Die Renovierung und Sanierung von Kindertagesstätten (KiTas) ist ein zentraler Punkt im Bildungsbereich der frühen Kindheit. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass nicht nur die öffentliche Hand, sondern auch Gemeinschaften, Eltern und private Unternehmen eine aktive Rolle in diesem Prozess spielen können. Die Initiative zur Sanierung in Eigenregie bietet Chancen, die über finanzielle Einsparungen hinausgehen – sie stärkt soziale Bindungen, fördert die Partizipation und kann sogar innovative pädagogische Räume ermöglichen. In diesem Artikel werden die praktischen Beispiele, Rahmenbedingungen, organisatorischen Herausforderungen und die Rolle von Eltern, Vereinen und Kommunen in der Renovierung von Kindertagesstätten im Fokus stehen.
Sanierung in Eigenregie: Motivation und Rahmenbedingungen
Die Sanierung einer Kindertagesstätte in Eigenregie ist meist ein Zeichen von hoher Motivation und engagierter Gemeinschaft. In vielen Fällen ist der Ausgangspunkt eine Notwendigkeit: entweder durch bautechnische Mängel oder durch einen Rückgang der Kinderanzahl. In Flemmingen (Burgenlandkreis), einem Dorf mit 452 Einwohnern, war die Schließung der Kita ursprünglich beschlossen, doch die Dorfgemeinschaft entschied sich, das marode Gebäude zu sanieren, um den Betrieb fortzusetzen. Hierbei spielten ehrenamtliche Stunden eine entscheidende Rolle – über 12.500 Arbeitsstunden wurden investiert, um das Kita-Gebäude in einen neuen Zustand zu bringen. Die Kosten beliefen sich auf rund 750.000 Euro, finanziert durch Spenden. Der Umbau umfasste die Entkerung des alten Gebäudes und den Anbau eines Mehrzweckraums, der später sowohl für pädagogische als auch für sportliche Aktivitäten genutzt wird.
Eine ähnliche Situation bestand in Oberderdingen, wo die Kindertagesstätte IdeenReich im Rahmen der Corona-bedingten Schließzeit einen Bauwagen für Waldprojektwochen renovierte. Mit Unterstützung des Bauhofs und engagierten Mitarbeitern wurde der ursprünglich braune Bauwagen in ein grün-gefärbtes und funktional modernisiertes Objekt umgewandelt. Innerlich bekam der Bauwagen klappbare Tischchen, während außen Fächer für Wechselkleidung entstanden. Zudem wurden pädagogische Elemente wie ein Sitzkreis mit Flechtzaun und Holzstümpfen gebaut, die für das Essen und das Kinderforum genutzt werden.
Diese Beispiele zeigen, dass die Renovierung einer Kita in Eigenregie nicht nur eine reine Baumaßnahme darstellt, sondern auch eine Chancen- und Partizipationsstrategie. Sie erfordert jedoch Planung, Koordination, Zeit und oft auch finanzielle Unterstützung. Es ist wichtig zu wissen, welche Aspekte dabei besonders beachtet werden müssen und wie der Prozess strukturiert werden kann.
Vorteile der Eigenregie-Sanierung
Die Sanierung in Eigenregie bietet mehrere Vorteile, die sich sowohl für die Kita als auch für die Gemeinschaft lohnen können:
Kosteneinsparung durch ehrenamtliche Arbeit
In Flemmingen konnten über 12.500 ehrenamtliche Arbeitsstunden eingesetzt werden, was die notwendigen Investitionen erheblich reduzierte. Solche Projekte sind besonders in kleineren Gemeinden attraktiv, da sie oft den finanziellen Spielraum der öffentlichen Hand ergänzen können.Soziale Einbindung und Gemeinschaftsgefühl
Die Beteiligung von Eltern, Vereinen oder lokalen Unternehmen stärkt die soziale Bindung im Dorf oder Stadtteil. In Flemmingen betreute der Dorfgemeinschaftsverein den Umbau und profitierte selbst von dem neuen Mehrzweckraum, der auch für Yoga oder andere Aktivitäten genutzt wird. Dies zeigt, wie ein Projekt wie eine Kita-Renovierung auch über die pädagogische Arbeit hinaus positive Effekte auf die Gemeinschaft hat.Flexibilität in der Planung
Wenn die Kita selbst oder eine Gruppe aus Eltern und Vereinen die Sanierung übernimmt, kann die Planung flexibler gestaltet werden. In Oberderdingen wurde beispielsweise ein Bauwagen nicht nur gestrichen, sondern auch mit neuen Funktionen ausgestattet, die direkt in den pädagogischen Kontext passen. Dies ermöglicht kreative Lösungen, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Kita abgestimmt sind.Schnellere Umsetzung
In einigen Fällen kann die Sanierung schneller umgesetzt werden, wenn keine langen Genehmigungs- oder Planungsverfahren durch die Kommune abgewartet werden müssen. Dies ist besonders in Krisenzeiten wie der Pandemie von Vorteil, wie das Beispiel der Kita IdeenReich zeigt, die die Renovierung im Rahmen der Schließung vornehmen konnte.
