Die wirtschaftliche Dynamik im europäischen Spitzenfußball ist geprägt von tiefgreifenden strukturellen Ungleichgewichten, die durch eine Kombination aus Fernsehverträgen, kommerziellen Einnahmen und strategischen Investitionen entstehen. Die neuesten Erkenntnisse des „Football Money League“-Berichts der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte offenbaren ein eindeutiges Muster: Erfolg im Sport wirkt sich finanziell messbar aus – umgekehrt führt finanzieller Erfolg zu einer signifikanten Stärkung des sportlichen Erfolgs. Diese eng miteinander verflochtene Verbindung zwischen sportlicher Leistung, Einnahmenstruktur und wirtschaftlicher Stabilität prägt die heutige Landschaft des europäischen Klubfußballs nachhaltig. Besonders auffällig ist dabei die zunehmende Differenzierung zwischen den etablierten Vereinen der größten Ligen – insbesondere der Premier League – und den Vereinen aus kleineren, wirtschaftlich weniger ausgeprägten Ligen.
Die Analyse der Umsätze zeigt, dass die Einnahquellen im Vereinsfußball grundsätzlich in drei Bereiche gegliedert werden: Zuschauereinnahmen, Fernsehrechte und kommerzielle Einnahmen. Diese drei Säulen bilden die Grundlage für die wirtschaftliche Stärke jedes Vereins. Besonders eindrücklich wird dies anhand der Zahlen für den FC Bayern München deutlich, der unter den Top-Vereinen der Welt aufgrund seines außerordentlichen Einkommens aus kommerziellen Quellen hervorsticht. Mit jährlich rund 348,7 Millionen Euro an kommerziellen Erlösen rangiert der Verein knapp hinter Real Madrid (356,2 Millionen Euro) auf Platz zwei weltweit. Diese hohe Summe setzt sich vorrangig aus lukrativen Sponsoring-Verträgen zusammen, die von namhaften Konzernen getragen werden. Besonders auffällig ist dabei die starke Beteiligung bayrischer Konzerne wie Adidas, Audi und Allianz, die nicht nur als operative Partner agieren, sondern auch über direkte Anteile an den Verein gebunden sind. Zudem sichern sich diese Konzerne über das Trikotsponsoring und Kooperationsverträge mit dem Verein langfristig Sichtbarkeit in einem internationalen Marktumfeld. Diese Art der strategischen Verzahnung zwischen Wirtschaftsstandort und Sportverein ist ein Alleinstellungsmerkmal, das für Vereine aus anderen Ligen kaum nachzuvollziehen ist.
Ein weiterer zentraler Wettbewerbsvorteil liegt im Bereich der Fernsehrechte. Insbesondere der Vertrag der englischen Premier League mit Sendern sichert den Vereinen in dieser Liga jährlich Einnahmen in Höhe von insgesamt rund 6,9 Milliarden Euro für die Spielzeiten 2016/17 bis 2018/19 zu. Dieser Betrag ist deutlich höher als bei den entsprechenden Verträgen in anderen europäischen Ligen, darunter auch der deutschen Bundesliga. Die Folge dieser hohen Einnahmen ist eine signifikante Stärkung der finanziellen Position von Vereinen, die selbst nicht unbedingt in der Champions League spielen. So gelangen beispielsweise Vereine wie Everton, Newcastle United oder West Ham United trotz fehlender internationaler Pokalteilnahmen in die Rangliste der wirtschaftsstärksten Vereine weltweit. Der Vergleich zweier Vereine – des FC Schalke 04 und von Newcastle United –, die in der Saison 2017/18 weder national noch international tätig waren, verdeutlicht die Auswirkung des Fernsehmarktes: Während Schalke 04 ausschließlich auf nationale Einnahmen angewiesen war, konnte Newcastle United durch die hohen Einnahmen aus dem englischen Fernsehvertrag eine deutlich höhere wirtschaftliche Position sichern. Damit entsteht ein struktureller Vorteil, der die Abhängigkeit von sportlichen Erfolgen reduziert und stattdessen die finanzielle Stärke allein durch den Standort bestimmt.
