Fachwerkhaus Sanierung: Praxisnahe Tipps für Holz, Kalk und Lehm

Fachwerk Häuser sind nicht nur architektonische Schätze, sondern auch Herausforderungen für Modernisierer. Die Sanierung solcher historischen Bauten erfordert besondere Kenntnisse, um die Struktur zu erhalten und gleichzeitig Energieeffizienz und Wohngesundheit zu verbessern. In diesem Artikel werden praktische Empfehlungen und technische Details aus verschiedenen Projekten in Marburg und Marbach vorgestellt. Dabei werden Fokus auf Holzverarbeitung, Dämmung und Verputztechniken gelegt.

Einführung

Fachwerk Häuser sind ein wichtiger Bestandteil der deutschen Baugeschichte. Sie verbinden traditionelle Handwerkskunst mit modernen Sanierungsansätzen. In den Projekten, die in Marburg und Marbach durchgeführt wurden, wurden verschiedene Aspekte der Sanierung behandelt, von der Austausch von Holzbalken bis hin zur Dämmung der Dachkonstruktion. Diese Projekte zeigen, dass moderne Materialien wie Zellulosedämmung und Kalkputz erfolgreich mit traditionellen Techniken kombiniert werden können.

Holzverarbeitung und Austausch von Balken

Ein zentraler Aspekt der Sanierung von Fachwerk Häusern ist der Austausch von Holzbalken. In vielen Fällen sind alte Holzbalken durch Feuchtigkeit oder Schädlinge beschädigt. Ein Beispiel dafür ist das Fachwerkhaus in Marbach, bei dem ein Eckpfosten morsch war und durch einen neuen ausgetauscht werden musste.

Altholz aus Eiche – Vorteile und Anwendung

Altholz aus Eiche, das mehrere Jahrzehnte oder Jahrhunderte trocken gelagert wurde, ist ein wertvolles Material für Fachwerk Sanierungen. Es ist kerntrocken und hat weniger Spannungen, was es weniger anfällig für Schäden durch Feuchtigkeit macht. In dem Projekt in Marbach wurden alte Holzbalken aus Eiche verwendet, die aus dem Rückbau von Scheunen und Häusern stammen.

Diese Altholz-Verwendung ist nicht nur kostengünstig, sondern auch umweltfreundlich. Die Altholz-Balken werden oft in speziellen Lagern vorbehalten, wo sie langsam trocknen und sich anpassen können, bevor sie in das Fachwerk integriert werden.

Austausch von Holzbalken – Praktische Schritte

Bei der Sanierung von Fachwerk Häusern ist es wichtig, die alten Holzbalken sorgfältig zu entfernen und die neuen in die richtige Position zu setzen. In dem Projekt in Marbach wurden die alten Balken zunächst ausgebaut und durch neue Eichenbalken ersetzt. Dabei wurden die angrenzenden Gefache (die leeren Räume zwischen den Balken) zurückgebaut, um die neuen Balken optimal einzusetzen.

Ein weiterer Schritt bei der Sanierung war das Sandstrahlen der Holzbalken, um sie von alten Farbanstrichen zu befreien. Dieser Schritt ist besonders wichtig, um den neuen Anstrich optimal zu verarbeiten.

Dämmung im Fachwerkhaus

Eine weitere Herausforderung bei der Sanierung von Fachwerk Häusern ist die Dämmung. Moderne Materialien wie Zellulosedämmung und Leichtlehmsteine sind hier von Bedeutung, da sie sowohl ökologisch als auch funktional sind.

Dämmung der obersten Geschossdecke mit Zellulosedämmung

In dem Projekt in Marburg wurden die obersten Geschossdecken mit Zellulosedämmung (WLG 040) isoliert. Diese Dämmung wird in den Hohlräumen zwischen den Holzbalken aufgefüllt. Die Vorteile der Zellulosedämmung sind die hohe Wärmedämmung und die gute Schallabsorption. Zudem ist Zellulosedämmung aus nachwachsenden Rohstoffen und daher umweltfreundlich.

Innendämmung mit Leichtlehmsteinen

Für die Innendämmung im Fachwerkhaus werden Leichtlehmsteine eingesetzt. Diese Steine entsprechen der Anwendungsklasse (AK) 1 nach DIN 18945 und sind daher für bewitterte Fachwerkfassaden geeignet, sofern sie mit einem Kalkputz verputzt werden. In dem Projekt in Marbach wurden Leichtlehmsteine verwendet, um die Gefache (die leeren Räume zwischen den Holzbalken) zu vermauern.

Die Verwendung von Leichtlehmsteinen hat den Vorteil, dass sie leicht sind und gut mit Kalkputz verarbeitet werden können. Zudem bieten sie eine gute Wärmedämmung und sind aus nachwachsenden Rohstoffen.

Verputztechniken und Materialien

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Sanierung von Fachwerk Häusern ist der Verputz. Kalkputz und Sumpfkalkputz sind besonders geeignet, um die Fassade zu schützen und gleichzeitig eine gute Wärmedämmung zu gewährleisten.

Kalkputz – Vorteile und Anwendung

Kalkputz wird oft in der Sanierung von Fachwerk Häusern eingesetzt, da er eine gute Wärmedämmung und Feuchtigkeitsregulation bietet. In dem Projekt in Marbach wurde HAGA – Calkosit 0,5 als feiner Sumpfkalkputz verwendet, der Putz und Farbe zugleich ist. Der Kalkputz wurde in zwei Schichten aufgetragen: eine erste Schicht mit Bio-Grundputz und eine Endoberfläche mit HAGA – Calkosit 0,5.

