Die Renovierung einer Hausfassade ist nicht nur eine Frage des ästhetischen Erscheinungsbildes, sondern auch ein zentraler Bestandteil der energetischen Sanierung und des Schutzes des baukulturellen Erbes. In Deutschland existiert ein breites Spektrum an Förderprogrammen, die Hausbesitzer*innen bei der Sanierung und Modernisierung ihrer Gebäude unterstützen. Diese Programme werden sowohl auf nationaler, als auch auf kommunaler Ebene angeboten und beinhalten unter anderem finanzielle Zuschüsse, zinsgünstige Kredite und steuerliche Vorteile.
In diesem Artikel wird ein detaillierter Überblick über die relevanten Fördermaßnahmen gegeben, basierend auf verfügbaren, öffentlich zugänglichen Informationen. Die Fokussierung liegt auf den finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten, den Anforderungen, die für die Inanspruchnahme der Förderungen bestehen, sowie auf Empfehlungen für eine effektive Planung und Durchführung einer Fassadenrenovierung.
Was umfasst die Renovierung einer Hausfassade?
Eine Fassadenrenovierung umfasst in der Regel mehrere Maßnahmen, die sowohl rein ästhetisch motiviert sind, als auch energetische Verbesserungen ermöglichen. Dazu gehören:
- Verputzen, Reinigen und Streichen der Fassade
- Rückbau von Fassadenverkleidungen und die Wiederherstellung historischer Strukturen
- Graffiti-Entfernung
- Schutzanstriche, die die Fassade vor Witterungseinflüssen schützen
- Dämmung der Außenwände, z. B. durch Wärmedämmverbundsysteme oder Einblasdämmungen
- Begrünung der Fassade, z. B. durch boden- oder wandgebundene Pflanzen
Diese Maßnahmen tragen dazu bei, das Erscheinungsbild einer Immobilie zu verbessern, den Energieverbrauch zu reduzieren und den Wert des Grundstücks langfristig zu steigern. Viele Förderprogramme richten sich explizit an Eigentümer*innen, die historische Fassaden sanieren, um das kulturelle und städtebauliche Erbe zu bewahren.
Bundesweit und regional verfügbare Förderprogramme
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist ein zentraler Ansprechpartner für Eigentümer*innen, die ihre Immobilien energetisch modernisieren möchten. Im Rahmen der BEG können sowohl Einzelmaßnahmen wie die Dämmung der Fassade als auch umfassende Sanierungen gefördert werden. Die Antragstellung ist jedoch nur möglich, wenn die Immobilie älter als fünf Jahre ist und der Bauantrag oder die Bauanzeige bereits vor diesem Zeitpunkt gestellt wurde.
BAFA-Zuschuss (BEG-Einzelmaßnahme)
Im Rahmen der BEG gibt es einen Zuschuss für Maßnahmen der Wärmedämmung als sogenannte Einzelmaßnahme an der Gebäudehülle. Der BAFA-Zuschuss beträgt:
- 15 % Zuschuss auf förderfähige Kosten bis 30.000 € pro Wohneinheit, maximaler Zuschuss: 4.500 €
- Bei Einbeziehung des individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) kann der Zuschuss auf 20 % erhöht werden, und die förderfähigen Kosten steigen auf 60.000 € pro Wohneinheit, maximaler Zuschuss: 12.000 €
Ein weiterer Bonus ist möglich, wenn mehrere vorgefertigte Bauteile verwendet werden – in diesem Fall erhält man einen zusätzlichen 15 % Bonus.
KfW-Kredit (Programm 261)
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet zinsgünstige Kredite für umfassende energetische Sanierungen an, die zu Effizienzhäusern führen. Dazu zählen verschiedene Formen der Fassadendämmung, wie:
- Kern- oder Einblasdämmung
- Wärmedämmverbundsysteme (WDVS)
- Vorhangfassaden
Ein Vorteil des KfW-Programms 261 ist, dass es nicht nur für eine umfassende Sanierung, sondern auch für Einzelmaßnahmen genutzt werden kann. Voraussetzung ist jedoch, dass die Sanierung mindestens zum Effizienzhaus-85-Standard führt. Zudem muss der Bauantrag oder die Bauanzeige mindestens fünf Jahre alt sein.
Steuerliche Vorteile
Neben den Zuschüssen und Krediten können die Kosten für die Sanierung auch steuerlich geltend gemacht werden. Bei der Antragstellung auf steuerliche Geltendmachung ist es wichtig, dass alle Kosten ordnungsgemäß belegt sind. Die steuerliche Geltendmachung ist insbesondere bei umfangreichen Sanierungen von Vorteil, da sie den individuellen Finanzierungsbedarf entlastet.
Regionale Förderprogramme – Beispiele aus Deutschland
Neben den nationalen Förderungen bieten auch viele Städte und Regionen eigene Programme an, um die Sanierung von Fassaden zu unterstützen. Diese Programme sind oft eng mit dem Ziel der Ortskernentwicklung verbunden und richten sich insbesondere an Eigentümer*innen im städtischen Zentrum.