Herausforderungen bei der Eigenregie-Renovierung
Trotz der Vorteile gibt es auch zahlreiche Herausforderungen, die bei einer Sanierung in Eigenregie besonders berücksichtigt werden müssen:
Bautechnische und rechtliche Kompetenzen
Nicht jede Gemeinschaft verfügt über die nötigen Kenntnisse, um eine Renovierung ordnungsgemäß durchzuführen. In Wuppertal schildert Schulleiterin Claudia Schweizer-Motte, dass sie selbst Löcher in der Wand zugespachtelt hat – ein Schritt, der juristisch problematisch sein kann. Die Renovierung von öffentlichen Gebäuden oder solchen, die in kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft stehen, unterliegt oft strengen Vorschriften. Diese reichen von Brandschutz- und Schallschutzvorgaben bis hin zu Normen für Farben und Materialien.Finanzierung und Spendenmanagement
Die Finanzierung durch Spenden oder Crowdfunding erfordert oft eine sorgfältige Planung. In Flemmingen wurden die Kosten von 750.000 Euro durch Spenden gedeckt. Dies setzt voraus, dass die Bevölkerung bereit ist, sich finanziell einzubringen – was nicht immer der Fall ist. Zudem ist es wichtig, Spendengelder transparent zu verwalten und für die Beteiligten nachvollziehbar zu dokumentieren.Kommunikation mit der Kommune
In einigen Fällen, wie im Beispiel aus Wuppertal, sind die Kommunen nicht bereit, die Eigeninitiative zu unterstützen. Dort bestand die Absicht, Eltern und Lehrer mit Farbe zu versorgen, doch die Stadt lehnte dies ab, da sie keine Gewähr dafür übernehmen konnte, dass die Farben den Sicherheits- und Brandschutzvorgaben entsprechen. Solche Hürden können eine Renovierung in Eigenregie erschweren oder sogar verhindern.Planung bei laufendem Betrieb
Ein weiterer Aspekt, der besonders in größeren Städten relevant ist, ist die Sanierung bei laufendem Kita-Betrieb. In Neuhaus (Lüneburger Land) wurde ein Kita-Umbau mit einer Kostenhöhe von 1 Million Euro durchgeführt. Dabei musste sichergestellt werden, dass einzelne Gruppen in Container umziehen konnten, während ihre Räume renoviert wurden. Dies erfordert eine sorgfältige zeitliche Planung und eine enge Zusammenarbeit mit Eltern und Pädagogen.Dokumentation und Nachhaltigkeit
Sanierungsmaßnahmen in Eigenregie müssen oft nachhaltig geplant werden, um nicht nach kurzer Zeit erneut renoviert werden zu müssen. In Flemmingen wurde beispielsweise nicht nur der äußere Anstrich erneuert, sondern auch die Funktionalität des Gebäudes durch den Anbau eines Mehrzweckraums verbessert. Eine langfristige Planung ist hierbei entscheidend.
Praktische Tipps für eine Kita-Renovierung in Eigenregie
Wer sich für eine Renovierung in Eigenregie entscheidet, sollte folgende Schritte beachten:
Zieldefinition und Budgetplanung
Beginnen Sie mit einer klaren Definition, was mit der Renovierung erreicht werden soll. Gibt es bautechnische Mängel, sind neue Räume nötig, oder ist eine Funktionsoptimierung das Ziel? Gleichzeitig ist eine präzise Kostenschätzung unerlässlich. In Flemmingen wurden Kosten von 750.000 Euro veranschlagt, wobei ehrenamtliche Stunden eingesetzt wurden, um die Investitionen zu reduzieren.Planung der ehrenamtlichen Arbeit
Stellen Sie sicher, dass die notwendigen Arbeitsstunden im Vorfeld geplant werden. In Flemmingen waren über 12.500 Stunden ehrenamtlicher Arbeit involviert. Dies erfordert eine Koordination, die idealerweise von einem Verein oder einer Projektgruppe übernommen wird.Kooperation mit der Kommune und zuständigen Stellen
Klären Sie frühzeitig, ob die Kommune oder andere zuständige Stellen (z. B. Brandschutzbehörde, Baubehörde) eine Mitwirkung oder Genehmigung voraussetzen. In einigen Fällen kann die Sanierung ohne kommunale Unterstützung durchgeführt werden, doch dies hängt von der Rechtslage und der Trägerschaft des Gebäudes ab.Finanzierung durch Spenden oder Crowdfunding
