Fachwerkbau zwischenwände sanieren: Technische Ansätze und Praxisbeispiele

Einführung

Die Sanierung von Fachwerkbau zwischenwänden ist ein komplexer Prozess, der sowohl fachliches Wissen als auch sorgfältige Planung erfordert. In den letzten Jahren ist das Interesse an alten Fachwerkhäusern gestiegen, da sie oft historische Wertigkeit und architektonische Eleganz besitzen. Dennoch erfordert ihre Erhaltung und Sanierung besondere Aufmerksamkeit, insbesondere wenn es um die zwischenwänden geht, die oft aus Holz und Lehm bestehen und daher anfällig für Schäden durch Feuchtigkeit, Schimmel oder Alterung sind.

Die im Folgenden dargestellten Ansätze basieren auf konkreten Erfahrungen und Empfehlungen aus verschiedenen Quellen, die sich mit der Sanierung von Fachwerkhäusern beschäftigen. Die Themen reichen von der Ausführung von Gefachen über Dämmung und Putzarbeiten bis hin zu den Vorteilen von Eigenleistungen und finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten.

Sanierungsstrategien für Fachwerkbau zwischenwänden

Aufbau und Struktur von Fachwerkbau zwischenwänden

Fachwerkbau zwischenwänden bestehen typischerweise aus Holzbalken, die als Träger dienen, und Gefachen, die mit Lehm oder Ziegeln ausgefüllt sind. Die Holzbalken bilden das Gerüst, während die Gefache die Wärmedämmung und Stabilität der Wand gewährleisten. In vielen alten Fachwerkhäusern sind die Gefache nicht vollständig ausgemauert, was zu ungleichmäßiger Wärme- und Feuchteregulierung führen kann.

In der Praxis sind oft einige der Gefache beschädigt, locker oder vollständig fehlend, was eine Sanierung erforderlich macht. Die Ausführung der Sanierung hängt von der Art der Beschädigung und dem Zustand der bestehenden Struktur ab.

Sanierung von Gefachen

Bei der Sanierung von Gefachen ist es entscheidend, die ursprüngliche Struktur so weit wie möglich zu bewahren. Die Empfehlung lautet, intakte Stroh-Lehm-Gefache zu erhalten und lediglich defekte Gefache zu ersetzen. Für die Ausmauern von Gefachen eignen sich nur sehr wenige Materialien, und Gasbetonsteine, Hochglanzziegel oder Zementmörtel sind nicht geeignet.

Stattdessen werden oft kleinformatige Lehmsteine oder ähnliche Materialien verwendet, um die Gefache neu zu vermauern. Dabei ist es wichtig, dass die Gefache zwei Zentimeter hinter dem Fachwerk enden oder mit Lehmschlag ausgeführt werden. Zudem sollten die Gefache mit einem zweilagigen, ächenbündigen Neuverputz versehen werden, der aus feinkörnigem Kalkputz oder Kalk-Lehmputz besteht.

Dämmung von Fachwerkbau zwischenwänden

Die Dämmung von Fachwerkbau zwischenwänden ist ein entscheidender Schritt, um den Energieverbrauch zu reduzieren und die thermische Effizienz des Hauses zu verbessern. Im Innenbereich können Holzfaserdämmplatten eingesetzt werden, während für die Außendämmung Zellulose-Dämmung eine gängige Lösung ist.

In einigen Fällen kann auch eine Kombination aus Innendämmung und Außendämmung sinnvoll sein, insbesondere wenn das Fachwerk nicht sichtbar ist. Zellulose-Einblasdämmung ist eine besonders effiziente Methode, da sie sich gut an die vorhandene Struktur anpasst und gleichzeitig eine hohe Wärmedämmung bietet.

Verputz und Oberflächenbehandlung

Der Verputz der Fachwerkbau zwischenwänden ist ein kritischer Schritt, der sowohl die ästhetische als auch die strukturelle Integrität der Wände beeinflusst. Der Verputz muss gut auf die Holzkonstruktion abgestimmt sein und darf nicht über die Holzkonstruktion hinausragen. „Kissenartiges Vorputzen“ ist nicht zulässig, da dies zu Schäden an der Struktur führen kann.

