Energetische Sanierung und Modernisierung im Fokus: Die LEG und RENOWATE als Pioniere der seriellen Renovierung

Die energieeffiziente Sanierung von Bestandsgebäuden ist ein zentrales Thema in der aktuellen Baubranche, vor allem angesichts der Zielsetzung der Klimaneutralität bis 2045. Eine führende Rolle in diesem Bereich spielt die LEG Immobilien SE, die in den vergangenen Jahren verstärkt auf moderne, digitale und industrielle Sanierungsverfahren setzt. Mit der Gründung des Joint-Ventures RENOWATE hat die LEG gemeinsam mit der österreichischen Rhomberg Bau GmbH eine bahnbrechende Methode für die energetische Modernisierung entwickelt. Diese setzt auf Laserscanning-Technologie, industrielle Fertigung und schnelle, mieterfreundliche Umsetzung. In diesem Artikel wird der Fokus auf die Technologien, Prozesse, Chancen und Herausforderungen der modernen Sanierung mit RENOWATE gelegt, ergänzt durch Informationen zu den Serviceleistungen der LEG sowie kritische Perspektiven aus der Mieterperspektive.

Energetische Sanierung: Der Aufbruch in die digitale Zukunft

Die energetische Sanierung ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch ein wirtschaftlicher und sozialer Prozess. Die traditionellen Sanierungsverfahren, bei denen meist verschiedene Handwerker beteiligt sind und die Baumaßnahmen oft monatelang andauern, führen zu erheblichen Störungen für die Mieter. Zudem entstehen hohe Kosten, die oft nicht vollständig durch die Energieeinsparungen nach der Sanierung kompensiert werden.

RENOWATE bietet eine Alternative: eine serielle, digitale und industrielle Sanierungsform, die auf Laserscanning-Technologie, industriell gefertigten Fassaden- und Dachelementen sowie einer umfassenden TGA-Sanierung basiert. Der Prozess beginnt mit der Erstellung eines digitalen Zwillings des Bestandsgebäudes. Dieser digitale Zwilling wird mithilfe von Laserscanning erstellt, wodurch die Gebäudehülle exakt vermessen und für die industrielle Fertigung vorbereitet wird. Diese Technologie ermöglicht nicht nur eine präzise Planung, sondern auch eine minimale Materialverschwendung.

Die Fassadenteile werden anschließend ortsunabhängig gefertigt und können innerhalb kürzester Zeit am Gebäude montiert werden. Der Vorteil liegt in der schnellen Ausführung der Sanierung, die typischerweise nur einen Bruchteil der Dauer einer konventionellen Sanierung beträgt. Darüber hinaus ist es möglich, dass Mieter während der gesamten Sanierungsphase in ihren Wohnungen verbleiben, ohne dass Störungen oder Auszüge notwendig sind.

Diese Methode hat sich bereits in Pilotprojekten bewährt. So wurde beispielsweise ein erstes Projekt in Mönchengladbach erfolgreich abgeschlossen, das als Muster für zukünftige Sanierungen dienen soll. Die Erfahrung zeigt, dass die Kombination aus digitaler Planung, industrieller Fertigung und präziser Montage nicht nur Zeit spart, sondern auch Kosten reduziert und Ressourcen effizient einsetzt.

Der Energiesprong-Prinzip als Inspirationsquelle

Die Sanierungsstrategie von RENOWATE orientiert sich am sogenannten Energiesprong-Prinzip, das von der Deutschen Energieagentur (dena) flankiert wird. Dieses Prinzip legt den Fokus auf eine komplexe, ganzheitliche Modernisierung, bei der nicht nur einzelne Bauteile, sondern der gesamte Gebäudekomplex energetisch optimiert wird. Ziel ist es, den Energiebedarf so weit wie möglich zu reduzieren, um langfristige Einsparungen zu ermöglichen und die Umweltbelastung zu minimieren.

Im Kontext der LEG und RENOWATE bedeutet dies, dass nicht nur die Fassade oder das Dach saniert werden, sondern auch die gesamte technische Gebäudeausrüstung (TGA). Dies umfasst Heizung, Lüftung, Sanitär- und Elektroinstallationen. Eine solche umfassende Sanierung ist zwar in der Anschaffung aufwendiger als punktuelle Maßnahmen, erwies sich aber in der Praxis als wirtschaftlich rentabel durch die dauerhaften Energiekosteneinsparungen.

