Alte Holzfenster mit Dickschichtlasur richtig renovieren: Schritt-für-Schritt-Anleitung und Tipps für Laien und Handwerker

Die Renovierung von Holzfenstern ist eine Herausforderung, die sowohl für Heimwerker als auch für Profis eine Menge Vorbereitung und Präzision erfordert. Insbesondere bei Fenstern, die mit Dickschichtlasur gestrichen wurden, gelten besondere Vorgehensweisen, da die Materialien und Verarbeitungstechniken hier von Standardanstrichen abweichen. Ziel dieser Anleitung ist es, detailliert die Schritte einer Renovierung zu erläutern, basierend auf bewährten Techniken und Empfehlungen von Experten aus der Branche. Dabei werden die wichtigsten Aspekte wie Materialauswahl, Vorbereitung, Streichtechnik und Schutzmaßnahmen behandelt.

Vorbereitung der Holzfenster für die Renovierung

Bevor mit dem eigentlichen Anstrich begonnen werden kann, ist eine gründliche Vorbereitung der Fenster unerlässlich. Die Dickschichtlasur, die bereits aufgebracht ist, muss sorgfältig entfernt werden, um Schäden am Holz zu vermeiden und eine optimale Grundlage für den neuen Anstrich zu schaffen.

1. Entfernen der alten Dickschichtlasur

Laut den Angaben von Michael Pommer, Trainer an der Heimwerkerschule DIY-Academy in Köln, ist es ratsam, die Fensterflügel komplett auszuhängen und auf zwei Böcke zu legen, um die Arbeit mit dem Pinsel zu erleichtern. Dies ermöglicht eine gleichmäßige Bearbeitung aller Seiten und Ecken der Fenster. Die alte Dickschichtlasur kann mit einem Spachtel oder Ziehklinge abgeschabt werden. Wichtig ist, dass jede Schicht vor dem Auftragen der nächsten vollständig getrocknet ist. Ist die Stelle komplett ausgehärtet, wird sie bündig abgeschliffen, grundiert und lackiert. Reinbold empfiehlt nach der Grundierung und dem Auftragen der ersten Schicht Lack einen Zwischenschliff, um die Haftung der nächsten Schichten zu verbessern.

Für besonders schwierige Bereiche wie V-Fugen, Brüstungsfugen oder morsche Stellen ist eine intensive Vorbereitung erforderlich. In solchen Fällen, wie sie in einem Forum beschrieben wurden, kann es notwendig sein, den Silikonansatz an den Fenstern zu entfernen, da er oft auf altem Lack oder Lasur aufgetragen ist. Ein Alkoholbasiertes Reinigungsmittel oder ein spezieller Entferner kann hierbei hilfreich sein.

2. Schleifen der Oberfläche

Nach dem Abschleifen mit Körnungen von 80er bis 120er empfiehlt sich ein erneutes Schleifen mit feinerem Schleifpapier, idealerweise mit einer Körnung von 180er bis 220er, um die Oberfläche optimal für den neuen Lack oder die Dickschichtlasur vorzubereiten. Dies ist besonders wichtig, da Dickschichtlasuren auf eine gut vorbereitete, trockene und saubere Oberfläche angewendet werden müssen. Die Holzfeuchtigkeit sollte möglichst niedrig sein, um Schimmelbildung oder Unebenheiten im Lack zu vermeiden.

3. Vorbehandlung mit Holzschutzmittel

Nachdem die alte Dickschichtlasur entfernt und die Holzoberfläche abgeschliffen wurde, ist die Vorbehandlung mit einem Holzschutzmittel unerlässlich. Dies ist besonders bei Holzfenstern im Außenbereich von großer Bedeutung, da sie durch Witterungseinflüsse besonders anfällig für Schäden sind. Ein Holzimprägniergrund, wie er in den Empfehlungen von Remmers erwähnt wird, kann hier eine wertvolle Rolle spielen. Er schützt das Holz vor Feuchtigkeit, Pilzbefall und UV-Einstrahlung. Nach der Grundierung wird empfohlen, die Fläche mit einem leichten Schleifpapier anzurauen, um die Haftung der Dickschichtlasur zu optimieren.

Auswahl des richtigen Materials

Die Wahl der richtigen Dickschichtlasur ist entscheidend für die Haltbarkeit und das Erscheinungsbild der renovierten Fenster. Experten wie Ludger Küper, Direktor des Paint Quality Institutes, empfehlen, zwischen Dickschichtlasuren und Lacken zu unterscheiden. Während Lacke in der Regel haltbarer sind und länger halten, erfordern Lasuren in der Regel mehr häufige Wartungsanstriche – etwa alle zwei Jahre. Eine Dickschichtlasur hingegen bietet den Vorteil, dass sie sich durch ihre Dicke besser an die Holzstruktur anpasst und so eine bessere Schutzschicht bildet.

