Muss ein Fachmann renovieren? Rechtslage, Empfehlungen und Praxis

Die Renovierung einer Wohnung oder eines Hauses ist ein komplexes Thema, das sowohl rechtliche als auch praktische Aspekte umfasst. Viele Mieter und Eigentümer fragen sich, ob sie für die Schönheitsreparaturen oder umfangreiche Renovierungsarbeiten zwingend einen Fachmann beauftragen müssen. In diesem Artikel klären wir die Rechtslage, bewerten die Vorteile und Risiken einer Renovierung in Eigenregie und nennen Arbeiten, die unbedingt von Experten durchgeführt werden sollten. Die Informationen basieren ausschließlich auf den Daten der bereitgestellten Quellen und bieten eine sachliche Übersicht für Mieter, Vermieter und interessierte Bauherren.


Rechtslage: Ist die Beauftragung eines Fachmanns verpflichtend?

Die Antwort auf die Frage, ob ein Fachmann renovieren muss, lautet in der Regel: Nein, ein Mieter ist nicht verpflichtet, die Renovierung durch eine Fachfirma durchführen zu lassen. Dies hat der Bundesgerichtshof (BGH) bereits in mehreren Entscheidungen klargestellt. So urteilte der BGH in dem Fall Az. VIII ZR 294/09, dass Klauseln in Mietverträgen, die Mieter verpflichten, nur von Fachfirmen ausführen zu lassen, unwirksam sind. Solche Klauseln können auch als Verbot von Eigenleistungen interpretiert werden, was dem Mietrecht widerspricht.

Ein ähnliches Urteil kam aus dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart in Az. 8 RE-Miet 2/92. Dort wurde eine Klausel, die besagte, dass die Wohnung „fachmännisch renoviert“ übergeben werden müsse, als unzulässig erachtet. Diese Entscheidung unterstreicht die Rechtslage in Deutschland: Mieter sind nicht verpflichtet, bei Renovierungsarbeiten einen Fachmann hinzuzuziehen. Sie dürfen und können die Arbeiten auch in Eigenregie erledigen oder mit Hilfe von Freunden und Bekannten.

Trotz dieser klaren Rechtsprechung ist es nicht erlaubt, willkürlich oder unvorsichtig zu handeln. Die Renovierung muss den Anforderungen der „mittleren Art und Güte“ entsprechen. Dieser Begriff aus der Rechtsprechung bedeutet, dass die Arbeiten fachgerecht ausgeführt sein müssen und keine Mängel aufweisen dürfen, die über den durchschnittlichen Standard hinausgehen.


„Mittlere Art und Güte“: Was bedeutet das in der Praxis?

Die Anforderung an die „mittlere Art und Güte“ ist entscheidend für Mieter, die in Eigenregie renovieren. Sie besagt, dass die Renovierungsarbeiten zwar nicht zwingend durch einen Fachmann ausgeführt werden müssen, aber dennoch fachgerecht durchgeführt sein müssen. In der Praxis bedeutet das:

  • Qualität der Ausführung: Wenn der Mieter selbst streicht, tapeziert oder baut, muss das Ergebnis den durchschnittlichen Qualitätsstandards entsprechen. Das bedeutet, dass keine Blasen in der Tapete entstehen dürfen, keine Streifen in der Farbe sichtbar sind und die Arbeiten sauber und ordentlich durchgeführt werden.
  • Keine überzogenen Forderungen: Der Vermieter darf nicht verlangen, dass eine Raufasertapete jedes Mal neu tapeziert wird, wenn sie durch mehrere Überstriche noch nutzbar ist.
  • Gerichtliche Klärung im Zweifel: Im Streitfall entscheidet ein Gutachter, ob die Renovierungsarbeiten den geforderten Standard der „mittleren Art und Güte“ erfüllen. Dieser Standard soll sicherstellen, dass Mieter nicht unnötig finanziell belastet werden, indem sie teure Fachfirmen beauftragen müssen.

Vorteile und Risiken der Renovierung in Eigenregie

Die Renovierung in Eigenregie kann für Mieter und Eigentümer viele Vorteile bieten – vor allem finanziell. Gleichzeitig birgt sie aber auch Risiken, insbesondere bei fehlender Erfahrung oder bei der Ausführung bestimmter Gewerke. Im Folgenden werden die wichtigsten Aspekte betrachtet.

Vorteile einer Renovierung in Eigenregie

  1. Kostenersparnis: Eine der größten Vorteile ist die Einsparung von Handwerkerkosten. Wer sich selbst um die Renovierung kümmert, spart Geld – insbesondere bei einfachen Arbeiten wie Streichen, Tapezieren oder Bodenverlegung.
  2. Flexibilität: Mieter oder Eigentümer können die Arbeiten nach ihrem eigenen Zeitplan durchführen. Sie müssen sich nicht an die Arbeitszeiten eines Handwerkers oder dessen Terminplan binden.
  3. Kreative Freiheit: Wer die Renovierung selbst durchführt, kann individuelle Gestaltungsideen umsetzen, die oft in der Zusammenarbeit mit Handwerkern zurücktreten.

Risiken einer Renovierung in Eigenregie

  1. Fachkenntnis: Nicht jeder Mieter oder Eigentümer verfügt über die notwendigen Kenntnisse, um Renovierungsarbeiten fachgerecht durchzuführen. Fehlgeschlagene Arbeiten können teuer werden, wenn sie später von einem Handwerker korrigiert werden müssen.
  2. Mangelhafte Ausführung: Wer nicht genug Erfahrung hat, kann Fehler machen, die später als Mangel gewertet werden. Dies kann im Mietverhältnis zu Streit führen oder die Erstattung von Kosten verhindern.
  3. Gefährdung der Sicherheit: Bei bestimmten Arbeiten, wie z. B. im Bereich Elektro oder Sanitär, kann ein Fehlverhalten zu Schäden oder Unfällen führen.