Vorteile für Mieter und Eigentümer

Die Vorteile der RENOWATE-Methode sind nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Mieter erheblich. So profitieren Mieter von:

  • Geringeren Energierechnungen durch die energetische Sanierung.
  • Keinem Auszug während der Sanierungsarbeiten.
  • Minimierten Lärm- und Staubbelastungen, da die meisten Arbeiten außen am Gebäude durchgeführt werden.
  • Schneller Realisierung, wodurch der Sanierungsprozess für Mieter weniger belastend ist.
  • Langfristiger Wertsteigerung des Wohnobjekts durch die Modernisierung.

Für die Eigentümer – in diesem Fall die LEG – bietet die Methode einen weiteren Vorteil: die Skalierbarkeit. Da es sich um ein serielles System handelt, können mehrere Gebäude in ähnlicher Weise und innerhalb kürzester Zeit saniert werden. Dies ermöglicht eine systematische Modernisierung großer Wohnbestände, was für Wohnungsunternehmen, die sich an Klimaschutzzielen orientieren, eine strategische Vorteil bietet.

Der Reallabor-Charakter von Mönchengladbach

Die LEG setzt nicht nur auf die RENOWATE-Methode, sondern betreibt in Mönchengladbach ein Reallabor, in dem weitere Formen der seriellen Sanierung erprobt werden. Dieses Reallabor ist in Zusammenarbeit mit verschiedenen Baupartnern entstanden und dient dazu, verschiedene Sanierungsansätze in der Praxis zu testen und zu optimieren.

Im Reallabor werden unter anderem alternative Materialien, digitale Planungstools und innovative Fertigungsverfahren getestet. Ziel ist es, die bestehenden Sanierungsmodelle weiter zu verfeinern und auf breiterer Basis anzuwenden. Diese Herangehensweise ist besonders wertvoll, da sie es ermöglicht, Erfahrungen in realen Wohngebäuden zu sammeln, ohne dass diese auf theoretische Modelle beschränkt bleiben.

Die Rolle der LEG in der Sanierungsdebatte

Die LEG ist nicht nur als Sanierungsunternehmen aktiv, sondern auch als Anbieter von Reparatur- und Instandhaltungsleistungen. Mit über 470 Mitarbeitern und 350 Nachunternehmen kümmert sich das Unternehmen um die schnelle und professionelle Abwicklung von Reparaturen an rund 500.000 Wohnungen. Dabei setzt die LEG auf moderne Technologien, die eine optimale Terminierung und effiziente Schadensbehebung ermöglichen.

Die Monteure arbeiten deutschlandweit und können flexibel auf Reparaturanfragen reagieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der schnellen Reaktionszeit, um Mieter so wenig wie möglich durch Störungen oder Unannehmlichkeiten zu belasten. In der Beschreibung des Unternehmens wird betont, dass die LEG nicht nur auf die technische Qualität der Reparaturen achtet, sondern auch auf den Menschenfaktor, also die menschliche und persönliche Betreuung der Mieter.

Kritische Perspektiven: Mieterfrust und Privatisierung

Trotz der technischen und organisatorischen Fortschritte der LEG und RENOWATE gibt es auch kritische Stimmen, die auf Mieterfrustrationen und strukturelle Nachteile hinweisen. So berichten Mieter in Nordrhein-Westfalen, dass die Privatisierung der LEG zu steigenden Mieten, mangelhafter Instandhaltung und einem geringeren Servicelevel geführt habe.

Ein zentrales Problem ist die Abwesenheit persönlichen Kontakts. So kritisiert beispielsweise Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund, dass die LEG immer weniger direkt erreichbar sei und dass die Service-Hotline oft überlastet sei. Mieter müssen länger warten, um Anfragen zu klären, und haben oft das Gefühl, dass die Unternehmen nicht mehr auf ihre Bedürfnisse eingehen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Kostenabwälzung. Die LEG modernisiert zwar aktiv ihre Bestände, aber die Kosten werden laut Mieterberichten oft weitgehend auf die Mieter abgewälzt. Dies führe zu hohen Mieterhöhungen, die sich für manche Mieter nicht leisten lassen. Zudem wird bemängelt, dass die Modernisierungen oft in einer Weise durchgeführt werden, die den sozialen Aspekt der Wohnraumversorgung vernachlässigt.

Diese Kritik stößt nicht auf Gegenliebe bei der LEG. Laut Unternehmenssprecherin Judith-Maria Gillies hat die Privatisierung nicht auf dem Rücken der Mieter stattgefunden, sondern sei vielmehr eine Erfolgs- und Wachstumsgeschichte. Die Zahl der Wohnungen sei gestiegen, die Mitarbeiterzahl ebenfalls, und der Aktienkurs sowie die Dividende hätten sich positiv entwickelt.