1. Dickschichtlasuren im Vergleich zu Lacken

Lasuren lassen die Holzstruktur sichtbar werden, während Lacke eine glattere, abgeschlossene Oberfläche erzeugen. Für die Renovierung von Holzfenstern im Außenbereich ist es besonders wichtig, dass die Dickschichtlasur UV-Pigmente enthält. Diese schützen das Holz vor Sonnenlicht und verhindern, dass es zu stark erwärmt wird. Laut Küper bestehen diese Pigmente meist aus rötlichem Eisenoxid, weshalb Lasuren mit mittleren Farbtönen den optimalsten Schutz bieten. Sehr hell gefärbte Lasuren, wie Ahorn, enthalten diese Pigmente oft nicht, und sehr dunkle Anstriche führen hingegen dazu, dass das Holz sich stark dehnt und rissig wird.

2. Farbauswahl und Wärmeentwicklung

Die Farbauswahl spielt eine entscheidende Rolle, da sie direkt mit der Wärmeentwicklung zusammenhängt. Dunkle Farben absorbieren mehr Sonnenlicht und erwärmen das Holz stärker. Dies kann dazu führen, dass das Holz sich verzieht und Risse entstehen. Experten empfehlen daher, bei der Renovierung von Holzfenstern im Außenbereich eine mittel bis dunkel gefärbte Dickschichtlasur mit UV-Schutzpigmenten zu wählen. Eine gewisse Pigmentierung ist auch bei Innenanstrichen sinnvoll, um den UV-Schutz zu erhöhen.

3. Remmers Compact Lasur – eine bewährte Alternative

Die Remmers Compact Lasur PU und die Remmers Fenster & Türenlasur sind in der Branche als besonders bewährte Produkte bekannt. Sie eignen sich sowohl für Innen- als auch für Außenbereiche und bieten bei richtiger Verarbeitung einen langfristigen Schutz für Holzoberflächen. Die Remmers Fenster & Türenlasur ist feuchtigkeitsregulierend, wasserabweisend und UV-beständig. Ihre kurze Trockenzeit (zwei Stunden bis grifffest, sechs Stunden bis überstreichbar) macht sie besonders praktisch für Renovierungsarbeiten. Allerdings ist zu beachten, dass die Verarbeitung bei hohen Temperaturen, niedrigen Temperaturen oder hoher Luftfeuchtigkeit verzögert werden kann.

Schritt-für-Schritt-Renovierung: So wird gearbeitet

Die Renovierung von Holzfenstern, die mit Dickschichtlasur gestrichen wurden, erfordert eine sorgfältige Vorgehensweise. Nachfolgend sind die einzelnen Arbeitsschritte detailliert beschrieben.

1. Ausbau der Fensterflügel

Alte und beschädigte Fenster sollten immer komplett ausgebaut werden, um Risse, Fehler oder morsche Stellen aufzudecken und zu beheben. Dies ist besonders wichtig, wenn der Wintergarten oder die Fenster bereits einige Jahre alt sind. Der Ausbau ermöglicht es, alle Bereiche zu erreichen und eine gleichmäßige Renovierung sicherzustellen.

2. Vorbereitung der Oberfläche

Nach dem Entfernen der alten Dickschichtlasur wird die Holzoberfläche mit Schleifpapier (Körnung 80er bis 120er) abgeschliffen. Anschließend folgt ein Schleifpapier mit 180er Körnung, um die Oberfläche glatt und gut vorbereitet für den neuen Anstrich zu machen. Wichtig ist, dass die Oberfläche trocken und sauber ist.

3. Vorbehandlung mit Grundierung

Eine Grundierung, wie z. B. ein Holzimprägniergrund, wird aufgetragen, um das Holz zu schützen und die Haftung der Dickschichtlasur zu verbessern. Nach der Grundierung wird empfohlen, die Fläche mit einem leichten Schleifpapier anzurauen, um die Dickschichtlasur optimal aufzunehmen.

4. Auftragen der Dickschichtlasur

Je nach Zustand des Holzes reichen zwei bis drei Schichten Dickschichtlasur aus. Dabei ist es wichtig, in Richtung der Holzmaserung zu streichen, damit die Struktur gut zur Geltung kommt. Nach jeder Schicht sollte die Lasur vollständig getrocknet sein, bevor die nächste Schicht aufgetragen wird. Bei extrem niedrigen oder sehr hohen Temperaturen sowie bei hoher Luftfeuchtigkeit sollte nicht gestrichen werden.

