Renovationskosten für ein Mehrfamilienhaus aus dem Baujahr 1972 – Fakten, Kostenübersicht und Sanierungsempfehlungen

Die Renovierung eines Mehrfamilienhauses aus dem Jahr 1972 erfordert eine sorgfältige Planung und eine klare Einschätzung des Sanierungsbedarfs. Häuser, die in den 1970er-Jahren errichtet wurden, weisen häufig typische Mängel auf, die sich aus der damals verbreiteten Bauweise, der Technik und der Materialauswahl ergeben. In diesem Artikel wird detailliert auf die Renovationskosten, die relevanten Sanierungsarbeiten und die technischen Aspekte eingegangen, wobei ausschließlich Fakten aus verfügbaren Quellen herangezogen werden.


Einordnung des Baualters 1972

Das Jahr 1972 fällt in die Zeit, in der in Deutschland vermehrt mit Beton und Stahlbauweise gearbeitet wurde. Häufig wurden massive Bauweisen bevorzugt, wodurch die Immobilien zwar stabil, aber oftmals energetisch ineffizient errichtet wurden. Solche Häuser sind heute oft in einem einfachen Zustand, wodurch sie einen hohen Renovations- und Sanierungsbedarf aufweisen.

Ein typisches Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1972, wie beispielsweise das in Ravensburg angebotene Objekt mit 218 m² Wohnfläche, bietet zwar ein gutes Grundgerüst, benötigt aber eine umfassende Modernisierung, um den heutigen Anforderungen an Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz zu entsprechen.


Typische Mängel bei Häusern aus den 1970er-Jahren

Im Jahrzehnt der 1970er Jahre wurden viele Häuser mit geringen Anforderungen an Energieeffizienz errichtet. Typische Mängel, die bei solchen Immobilien auftreten, sind:

  • Beton als dominanter Baustoff, der sich durch Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit und Kälte auszeichnet.
  • Hoher Sanierungsbedarf an Balkonen, Wasserleitungen und Heizanlagen.
  • Veraltete Heiztechnik, insbesondere zentrale Ölheizungen, die oft gesetzlich austauschpflichtig sind.
  • Teerhaltige Klebstoffe in Parkettböden, die aus gesundheitlichen Gründen problematisch sein können.
  • Schimmelrisiken durch fehlende oder unzureichende Dämmung und Kältebrücken.

Diese Mängel sind besonders bei Mehrfamilienhäusern problematisch, da sie nicht nur den Energieverbrauch erhöhen, sondern auch die Wohnqualität und Wertentwicklung beeinträchtigen können.


Kostenübersicht für die Renovierung eines Mehrfamilienhauses aus 1972

Die Renovierung eines Mehrfamilienhauses aus dem Jahr 1972 ist eine umfassende Maßnahme, die in verschiedenen Bereichen angesetzt werden muss. Die Kosten hängen stark vom Zustand der Immobilie, der Art der Renovierung und den verwendeten Materialien ab. Eine Komplettsanierung wird in der Regel mit 400 bis 1.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche kalkuliert. Bei einem Gebäude mit 218 m² Wohnfläche könnte dies daher zu Gesamtkosten zwischen 87.200 Euro und 218.000 Euro führen.

Die folgende Tabelle gibt einen detaillierten Überblick über typische Renovierungsarbeiten und deren Kosten:

