Die Klus Eddessen ist nicht nur ein geistlicher Rückzugsort, sondern auch ein lebendiges Kulturdenkmal, das in den vergangenen Jahren umfassenden Renovierungsarbeiten unterzogen wurde. Die Wallfahrtskapelle im Wald zwischen Bühne und Haarbrück hat eine Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht, und ist seit Jahrhunderten ein Ort der Stille, des Gebetes und der Andacht. In den letzten Monaten wurde die Klus Eddessen, die seit 1856 als Kapelle existiert, aufwendig saniert – sowohl innen als auch außen. Diese Sanierungsarbeiten bieten wertvolle Einblicke in die Planung, Durchführung und Finanzierung von Renovierungsprojekten an historischen Gebäuden und können als Vorbild für andere Kulturgüter dienen.
In diesem Artikel wird die Renovierung der Klus Eddessen detailliert vorgestellt. Es werden die architektonischen Herausforderungen, die Materialauswahl, die Finanzierung und die Rolle der Kirchengemeinde sowie die weiteren kulturellen und sozialen Aspekte beleuchtet. Zudem wird der historische Hintergrund der Klus Eddessen skizziert, der das Verständnis für das Sanierungsprojekt vervollständigt.
Historische Grundlagen der Klus Eddessen
Die Geschichte der Klus Eddessen beginnt im 11. Jahrhundert, als der Ort urkundlich erstmals erwähnt wird. Das Dorf Eddessen wurde 1447 während der Soester Fehde durch hussitische Söldner zerstört. Die Pfarrrechte gingen daraufhin an die Pfarrkirche Borgholz über. In den Ruinen der zerstörten Dorfkirche wurde später eine Wallfahrtskapelle errichtet. Diese Kapelle wurde 1856 aus Bruchsteinen neu gebaut und 1858 durch einen Kreuzweg erweitert. Im Laufe der Zeit wurden die Renovierungsarbeiten 1979 und 1992 durchgeführt.
Die Klus Eddessen ist nicht nur eine Wallfahrtskapelle, sondern auch ein Ort, an dem seit Jahrhunderten Eremiten lebten. Bruder Ubaldus, ein Franziskaner aus Paderborn, siedelte sich 1859 in der Klus an und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr 1915. Er wurde vor der Kapelle beigesetzt. In den 70er Jahren erhielten zwei Schwestern die Erlaubnis, das eremitische Leben in der Klus fortzusetzen. Heute lebt Schwester Mechthild seit 2015 in der Klus als Einsiedlerin.
Die Kapelle selbst ist dem Heiligen Kreuz geweiht. Im Mai und September finden traditionelle Wallfahrten statt, die an die Auffindung und Erhöhung des Kreuzes Christi erinnern. In der Adventszeit wird zudem eine Christmette im Wald abgehalten. Die Klus Eddessen hat sich also über Jahrhunderte als geistlicher und kultureller Anziehungspunkt entwickelt.
Die Renovierung der Klus Eddessen
Ursachen und Planung der Sanierung
Die Renovierungsarbeiten an der Klus Eddessen wurden notwendig, weil schwere Schäden an Dach und Außenputz aufgetreten waren. Der zuständige Architekt Albert Henne berichtete, dass das Dach, das aus Sollingsandstein besteht, für die Sanierung komplett abgenommen wurde. Insgesamt wurden kaputte Steine ersetzt, wobei wieder alte Sollingsandsteine verwendet wurden. Diese Entscheidung war Teil eines Bemühens, das historische Erscheinungsbild der Klus Eddessen beizubehalten.
Die Renovierungsarbeiten umfassten nicht nur das Dach, sondern auch den Außenputz sowie kleinere Arbeiten an der Fassade und im Inneren. Nach Angaben von Pfarrer Werner Lütkefend beliefen sich die Gesamtkosten auf mehr als 100.000 Euro, wobei 70 Prozent der Kosten von der Diözese Paderborn übernommen wurden. Der restliche Betrag wurde von der Pfarrei Borgholz gedeckt. Lütkefend betonte, dass alle Spenden der Pfarrei direkt in die Renovierung flossen.