Ein besonderer Fall, der die Komplexität dieser wirtschaftlichen Strukturen verdeutlicht, ist Paris Saint-Germain (PSG). Hier überwiegt der Anteil der kommerziellen Einnahmen mit 58 Prozent am Gesamtumsatz knapp über jenem der Münchener, die 55 Prozent des Gesamtumsatzes aus kommerziellen Quellen beziehen. Dieser Unterschied ist ausschlaggebend für die finanzielle Stabilität des Vereins, insbesondere da die Einnahmen aus Fernsehverträgen bei PSG im Vergleich zu den Spitzenvereinen der Premier League deutlich geringer ausfallen. Die hohe Abhängigkeit von kommerziellen Einnahmen erklärt, warum PSG trotz fehlender internationaler Erfolge in der Champions League weiterhin zu den wirtschaftsstärksten Vereinen zählt. Allerdings ist die Finanzierung des Vereins durch die katarische Regierung und die damit verbundenen Sponsoring-Verträge Gegenstand heftiger Kontroversen. Die UEFA hat PSG mehrfach des Missbrauchs des Financial Fair-Play-Systems bezichtigt, da die hohen Einnahmen aus der staatlichen Unterstützung offenbar nicht den Regularien der Vereinssatzung entsprechen. Diese Kritik stammt insbesondere aus dem Wettbewerb mit anderen Vereinen, die aufgrund fehlender staatlicher Zuschüsse unter wirtschaftlichem Druck stehen. Es ist somit ein zentrales Thema derzeit, ob solche Finanzierungsmodelle langfristig mit den Grundsätzen des Wettbewerbs aus der Sicht der europäischen Fußballverbände vereinbar sind.
Die Auswirkungen fehlender oder geringer Erfolge im europäischen Wettbewerb sind schwerwiegend und können zu erheblichen Umsatteinbußen führen. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist der FC Arsenal. Die englische Mannschaft musste in der vergangenen Saison aufgrund eines Fehlens in der Champions League erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten ein kontinuierliches Wachstum der Umsätze beenden. Die Verluste beliefen sich auf insgesamt 48,4 Millionen Euro – ein Betrag, der allein durch die fehlende Beteiligung an der Königsklasse entstanden ist. Dieser Verlust ist ein klares Signal dafür, dass die Teilnahme an der Champions League nicht nur einen sportlichen, sondern auch eine wirtschaftliche Bedeutung hat. Sie sichert den Vereinen Zugang zu hohen Ausschüttungen aus den UEFA-Preisgeldern, die über die gesamte Saison verteilt werden. Für Vereine, die in der Vorsaison nicht an der Champions League teilnahmen, entfällt somit ein erheblicher Teil der Einnahmen, der in der Regel über die gesamte Saison verteilt wird. Damit entsteht ein Kreislauf, bei dem Vereine, die in der Vergangenheit Erfolg hatten, auch zukünftig finanziell unterstützt werden, während andere Vereine, die in der Vergangenheit erfolglos blieben, in wirtschaftliche Abwärtsspiralen geraten.
Ein weiteres Merkmal der heutigen Vereinswirtschaft im Fußball ist die zunehmende Konzentration der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auf wenige Vereine. In der aktuellen Champions-League-Saison waren nur drei Klubs dabei, die in der vorherigen Saison noch nicht in der Königsklasse spielten – eine Zahl, die seit Jahren nicht mehr so niedrig war. 2017 waren es noch zwölf Neulinge, 2016 waren es neun, 2015 elf. Diese geringe Anzahl an Neuen zeigt an, dass die Struktur der Königsklasse immer stärker von den etablierten Vereinen der vier bedeutendsten Ligen bestimmt wird. Insgesamt stammen 16 der 32 Mannschaften aus den vier Top-Ligen: England, Spanien, Italien und Deutschland. Davon sind acht Mannschaften aus der Premier League. Diese hohe Konzentration hat zur Folge, dass die Vereine aus kleineren Ligen immer stärker in die Abhängigkeit von den etablierten Vereinen geraten. Die finanziellen Vorteile, die aus der Teilnahme an der Königsklasse resultieren, werden in der Regel an wenige Vereine verteilt, die dadurch in die Lage versetzt werden, sich im Wettbewerb mit anderen Vereinen deutlich zu positionieren.
