In der Sanierung von Altbeständen spielt Lehm als Baustoff und Putzmaterial eine immer größere Rolle. Insbesondere in historischen Gebäuden oder bei nachhaltig geplanten Renovierungen wird der Lehmputz nicht nur wegen seiner natürlichen Eigenschaften geschätzt, sondern auch wegen seiner Fähigkeit, das Raumklima zu regulieren und den Energiebedarf zu senken. Die Sanierung von Lehmwänden erfordert jedoch Kenntnisse über die spezifischen Materialien, Techniken und den Schutz vor Schäden. Auf dieser Grundlage wird in diesem Artikel der Prozess der Lehmwand-Sanierung detailliert beschrieben, mit Fokus auf Materialauswahl, Vorbereitung, Ausführung und nachhaltige Konzepte.
Lehm als natürlicher Baustoff
Lehm ist ein traditioneller Baustoff, der bereits in der vorgeschichtlichen Baukunst verwendet wurde. Er besteht aus Ton, Kies, Sand und Wasser und wird durch Mischen und Auftragen direkt vor Ort verarbeitet. Im Gegensatz zu modernen chemischen Putzen bietet Lehm eine hervorragende Feuchteregulation, Atmungsaktivität und thermische Kapazität. Diese Eigenschaften tragen dazu bei, ein gesundes und angenehmes Wohnklima zu schaffen.
Im Kontext von Sanierungen wird Lehm nicht nur als Putzmaterial, sondern auch in Form von Lehmsteinen, Strohlehm oder Lehmwickeln eingesetzt. Bei der Sanierung eines Lehmhauses in Sachsen-Anhalt wurde beispielsweise Lehm aus dem Abrissmaterial recycelt und nach einer sogenannten „Maukung“ erneut verwendet. Dieser Prozess, bei dem der Lehm feucht gelagert wird, verbessert die Bindekraft und die Homogenität des Materials, wodurch eine bessere Haftung und Stabilität entsteht. Das Recycling von Lehmmaterialien unterstreicht die Nachhaltigkeit und den ökologischen Vorteil dieser Sanierungsform.
Schritte bei der Sanierung von Lehmwänden
Die Sanierung von Lehmwänden erfolgt in mehreren Phasen, wobei jede Phase sorgfältig geplant und ausgeführt werden muss, um die Langlebigkeit und die Funktion der Wände zu gewährleisten.
1. Vorbereitung der Wände
Eine gründliche Vorbereitung ist unerlässlich, um die Sanierung erfolgreich zu gestalten. Zunächst müssen alle beschädigten Putze, beispielsweise Kalkgipsputze oder lose Lehmunterputze, von der Wand oder der Decke abgeschlagen werden. Dieser Schritt ist notwendig, um den Untergrund zu befreien und sicherzustellen, dass der neue Putz optimal haftet. In einem Sanierungsfall in Sachsen-Anhalt wurde der Putz von den Deckenbalken und Wänden entfernt, um die Struktur wieder freizulegen und die Schäden zu beheben.
Nach dem Entfernen der alten Putze wird der Untergrund gereinigt und, falls erforderlich, vorgebefeuchtet. Dies verbessert die Haftung des neuen Materials. Bei Rissen und Löchern im Putz ist es sinnvoll, diese vorab zu reparieren, bevor der neue Putz aufgetragen wird. Dazu wird eine spezielle Spachtelmasse verwendet, die aus dem gleichen Material wie der Putz besteht. Bei größeren Defekten kann mehrere Lagen aufgetragen werden, wobei jede Schicht ausreichend trocknen muss, bevor die nächste aufgebracht wird.
2. Materialauswahl und Putzantrag
Die Auswahl des richtigen Materials ist entscheidend für die Qualität der Sanierung. Es ist ratsam, den ursprünglichen Putz so gut wie möglich zu replizieren, um eine harmonische Optik und eine gleichmäßige Funktion zu gewährleisten. In historischen Gebäuden wird oft Strohlehm verwendet, da dieser sowohl isolierend als auch atemaktiv ist. In einem Sanierungsprojekt wurde Strohlehm in mehreren Lagen bis zu 10 cm stark aufgetragen, um größere Unebenheiten auszugleichen.
Ein weiteres Material, das in Kombination mit Lehm eingesetzt wird, sind Holzweichfaserplatten. Diese Platten dienen als Dämmung und werden oft an dünnere Wände angebracht, wie beispielsweise an Giebelwänden. In einem renovierten Holzrahmenbau in Oldenburg wurden die Wände mit Holzweichfaserplatten beplankt, um das Raumklima zu verbessern und den Schallschutz zu erhöhen.
Der Antrag des Lehmputzes erfolgt in mehreren Schichten. Zunächst wird ein sogenannter Lehmunterputz aufgetragen, gefolgt von einem Lehmfeinputz. In einigen Fällen werden Schilfmatten oder andere Putzträger verwendet, um die Haftung zu verbessern. In einem Sanierungsfall in Sachsen-Anhalt wurden Schilfmatten als Putzträger auf die Deckenbalken getackert, bevor der Unterputz aufgetragen wurde.