Materialauswahl und Technische Aspekte
Die Materialauswahl spielte eine entscheidende Rolle bei der Renovierung. Das Dach wurde mit Sollingsandsteinen ausgebaut, die nicht nur authentisch, sondern auch langlebig und wetterbeständig sind. Sollingsandstein ist ein traditionelles Material in der Region und eignet sich besonders gut für historische Bauten. Der Einsatz von alten Steinen trug zur Authentizität bei und verhinderte, dass die Kapelle optisch von ihrer historischen Umgebung abhob.
Der Außenputz wurde sorgfältig restauriert, um die ursprüngliche Struktur und Farbe wieder herzustellen. Die Materialien wurden so gewählt, dass sie klimatisch und chemisch kompatibel mit dem bestehenden Putz waren. Dies ist wichtig, um Schäden durch Witterungsunterschiede oder chemische Reaktionen zwischen neuen und alten Materialien zu vermeiden.
Im Inneren der Kapelle wurden ebenfalls Sanierungsarbeiten durchgeführt. So wurden beispielsweise Sitzbänke im Außenbereich installiert, die vom Rotary Club Bad Driburg und der Firma Maschinenring aus Borlinghausen gespendet wurden. Die Bänke wurden aus heimischen Hölzern gefertigt, was zur regionalen Identität und Nachhaltigkeit beitrug.
Finanzierung und Projektmanagement
Die Finanzierung der Renovierung war ein zentraler Aspekt des Projekts. Die Diözese Paderborn übernahm 70 Prozent der Kosten, was als erhebliche Unterstützung für die Pfarrei Borgholz gelten kann. Der verbleibende Anteil wurde aus den Einnahmen der Pfarrei gedeckt. Pfarrer Lütkefend betonte, dass alle Spenden der Gemeinde direkt in die Renovierung flossen, wodurch das Projekt transparent und bürgernah gestaltet wurde.
Die Projektplanung wurde von Architekt Albert Henne geleitet, der sowohl die bautechnischen als auch künstlerischen Aspekte berücksichtigte. Die Renovierung wurde so durchgeführt, dass die kulturelle und geistliche Funktion der Klus Eddessen erhalten blieb. Zudem wurden kleinere Arbeiten nach Abschluss der Hauptrenovierung durchgeführt, um alle Details abzuschließen.
Der Betrieb der Klus Eddessen wurde mit einem Gottesdienst am 1. Mai wieder aufgenommen. Schwester Mechthild, die seit 2015 als Einsiedlerin in der Klus lebt, begrüßte diese Entwicklung und betonte die Bedeutung der Kapelle als Ort der Stille und Andacht.
Kulturelle und soziale Bedeutung der Klus Eddessen
Die Klus Eddessen ist nicht nur ein religiöser Rückzugsort, sondern auch ein kulturelles und soziales Zentrum. Jeden ersten Freitag im Monat wird um 18 Uhr in der Wallfahrtskapelle ein Gottesdienst gefeiert. Zudem finden dort weitere Veranstaltungen statt, wie die Klustage der Kirchengemeinde Borgholz, Prozessionen, eine Treckerwallfahrt und Andachten für Menschen mit Demenz.
Ein weiteres Projekt, das im Zuge der Renovierung wiederbelebt werden soll, sind die sogenannten „Klus-Kaffee-Nachmittage“. Diese sollen monatlich stattfinden und von Interessierten aus einem Ort oder Chor organisiert werden. Der erste Kaffeenachmittag fand am 12. Juni statt, und es ist geplant, diese Veranstaltungen regelmäßig zu wiederholen. Ziel ist es, die Klus Eddessen zu einem Ort der Begegnung und der Andacht zu machen, der sowohl Gläubige als auch Laien anzieht.