5. Abschluss und Kontrolle

Nachdem alle Schichten getrocknet sind, erfolgt eine abschließende Kontrolle. Eventuelle Unebenheiten oder Risse können mit Holzkitt nachgearbeitet werden. Zudem sollte sichergestellt werden, dass alle Bereiche gleichmäßig gestrichen wurden und keine Stellen fehlen.

Tipps für die Arbeitssicherheit

Die Renovierung von Holzfenstern mit Dickschichtlasur erfordert nicht nur technisches Wissen, sondern auch die Beachtung von Sicherheitsvorschriften. Experten wie Ludger Küper und die Autoren der Malerpraxis.de betonen die Bedeutung von Schutzmaßnahmen.

1. Schutzkleidung tragen

Eine gute Schutzmaske und Malerhandschuhe sind unerlässlich. Diese verhindern, dass Schadstoffe aus der Dickschichtlasur einatmet oder auf die Haut gelangen. Zudem sollten Schutzbrillen und Gummihandschuhe getragen werden, um das Auge und die Hände vor Splittern oder Lackresten zu schützen.

2. Arbeiten in gut belüfteten Räumen

Die Dickschichtlasur und die verwendeten Grundierungen enthalten oft chemische Stoffe, die giftig sein können. Deshalb ist es wichtig, die Arbeit entweder im Freien oder in einem gut belüfteten Raum durchzuführen. Ein Umluftlüftungsgerät oder eine Absaugung kann hier hilfreich sein.

3. Chemikalien sorgfältig handhaben

Wenn Abbeizer oder Entferner eingesetzt werden, ist darauf zu achten, dass diese in einem gut belüfteten Raum verwendet werden. Nach dem Auftragen des Abbeizers sollte genügend Zeit eingeräumt werden, bis der Lack abgelöst ist. Danach kann die alte Farbe mit einem Spachtel abgetragen werden.

Wartung und Pflege nach der Renovierung

Eine erfolgreiche Renovierung mit Dickschichtlasur ist nur dann langfristig effektiv, wenn die Pflege danach gewährleistet ist. Regelmäßige Inspektionen, Entfernen von Algen oder Moos sowie das Nachstreichen bei Bedarf sind unerlässlich.

1. Frühzeitige Wartung ist kostensparend

Je länger die Renovierungsarbeiten aufgeschoben werden, destо teurer werden sie. Fortgeschrittene Schäden, wie Pilzbefall oder Verrottung, können dazu führen, dass ganze Holzelemente ersetzt werden müssen. Experten wie Remmers betonen, dass eine frühzeitige Instandhaltung nicht nur die Lebensdauer der Fenster verlängert, sondern auch die Kosten im Rahmen hält.

2. Nachstreichen bei Bedarf

Lasuren erfordern in der Regel häufigeres Nachstreichen, insbesondere im Außenbereich. Wenn die Dickschichtlasur stark verwittert ist oder Risse aufweist, kann sie nachgestrichen werden, um die Schutzschicht zu erneuern. Hierzu ist es wichtig, die alte Lasur leicht abzuschleifen, um eine optimale Haftung zu gewährleisten.

3. Schutz vor Witterungseinflüssen

Im Außenbereich ist es besonders wichtig, dass die Dickschichtlasur wasserabweisend und UV-beständig ist. Ein Holzimprägniergrund kann hier eine zusätzliche Schutzschicht bilden. Zudem ist darauf zu achten, dass die Fenster nicht direkt in die Sonne stehen, da dies die Wärmeentwicklung erhöhen kann und das Holz verformen kann.

Fazit

Die Renovierung von Holzfenstern, die mit Dickschichtlasur gestrichen wurden, erfordert eine sorgfältige Vorbereitung, die richtige Materialauswahl und eine präzise Ausführung. Die Schritte von der Entfernung der alten Lasur bis hin zum Auftragen der neuen Schichten müssen genau geplant und durchgeführt werden, um eine gleichmäßige und langlebige Schutzschicht zu erzeugen. Besonders wichtig sind die Vorbereitung der Holzoberfläche, die Vorbehandlung mit einem Holzschutzmittel und die richtige Farbauswahl. Zudem ist die Arbeitssicherheit ein entscheidender Faktor, um Gesundheitsgefahren vorzubeugen. Mit der richtigen Technik und den empfohlenen Produkten kann die Renovierung von Holzfenstern auch von Laien erfolgreich durchgeführt werden.

Quellen

  1. Der Lack ist ab: Alte Holzfenster richtig aufarbeiten
  2. Holz-Wintergarten: Wie Fenster renovieren und Dickschichtlasur auftragen
  3. Dickschichtlasur – so wird sie angewendet
  4. Holzfenster renovieren und die Kosten
  5. Holzfenster streichen: Tipps und Techniken

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