Ein weiteres Indiz für die wirtschaftliche Überlegenheit der Premier-League-Vereine ist die Tatsache, dass sich Vereine wie Chelsea und Arsenal in der aktuellen Saison nicht in der Champions League befinden. Beide Vereine gehören zu den etablierten Vereinen der englischen Metropolen, haben aber in der Vorsaison eine mittlere Platzierung in der Premier League erzielt, was die Qualifikation für die Königsklasse verfehlte. Die Folge war ein erheblicher Verlust an Umsätzen, wie bereits zuvor am Beispiel von Arsenal beschrieben. Dies zeigt, dass auch bei etablierten Vereinen aus der Premier League der Verlust der Teilnahme an der Königsklasse zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen führen kann. Es ist somit nicht nur der Erfolg im Wettbewerb, der über den Erfolg eines Vereins entscheidet, sondern auch die Dauerhaftigkeit des Erfolgs. Eine hohe Dauerleistung im Wettbewerb sichert den Vereinen die notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die wirtschaftliche Dominanz der Premier-League-Vereine ist zudem auf die starke Verzahnung zwischen Verein und Wirtschaft zurückzuführen. Die Vereine profitieren von einem engen Austausch mit global agierenden Konzernen, die über Sponsoring- und Vertragsbeziehungen eng mit den Vereinen verbunden sind. Besonders auffällig ist dabei die enge Verbindung zwischen Vereinen und Konzernen aus dem Bereich der Technologie, des Versicherungswesens und des Sports. So sichern sich beispielsweise Unternehmen wie Adidas, Audi, Allianz und Telekom über langfristige Verträge mit Vereinen wie dem FC Bayern München langfristig Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Diese Art der Kooperation ist für Vereine von entscheidender Bedeutung, da sie eine sichere Quelle für konstante Einnahmen darstellt. Ohne solche Verträge wäre die wirtschaftliche Stabilität vieler Vereine deutlich geringer ausgeprägt.
Ein weiterer Faktor, der die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Vereinen beeinflusst, ist die strategische Ausrichtung der Vereinsführung. Vereine, die langfristig planen und Investitionen in den eigenen Verein tätigen, sichern sich bessere Rahmenbedingungen für den künftigen Erfolg. So ist beispielsweise die strategische Ausrichtung des FC Bayern München auf den Ausbau seiner kommerziellen Einnahmen ein zentrales Kriterium für die hohe wirtschaftliche Stabilität des Vereins. Dieser Ansatz ist auch deshalb sinnvoll, da die Einnahmen aus Fernsehverträgen ab einem bestimmten Punkt weniger Einfluss auf die Gesamtwirtschaft haben. Dies zeigt sich am Beispiel des FC Bayern, dessen wirtschaftliche Stärke nicht ausschließlich auf die Einnahmen aus Fernsehverträgen beruht, sondern vielmehr auf der hohen Dichte an kommerziellen Einnahmen. Die Kombination aus hohen kommerziellen Einnahmen und guter sportlicher Leistung sichert dem Verein eine hohe wirtschaftliche Stabilität, die es ihm erlaubt, auch in Zeiten geringer Erfolge im internationalen Wettbewerb wettbewerbsfähig zu bleiben.
Fazit ist, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit im europäischen Spitzenfußball zunehmend von einer Kombination aus strategischer Planung, finanzieller Stärke und sportlichem Erfolg abhängt. Die Vereine, die in der Lage sind, langfristig erfolgreich zu sein, sichern sich zudem Zugang zu den nötigen finanziellen Mitteln, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Vereine aus der Premier League sichern sich durch ihre hohen Fernseheinnahmen einen strategischen Vorteil, der es ihnen erlaubt, auch ohne internationale Erfolge wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig zeigt die hohe Abhängigkeit von kommerziellen Einnahmen, dass die wirtschaftliche Stabilität von Vereinen zunehmend von der Qualität der Verträge mit Konzernen abhängt. Die Vereine, die in der Lage sind, langfristige Verträge mit etablierten Konzernen abzuschließen, sichern sich dadurch eine sichere Quelle für Einnahmen. Die Kombination aus hohen kommerziellen Einnahmen, hohen Fernseheinnahmen und guter sportlicher Leistung ist somit die Voraussetzung dafür, um im europäischen Spitzenfußball wettbewerbsfähig zu bleiben.