Einleitung
Die Renovierung einer Kirche ist stets ein Projekt mit großer symbolischer und praktischer Bedeutung. Sie verbindet Glaube, Architektur, Technik und soziales Engagement. In der evangelischen Kirchengemeinde Kißlegg wurde die Renovierung nicht nur als bauliche Maßnahme verstanden, sondern als gemeinschaftliches Unternehmen, das die aktive Teilnahme der Gemeindeleute, einschließlich Jugendlicher, ermöglichte.
Im Zeitraum von 2021 bis 2024 fanden umfassende Renovierungsarbeiten an der Kirche in Kißlegg statt, die sowohl die äußere als auch die innere Substanz der Kirche betrafen. Dabei spielten nicht nur fachliche Kompetenzen eine Rolle, sondern auch das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen – darunter auch Jugendliche, die sich in verschiedenen Formen in das Projekt einbrachten.
Dieser Artikel zeigt anhand der Renovierung der Kirche in Kißlegg, wie Jugendliche in kirchlichen Bauvorhaben aktiv werden können und welche Aspekte bei solchen Projekten für einen reibungslosen Ablauf entscheidend sind. Zudem werden die baulichen Maßnahmen, die Finanzierung und die organisatorischen Strukturen beschrieben, um ein umfassendes Bild von der Renovierung zu geben.
Die Bauphase: Ein zweijähriges Gemeinschaftsunternehmen
Die Renovierung der evangelischen Kirche in Kißlegg begann im Herbst 2021 mit der Außen- und Dachinstandsetzung und endete im Sommer 2024 mit der Fertigstellung der Innenrenovierung. Die gesamte Bauphase war in zwei Bauabschnitte unterteilt, die jeweils aufeinander aufbauten und verschiedene bauliche Herausforderungen beinhalteten.
Bauabschnitt 1: Außen- und Dachinstandsetzung (Herbst 2021 – Ende 2022)
Im ersten Bauabschnitt wurden die äußeren Strukturen der Kirche instandgesetzt. Dazu gehörten unter anderem:
Verpressung von Rissen im Mauerwerk
Um die Stabilität des Mauerwerks zu sichern, wurden Risse mit speziellen Materialien verpresst und vernadelt.Sanierung des hölzernen Dachtragwerks
Bei der Inspektion wurde festgestellt, dass Fäulnisschäden an einigen Stellen vorlagen. Diese wurden repariert, Holzverbindungen ertüchtigt und vier Stahlböcke zur statischen Verstärkung eingebaut. Dies war notwendig, um die erhöhte Schneelast sowie die Gewichtsbelastung der Photovoltaik-Anlage tragen zu können.Neue Dachschalung und Dachdeckschicht
Das Dach wurde von innen mit einer Dachschalung versehen und außen mit einem neuen Dachbelag eingedeckt. Zudem wurden Dachrinnen, Blechanschlüsse und der Blitzschutz erneuert.Renovierung des Außenputzes
Der äußere Putz wurde instandgesetzt und neu gestrichen, wodurch die Kirche wieder optisch aufgefrischt wurde.Photovoltaikanlage
Auf der Südwand des Kirchendachs wurde eine Photovoltaikanlage installiert, die einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energieeffizienz leistet.
