Die Sanierung und Renovierung historischer Gebäude ist in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus geraten, sowohl aus kulturellen als auch aus ökologischen Gründen. Immer mehr Eigentümer entscheiden sich dafür, ihre alten Häuser zu erhalten und fachgerecht zu sanieren, um den Charakter der Gebäude zu bewahren und gleichzeitig eine nachhaltige Wohnkultur zu fördern. In diesem Artikel wird auf Basis konkreter Beispiele, Projekte und Techniken besprochen, wie die Renovierung historischer Häuser gelingen kann – mit besonderem Fokus auf Stil, Nachhaltigkeit und die Nutzung historischer Baustoffe. Zudem werden aktuelle Herausforderungen bei der Sanierung von Altbauten sowie Lösungsansätze vorgestellt.
Alte Häuser sanieren: Herausforderungen und Chancen
Die Sanierung historischer Gebäude ist mit besonderen Herausforderungen verbunden. Oft handelt es sich um Objekte, die nicht mehr den heutigen baulichen und energietechnischen Standards entsprechen. Gleichzeitig sind sie aber Träger von Kulturgeschichte, regionalen Besonderheiten und oft auch von unverwechselbaren architektonischen Elementen. Die Balance zwischen Erhaltung und Modernisierung ist hier besonders wichtig.
Ein zentrales Problem bei der Sanierung von alten Häusern ist die Frage nach der Energieeffizienz. In der Sendung Neuer Look für altes 40er-Jahre-Haus wird beispielsweise beschrieben, dass Kessly und Sebastian bei der Sanierung ihres Hauses aus den 1940er Jahren feststellen mussten, dass es nicht möglich war, das Gebäude auf einen Nullenergiestandard zu bringen. Stattdessen entschieden sie sich für eine Kombination aus Ölheizung und Kaminofen, wobei der Kaminofen sich als ausreichend erwies, um das Haus über das offene Treppenhaus zu beheizen.
Ein weiterer Aspekt ist die Verwendung historischer Baustoffe und die Wiederbelebung von originalen Elementen. In Die Nordstory wird beschrieben, wie der Monumentendienst in Niedersachsen eine zentrale Rolle bei der Sanierung und Restaurierung historischer Häuser spielt. Dort werden historische Baustoffe gesammelt, die bei Abrissarbeiten gesichert wurden. Diese umfassen Steine, Balken, Türen, Fenster, gusseiserne Teile und Dachziegel. Diese Materialien können wiederverwendet werden, was nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch die ursprüngliche Erscheinung der Häuser bewahrt.
Ein weiteres Beispiel ist die Restaurierung der Stadtvilla in Varel, die Frank Walther von seinem Urgroßvater geerbt hat. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1899 und war lange leer gestanden. Mit Hilfe des Monumentendienstes will er dem Haus neues Leben einhauchen und es komplett restaurieren. Ein ähnliches Projekt ist das von Kathrin Rebber aus Berge, die einen Bauernhof von 1829 erworben hat und ihn mit dem Monumentendienst gemeinsam fachgerecht erneuern möchte.
Nachhaltigkeit im Fokus: Baustoffe und Techniken
Ein entscheidender Aspekt der Sanierung historischer Häuser ist die Nutzung nachhaltiger Baustoffe. In den Beispielen aus Neuer Look für altes 40er-Jahre-Haus und Die Nordstory wird deutlich, wie wichtig es ist, regionale Materialien zu verwenden und Ressourcen zu schonen.
Ein solches Material ist Lehm. Es wird in Kesslys und Sebastians Projekt verwendet, um Wände zu verputzen. Lehm überzeugt nicht nur durch seine grobe Struktur, sondern auch durch seine natürlichen Eigenschaften. Er kann Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben, wirkt im Sommer kühlend und ist ein guter Wärmespeicher. Zudem absorbiert er Gerüche, verursacht keine Allergien und kann jederzeit neu angerührt werden. Ein Nachteil ist allerdings, dass aufgrund der Flächenheizung hinter den Lehmwänden keine Regale oder Bilder angeschraubt werden können. Hier können jedoch kostengünstige Galerieleisten verwendet werden, die in die Decke gebohrt werden können.
Ein weiteres Beispiel ist die Wiederverwendung des originalen Dielenbodens, der während der Renovierung unter einem Teppich entdeckt wurde. Kessly und Sebastian haben diesen Boden abgeschliffen und aufbereitet, um den ursprünglichen Charme zu bewahren. An Stellen, an denen dies nicht mehr möglich war, wurden Naturschieferplatten aus dem Hunsrück verlegt. Dieser Schiefer ist auch an einer der Außenwände und im Garten wiederzufinden, was zeigt, wie wichtig es ist, Materialien in verschiedenen Bereichen des Hauses sinnvoll zu nutzen.
Sichtbeton: Modernität und Stil
Sichtbeton ist ein weiterer Baustoff, der in der Sanierung historischer Häuser eingesetzt wird, um einen modernen, minimalistischen Look zu erzielen. Kessly und Sebastian setzten in ihrem Projekt auf Sichtbeton, um den Eingangsbereich und eine Terrasse zu gestalten. Der Sichtbeton-Cubus dient dabei als erweiterter Eingangsbereich mit zusätzlichem Platz für Schuhe und Jacken. Die Terrasse, die auf der Garage thront und einen direkten Blick in die Weinberge bietet, wird überdacht mit einem extra großen Sonnensegel, das an der Hauswand befestigt ist. Ein Bauelement aus Sichtbeton dient als Sichtschutz und ist auch als Waschbetonbodenbelag auf der Terrasse wiederzufinden.