Die Wallfahrtskapelle hat auch eine historische Funktion als Symbol der Region. Der große Findling vor der Kapelle, der die Jahreszahlen 1447 und 1997 trägt, erinnert an den 550. Gedenktag der Zerstörung von Eddessen. Der Gedenkstein wurde auf Initiative von Pastor Heinrich Bartoldus errichtet und von Bischof Marx eingeweiht. Viele Orte, die mit der Klus verbunden sind, sind auf der Rückseite eingemeißelt, was die regionale Bedeutung unterstreicht.
Das eremitische Leben in der Klus Eddessen
Die Klus Eddessen hat eine lange Tradition des eremitischen Lebens. Seit dem 19. Jahrhundert lebten mehrere Einsiedler in der Klus, darunter Bruder Ubaldus, Bruder Petrus und Schwester Mechthild. Die eremitischen Schwestern und Brüder lebten in Stille und Zurückgezogenheit und beteten für andere. In den 70er Jahren erhielt das Generalvikariat die Erlaubnis, zwei Schwestern das eremitische Leben in der Klus fortzuführen.
Heute gibt es in Deutschland etwa 100 Eremitinnen und Eremiten, die meist in abgelegenen Orten leben und sich dem stellvertretenden Gebet widmen. Die Klus Eddessen ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie ein solches Leben heute noch praktiziert wird. Schwester Mechthild lebt dort seit 2015 und betont, dass die Klus Eddessen auch weiterhin ein Ort der Andacht, Ruhe und Begegnung bleibt.
Nachhaltigkeit und regionale Identität in der Renovierung
Ein weiterer Aspekt der Renovierung der Klus Eddessen war die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und regionaler Identität. So wurden die Sitzbänke im Außenbereich nicht aus industriell gefertigten Materialien, sondern aus heimischen Hölzern hergestellt. Die Firma Maschinenring aus Borlinghausen fertigte die Bänke nach Maß, was zur Stärkung der regionalen Wirtschaft beitrug.
Auch bei der Dachsanierung wurde Wert auf Tradition und Authentizität gelegt. Die Verwendung von Sollingsandsteinen, die regional beziehbar sind, stellte sicher, dass die Kapelle optisch und klimatisch gut in die Landschaft integriert blieb. Zudem ist Sollingsandstein ein dauerhaftes und wetterbeständiges Material, das sich ideal für historische Bauten eignet.
Die Renovierung der Klus Eddessen ist somit nicht nur ein Beispiel für den Erhalt historischer Bauten, sondern auch für die Vermittlung von regionalen Werten und Nachhaltigkeit.
Fazit
Die Renovierung der Klus Eddessen ist ein beeindruckendes Beispiel für die Sanierung historischer Gebäude unter Berücksichtigung von authentischen Materialien, regionaler Identität und geistlicher Funktion. Mit einem Budget von mehr als 100.000 Euro und der Unterstützung der Diözese Paderborn, die 70 Prozent der Kosten übernahm, gelang es, die Wallfahrtskapelle sowohl innen als auch außen zu restaurieren. Die Renovierung wurde von einem erfahrenen Architekten geleitet, der sowohl die bautechnischen als auch künstlerischen Aspekte berücksichtigte.
Die Klus Eddessen ist nicht nur ein kulturelles Kulturerbe, sondern auch ein Ort der Andacht und Begegnung, der durch die Renovierung weiterhin seine Funktion erfüllt. Mit der Wiederbelebung der Klus-Kaffee-Nachmittage und der regelmäßigen Andachten wird die Klus Eddessen auch in Zukunft ein zentraler Anziehungspunkt für Gläubige und Interessierte bleiben.
Die Renovierung unterstreicht, wie wichtig es ist, Kulturdenkmäler zu erhalten und gleichzeitig ihre geistliche und soziale Funktion zu stärken. Die Klus Eddessen zeigt, dass Renovierungsprojekte nicht nur eine rein bautechnische Aufgabe sind, sondern auch kulturelle, soziale und geistliche Dimensionen beinhalten.