Einführung
Hallenhäuser sind historische Gebäude, die in ländlichen Regionen, insbesondere in Norddeutschland, weit verbreitet sind. Sie zeichnen sich durch eine offene, helle Struktur aus, die durch die typische Zweiständer-Bauweise ermöglicht wird. In den letzten Jahrzehnten hat die Sanierung solcher Gebäude an Bedeutung gewonnen, da sie nicht nur denkmalpflegerische, sondern auch energieeffiziente Aspekte berücksichtigen. In diesem Artikel werden praktische Beispiele, Herausforderungen und Techniken der Sanierung von Hallenhäusern vorgestellt. Die Darstellung basiert ausschließlich auf realen Projekten und Berichten aus der Praxis, die in den Quellen dokumentiert sind.
Die Struktur und der Zustand von Hallenhäusern
Hallenhäuser bestehen typischerweise aus einem offenen Ständerwerk mit Holzträgern, über dem sich ein Dach erstreckt. Diese Bauweise ermöglicht eine helle, raumhohe Nutzung, die in der Vergangenheit oft für landwirtschaftliche oder gewerbliche Zwecke genutzt wurde. Viele Hallenhäuser sind mehrere Jahrhunderte alt und stammen aus der Zeit der Aufbauphase in ländlichen Regionen.
Die Familie Glückstadt aus Wagenfeld hat ihr 200 Jahre altes niederdeutsches Zwei-Ständer-Hallenhaus in zwei Renovierungsphasen restauriert. Die erste Sanierung fand zwischen 1990 und 1994 statt, und die zweite Phase begann 2012 und endete 2019. In dieser Zeit wurde auf den Erhalt der alten Struktur Wert gelegt. So blieb die Holzkonstruktion fast vollständig erhalten. Die Sanierung umfasste auch energetische Modernisierungen, wie z. B. eine Fußbodenheizung, die durch Erdwärme gespeist wird, und zwei Kaminöfen. Ein Kaminofen ist mit Lehmsteinen ummantelt, der andere mit Stahl. Die Wohndeele wird über einen Lichtschacht beleuchtet, was den Charakter des Hauses bewahrt.
Ein weiteres Beispiel ist das Hallenhaus der Familie Pape, das aus dem Jahr 1898 stammt. Es wurde 2016/2017 saniert und dabei der KfW-Effizienzhausstandard 85 erreicht. Das Gebäude wurde von innen mit mineralischer und pflanzlicher Wärmedämmung gedämmt und erhielt eine neue Bodenplatte. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit einer Fußbodenheizung wurde installiert. Im Jahr 2018 wurde zudem eine PV-Anlage montiert, wodurch 65 % des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Die Familie Pape hat dabei auch Eigenleistung geleistet, z. B. durch die elektrische Installation, das Reinigen und Ölen der Holzstützen und das Wiederverwenden des alten Verblendmauerwerks.
Die Sanierung eines Hallenhauses aus dem 18. Jahrhundert in der Nähe von Bremen zeigt jedoch auch die typischen Herausforderungen. Das Gebäude war in einem katastrophalen Zustand: Die Massivwände im Dielenbereich waren stark beschädigt und drohten umzufallen. Die Ständer des Hallenhauses standen auf Findlingen, während die Aussenmauern des Vorderhauses auf Holzpfählen ruhten. Auch hier gab es Risse, Schiefstellung und Ausbesserungen. Der Dachstuhl war jedoch in einem besseren Zustand, was den Rückbau erleichterte. Ein 20 Jahre altes Blechdach war dicht geblieben, doch der Zwischenboden zeigte Schäden an den Brettern.
Sanierungsschritte und Techniken
Die Sanierung von Hallenhäusern erfordert sowohl handwerkliche Kompetenzen als auch modernste Technologien, um den ursprünglichen Charakter zu bewahren und gleichzeitig den heutigen Standards gerecht zu werden. Die folgenden Schritte sind bei der Sanierung solcher Gebäude besonders relevant:
1. Zustandsanalyse und Planung
Eine gründliche Zustandsanalyse ist der erste Schritt bei der Sanierung. Dabei wird der Zustand der tragenden Holzkonstruktion, der Mauern, der Dächer und der Böden überprüft. In vielen Fällen sind Hallenhäuser auf Grund des Alters mit Schäden wie Rissen, Schiefständen, Ablösungen oder Feuchteproblemen betroffen.