3. Ausgleich und Glättung der Oberfläche
Nach dem Auftragen der Putzschichten folgt der Schritt der Ausgleichung und Glättung. Mit einer Wasserwaage werden die Flächen in die richtige Horizontale und Vertikale gebracht. Dazu wird der Putz mit einer Trapezkartätsche abgezogen, um Unebenheiten zu entfernen und eine gleichmäßige Struktur zu erzielen. Bei rauen Stellen kann der Putz mehrfach überstrichen werden, um eine bessere Integration in die Umgebung zu erzielen.
Eine besondere Technik, die angewendet werden kann, ist das sogenannte „Anwerfen“ eines fetten Putzes, der dann mit einer Glättkelle bearbeitet wird. Diese Methode ist besonders bei Renovierungen nützlich, bei denen eine natürliche Struktur und Textur erhalten bleiben sollen. Nachdem der Oberputz trocken ist, kann er am nächsten Tag mit einer Schleifkante abgerieben werden, um eine glatte, homogene Oberfläche zu erreichen.
4. Integration von Heiz- und Klimaelementen
In einigen Sanierungsprojekten werden Lehmwände nicht nur aus ästhetischen oder konstruktiven Gründen renoviert, sondern auch funktional erweitert. Ein Beispiel hierfür ist die Einbau einer Lehmwandheizung, die in Kombination mit Klimaelementen arbeitet. In einem Schlafzimmer in einem renovierten Holzrahmenbau wurde eine Lehmwandheizung mit Klimaelementen installiert, um das Raumklima zu regulieren und die Heizfläche gleichzeitig zu nutzen.
Diese Technik ist besonders in Kombination mit solarthermischen Anlagen effektiv, da sie den Gasverbrauch reduzieren kann. In einem reetgedeckten Haus in Ostfriesland wurden beispielsweise Lehmverputzte Wandheizungen installiert, um eine nachhaltige Heizungslösung zu realisieren. Eine solche Kombination aus natürlichen Materialien und moderner Technologie ist besonders in der Altbausanierung attraktiv.
5. Dämmung und Schallschutz
Ein weiterer Aspekt der Sanierung ist die Dämmung. Lehm selbst bietet eine gewisse Wärmedämmung, kann aber in einigen Fällen ergänzt werden. In den erwähnten Sanierungsprojekten wurden Holzweichfaserplatten oder andere nachhaltige Dämmstoffe integriert, um die thermischen Eigenschaften der Wände zu verbessern. In einem Dachgeschoss wurden beispielsweise 6 cm dicke Holzweichfaserplatten an die Lehmwände angebracht, um die Wärmeleitfähigkeit weiter zu reduzieren.
Der Schallschutz ist ein weiterer Faktor, der bei der Sanierung von Lehmwänden berücksichtigt werden sollte. Durch die Dämmung der Wände, beispielsweise mit Holzfaserdämmstoffen, kann der Schallschutz erheblich verbessert werden. In einem renovierten Holzrahmenbau in Oldenburg wurde der Schallschutz durch die Verwendung von Holzweichfaserplatten deutlich erhöht.
Nachhaltigkeit und ökologische Vorteile
Ein entscheidender Vorteil der Sanierung von Lehmwänden ist die Nachhaltigkeit. Lehm ist ein natürlicher, nicht-synthetischer Baustoff, der CO₂-neutral ist und sich gut recyceln lässt. Die Verwendung von Lehmputzen und -steinen reduziert den Einsatz von chemischen Materialien und trägt damit zur Schonung der Umwelt bei.
Zudem ist Lehm atmungsaktiv, was bedeutet, dass er Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Dies reguliert das Raumklima und verhindert Schimmelbildung. In einem Sanierungsprojekt wurde festgestellt, dass die Luftqualität in einem Lehmhaus, obwohl es einige Jahre leer gestanden hatte, noch gut war. Dies unterstreicht die Fähigkeit von Lehm, ein gesundes und angenehmes Wohnklima zu schaffen.
Förderung durch BAFA
In einigen Fällen können Sanierungsmaßnahmen mit staatlicher Unterstützung durchgeführt werden. In Ostfriesland wurde beispielsweise die maximale BAFA-Förderung ausgeschöpft, um die Sanierung eines reetgedeckten Hauses zu finanzieren. Solche Förderungen können die Kosten für die Sanierung von Lehmwänden erheblich reduzieren und somit den ökologischen und wirtschaftlichen Vorteil dieser Maßnahmen hervorheben.
Fazit
Die Sanierung von Lehmwänden erfordert ein gründliches Verständnis der Materialien und Techniken, die bei der Ausführung eingesetzt werden. Lehm ist ein nachhaltiger, atmungsaktiver Baustoff, der sich besonders gut für die Renovierung von Altbeständen eignet. Durch die sorgfältige Vorbereitung, den richtigen Materialmix und die Integration moderner Techniken wie Heizungen oder Dämmstoffe kann eine Lehmwand nicht nur wiederhergestellt, sondern auch funktional erweitert werden.
Die Sanierung bietet nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch eine Verbesserung des Wohnkomforts. Mit der richtigen Planung und Ausführung kann eine Lehmwand zu einem zentralen Element des Hauses werden, das sowohl ästhetisch als auch praktisch überzeugt. Ob in historischen Häusern oder bei modernen Sanierungsprojekten – die Verwendung von Lehm ist ein Schritt in Richtung nachhaltiger Baukunst.