opfern solcher Schäden noch entsprechende Forschungsprojekte zur genauen Analyse der Gesundheitswirkung dieser Substanzen. Dieses Desinteresse gegenüber einer der dringlichsten gesundheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellt eine massive Gefährdung der Bevölkerung dar, die in alten, aber sanierten Häusern lebt.

Die Hauptquelle dieser Belastung sind die in den Bauteilen des Gebäudes verbleibenden Schadstoffe aus Holzschutzmitteln. Diese Substanzen wurden überwiegend in den 1970er und 1980er Jahren zur Behandlung von Dielen, Treppen, Türen, Fenstern und Stützpfeilern verwendet. Besonders auffällig ist die Verwendung von Präparaten, die auf dem sogenannten Xylamon-Verfahren basieren. Dieses Verfahren führte in den 1980er Jahren zu einem der größten Umweltstrafverfahren der deutschen Justizgeschichte. Es war damals üblich, Holzbauteile mit bioziden Mitteln zu behandeln, die den natürlichen Zerfallsprozess verhindern sollten. Die eingesetzten Mittel waren meist anorganische Salze wie Arsen, Bor, Chrom, Fluor, Kupfer, Quecksilber oder Zink. Daneben wurden auch organische Präparate mit Lösungsmitteln wie Dichlofluanid oder Permethrin verwendet, die eine hohe Wirkung bei geringer Menge erbrachten. Besonders problematisch ist zudem das sogenannte Steinkohlenteer, das bei der Verkokung von Steinkohle gewonnen wird. Es enthält beispielsweise hohe Anteile an aromatischen Kohlenwasserstoffen wie Naphtalin oder polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Diese Substanzen sind extrem giftig und können langfristig zu Krebs, Erkrankungen am Atmungssystem und Störungen des hormonellen Systems führen. Bei Schwellen und Masten wurde dieses Präparat sogar unverdünnt eingesetzt, sodass das gesamte Holz vollständig durchtränkt wurde. Heute sind diese Bauteile in vielen Altbauten noch erhalten und geben die Schadstoffe kontinuierlich ab.

Ein besonders alarmierendes Beispiel für die Wirkung dieser Substanzen stammt aus einer Untersuchung des Bremer Umweltinstituts. In einer Staubprobe aus einem in den 1970er-Jahren errichteten Fertighaus im Landkreis Verden wurde eine extrem hohe Belastung mit Seveso-Dioxin nachgewiesen: 29.100 Pikogramm pro Gramm. Dieser Wert ist um ein Vielfaches über dem für Lebensmittel zulässigen Grenzwert von 1,25 Pikogramm pro Gramm. Die Konsequenz wäre, dass der betroffene Boden laut Bodenschutzverordnung fachgerecht entsorgt werden müsste. Doch in Innenräumen gibt es derzeit weder gesetzliche Grenzwerte noch Maßnahmen zur Überwachung der Innenraumluft. Dieses Vakuum an Regulierung lässt die Gefahrenquelle unentdeckt und damit unbemerkt weiterwirken.

Die Innenraumluft ist somit eine der am stärksten unterschätzten Quellen für gesundheitliche Schäden. Insbesondere bei der Sanierung von Altbauten wird häufig eine Luftdichtheit erreicht, die das Austreten der Schadstoffe hemmt. Stattdessen werden sie in der Raumluft und im Staub gesammelt. Besonders betroffen sind Teppiche, Polstermöbel und Bodenbeläge, die die Schadstoffe aufnehmen und langsam wieder abgeben. Die Kombination aus hoher Feuchtigkeit, Luftzirkulation und Temperaturerhöhung fördert diese Freisetzung. Besonders betroffen sind Wohnräume, die nach der Sanierung nicht ausreichend belüftet werden. Die Folge ist eine anhaltende, langfristige Belastung, die zu einer chronischen Schädigung des Atmungssystems, des Immunsystems und vieler anderer Organe führen kann.

Die Behandlung von Holz mit solchen Schutzmitteln war damals eine gängige Praxis. Die Hersteller waren der Meinung, dass die Mittel „ewig“ wirken müssten. Heute ist bekannt, dass diese Substanzen in der Tat jahrzehntelang in Wirkung blieben – und das, was einmal als Schutz gedacht war, ist heute eine Quelle für chronische Erkrankungen. Besonders schädlich sind die in den Produkten enthaltenen Schwermetalle wie Quecksilber, Kupfer, Chrom und Zink, die bei der Einwirkung auf die Atemwege zu Entzündungen und Schäden an der Schleimhaut führen können. Auch Lacke und Farbanstriche enthielten häufig schädliche Stoffe wie Bleicarbonat, Titandioxid oder Zinkoxid. Diese werden in der Regel als Pigmente genutzt, um die Haltbarkeit und Haltbarkeit der Farbe zu sichern. Zudem enthielten viele Lacke auch Stabilisatoren, Weichmacher und Trockenstoffe, die ebenfalls gesundheitsschädlich sein können.

Besonders problematisch ist zudem die Tatsache, dass viele dieser Substanzen heute noch in der Innenraumluft nachgewiesen werden. Ein Beispiel ist das aus Verunreinigungen stammende Dioxin, das in der Regel nicht direkt in den Produkten enthalten ist, sondern durch die Herstellungsverfahren entsteht. Diese Substanz ist äußerst giftig und gilt als der am stärksten giftige Stoff, den die Menschheit jemals hergestellt hat. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind extrem gravierend: Es kann zu Krebs, Fehlgeburten, Fehlbildungen, Störungen des Immunsystems und Nervenschäden führen. Besonders betroffen sind Kinder und ältere Menschen, die eine höhere Empfindlichkeit gegenüber solchen Stoffen aufweisen.