Sanierungsmaßnahme Kosten
Riss im Mauerwerk auffüllen 500 bis 1.000 Euro
Fassade dämmen (Wärmeverbundsystem) 100 bis 200 Euro/m²
Fassade dämmen (Vorhangfassade) 150 bis 200 Euro/m²
Fassade dämmen (einblasen) ab 20 Euro/m²
Dreifachverglaste Fenster ca. 500 Euro pro Fenster
Keller abdichten (von innen) ca. 250 Euro/m²
Keller abdichten (von außen) 500 Euro der laufenden Meter
Kellerdecke dämmen (von unten) 30 bis 90 Euro/m²
Warmwasserleitungen isolieren 10 bis 30 Euro der laufenden Meter
Geschossdecke isolieren ab 50 Euro/m²
Dach neu dämmen 100 bis 150 Euro/m²
Dach neu decken ca. 100 Euro/m²
Heizung (komplette Modernisierung) ab 12.000 Euro
Elektrik erneuern 85 bis 130 Euro/m²
Wasserleitungen modernisieren ab 35 Euro/m²
Asbestentfernung ca. 30 bis 45 Euro/m²
Aufsteigende Feuchtigkeit beheben 100 bis 500 Euro der laufenden Meter

Diese Kosten sollten als Orientierung verstanden werden. Bei einem Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1972 ist es oft notwendig, mehrere dieser Maßnahmen gleichzeitig durchzuführen, um den Gebäudezustand zu sichern und den Energieverbrauch zu reduzieren.


Energetische Sanierung: Dämmung und Fenstertausch

Ein zentraler Aspekt der Renovierung älterer Häuser ist die energetische Sanierung, insbesondere die Dämmung und der Fenstertausch. Bei Häusern aus den 1970er-Jahren war die Dämmung oft vernachlässigt oder gar nicht vorhanden. Eine Fassadendämmung kann die Heizkosten um 12,9 % jährlich reduzieren. Dies ist nicht nur wirtschaftlich vorteilhaft, sondern auch ökologisch sinnvoll.

Der Einbau von dreifachverglasten Fenstern trägt zusätzlich zur Energieeinsparung bei. Pro Fenster sind hier Kosten von ca. 500 Euro zu erwarten. Bei einem Mehrfamilienhaus mit mehreren Fenstern können sich die Kosten schnell summieren.


Sanierung der Heizung: Von der alten Ölheizung zur modernen Technik

Die Heizung ist ein weiterer zentraler Kostenfaktor. Häuser aus dem Jahr 1972 verfügten oft über veraltete Ölheizungen, die heute aus energetischen und ökologischen Gründen nicht mehr zulässig sind. Der Austausch einer alten Heizung durch einen modernen Brennkessel ist gesetzlich oftmals erforderlich und kann zudem bis zu 25 % Energie sparen.

Die Kosten für eine komplette Heizungsmodernisierung beginnen bei 12.000 Euro. Dieser Betrag kann sich innerhalb von 5 bis 10 Jahren amortisieren, wenn man die Energieeinsparungen berücksichtigt.


Elektrische Anlagen: Modernisierung und Sicherheit

Die Elektrik eines Hauses aus dem Jahr 1972 ist oft veraltet und kann Sicherheitsrisiken bergen. Eine komplette Modernisierung der Elektrik ist daher oft notwendig. Die Kosten variieren je nach Ausmaß der Arbeiten.

Ein Beispiel für die Kosten einer vollständigen Elektrik-Sanierung eines Einfamilienhauses aus dem Jahr 1972 mit 130 m² Wohnfläche liegt bei 14.700 Euro, verteilt auf Materialkosten (6.900 Euro) und Arbeitskosten (7.800 Euro). Pro Quadratmeter entstehen hierdurch ca. 113 Euro.

Diese Kosten können durch eine gute Planung und einen Vergleich mehrerer Angebote reduziert werden. Zudem bieten einige Elektrofachbetriebe Optionen an, um die Kosten durch die Nutzung von Förderungen oder Steuervergünstigungen zu senken.


Kellerabdichtung und Feuchtigkeitsschutz

Ein weiterer oft unterschätzter Renovationsbereich ist der Feuchtigkeitsschutz, insbesondere im Keller. Häuser aus den 1970er-Jahren weisen oft einen hohen Feuchtigkeitsgehalt auf, was zu Schäden an der Bausubstanz und gesundheitlichen Risiken führen kann.

