Renovierung und Erneuerung der St.-Mang-Kirche Kempten – Ein historischer Kirchenbau im Wandel der Zeit

Die St.-Mang-Kirche in Kempten ist nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein bedeutendes Kultur- und Bauwerk der Region. Mit Ursprüngen, die bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, und einer stolzen Geschichte, die die romanische, gotische, barocke und regotische Epoche umfasst, ist diese Kirche ein lebendiges Dokument der baulichen und künstlerischen Entwicklung im Allgäu. In den letzten Jahrzehnten haben mehrere umfangreiche Renovierungsarbeiten dazu beigetragen, den Kirchenbau sowohl architektonisch als auch funktional auf den neuesten Stand zu bringen.

In diesem Artikel werden die historischen Entwicklungen, die architektonischen Merkmale sowie die kürzlich durchgeführten Renovierungsmaßnahmen der St.-Mang-Kirche genauer betrachtet. Zudem wird ein Überblick über die bedeutenden kirchlichen Ausstattungsgegenstände gegeben, die im Zuge der Renovierungsarbeiten erhalten oder neu gestaltet wurden.

Historische Entwicklung der St.-Mang-Kirche

Die St.-Mang-Kirche wurde erstmals im 9. Jahrhundert als dreischiffige romanische Basilika errichtet. Die Kirche trägt den Namen des Heiligen Magnus, eines Missionars aus St. Gallen, der für die Verbreitung des Christentums in der Region sorgte. Im Jahr 1527 wurde die Kirche in den evangelischen Glauben übernommen, und in den folgenden Jahrzehnten spielte sie eine zentrale Rolle im kirchlichen Leben des Oberallgäus.

Ein entscheidender Baupunkt in der Geschichte der Kirche war die gotische Erweiterung zwischen 1426 und 1428. In dieser Zeit wurde das Gotteshaus nach Westen verlängert, und der Turm, der heute 66 Meter hoch ist, wurde mit Unterstützung von Ablassgeldern errichtet. Diese Veränderungen prägten das Erscheinungsbild der Kirche stark und verliehen ihr den gotischen Charakter, der bis heute erkennbar ist.

Im 18. Jahrhundert – genauer gesagt 1767 – folgte eine umfassende Erneuerung im Stil des Barocks. Diese Transformation betraf sowohl die äußere Architektur als auch die innere Ausstattung der Kirche. Allerdings hielt dieser barocke Stil nicht lange an: Nur hundert Jahre nach der Erneuerung wurde die Kirche wieder regotisiert, um ihre ursprüngliche Form und Stimmung zu bewahren.

1911 erhielt die St.-Mang-Kirche ihre heutige Gestalt, wodurch sie sowohl architektonisch als auch funktional stabilisiert wurde. Eine weitere Renovierung fand 2007 statt, bei der der Altarraum neu gestaltet wurde. Diese Renovierung war Teil eines umfassenden Sanierungskonzepts, das die baulichen Strukturen und die kirchliche Ausstattung modernisierte, ohne den historischen Charakter zu verlieren.

Architektonische Merkmale der St.-Mang-Kirche

Die St.-Mang-Kirche ist ein beeindruckendes Beispiel für die Entwicklung des Kirchenbaus in der Region. Das mächtige Langhaus ist 34 Meter lang und 17 Meter breit, wobei es sich aus dem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen zusammensetzt. Die Kirche verfügt über einen markanten Turm, der im gotischen Stil errichtet wurde und 66 Meter hoch ist.

Ein weiteres architektonisches Highlight ist die sogenannte „Südhalle“, ein Anbau, der zwischen 1512 und 1519 errichtet wurde und sich früher auf drei gotische Kapellen öffnete. Diese Halle ist ein weiteres Zeugnis der gotischen Bauphase und unterstreicht die Bedeutung der Kirche als religiöses und kulturelles Zentrum.

Im Zuge der barocken Umgestaltung in den 1760er Jahren wurden Haupt- und Seitenschiffe barockisiert, wobei Elemente wie die acht Putten oberhalb der Seitenschiffe als Reste dieser Epoche bis heute erhalten geblieben sind. Diese Mischung aus gotischen und barocken Elementen macht die St.-Mang-Kirche zu einem besonderen Beispiel für den Wandel im Kirchenbau.