Die hohe Gefährlichkeit dieser Substanzen wurde bereits mehrfach von Fachleuten und Umweltschutzverbänden hervorgehoben. Doch die Reaktion der Politik bleibt weiterhin verhalten. Es gibt weder eine umfassende Untersuchung der betroffenen Häuser noch ein umfassendes Monitoring der Innenraumluft. Stattdessen wird auf den sogenannten „Sanierungsdruck“ gesetzt, der vor allem durch die Energiepreise und die damit verbundene Notwendigkeit der Dämmung entsteht. Viele Bauherren und Mieter fühlen sich dazu gezwungen, ihre Häuser zu sanieren, ohne sich über die Folgen dieser Maßnahmen im Klaren zu sein. Die Folge ist eine verstärkte Ansammlung von Schadstoffen in der Innenraumluft, die zu chronischen Erkrankungen führen kann.

Um diesen Prozess zu durchbrechen, ist eine umfassende Erhebung der Schadstoffbelastung in Innenräumen erforderlich. Dazu gehört eine umfassende Untersuchung der Innenraumluft, der Bodenbeläge, der Staubproben und der Bauteile. Besonders wichtig ist dabei eine fundierte Probenahme und -auswertung durch qualifizierte Gutachter. Ein solches Gutachten sollte umfassen: - Innenraumluftmessung - Staubprobenahme zur Bestimmung von Schwermetallen, Dioxinen, PCP, PCN, Lindan, Formaldehyd, VOC, Weichmacher, Flammschutzmitteln und anderen Schadstoffen - Untersuchung auf Schimmelpilzbefall und flüchtige organische Verbindungen (MVOC) - Gesundheitsbewertung und Empfehlungen zur Sanierung

Solche Gutachten sind insbesondere bei Immobilienkauf, Mietsanmietung oder Sanierungsarbeiten ratsam. Sie dienen als Entscheidungshilfe und helfen, potenzielle Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen. Besonders sinnvoll ist ein solches Gutachten bei Immobilien, die vor 1990 errichtet wurden, da dort die Wahrscheinlichkeit besonders hoch ist, dass solche Schadstoffe in den Bauteilen enthalten sind.

Neben der Innenraumluft gibt es auch andere Quellen für Schadstoffe. Besonders betroffen sind Bauteile, die mit Holzschutzmitteln behandelt wurden. Zu diesen gehören beispielsweise Türen, Treppen, Böden, Fensterrahmen und Trennwände. Auch Möbel wie Küchenschränke, Spinde oder Regale können solche Stoffe enthalten. Besonders betroffen sind jene Möbel, die mit PVC-Folienbeschichtungen versehen sind. Diese Beschichtungen können ebenfalls Schadstoffe freisetzen, die in die Luft gelangen und zu gesundheitlichen Schäden führen können.

Besonders problematisch ist zudem die Tatsache, dass viele dieser Schadstoffe erst seit einigen Jahren umfassend untersucht werden. In der Vergangenheit wurden viele Bauteile als unbedenklich angesehen, da es keine ausreichenden Erkenntnisse gab. Heute ist jedoch klar, dass viele dieser Stoffe langfristig Schäden am menschlichen Körper verursachen können. Besonders betroffen sind Kinder, da deren Immunsystem noch nicht ausgebildet ist und daher anfälliger auf Schadstoffe reagiert.

Insgesamt zeigt sich, dass die Sanierung von Altbauten eine hohe Verantwortung für die Gesundheit der Bewohner birgt. Die heutige Praxis der Luftdichtheit und Wärmedämmung führt dazu, dass Schadstoffe, die in den Bauteilen enthalten sind, nicht mehr abgelagert werden können, sondern vielmehr in der Innenraumluft angesammelt werden. Besonders betroffen sind Wohnungen und Häuser in Westdeutschland, die nach der damaligen Norm DIN 68800 errichtet wurden. Die Bundesregierung ist über diese Problematik informiert, sieht aber keinen Handlungsbedarf. Dies ist ein gravierendes Versäumnis, das langfristig zu erheblichen gesundheitlichen Schäden führen kann.

Um diesen Prozess zu durchbrechen, ist eine umfassende Untersuchung der Innenraumluft und der Bauteile notwendig. Nur so kann sichergestellt werden, dass Mieter und Eigentümer in einem sicheren Raum leben. Besonders wichtig ist dabei eine fundierte Probenahme und -auswertung durch qualifizierte Gutachter. Ein solches Gutachten sollte umfassen: - Messung der Innenraumluft auf Schwermetalle, Dioxine, PCP, PCN, Lindan, Formaldehyd, VOC, Weichmacher, Flammschutzmittel und andere Schadstoffe - Untersuchung von Staubproben auf Schwermetalle und organische Schadstoffe - Bestimmung der Quelle der Schadstoffbelastung - Gesundheitsbewertung und Empfehlungen zur Sanierung

Solche Gutachten sind insbesondere bei Immobilienkauf, Mietsanmietung oder Sanierungsarbeiten ratsam. Sie dienen als Entscheidungshilfe und helfen, potenzielle Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen. Besonders sinnvoll ist ein solches Gutachten bei Immobilien, die vor 1990 errichtet wurden, da dort die Wahrscheinlichkeit besonders hoch ist, dass solche Schadstoffe in den Bauteilen enthalten sind.

Fazit ist, dass Sanierungsarbeiten an Altbauten nicht allein auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit ausgelegt sein dürfen. Stattdessen muss auch die Gesundheit der Bewohner im Vordergrund stehen. Eine umfassende Untersuchung der Innenraumluft und der Bauteile ist daher unbedingt notwendig. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Sanierung wirklich der Gesundheit dient und nicht Schaden verursacht.

Quellen

  1. sanier.de
  2. baubiologe24.de
  3. baubio-logisch.de

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