Renovierung von Gemeinderäumen in kirchlichen Einrichtungen: Praxiserfahrungen, Planung und Umsetzung

Kirchliche Gemeinden stehen in Deutschland – wie auch in anderen christlichen Ländern – vor der Herausforderung, ihre Räume und Immobilien auf den neuesten Stand zu bringen. Insbesondere die Renovierung von Gemeinderäumen und Kirchhallen ist ein Prozess, der nicht nur technische, sondern auch theologische, soziale und strategische Aspekte berücksichtigt. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Beispiele kirchlicher Gemeinden, die sich diesem Prozess gestellt haben – von kleineren, ländlichen Gemeinden bis hin zu größeren, städtischen Kirchengemeinden. In diesem Artikel werden konkrete Praxisbeispiele vorgestellt, Planungsstrategien herausgearbeitet und die wichtigsten Aspekte einer kirchlichen Renovierung beleuchtet.

Praxisbeispiele kirchlicher Renovierungsprojekte

Die Evangelische Stadtkirche in Waldkirch

Die Evangelische Stadtkirche Waldkirch bietet ein hervorragendes Beispiel für eine umfassende Renovierung kirchlicher Räume. Die Kirche wurde erstmals 1887 geweiht und in den darauffolgenden Jahrzehnten – 1934 und 1974 – erheblich umgestaltet. Die Renovierung 2021 markierte eine weitere, grundlegende Modernisierung des Innenraums, wobei die ursprünglichen Grundmauern und der Pavillionanbau weitestgehend erhalten blieben.

Das Projekt begann mit einem Architektenwettbewerb, an dem fünf Architekturbüros teilnahmen. Der Entwurf des Waldkircher Architekturbüros Roeder-Heinz wurde schließlich ausgewählt. Ziel der Renovierung war es, den Kirchenraum multifunktional zu gestalten, sodass er nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für kulturelle Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Vorträge und Filmvorführungen genutzt werden kann. Zudem sollte der Kirchenraum für die Öffentlichkeit zugänglicher werden, was durch die Schaffung einer Andachtsecke ermöglicht wurde.

Nach 15 Monaten Bauzeit konnte die Kirche im Juli 2021 wieder eingeweiht werden. Die neue Raumgestaltung hat sich positiv auf das Gemeindeleben ausgewirkt und auch kirchenfremde Gruppen nutzen den Raum vermehrt. Die Renovierung war somit ein Schritt hin zu mehr Transparenz und Inklusivität.

Die Kirche in Feldbergen

Ein weiteres Beispiel für eine Renovierung kirchlicher Räume stammt aus Feldbergen, wo die Kirchengemeinde im Jahr 2020 nach einer halben Jahr Renovierungsarbeiten die Kirche wieder eröffnete. Die Arbeiten umfassten die Renovierung der Bleiverglasung, einen neuen Anstrich im Innenraum, die Aufarbeitung der Holzpodeste, die Erneuerung der Elektroinstallation und die Installation einer automatischen Lüftungsanlage. Besonders auffällig war die Restaurierung der Kronleuchter, die nach der Aufarbeitung in strahlendem Gold leuchteten.

Die Renovierungsarbeiten wurden in erster Linie durch ehrenamtliche Helfer*innen unterstützt, was zeigt, wie stark kirchliche Gemeinden auf ihre Mitglieder angewiesen sind. Die Kirche in Feldbergen hat durch die Renovierung nicht nur einen neuen Anstrich erhalten, sondern auch einen technischen Neuaufbau geschafft, der für die Zukunft Sicherheit und Komfort gewährleistet.

Renovierungsarbeiten im Gemeindehaus Kigo

In Witten wurden im Jahr 2023 Renovierungsarbeiten im Gemeindehaus durchgeführt, insbesondere im Raum des Kindergottesdienstes (KiGo). 90 Liter weiße Farbe, mehrere hundert Meter Abklebeband und viele helfende Hände standen für das Projekt zur Verfügung. In nur drei Tagen wurden der Jungscharraum, der Eltern-Kind-Raum und Teile des Flurs neu gestrichen. In den nächsten Wochen war geplant, einen neuen Boden im KiGo-Raum einzubauen.