Wenn die Sanierung nicht durch die Kommune oder den Kita-Träger finanziert wird, können Spenden oder Crowdfunding-Kampagnen eine gute Alternative sein. In Flemmingen wurde dies erfolgreich umgesetzt. Es ist wichtig, transparent zu kommunizieren, wofür die Spendengelder verwendet werden und wie sie verwaltet werden.Beteiligung der Eltern und Pädagogen
Die Eltern und Pädagogen sollten von Beginn an einbezogen werden. In Neuhaus wurde ein spezieller Elternraum geschaffen, um die Beteiligung zu fördern. Ein guter Austausch zwischen allen Beteiligten ist entscheidend für den Erfolg des Projekts.Sicherheit und Normen beachten
Achten Sie darauf, dass die Renovierungsmaßnahmen den geltenden Sicherheits- und Brandschutzvorschriften entsprechen. In Wuppertal schildert eine Schulleiterin, dass selbst das Streichen von Wänden rechtliche Risiken bergen kann. Hier ist es wichtig, Experten hinzuzuziehen, um sicherzugehen, dass alles ordnungsgemäß durchgeführt wird.Langfristige Planung
Sanierungen sollten so geplant werden, dass sie langfristig Bestand haben. In Flemmingen wurde nicht nur der Anstrich erneuert, sondern auch ein Mehrzweckraum gebaut, der auch nach der Kita-Nutzung für andere Zwecke genutzt werden kann. Eine solche Nachhaltigkeit ist entscheidend für den langfristigen Erfolg.
Erfolgreiche Modelle und Best Practices
Es gibt mehrere Modelle, die als Vorbilder für die Sanierung in Eigenregie dienen können:
Modell Flemmingen: Gemeinschaftliche Sanierung
In Flemmingen wurde die Kita durch ehrenamtliche Arbeit und Spenden saniert. Der Anbau eines Mehrzweckraums stellte sicher, dass die Einrichtung auch nach der Renovierung weiterhin flexibel genutzt werden kann. Diese Form der Sanierung ist besonders in kleineren Gemeinden attraktiv.Modell Oberderdingen: Renovierung von pädagogischen Räumen
In Oberderdingen wurde ein Bauwagen für die Waldprojektwochen renoviert. Hierbei wurde nicht nur der äußere Anstrich geändert, sondern auch die innere Funktionalität verbessert. Dies zeigt, wie pädagogische Ziele direkt in die Renovierungsmaßnahmen einfließen können.Modell Neuhaus: Umbau bei laufendem Betrieb
In Neuhaus wurde ein Kita-Umbau mit einer Kostenhöhe von 1 Million Euro durchgeführt, wobei der Betrieb während der Renovierung weiterging. Einzelne Gruppen konnten in Container umziehen, während ihre Räume umgebaut wurden. Dies erfordert eine sorgfältige zeitliche Planung, doch es ist machbar.Modell Bremen: Architektonische Begleitung
In Bremen begleiten Architekt:innen alle Neu- und Umbauprojekte. Dies ermöglicht eine professionelle Planung, die sowohl pädagogische als auch funktionale Anforderungen berücksichtigt. Zudem wird eine Broschüre „Bauen mit KiTa Bremen“ herausgegeben, die einen Überblick über den Planungsprozess vermittelt.Modell Ford: Unternehmensbeteiligung
In Bergisch Gladbach renovierten Ford-Mitarbeiter die Kita „Heilig-Geist-Kindergarten“. Hierbei wurden sechs Garten- und Spielhäuser mit Wetterschutzfarbe versehen, und der Eingangsbereich wurde frisch gestrichen. Dies zeigt, wie Unternehmen durch freiwillige Arbeit einen wertvollen Beitrag zur Sanierung leisten können.
Fazit
Die Sanierung einer Kindertagesstätte in Eigenregie ist eine Herausforderung, die sich lohnen kann – sowohl für die Kita selbst als auch für die Gemeinschaft. Sie ermöglicht Kosteneinsparungen, stärkt soziale Bindungen und kann innovative pädagogische Räume schaffen. Gleichzeitig erfordert sie eine sorgfältige Planung, Kommunikation mit den zuständigen Stellen und oft auch finanzielle Unterstützung durch Spenden oder Crowdfunding. Praktische Beispiele zeigen, dass es möglich ist – manchmal sogar notwendig, wie in Flemmingen, wo die Schließung der Kita durch die Gemeinschaft verhindert wurde. Mit der richtigen Vorbereitung, der Einbindung aller Beteiligten und der Beachtung der geltenden Normen kann eine Renovierung in Eigenregie eine wertvolle Investition in die Zukunft der Kita sein.