Für die Verputzschichten werden oft feinkörnige Kalkputz- oder Kalk-Lehmputzmaterialien verwendet, die eine glatte und gleichmäßige Oberfläche erzeugen. Zudem sollten die Putzflächen bündig mit der Holzkonstruktion enden, um eine optimale Verbindung zu gewährleisten.

Praktische Umsetzung und Beispiele

Sanierung eines alten Bauernhauses

Ein praktisches Beispiel für die Sanierung von Fachwerkbau zwischenwänden ist die Renovierung eines alten Bauernhauses aus dem Jahr 1890, das vor drei Monaten erworben wurde. Die Wände im Untergeschoss bestehen aus dicken Bruchsteinmauern, während die Wände im Erdgeschoss als Fachwerk ausgebildet sind. Einige Gefache sind mit roten Ziegeln ausgemauert, während andere mit Lehm gefüllt sind.

Nach der Entfernung von mehreren Schichten Tapete und einer Holzplatte kamen die Gefache zum Vorschein. Einige der roten Ziegelsteine waren locker, und der Mörtel war nicht überall intakt. Auf der rechten Seite der Wand war ein Metallgewebe aufgebracht und verputzt worden.

Um die Wand stabil zu machen, wurden folgende Schritte vorgeschlagen: - Die Gefache komplett verputzen und dies mit feinkörnigem Kalkputz oder Kalk-Lehmputz tun. - Die Holzbalken doppeln und eine neue stabile Konstruktion aus MDF-Platten anschrauben.

Diese Maßnahmen würden die Wände stabilisieren und gleichzeitig eine bessere Haltbarkeit und Wärmedämmung gewährleisten.

Restaurierung eines alten Fachwerkhauses

Ein weiteres Beispiel ist die Restauration eines alten Backhauses, das im Sauerland abgebaut und in Westbevern/Telgte wieder aufgestellt wurde. Die Fachwerkwände wurden in einem Betrieb überarbeitet und vormontiert. Die Wände wurden sortiert und in liebevoller Handarbeit restauriert. Die Außenfassade wurde mit neuem Eichenfachwerkholz gezimmert, während die Außenwände hoch wärmegedämmt wurden.

Für die Sanierung der zwischenwänden wurden Holzrahmenbauwände vorgefertigt und montiert. Der Keller wurde in Beton ausgeführt, während die oberen Giebel in Boden-Deckenschalung aus sägerauer Eiche errichtet wurden.

Sanierung und Dämmung von Fachwerkbau zwischenwänden

Ein weiteres Beispiel ist die Sanierung eines Fachwerkhauses in Marburg, Gießen und Kassel. Die Sanierung umfasste nicht nur die Ausführung von Lehmputz- und Kalkputzarbeiten im Innenbereich, sondern auch die Ausführung von Yosima farbigen Lehmputzen für innen (Claytec). Zudem wurden Schäden an den Fachwerkfassaden im Außenbereich ausgeglichen, und Sandstrahlen von Holzbalken und Haussockeln wurde durchgeführt.

Für die Dämmung wurden Holzfaserdämmplatten und Zellulose-Einblasdämmung eingesetzt. Die Dämmung der obersten Geschossdecke wurde mit Zellulose-Einblasdämmung durchgeführt, während die Innendämmung mit Holzfaserdämmplatten erfolgte. Die Sanierung der zwischenwänden war ein zentraler Bestandteil der Gesamtmaßnahmen.

Finanzielle Unterstützung und Eigenleistungen

KfW-Bank und BAFA-Zuschüsse

Wenn ein Fachwerkhaus nicht unter Denkmalschutz steht, können Sanierungsmaßnahmen finanziell unterstützt werden. Die KfW-Bank und die BAFA bieten günstige Sanierungskredite und -zuschüsse an, die es ermöglichen, die Kosten für die Sanierung von Fachwerkbau zwischenwänden zu reduzieren.