Die Renovierung war nicht nur ein technischer Prozess, sondern auch ein sozialer: Zahlreiche Gemeindemitglieder beteiligten sich ehrenamtlich an der Arbeit, von der Farbeinbringung bis zur Verpflegung der Helfer*innen. Der Raum wurde nach den Arbeiten erwartungsvoll betrachtet, da er nach der Renovierung von Kindern und Mitarbeitern gestaltet werden sollte, um eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen.

Planung einer kirchlichen Renovierung

Die Planung einer kirchlichen Renovierung ist ein komplexer Prozess, der mehrere Phasen durchläuft. In den Beispielen aus Waldkirch und Feldbergen zeigte sich, dass die Renovierung nicht nur ein rein technisches Projekt ist, sondern auch tief in die Gemeinde integriert wird.

1. Bestandsaufnahme und Zieldefinition

Eine Renovierung beginnt immer mit der Analyse des aktuellen Zustands. In Waldkirch wurde beispielsweise festgestellt, dass die letzte Renovierung von 1974 stark gealtert war und nicht mehr den Anforderungen entsprach. Zudem war der Kirchenraum nicht mehr multifunktional genug. In Feldbergen wurde festgelegt, dass die Elektroinstallation, die Lüftung und die Fenster den größten Renovierungsbedarf hatten.

Zieldefinitionen sind ebenso wichtig. In Waldkirch standen die Schaffung eines multifunktionalen Raums und die Öffnung der Kirche gegenüber der Stadt im Vordergrund. In Feldbergen war es das Ziel, die Kirche technisch und ästhetisch zu modernisieren, um sie für die Zukunft fit zu machen.

2. Architektenwettbewerbe und Planung

In manchen Fällen, wie in Waldkirch, wird ein Architektenwettbewerb durchgeführt, um den passenden Entwurf für die Renovierung zu finden. In diesem Fall war das Architekturbüro Roeder-Heinz erfolgreich. Ein Wettbewerb ist besonders dann sinnvoll, wenn die Renovierung umfassend und strategisch geplant werden muss. In anderen Fällen, wie in Feldbergen, war die Renovierung weniger umfassend und es wurde keine umfassende Planung mit Wettbewerb durchgeführt.

3. Finanzierung und Ressourcen

Finanzierung ist ein entscheidender Aspekt jeder Renovierung. In Waldkirch standen vermutlich kirchliche Mittel und Förderungen zur Verfügung. In Feldbergen spielten ehrenamtliche Helfer*innen eine entscheidende Rolle, was die Kosten reduzierte. In Witten wurde zudem auf Spenden und ehrenamtliche Unterstützung zurückgegriffen, was zeigt, dass kirchliche Gemeinden oft auf ihre Mitglieder angewiesen sind.

4. Kommunikation und Gemeindebeteiligung

Eine Renovierung ist kein Projekt, das im Stillstand durchgeführt wird. In den Beispielen wurde deutlich, dass die Gemeinde stark in den Prozess eingebunden wurde. In Waldkirch war es sogar ein festes Ritual, einen Gottesdienst für den Abschied vom „alten“ Kirchenraum abzuhalten. In Feldbergen beteiligten sich zahlreiche Helferinnen an den Renovierungsarbeiten. In Witten wurde sogar ein Dank an die Helferinnen und Spender*innen ausgesprochen.

Eine gute Kommunikation und Transparenz sind entscheidend, um die Gemeinde zu informieren und zu motivieren. Sie helfen, den Prozess zu verstehen und den Erfolg der Renovierung zu teilen.

Technische Aspekte der Renovierung

1. Materialien und Technik

Die Renovierung kirchlicher Räume erfordert oft den Einsatz moderner Materialien und Technik. In Feldbergen wurden beispielsweise die Bleiverglasungen restauriert, die Elektroinstallation erneuert und eine automatische Lüftungsanlage installiert. In Waldkirch wurde der Innenraum umgestaltet, um multifunktional genutzt zu werden.