Digitale Services: Mieterbindung durch Technologie

Um die Mieterbindung trotz der kritischen Stimmen zu stärken, setzt die LEG auf digitale Services. Dazu gehören unter anderem das Mieterportal und die Mieter-App, die es Mieterinnen und Mieter ermöglichen, Bescheinigungen, Abrechnungen und Verbräuche jederzeit digital abzurufen. Zudem kann das Mietkonto überprüft, Daten aktualisiert und Anliegen gemeldet werden.

Ein besonderes Angebot ist der Chat für Mieter, der über eine App oder mobile Endgeräte genutzt werden kann. Mieter können sich direkt an das Servicecenter wenden, ohne lange Wartezeiten am Telefon in Kauf nehmen zu müssen. Zudem gibt es einen Rückrufservice, der es ermöglicht, einen Wunschtermin zu vereinbaren und so Wartezeiten am Telefon zu vermeiden.

Die LEG betont, dass sie ihre Mieter digital und persönlich erreichen möchte und dass sie dafür auch E-Mail-Kontaktmöglichkeiten anbietet. Dabei wird jedoch empfohlen, relevante Informationen wie Name, Mietervertragsnummer und Wohnungsnummer bereitzuhalten, um die Bearbeitung der Anfrage zu beschleunigen.

Die Zukunft der Sanierung: Digitale Pionierarbeit

Die LEG und RENOWATE sehen sich selbst nicht nur als Akteure im Markt, sondern auch als Pioniere der digitalen Sanierung. Die Herausforderung der Klimaneutralität im Gebäudesektor bis 2045 kann laut der Unternehmensführung nur mit seriellen, digitalisierten Lösungen bewältigt werden. RENOWATE hat sich als ein solches Modell bewährt und wird in Zukunft in weiteren Projekten umgesetzt.

Ein zentraler Vorteil des RENOWATE-Modells ist die Skalierbarkeit. Da es sich um ein standardisiertes und industriell gefertigtes Verfahren handelt, können mehrere Gebäude in kurzer Zeit und mit vergleichbaren Kosten saniert werden. Dies ist insbesondere für große Wohnungsunternehmen wie die LEG von strategischer Bedeutung, da sie sich an Klimaschutzzielen orientieren müssen.

Zudem ermöglicht die digitale Planung und Fertigung eine hohe Präzision, die in der konventionellen Sanierung oft fehlt. So können Fassadenteile exakt auf das jeweilige Gebäude zugeschnitten werden, was Materialverschwendung und Abfälle minimiert. Zudem ist die digitale Planung schneller und weniger fehleranfällig.

Fazit

Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden ist ein zentraler Punkt im Klimaschutzdiskurs und eine Herausforderung für die Baubranche. Die LEG und RENOWATE haben hier mit einer digitalen, industriellen und mieterfreundlichen Methode gezeigt, wie Sanierungen zukünftig aussehen können. Die Kombination aus Laserscanning, industriell gefertigten Elementen und einer umfassenden TGA-Sanierung ermöglicht es, Gebäude in kurzer Zeit und mit minimalem Aufwand zu modernisieren.

Doch nicht nur die technischen Fortschritte sind bemerkenswert. Auch die digitale Transformation der Mieterdienstleistungen der LEG – mit Portalen, Apps und Chatdiensten – ist ein Schritt in Richtung moderner, transparenter und effizienter Wohnungswirtschaft. Die LEG versteht sich nicht nur als Anbieter von Wohnraum, sondern auch als Partner im Service für ihre Mieter.

Trotz der positiven Entwicklungen bleiben jedoch kritische Stimmen bestehen. Die Mieterfrustrationen, die sich auf steigende Mieten, mangelhafte Instandhaltung und eine verminderte persönliche Erreichbarkeit beziehen, zeigen, dass die digitale und wirtschaftliche Transformation nicht automatisch zu einer besseren Wohnqualität führt. Vielmehr ist es wichtig, dass die sozialen und menschlichen Aspekte nicht in den Hintergrund treten.

Die Zukunft der Sanierung liegt somit in der Kombination aus technischer Innovation, wirtschaftlicher Effizienz und sozialer Verantwortung. Die LEG und RENOWATE sind in dieser Hinsicht Wegbereiter, doch der Weg zur Klimaneutralität ist lang und erfordert nicht nur technische Fortschritte, sondern auch eine umfassende Auseinandersetzung mit den sozialen Auswirkungen der Modernisierung.

Quellen

  1. RENOWATE: Energetische Sanierung mit Laserscanning-Technologie
  2. Technischer Service und Reparaturleistungen der LEG
  3. Kritik an der LEG-Privatisierung nach zehn Jahren
  4. Mieterkontakt und digitale Services der LEG

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