Diese Unterstützung kann insbesondere dann wichtig sein, wenn umfangreiche Arbeiten an den Holzbalken oder den Gefachen vorgenommen werden müssen. Die KfW-Bank und die BAFA fördern nicht nur die energetische Sanierung, sondern auch die Erhaltung von historischen Gebäuden.

Eigenleistungen und Handwerker

Ein weiterer Aspekt der Sanierung von Fachwerkbau zwischenwänden ist die Möglichkeit, Eigenleistungen vorzunehmen. Gute Handwerker mit viel Erfahrung sind entscheidend, aber bei einfachen Arbeiten können auch Bauherrn oder Bauherrinnen selbst tätig werden. Sanierer übernehmen oft die Abrissarbeiten, Durchbrüche in den Wänden, das Abklopfen der Putzschichten und das Abtragen des Bodens.

Durch die Eigenleistung können die Sanierungskosten deutlich gesenkt werden. Zudem hat der Bauherr oder die Bauherrin eine intensivere Identifikation mit dem zukünftigen Eigenheim.

Praktische Tipps und Empfehlungen

Vorbereitung und Planung

Die Sanierung von Fachwerkbau zwischenwänden sollte sorgfältig geplant werden. Es ist wichtig, die vorhandene Struktur zu analysieren und festzustellen, welche Teile erneuert oder repariert werden müssen. Die Verwendung von originalen Materialien und traditionellen Bautechniken ist empfehlenswert, um die historische Integrität des Gebäudes zu bewahren.

Wahl der Materialien

Die Wahl der Materialien für die Sanierung ist entscheidend. Es ist wichtig, Materialien zu verwenden, die sich gut mit der vorhandenen Struktur vertragen. Zementmörtel oder Hochglanzziegel eignen sich nicht für die Ausmauern von Gefache. Stattdessen sollten kleinformatige Lehmsteine oder ähnliche Materialien verwendet werden.

Dämmung und Feuchtigkeitsschutz

Die Dämmung der zwischenwänden ist ein entscheidender Schritt, um den Energieverbrauch zu reduzieren. Zudem ist es wichtig, Feuchtigkeitsschutzmaßnahmen zu ergreifen, um Schäden durch Feuchtigkeit zu vermeiden. Eine wasserundurchlässige Schicht zwischen Fundament und Schwellholz kann helfen, Feuchtigkeit aus der Erde zu blockieren.

Verputz und Oberflächenbehandlung

Der Verputz der zwischenwänden muss gut auf die Holzkonstruktion abgestimmt sein. Die Verputzschichten sollten bündig mit der Holzkonstruktion enden, um eine optimale Verbindung zu gewährleisten. Zudem sollten die Putzflächen nicht über die Holzkonstruktion hinausragen, um Schäden an der Struktur zu vermeiden.

Fazit

Die Sanierung von Fachwerkbau zwischenwänden ist ein komplexer Prozess, der sorgfältige Planung, fachliches Wissen und eine gute Auswahl an Materialien erfordert. Die Verwendung von originalen Materialien und traditionellen Bautechniken ist entscheidend, um die historische Integrität des Gebäudes zu bewahren. Zudem können finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten wie KfW-Bank und BAFA-Zuschüsse helfen, die Kosten für die Sanierung zu reduzieren.

Durch die Kombination aus fachlicher Beratung, sorgfältiger Planung und praktischen Umsetzung können die zwischenwänden von Fachwerkbau in einen modernen, energieeffizienten Zustand gebracht werden. Obwohl die Sanierung von Fachwerkbau zwischenwänden eine Herausforderung darstellt, kann sie mit der richtigen Vorgehensweise zu einem erfolgreichen Ergebnis führen.

Quellen

  1. Fachwerk zwischenwänden sanieren – Forum
  2. Berdelmann-Holzbau – Fachwerkbau
  3. Öko-Zentrum – Fachwerksanierung
  4. Haus.de – Fachwerkhaus sanieren
  5. Gira – Fachwerkhaus sanieren

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