Ein weiterer Vorteil des Kalkputzes ist, dass er ökologisch ist und keine chemischen Zusätze enthält. Zudem ist er diffusionsoffen, was bedeutet, dass er die Feuchtigkeit regulieren kann, ohne die Luftzirkulation zu behindern.

Sumpfkalkputz – Wetterseite und Schutz

Der Sumpfkalkputz wird besonders auf der Wetterseite der Fachwerkkonstruktion verwendet, da er den Holzbalken und die Gefache vor Feuchtigkeit schützt. In dem Projekt in Marbach wurde der Sumpfkalkputz auf die neu vermauerten Gefache aufgetragen. Der Kalkputz wurde in zwei Schichten aufgetragen: eine erste Schicht mit Bio-Grundputz und eine Endoberfläche mit HAGA – Calkosit 0,5.

Ein weiterer Vorteil des Sumpfkalkputzes ist, dass er eine natürliche Schutzschicht für die Holzbalken bildet. Zudem ist er aus nachwachsenden Rohstoffen und umweltfreundlich.

Fenster und Dachsanierung

Ein weiterer Aspekt der Sanierung von Fachwerk Häusern ist der Austausch von Fenstern und die Dachsanierung. In dem Projekt in Marbach wurden neue Holzfenster aus Eiche eingesetzt, die den historischen Vorlagen entsprechen.

Holzfenster aus Eiche – Vorteile und Anwendung

Die Holzfenster aus Eiche sind nicht nur optisch ansprechend, sondern auch funktional. Sie werden mit echtem Wetterschenkel und dünnen Sprossen aus Eiche gefertigt. Zudem entsprechen sie den Anforderungen an Funktionalität und Energieeffizienz. Die luftdichte Anbindung an die Holzbalken wird mit ProClima Luftdichtungsbändern vorgenommen, und der verbliebende Hohlraum wird mit einer flexiblen Hanfdämmung ausgestopft.

Dachsanierung und Dämmung

In dem Projekt in Marburg wurden die Dachflächen erneuert. Das alte Dach wurde abgenommen und entsorgt, und die alten Dachsparren wurden ausgelenkt und verstärkt. Die neue Dachdeckung wurde mit Doppelfalzziegeln in der Ausführung „Tradition Naturrot“ durchgeführt. Die Dachsparren wurden mit Sturmklammern gesichert, und die Ortbretter, Dachrinnen und Fallrohre wurden erneuert.

Zusätzlich wurden die Schornsteinköpfe neu verschaltet, mit Walzblei-Zinkblech eingefasst und mit Natur-Schieferplatten verkleidet. Die Wärmedämmung der Dachfläche wurde mit Zellulosedämmung (WLG 040) durchgeführt.

Praktische Tipps für die Sanierung

Die Sanierung von Fachwerk Häusern erfordert besondere Kenntnisse und Vorsicht. Hier sind einige praktische Tipps, die bei der Sanierung berücksichtigt werden sollten:

Schutz vor Feuchtigkeit

Feuchtigkeit ist eine der größten Herausforderungen bei der Sanierung von Fachwerk Häusern. Die Verwendung von Kalkputz und Sumpfkalkputz kann helfen, die Feuchtigkeit zu regulieren und den Holzbalken zu schützen.

Verwendung von Altholz

Altholz aus Eiche ist eine gute Alternative zu neuen Holzbalken. Es ist kerntrocken und hat weniger Spannungen, was es weniger anfällig für Schäden macht. Altholz kann in speziellen Lagern vorbehalten werden, bevor es in das Fachwerk integriert wird.

Dämmung mit Zellulosedämmung

Zellulosedämmung ist eine gute Wahl für die Dämmung von Fachwerk Häusern. Sie ist aus nachwachsenden Rohstoffen und bietet eine gute Wärmedämmung. Zudem ist sie schallabsorbierend und umweltfreundlich.

Verputztechniken

Kalkputz und Sumpfkalkputz sind besonders geeignet für die Verputzung von Fachwerk Häusern. Sie bieten eine gute Wärmedämmung und Feuchtigkeitsregulation. Zudem sind sie aus nachwachsenden Rohstoffen und umweltfreundlich.

Fenster und Dachsanierung

Die Sanierung von Fenstern und Dachflächen ist ein weiterer wichtiger Schritt bei der Sanierung von Fachwerk Häusern. Die Verwendung von Holzfenstern aus Eiche und die Dämmung mit Zellulosedämmung sind gute Praktiken, um die Energieeffizienz zu verbessern.

Fazit

Die Sanierung von Fachwerk Häusern erfordert besondere Kenntnisse und Vorsicht. In den Projekten in Marburg und Marbach wurden verschiedene Aspekte der Sanierung behandelt, von der Austausch von Holzbalken bis hin zur Dämmung der Dachkonstruktion. Diese Projekte zeigen, dass moderne Materialien wie Zellulosedämmung und Kalkputz erfolgreich mit traditionellen Techniken kombiniert werden können.

Durch die Verwendung von Altholz aus Eiche, Kalkputz und Sumpfkalkputz können Fachwerk Häuser nicht nur optisch ansprechend, sondern auch funktional und energieeffizient werden. Die Sanierung von Fachwerk Häusern ist eine Herausforderung, aber mit der richtigen Planung und Ausführung kann sie zu einem erfolgreichen Projekt werden.

Quellen

  1. Oeko-Zentrum Marbach
  2. Oeko-Zentrum Marburg
  3. Fachwerk Sanierung – Forum

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