Bauabschnitt 2: Inneninstandsetzung (Herbst 2023 – Mitte 2024)
Der zweite Bauabschnitt konzentrierte sich auf die Innensanierung und umfasste umfangreiche bauliche und technische Maßnahmen:
Neue Elektroinstallation
Die alte Elektroinstallation wurde vollständig erneuert. Die ineffiziente Elektro-Bankheizung wurde durch eine unterputzverlegte Wandtemperierung ersetzt, die über die Holzpelletsheizung im Pfarrhaus betrieben wird. Dieses System sorgt für eine gleichmäßige Wärmeverteilung und ermöglicht flexible Nutzungsmöglichkeiten des Kirchenraums.Neue Bodenbeläge
Der hölzerne, erhöhte Gestühlsboden sowie die rutschigen Fliesen im Kirchenraum wurden entfernt. Der gesamte Kirchenboden wurde durch einen großformatigen Steinbelag ersetzt, der sich durch seine Ebenheit und den sakralen Charakter auszeichnet.Neue Farbgestaltung
Wandflächen, die Emporenbrüstung und der Treppenaufgang wurden neu gestrichen. Dies trug zu einer hellen, wohltuenden Atmosphäre bei.Umbau des Altarraums
Das Holzpodest im Chorraum wurde abgebaut und die Chorstufe in den Kirchenschiffbereich verlegt. Dadurch wurde der Altarraum in das Gesamtkirchenbild integriert und der Altar wieder in den Mittelpunkt gestellt.Neue Textilbeläge in Empore und Windfang
Um die Raumakustik zu verbessern, erhielten Empore und Windfang einen neuen Textilbelag, der Schallabsorption und Bequemlichkeit fördert.
Diese baulichen Maßnahmen zeigen, wie eine Kirche nicht nur funktionell, sondern auch ästhetisch und technisch modernisiert werden kann, ohne den sakralen Charakter zu verlieren.
Das Engagement der Gemeinde: Jugendliche im Einsatz
Eine der herausragenden Aspekte der Renovierung in Kißlegg war das umfassende Engagement der Gemeinde, insbesondere auch der Jugendlichen. Die Renovierung war nicht nur ein Projekt des Kirchengemeinderats oder der Handwerker, sondern ein Gemeinschaftsunternehmen, in dem viele Hände mit anpackten.
Eigenleistungen und ehrenamtliche Arbeit
Im Bauausschuss der Kirchengemeinde wurden Arbeitseinsätze organisiert, bei denen auch Jugendliche mitwirkten. Sie unterstützten bei der Organisation, bei der Vorbereitung von Materialien und bei der Ausführung einfacherer Arbeiten. Besonders in den Phasen, in denen die Kirche nicht vollständig gesperrt war, halfen sie bei der Versorgung der ehrenamtlichen Handwerker mit Essen und Getränken, was den Ablauf der Arbeiten positiv beeinflusste.
Zudem beteiligten sich Jugendliche an kreativen Aktionen wie Basteln, Backen und der Herstellung von selbstgemachter Marmelade, um Spenden für das Projekt zu sammeln. Solche Aktionen ermöglichten es, nicht nur finanziell, sondern auch sozial und emotional zur Renovierung beizutragen.
Die Bedeutung von Teamarbeit
Die Renovierung war ein Paradebeispiel dafür, wie Teamarbeit und Engagement junge Menschen in kirchliche Strukturen integrieren können. Durch ihre Teilnahme erhielten sie nicht nur Einblick in bauliche und organisatorische Prozesse, sondern auch ein Gefühl der Verantwortung und des Stolzes.
Die Kirchengemeinde Kißlegg betonte wiederholt, wie wichtig das Engagement der Jugendlichen war, um das Projekt zum Erfolg zu führen. Jugendliche, die sich für kirchliche Strukturen interessieren, fanden in diesem Projekt nicht nur eine sinnvolle Beschäftigung, sondern auch die Möglichkeit, sich in eine Gemeinschaft einzubringen und sichtbar zu werden.
Finanzierung und Spendengemeinschaft
Die Renovierung einer Kirche ist stets mit hohen Kosten verbunden. In Kißlegg wurde die Finanzierung durch eine Kombination aus kirchlichen Mitteln, Spendengemeinschaften und Eigenleistungen ermöglicht.
Kirchliche Mittel
Die Kirchengemeinde nutzte kirchliche Mittel, die unter anderem durch die Kirchensteuer finanziert werden. In Zeiten, in denen das Kirchensteueraufkommen zurückging, spielten diese Mittel eine entscheidende Rolle.