Die Wahl der Materialien ist entscheidend für die Langlebigkeit und den optischen Eindruck. Weiße Farbe, wie in Witten, ist oft ein Kompromiss zwischen Neutralität und Vielfältigkeit. In Feldbergen wurde auch Wert auf die Restaurierung historischer Elemente wie der Kronleuchter gelegt, was zeigt, dass manchmal die Pflege von Altbeständen genauso wichtig ist wie die Modernisierung.

2. Energieeffizienz

Energieeffizienz ist ein immer wichtiger werdender Aspekt bei Renovierungsprojekten. In Feldbergen wurden moderne Nachtspeicheröfen installiert, was auf eine energieeffiziente Heizung hindeutet. Auch die Lüftungsanlage ist ein weiterer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.

3. Sicherheit

Sicherheit ist ein weiterer entscheidender Aspekt. In Feldbergen wurde ein erhöhter Handlauf auf der Empore angebracht, um die Sicherheit der Kirchenbesucherinnen zu erhöhen. Dies zeigt, dass Renovierungsarbeiten nicht nur um optische oder funktionale Aspekte gehen, sondern auch um das Wohlergehen der Nutzerinnen.

Zukunftsaussichten und Herausforderungen

1. Demografischer Wandel

Der demografische Wandel wirkt sich auf kirchliche Gemeinden aus. In einigen Beispielen, wie in Eschenbach-Kirchenthumbach, wird erwogen, ob die Kirche abgerissen und durch ein Zentrum für soziale Arbeit ersetzt werden könnte. Dies zeigt, dass kirchliche Immobilien nicht nur für Gottesdienste genutzt werden können, sondern auch andere soziale Funktionen übernehmen können.

2. Finanzierung

Finanzierung ist ein zentraler Punkt. In den Beispielen wurde oft auf ehrenamtliche Arbeit und Spenden zurückgegriffen. Für größere Projekte, wie in Waldkirch, wurden vermutlich kirchliche Mittel und Förderungen genutzt. In Landshut wird nach alternativen Einkünften gesucht, um die Sanierung der Erlöserkirche finanzieren zu können.

3. Kooperationen

Kooperationen mit anderen Gemeinden oder kirchlichen Gruppen können eine sinnvolle Strategie sein. In Eschenbach-Kirchenthumbach wird beispielsweise erwogen, mit den katholischen Gemeinden zusammenzuarbeiten, was zeigt, dass interkonfessionelle Zusammenarbeit ein möglicher Lösungsweg sein kann.

Fazit

Die Renovierung kirchlicher Räume ist ein vielschichtiger Prozess, der technische, soziale, theologische und strategische Aspekte miteinander verbindet. In den Beispielen aus Waldkirch, Feldbergen und Witten wird deutlich, wie wichtig die Einbindung der Gemeinde, die Planung mit klaren Zielen und die Nutzung moderner Techniken und Materialien sind. Zudem zeigt sich, dass kirchliche Gemeinden oft auf ihre Mitglieder angewiesen sind, um Renovierungsarbeiten zu stemmen – sei es durch ehrenamtliche Arbeit, Spendengelder oder die Bereitschaft, Räume oder Materialien bereitzustellen.

Auch wenn die Finanzierung und die Planung Herausforderungen darstellen, können Renovierungsprojekte kirchlicher Räume zu einem neuen Aufbruch führen. Sie ermöglichen es, kirchliche Räume für die Zukunft fit zu machen, multifunktional zu nutzen und zugänglicher zu gestalten. Zudem tragen sie dazu bei, kirchliche Immobilien zu bewahren und sie für neue Generationen zu öffnen.

Die Erfahrungen aus den genannten Beispielen können als Orientierung für andere kirchliche Gemeinden dienen, die sich ebenfalls mit der Renovierung ihrer Räume beschäftigen. Ob klein oder groß – eine sorgfältig geplante Renovierung kann dazu beitragen, kirchliche Räume lebendig und attraktiv zu halten.

Quellen

  1. Evangelische Stadtkirche Waldkirch – Renovierung 2021
  2. Renovierung der KiGo-Räume
  3. Zukunftsgestaltung kirchlicher Immobilien
  4. Renovierung der Kirche zu Feldbergen

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