Die Kellerabdichtung von innen kostet etwa 250 Euro pro Quadratmeter, während eine Abdichtung von außen mit 500 Euro pro laufenden Meter kalkuliert werden muss. Zudem kann die Kellerdecke von unten gedämmt werden, was mit 30 bis 90 Euro pro Quadratmeter zu Buche schlägt.

Die Bekämpfung aufsteigender Feuchtigkeit ist oft eine langfristige Maßnahme, die mit 100 bis 500 Euro pro laufenden Meter verbunden ist. Hier ist es wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um Schäden an der Bausubstanz zu vermeiden.


Asbestentfernung: Ein besonderer Sanierungsaspekt

In Häusern aus den 1970er-Jahren ist die Anwesenheit von Asbest keine Seltenheit. Asbest ist ein gesundheitlich bedenkliches Material, das aufgrund seiner Gefahr inzwischen verboten ist. Die Entfernung von Asbest ist daher oft notwendig, insbesondere bei umfassenden Sanierungsmaßnahmen.

Die Kosten für die Asbestentfernung liegen bei ca. 30 bis 45 Euro pro Quadratmeter. Bei einem Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1972 ist es daher möglich, dass mehrere Quadratmeter betroffen sind, was die Kosten entsprechend erhöht.


Dachsanierung: Dämmung und Dachdeckung

Auch das Dach ist bei der Renovierung eines 1972 errichteten Hauses oft betroffen. Häufig ist die Dämmung unzureichend oder fehlt ganz. Eine Dachdämmung kostet 100 bis 150 Euro pro Quadratmeter, während eine neue Dachdeckung mit ca. 100 Euro pro Quadratmeter kalkuliert werden kann.

Die Dachsanierung ist besonders wichtig, da das Dach einen wesentlichen Anteil an der Wärmedämmung des Hauses trägt. Zudem ist ein gut gedämmtes Dach ein entscheidender Faktor für die Lärmdämmung und den Schutz vor Witterungseinflüssen.


Planung und Durchführung der Sanierung

Die Renovierung eines Mehrfamilienhauses aus dem Jahr 1972 ist eine komplexe Maßnahme, die sorgfältig geplant und durchgeführt werden muss. Hierbei ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, insbesondere bei der Planung und der Koordination der einzelnen Handwerker.

Ein Architekt kann bei der Planung einer Sanierung wertvolle Unterstützung leisten. Er kann nicht nur die Kosten kalkulieren, sondern auch den Zeitplan, die Entwürfe und die Ausführungspläne erstellen. Zudem ist er in der Lage, bereits bei der Besichtigung des Hauses den Sanierungsaufwand einzuschätzen.

Zwar entstehen durch die Einbindung eines Architekten zusätzliche Kosten, diese können jedoch durch eine klare Budgetplanung und eine transparente Kalkulation oft gerechtfertigt werden.


Fazit

Die Renovierung eines Mehrfamilienhauses aus dem Jahr 1972 erfordert eine umfassende Planung und eine klare Einschätzung des Sanierungsbedarfs. Typische Mängel wie fehlende Dämmung, veraltete Heiztechnik und feuchtigkeitsbedingte Schäden machen eine umfangreiche Modernisierung notwendig. Die Kosten für die Renovierung können zwischen 87.200 Euro und 218.000 Euro liegen, abhängig von der Größe der Immobilie und dem Ausmaß der Sanierungsmaßnahmen.

Eine energiegeladene Sanierung lohnt sich auf lange Sicht, da sie nicht nur die Wohnqualität erhöht, sondern auch den Energieverbrauch reduziert und den Wert der Immobilie steigert. Mit einer professionellen Planung und der Einbindung erfahrener Handwerker lässt sich eine Renovierung erfolgreich durchführen.


Quellen

  1. drklein.de – Altes Haus sanieren
  2. baur-immobilien.de – Kaufobjekt Ravensburg
  3. immobilien-erfahrung.de – Baujahr 1970–1979
  4. matschke.de
  5. gira.de – Elektrik im Haus erneuern

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