Im Fall des Hauses der Familie Glückstadt wurde die Sanierung in zwei Phasen durchgeführt. In der ersten Phase wurden bereits die tragenden Holzkonstruktionen überprüft und notwendige Reparaturen durchgeführt. In der zweiten Phase standen die energetische Modernisierung und die Anpassung an den heutigen Wohnstandard im Vordergrund.
2. Energetische Modernisierung
Die energetische Sanierung ist ein zentraler Aspekt der Renovierung. Hallenhäuser sind oft nicht auf den heutigen Energiestandard ausgelegt, da sie in einer Zeit gebaut wurden, in der Energiekosten geringer waren.
Die Familie Pape hat bei ihrer Sanierung auf eine innenliegende Dämmung mit mineralischen und pflanzlichen Dämmstoffen zurückgegriffen. Damit wurde die Wärmebrückenbildung minimiert. Zudem wurde eine Sole-Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit einer Fußbodenheizung installiert. Die Wärmepumpe hat einen Jahresarbeitszahl von 5,2, was zu einem hohen Wirkungsgrad führt.
Zur Erzeugung von Solarstrom wurde zudem eine 5,58 kWp große PV-Anlage installiert. Dieses System trägt dazu bei, 65 % des Energiebedarfs des Hauses aus erneuerbaren Quellen zu decken.
Auch die Familie Glückstadt hat bei der Sanierung auf nachhaltige Heizlösungen gesetzt. So wurde eine Fußbodenheizung installiert, die durch Erdwärme gespeist wird. Zudem gibt es zwei Kaminöfen, wodurch die Wärmeversorgung diversifiziert ist.
3. Wärmedämmung und Dämmstoffe
Die Dämmung ist entscheidend für die Energieeffizienz. Bei Hallenhäusern ist es besonders wichtig, die Wärmebrücken zu vermeiden, da die Holzkonstruktionen oft offensichtliche Wärmebrücken bilden können.
Die Familie Pape nutzte für die Dämmung mineralische und pflanzliche Faserdämmstoffe. Diese Materialien sind umweltfreundlich und bieten gute Dämmeigenschaften. In der Bodenplatte wurde PS-Extruderschaum unter die Betonplatte gelegt, und darüber wurde 10 cm PS-Partikelschaum mit einem WLG von 0,35 aufgebracht. Dies ermöglichte eine effektive Wärmedämmung und reduzierte den Wärmebedarf des Hauses.
Eine weitere Sanierungsmöglichkeit, die in der Praxis erwähnt wird, ist die Verwendung von Holzfaser- oder Zelluloseplatten. Diese Dämmstoffe sind besonders bei der Sanierung von historischen Gebäuden beliebt, da sie sich gut an die vorhandene Struktur anpassen und eine natürliche Dämmung bieten.
4. Elektrische Installation und Smart Home
Die moderne Sanierung eines Hallenhauses umfasst auch die Elektroinstallation. In vielen Fällen ist die alte Elektroinstallation nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards oder Anforderungen an die Steuerung entsprechen. Die Familie Pape hat beispielsweise die gesamte elektrische Installation selbst durchgeführt, was nicht nur Kosten sparte, sondern auch die Anpassung an individuelle Bedürfnisse ermöglichte.
Zudem wurde eine intelligente Haussteuerung installiert, die den Energieverbrauch optimiert. Wenn beispielsweise Fenster geöffnet werden, sorgt die Steuerung für eine Drosselung der Heizung. Dies trägt dazu bei, Energie zu sparen und die Wohnqualität zu verbessern.
5. Wiederverwendung von Materialien
Bei der Sanierung von Hallenhäusern ist die Wiederverwendung von Materialien ein weiterer wichtiger Aspekt. Viele Gebäude verfügen über historische Holzstützen, Balken oder Verblendmauerwerk, die nach Reinigung und Pflege wiederverwendet werden können.
Die Familie Pape hat beispielsweise das alte Verblendmauerwerk und die Holzkonstruktionen gereinigt, geschliffen und geölt. Dies hat nicht nur zur Erhaltung des ursprünglichen Charakters beigetragen, sondern auch Kosten gespart.