Die Kanzel und ihre Bedeutung

Eine zentrale Rolle in der Ausstattung der St.-Mang-Kirche spielt die Kanzel, die seit 1577 im Mittelschiff steht. Die heutige Kanzel stammt aus dem Jahr 1608 und ist ein Renaissance-Werk aus Nussbaumholz. Sie ist durch ihr achteckiges Schalldeckel mit Volutenpyramide und die Klappbänke für die Gemeinde besonders auffällig. Das Kruzifixus-Bild hinter der Kanzel entstammt der Hand des Künstlers Hieronymus Hau (1726), während die Gemälde „Jesus in Gethsemane“ und „Auferweckung des Töchterleins des Jairus“ von Ludwig Thiersch (1868) stammen.

Die Kanzel ist nicht nur eine zentrale architektonische Komponente, sondern auch ein zentraler Ort der Predigt und des Gottesdienstes. Ihre Erhaltung und Pflege sind somit von besonderer Bedeutung, insbesondere im Rahmen der Renovierungsarbeiten der Kirche.

Die Orgel – ein zentraler Bestandteil der kirchlichen Ausstattung

Die Orgel der St.-Mang-Kirche ist ein weiteres beeindruckendes Element, das im Zuge der Renovierungsarbeiten in den Fokus gestanden hat. Die aktuelle Hauptorgel wurde 1987 von der Kaufbeurer Orgelbauwerkstatt Schmid installiert und hat seither eine entscheidende Rolle im kirchlichen Leben gespielt. In den letzten Jahren wurde sie von der Bonner Orgelbau-Firma Klais grundlegend erneuert und klanglich erweitert.

Die Renovierung umfasste nicht nur die Entfernung von Schmutz und Schimmel, sondern auch die Anpassung des Instruments an moderne musikalische und akustische Anforderungen. Dazu wurden Register wie Trompete, Oboe, Posaune und Fagott hinzugefügt, um die klangliche Bandbreite zu vergrößern. Zudem wurden scharfe und spitze Töne abgeschwächt, um einen harmonischeren Klang zu erzielen. Diese Maßnahmen trugen dazu bei, die Orgel in ihre neue Funktion als zentraler musikalischer Ausdrucksort der Kirche zu überführen.

Die Orgel hat fünf Manuale, einen Pedalbereich und insgesamt 51 klingende Register, verteilt auf 4194 Pfeifen. Damit gehört sie zu den größeren und klanglich vielfältigsten Orgeln im Allgäu. Die Spieltraktur ist rein mechanisch, was den Klang weiter veredelt und eine direkte Verbindung zwischen Organist und Instrument gewährleistet.

Der Schnitzaltar – ein Meisterwerk aus Memmingen

Ein weiteres künstlerisches Highlight der St.-Mang-Kirche ist der Schnitzaltar, der in Memmingen um 1890 nach einem Entwurf des Nürnberger Architekten J.M. Schmitz entstand. Der Altar wurde von den Bildhauer Fritz Schiemer und dem Kunstschreiner Leonhard Vogt geschaffen und folgt stilistisch den Vorbildern Tilman Riemenschneiders und Hans Brüggemanns. Die Szenen, die der Altar darstellt, sind dem Leben Jesu entnommen.

Der Schnitzaltar wurde 1893 auf der Weltausstellung in Chicago mit einer Auszeichnung bedacht und 1896 von dem Kemptener Fabrikanten August Heinrich Leonhard Gyr für die St.-Mang-Kirche erworben. Seither ist er ein zentraler Bestandteil der kirchlichen Ausstattung und ein faszinierendes Beispiel für den sakralen Schnitzkunststil der späten Neuzeit.