Fassadenprogramm – Beispiel aus der Region Remscheid-Westharz
Im Fassadenprogramm der Region Remscheid-Westharz wird die Sanierung historischer Fassaden gefördert, um das baukulturelle Erbe zu bewahren. Teilnehmende Kommunen sind unter anderem Langelsheim, Seesen und Clausthal-Zellerfeld. Eigentümer*innen können eine Förderung der Nettokosten in Höhe von bis zu 2.600 € und mindestens 2.000 € erhalten. Die Antragstellung erfolgt über festgelegte Formulare und Vorgaben, die von den teilnehmenden Städten bereitgestellt werden.
Fassaden- und Hofprogramm – Beispiel aus der Westzipfelregion
Die Westzipfelregion hat ein Förderprogramm ins Leben gerufen, das sowohl die Renovierung der Fassade als auch die Aufwertung von Hofsituationen ermöglicht. Ziel ist es, die Ortslagen attraktiver und lebendiger zu gestalten. Die Förderung beträgt bis zu 50 % der zuwendungsfähigen Kosten mit einem maximalen Betrag von 10.000 € pro Objekt. Allerdings sind einige Quartiere, wie Heinsberg-Kirchhoven oder Selfkant-Höngen, bereits abgeschlossen. In Gangelt hingegen läuft das Programm noch bis voraussichtlich 2028.
Anreizprogramm Fassade und Dach – Beispiel aus Bad Vilbel
Die Stadt Bad Vilbel fördert die Sanierung und Renovierung von Fassaden im Kernbereich der Stadt. Dazu zählen Maßnahmen wie das Verputzen, Streichen, Reinigen der Fassade, die Entfernung von Graffitis und die Begrünung von Dach- und Fassadenflächen. Die Stadt unterstützt Eigentümer*innen finanziell, um das Erscheinungsbild der Stadt zu verbessern. Weitere Informationen und Anträge können beim Kernbereichsmanagement abgerufen werden.
Wichtig: Einbeziehung eines Energieberaters
Unabhängig davon, ob eine Einzelmaßnahme oder eine umfassende Sanierung geplant ist, ist die Einbeziehung eines zertifizierten Energieeffizienz-Expertinnen empfohlen. Diese Expertinnen helfen bei der Planung, Prüfung und Beantragung der Fördermittel. Sie stellen sicher, dass die technischen Anforderungen erfüllt werden und weisen auf mögliche Einsparpotenziale hin.
Ein Vorteil der Einbindung eines Energieberaters ist, dass dieser bei der Beantragung von Förderungen wie dem iSFP-Bonus oder der KfW-Förderung mitwirkt. Zudem kann ein Energieberater auch über regionale Förderprogramme informieren, die für die geografische Lage der Immobilie besonders relevant sein können.
Praktische Schritte bei der Planung einer Fassadenrenovierung
Die Planung einer Fassadenrenovierung sollte sorgfältig und in mehreren Schritten erfolgen. Nachstehend sind die wichtigsten Schritte aufgeführt:
Bestandsanalyse durchführen: Mithilfe eines Energieberaters wird der Ist-Zustand der Immobilie analysiert. Dazu gehören die Beurteilung der Fassade, der Dämmung, der Fenster und Türen sowie der Energieverbräuche.
Förderungsrecherche: Es werden alle relevanten Förderprogramme recherchiert, die für die geplante Maßnahme in Frage kommen. Dazu zählen Bundesprogramme wie die BEG und KfW, sowie regionale Programme.
Maßnahmenplan erstellen: Basierend auf der Bestandsanalyse und den Fördermöglichkeiten wird ein Maßnahmenplan erstellt. Dazu gehören die genaue Planung der Fassadenarbeiten, der Materialauswahl und der Finanzierung.
Anträge stellen: Nach Planung der Maßnahmen werden die entsprechenden Anträge bei den zuständigen Stellen gestellt. Bei komplexen Projekten kann die Unterstützung durch einen Energieberater entscheidend sein.
Bau und Kontrolle: Während der Bauphase ist es wichtig, dass die Arbeiten nach Plan durchgeführt werden und die geförderten Maßnahmen ordnungsgemäß umgesetzt werden. Nach Abschluss der Arbeiten werden oft nochmals Prüfungen durchgeführt, um die förderfähige Durchführung zu bestätigen.
Fazit
Die Renovierung einer Hausfassade ist eine Investition in die Zukunft der Immobilie. Sie verbessert nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch die Energieeffizienz und den Wert des Grundstücks. In Deutschland stehen dafür zahlreiche Förderprogramme zur Verfügung, die Hausbesitzerinnen finanziell entlasten können. Ob es sich um eine Einzelmaßnahme wie die Dämmung der Fassade oder eine umfassende Sanierung handelt – eine sorgfältige Planung und die Einbeziehung von Expertinnen sind unerlässlich.
Die Einhaltung der Anforderungen der Förderprogramme, die genaue Dokumentation der Maßnahmen und die Einbindung von Energieberatungsdiensten sind entscheidende Faktoren für den Erfolg der Renovierungsmaßnahmen. Mit der richtigen Planung und der Nutzung der verfügbaren Förderungen kann die Sanierung einer Fassade nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch und kulturell sinnvoll sein.