Herausforderungen bei der Sanierung
Trotz der Vorteile bei der Sanierung von Hallenhäusern gibt es auch erhebliche Herausforderungen, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen.
1. Zustand der Gebäude
Viele Hallenhäuser sind in einem schlechten Zustand, was die Sanierung erschwert. In manchen Fällen sind die tragenden Holzkonstruktionen stark beschädigt, und die Mauern sind instabil. Die Familie Pape stellte fest, dass die Massivwände des Dielenbereichs nicht mehr tragfähig waren und erneuert werden mussten.
Im Fall des Hauses in Bremen war der Zustand der Wände so kritisch, dass sie als „erneuerungswürdig“ bezeichnet wurden. Risse, Ausbesserungen mit Bauschaum, sowie lose Ziegelreihen in Erdnähe machten eine umfassende Sanierung notwendig.
2. Grundwassersituation und Böden
Ein weiteres Problem bei der Sanierung von Hallenhäusern, insbesondere in ländlichen Gebieten, ist die Grundwassersituation. In einigen Regionen wie dem Moor westlich von Bremen ist der Boden sehr feucht, was den Grundwasserstand erhöht. Dies kann zu Problemen mit der Befestigung und Stabilität der Gebäude führen.
Im Beispiel aus Bremen war der Boden so weich, dass er beim Hüpfern federnd reagierte. Zudem war die Vibration über mehrere Meter spürbar. Dies deutet auf ein hohes Grundwasser- und/oder Schwingungsproblem hin, das bei der Sanierung berücksichtigt werden muss.
3. Energieeffizienz und Modernisierung
Die Energieeffizienz ist ein zentraler Faktor bei der Sanierung. Hallenhäuser sind oft nicht auf den heutigen Energiestandard ausgelegt, weshalb eine umfassende Modernisierung notwendig ist.
Die Familie Pape hat gezeigt, dass es möglich ist, ein Hallenhaus nach den KfW-Effizienzhäusern-Standards zu sanieren. Die Sanierung umfasste dabei nicht nur die Dämmung, sondern auch die Installation einer Wärmepumpe und einer PV-Anlage. Dies ermöglichte es, den Energiebedarf des Hauses stark zu reduzieren.
4. Finanzielle Aspekte und Förderung
Die Sanierung eines Hallenhauses kann mit hohen Kosten verbunden sein. Je nach Zustand des Gebäudes und der erforderlichen Maßnahmen können die Kosten schnell in die Tausende gehen. Es gibt jedoch Förderprogramme, die die Sanierung unterstützen können.
Die Familie Pape hat beispielsweise die KfW-Förderung genutzt, um ihr Hallenhaus nach dem Effizienzhausstandard 85 zu sanieren. Zudem erhielt sie eine Auszeichnung für ihre Sanierung in Form der „Grünen Hausnummer“ und wurde beim Landespreis der Kampagne ausgezeichnet.
Auch die Familie Glückstadt hat durch eine sorgfältige Planung und die Kombination aus Eigenleistung und professioneller Unterstützung eine erfolgreiche Sanierung ermöglicht.
Fazit
Die Sanierung von Hallenhäusern ist eine komplexe, aber lohnenswerte Aufgabe. Sie erfordert sowohl handwerkliche Kompetenzen als auch moderne Technologien, um den ursprünglichen Charakter der Gebäude zu bewahren und gleichzeitig den heutigen Standards gerecht zu werden. Praktische Beispiele wie die Sanierungen der Familien Glückstadt und Pape zeigen, dass es möglich ist, ein Hallenhaus nachhaltig und energieeffizient zu modernisieren.
Die Herausforderungen bei der Sanierung reichen von der Zustandsanalyse über die Dämmung bis hin zur Elektroinstallation und der Finanzierung. Es ist wichtig, sich bereits im Vorfeld über die möglichen Kosten und Förderprogramme zu informieren, um die Sanierung erfolgreich zu planen und durchzuführen.
Durch die Kombination aus traditionellen Bauweisen und modernen Technologien kann ein Hallenhaus nicht nur wieder in einen bewohnbaren Zustand versetzt werden, sondern auch als energieeffizientes und nachhaltiges Objekt in die Zukunft überführt werden.