Die Chorraumfenster – ein historisches Kunstwerk

Die Chorraumfenster der St.-Mang-Kirche sind ein weiteres künstlerisches Highlight, das im Zuge der Renovierungsarbeiten intensiv geprüft und restauriert wurde. Diese Fenster entstanden in mittelalterlicher Grisaille-Technik und wurden zwischen 1866 und 1869 in den Werkstätten der Gebrüder Klaus in Nürnberg gefertigt. Die künstlerische Leitung lag bei Johann Klaus von Kreling und Friedrich Wanderer, die beide zur königlich-bayerischen Kunstgewerbeschule gehörten.

Die Einbau der Fenster wurde durch eine Stiftung von Regine von Neubronner ermöglicht. In den Jahren 2011/12 fand eine Generalsanierung der Fenster statt, bei der sie sorgfältig restauriert und ihre ursprüngliche Farbgebung wiederhergestellt wurde. Diese Maßnahmen trugen dazu bei, die historische Bedeutung und künstlerische Qualität der Fenster für zukünftige Generationen zu bewahren.

Der neue Altarraum – ein neuer spiritueller Mittelpunkt

Im Jahr 2007 fand eine umfassende Renovierung der St.-Mang-Kirche statt, bei der der Altarraum neu gestaltet wurde. Der neue Altarraum wurde auf der Schwelle zum Chor errichtet und von dem Münchner Künstler Werner Mally konzipiert. Er besteht aus drei Prinzipalien: Altar, Lesepult und Taufbecken, alle aus Eschenholz gefertigt.

Der Altarraum verfolgt das Ziel, eine Einheit aus Spiritualität und Kunst zu schaffen. Gleichzeitig ist er in den Dialog mit der historischen Umgebung – Schnitzaltar, Fenster und Chorgestühl – getreten, um eine harmonische und spirituelle Atmosphäre zu schaffen. Die Renovierung des Altarraums war ein zentraler Bestandteil des Sanierungsprojekts und trug dazu bei, den Altarraum als zentralen Ort der Andacht und des Glaubens zu etablieren.

Die Stille Ecke – ein Ort der Ruhe und Meditation

Ein weiteres architektonisches Highlight der St.-Mang-Kirche ist die sogenannte „Stille Ecke“. Dieser Bereich der Kirche bietet einen speziellen Ort zum Innehalten, Meditieren und Nachdenken. Die Stille Ecke ist durch ihre gotischen Reste eines Seitenaltars aus dem 12. Jahrhundert, ihre romanischen und gotischen Ziegelfliesen mit Tier- und Blattmotiven sowie durch die mobilen Spindeln aus Eschenholz, die von Werner Mally entworfen wurden, besonders beeindruckend gestaltet.

Diese Spindeln sind als Verbindungen zwischen Himmel und Erde konzipiert und tragen zur spirituellen Atmosphäre der Stille Ecke bei. Die Stille Ecke ist somit nicht nur ein architektonisches Detail, sondern auch ein symbolträchtiger Ort, der die spirituelle Funktion der Kirche unterstreicht.

Fazit

Die St.-Mang-Kirche in Kempten ist ein beeindruckendes Beispiel für den Wandel und die Erneuerung kirchlicher Bauten im Laufe der Zeit. Mit ihren romanischen Ursprüngen, gotischen und barocken Veränderungen sowie den modernen Renovierungsarbeiten ist sie ein lebendiges Dokument der kulturellen und architektonischen Entwicklung der Region. Die Renovierungen, die in den letzten Jahrzehnten durchgeführt wurden, trugen dazu bei, die Kirche sowohl baulich als auch funktional auf den neuesten Stand zu bringen, ohne dabei den historischen Charakter zu verlieren.

Die künstlerischen Ausstattungsgegenstände – von der Kanzel über die Orgel bis hin zum Schnitzaltar und den Chorraumfenstern – unterstreichen die Bedeutung der St.-Mang-Kirche nicht nur als religiöses Zentrum, sondern auch als Kulturdenkmal. Die Renovierungsarbeiten waren somit nicht nur technische und bauliche Maßnahmen, sondern auch kulturelle und spirituelle Investitionen in die Zukunft der Kirche und ihrer Gemeinde.

Quellen

  1. Allgäuer Zeitung
  2. Radwege Kirchen
  3. Evangelisch Kempten

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