Spenden und ehrenamtliche Unterstützung
Zahlreiche Spenden von Gemeindegliedern ermöglichten es, die Renovierung zu finanzieren. Besonders in Phasen, in denen die Kirche für Gottesdienste eingeschränkt genutzt werden konnte, zeigten sich die Menschen mit Geduld und großzügigkeit, was die Spendengemeinschaft stärkte.
Eigenleistungen
Die Kirchengemeinde betonte, dass viele Arbeiten durch Eigenleistungen ermöglicht wurden. Dies reduzierte die Kosten erheblich und zeigte, wie wichtig es ist, bauliche Projekte durch ehrenamtliche Arbeit zu unterstützen.
Organisatorische Strukturen und Partner
Die Renovierung der Kirche in Kißlegg wurde nicht isoliert durchgeführt, sondern in engem Austausch mit verschiedenen Partnern und Institutionen.
Kirchengemeinderat
Der Kirchengemeinderat, in dessen Vorsitz Christoph Mayer stand, spielte eine zentrale Rolle. Er koordinierte die Finanzierung, die Planung und die Umsetzung des Projekts. Seine engagierte Führung war ein entscheidender Faktor für den Erfolg.
Oberkirchenrat
Der Oberkirchenrat wurde in die Planung einbezogen, um bauliche Empfehlungen zu geben. Seine Berichte und Vorschläge flossen in die Entscheidungen ein, was die Qualität der baulichen Maßnahmen sicherte.
Bausachverständige
Der Bausachverständige Karl Hertel, Dipl.-Ing. FH, begleitete das Projekt und sorgte dafür, dass die baulichen Maßnahmen den Anforderungen entsprachen. Seine Expertise war entscheidend, um mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und abzusichern.
Sicherheit und soziales Klima auf der Baustelle
Die Renovierung in Kißlegg war auch ein Beispiel für eine harmonische Baustellensituation. Trotz der Komplexität der Arbeiten und der vielfältigen Beteiligten blieb das Klima auf der Baustelle friedlich und kooperativ. Es herrschte ein Klima der gegenseitigen Wertschätzung, Rücksichtnahme und Unterstützung.
Sicherheit
Die Kirchengemeinde betonte, dass bei den Bauarbeiten niemand zu Schaden kam. Dies ist besonders in Projekten, in denen ehrenamtliche Hände mit anpacken, von großer Bedeutung.
Wertschätzung und Dank
Die Kirchengemeinde zeigte sich dankbar für das Engagement aller Beteiligten. Besonders hervorgehoben wurden die Handwerker, die sich mit Fachwissen und Herzblut in das Projekt einbrachten. Zudem wurden die kirchlichen und sozialen Strukturen gewürdigt, die den Rahmen für die Renovierung schufen.
Fazit
Die Renovierung der evangelischen Kirche in Kißlegg war nicht nur ein bauliches Projekt, sondern ein sozialer Prozess, in dem Jugendliche, Gemeindeleute, Handwerker und kirchliche Strukturen eng miteinander verbunden waren. Sie zeigte, wie bauliche Herausforderungen durch Teamarbeit, Engagement und finanzielle Unterstützung gemeistert werden können.
Jugendliche hatten in diesem Projekt eine besondere Rolle. Sie halfen nicht nur bei der Organisation und Ausführung von Arbeiten, sondern trugen auch durch kreative Aktionen und Spendengemeinschaften zum Gelingen des Projekts bei. Diese Erfahrung kann ein Vorbild für andere Gemeinden sein, in denen junge Menschen aktiv in kirchliche und soziale Projekte eingebunden werden können.
Die Renovierung war zudem ein Beweis dafür, wie wichtig es ist, bauliche Maßnahmen mit sozialem Engagement zu verbinden. Nur durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten war es möglich, die Kirche auf die Zeit der Zukunft vorzubereiten – technisch, ästhetisch und spirituell.