Stilvolle Gestaltung: Minimalismus und Individualität
Die Sanierung historischer Häuser erlaubt es nicht nur, die originalen Elemente zu bewahren, sondern auch, diese mit modernen Materialien und Designs zu kombinieren. Kessly und Sebastian entschieden sich beispielsweise für einen minimalistischen Stil, der sich in der Innen- und Außengestaltung widerspiegelt. Dazu setzten sie auf eine Farbwelt aus Beige-, Grau-, Weiß- und Goldtönen. Der Stil, der „weniger ist mehr“ verfolgt, ist insbesondere bei der Einrichtung und Gestaltung des Wohnbereichs deutlich erkennbar.
Im Erdgeschoss haben die beiden alle Wände entfernt und den Raum zu einem offenen Wohnbereich umgebaut. Statt einer herkömmlichen Küche entschieden sie sich für einen Kochbereich, der an eine „Showküche“ erinnert. Der Stil orientiert sich an einem Sideboard, das eine Kombination aus grifflosen IKEA-Korpussen und -Fronten mit einer maßangefertigten Schreinerarbeitsplatte darstellt. Auf diese Weise konnten sie den „günstigeren“ IKEA-Look mit etwas „Hochwertigerem“ kombinieren, um einen attraktiven Preis zu erzielen.
Geheizt wird der große Wohnbereich über eine Wandheizung anstelle von klassischen Heizkörpern. Da das Know-How in der Region fehlte, bauten Sebastian und seine Freunde selbst ein Rohrsystem an die Wände, durch die warmes Wasser geleitet wird. Um die Leitungen optisch zu verkleiden, verputzten sie die Wände mit Lehm, was nicht nur eine erdig, wohlig-warme und gemütliche Atmosphäre schafft, sondern auch ressourcenschonend abbaubar ist.
Der Wert des Erhalts: Historische Elemente und kulturelle Identität
Die Sanierung historischer Häuser ist nicht nur eine technische, sondern auch eine kulturelle Aufgabe. Das Erhalten historischer Gebäude ist ein aktiver Beitrag zur Bewahrung von Kulturgeschichte und regionaler Identität. In den Beispielen aus Die Nordstory wird deutlich, wie wichtig es ist, historische Baustoffe und Elemente zu nutzen, um das Originalgefühl zu bewahren.
Ein weiteres Beispiel ist das historische Steinhaus in Uttum, das dem 90-jährigen Jürgen Ahrend gehört. Das Haus, das zu den ältesten Häusern in Ostfriesland zählt, birgt viele Raritäten. Es war jedoch schwierig, das Dach richtig zu sanieren, da der Bauunternehmer die falschen Ziegel verwendete. Der Monumentendienst unterstützt in solchen Fällen, indem er fachkundige Mitarbeitende zur Verfügung stellt, die das Bauwerk inspizieren und bei der Restaurierung beraten.
Ein weiteres Projekt ist das von Kathrin Rebber, die einen vollkommen eingewachsenen Bauernhof von 1829 erworben hat. Dieses für die Region typische Fachwerkhaus will sie mit ihrem Lebenspartner aus dem Dornröschenschlaf erwecken. Da sie keine handwerklichen Fähigkeiten hat, braucht sie Unterstützung vom Monumentendienst, der ihr bei der Restaurierung berät und Materialien bereitstellt.
Praktische Tipps für die Sanierung
Die Sanierung historischer Häuser erfordert nicht nur Planung und fachliche Kompetenz, sondern auch eine sorgfältige Auswahl der Baustoffe und Techniken. Hier sind einige konkrete Tipps, die sich aus den beschriebenen Projekten ableiten lassen:
1. Kombination aus Altem und Neuem
Es ist sinnvoll, historische Elemente so weit wie möglich zu erhalten und diese mit modernen Materialien zu kombinieren. Dies ermöglicht es, die ursprüngliche Erscheinung des Hauses zu bewahren, während gleichzeitig moderne Anforderungen erfüllt werden.
2. Nutzung von Lehm
Lehm ist ein nachhaltiger Baustoff, der sich besonders gut für die Sanierung historischer Häuser eignet. Er reguliert die Feuchtigkeit, speichert Wärme und ist umweltfreundlich. Allerdings ist zu beachten, dass keine Regale oder Bilder in Lehmwände geschraubt werden können.
3. Wiederverwendung von Baustoffen
Der Monumentendienst in Niedersachsen bietet eine große Auswahl an historischen Baustoffen an, die wiederverwendet werden können. Dies spart nicht nur Kosten, sondern auch Ressourcen und trägt zur Nachhaltigkeit bei.
4. Sichtbeton für moderne Akzente
Sichtbeton kann verwendet werden, um moderne Akzente in historischen Häusern zu setzen. Er eignet sich gut für Eingangsbereiche, Terrassen und Wandverkleidungen.
5. Offene Räume schaffen
Der Umbau zu offenen Wohnbereichen kann das Wohngefühl in historischen Häusern deutlich verbessern. Hierzu können Wände entfernt und Räume neu gestaltet werden.
Fazit
Die Sanierung historischer Häuser ist eine Herausforderung, die sich lohnt. Sie ermöglicht es, die Kulturgeschichte zu bewahren, nachhaltige Materialien zu nutzen und moderne Wohnbedürfnisse zu erfüllen. Durch die Kombination aus Altem und Neuem entstehen Räume, die sowohl charaktervoll als auch funktional sind. Die Beispiele aus Neuer Look für altes 40er-Jahre-Haus und Die Nordstory zeigen, wie es möglich ist, historische Häuser fachgerecht zu sanieren und gleichzeitig den Charakter zu bewahren. Ob mit Lehm, Sichtbeton oder historischen Baustoffen – die Sanierung alter Häuser ist ein Prozess, der mit Planung, fachlicher Kompetenz und Kreativität gelingen kann.