Arbeiten, die unbedingt von Fachleuten durchgeführt werden sollten

Obwohl Mieter und Eigentümer grundsätzlich selbst renovieren dürfen, gibt es eine Reihe von Arbeiten, die aufgrund von Sicherheits- und Fachkenntnisgründen unbedingt von Experten durchgeführt werden sollten. Diese Arbeiten sollten nicht in Eigenregie durchgeführt werden, da sie entweder gefährlich sind oder besondere Kenntnisse erfordern.

Elektroarbeiten

Elektrische Installationen und Veränderungen an Stromleitungen sind extrem gefährlich, wenn sie nicht fachgerecht durchgeführt werden. Schäden an der Elektroinstallation können zu Brandgefahr, Stromausfall oder Stromschlag führen. Deshalb ist es unbedingt notwendig, Elektroarbeiten einem zertifizierten Elektriker zu überlassen.

Sanitär- und Heizungsarbeiten

Änderungen an Wasserleitungen, Abflüssen oder der Heizungsanlage erfordern ebenfalls besondere Kenntnisse. Fehlerhafte Installationen können zu Wasserschäden führen, die sich auf Nachbargemeinschaften auswirken. Auch die Heizung ist ein sensibles System, bei dem Fehlbedienung oder falsche Installationen zu Energieverlusten oder Schäden am Gebäude führen können.

Dach- und Fassadenarbeiten

Dacharbeiten, Fenstertausch oder Fassadenrenovierungen erfordern spezielle Sicherheitsausrüstung und Erfahrung im Umgang mit hohen Arbeitsplätzen. Diese Arbeiten sollten daher nur von erfahrenen Dachdecker- oder Fassadenfachleuten durchgeführt werden. Unvorsichtige Handlungen können zu Stürzen oder Verletzungen führen.

Bauplanung und Baugenehmigungen

Bei umfangreichen Renovierungs- oder Baumaßnahmen, die eine Fläche von mehr als 150 m² betreffen, ist es oft notwendig, einen Architekten hinzuzuziehen. Der Architekt übernimmt die Planung, koordiniert die Gewerke und hilft bei der Beantragung von Baugenehmigungen. Dies ist besonders bei größeren Sanierungsprojekten entscheidend, um baurechtliche Vorgaben einzuhalten.


Empfehlungen für Mieter: Was ist sinnvoll?

Für Mieter, die nach dem Auszug die Wohnung renovieren müssen, gilt es, eine kluge Entscheidung zu treffen, ob sie selbst handhaben oder Profis beauftragen. Die folgenden Empfehlungen basieren auf den geprüften Daten der Quellen:

  1. Einfache Arbeiten in Eigenregie: Einfache Schönheitsreparaturen wie Streichen, Tapezieren oder Bodenreinigung dürfen und können Mieter in Eigenregie durchführen. Hierbei sollte man jedoch den Standard der „mittleren Art und Güte“ beachten.
  2. Fachhandwerker für komplexe Arbeiten: Bei Elektro-, Sanitär- oder Heizungsarbeiten ist es unbedingt notwendig, einen Fachmann hinzuzuziehen. Diese Arbeiten sind gefährlich und rechtlich sensibel.
  3. Vermieter einbeziehen: Vor umfangreichen Renovierungsmaßnahmen, z. B. bei Umbauten oder Änderungen an Wänden, sollte der Mieter immer die Zustimmung des Vermieters einholen. Andernfalls können spätere Konflikte entstehen.
  4. Kosten sparen durch Eigenleistung: Wer Erfahrung hat und Zeit investieren kann, spart durch Eigenleistung. Dies ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn die Arbeiten fachgerecht und mangellos durchgeführt werden.

Vorteile der Zusammenarbeit mit Fachfirmen

Obwohl Mieter nicht zwingend einen Fachmann beauftragen müssen, bietet die Zusammenarbeit mit seriösen Handwerksbetrieben einige Vorteile:

  1. Schnellere und professionelle Ausführung: Profis verfügen über die notwendigen Kenntnisse, Geräte und Erfahrung, um Arbeiten schnell und fachgerecht zu erledigen.
  2. Garantie auf die Leistungen: Gute Handwerker bieten oft eine Gewährleistung, was bedeutet, dass bei Fehlern oder Mängeln kostenfrei nachgebessert wird.
  3. Sicherheit und Qualität: Bei Arbeiten an Elektro, Sanitär oder Dach ist die Sicherheit besonders wichtig. Fachkräfte minimieren das Risiko von Schäden oder Unfällen.
  4. Planung und Beratung: Bei größeren Projekten oder Modernisierungen können Fachfirmen auch bei der Planung und der Beantragung von Fördermitteln unterstützen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Mieter nicht verpflichtet sind, bei Renovierungsarbeiten einen Fachmann zu beauftragen. Die Rechtsprechung ist hier eindeutig: Die Beauftragung einer Fachfirma ist nicht zulässig, wenn der Mieter die Arbeiten in Eigenregie erledigen kann. Allerdings muss er dabei den Standard der „mittleren Art und Güte“ beachten. Dies bedeutet, dass die Arbeiten fachgerecht und ohne grobe Mängel ausgeführt sein müssen.

Bei einfachen Schönheitsreparaturen ist eine Renovierung in Eigenregie durchaus sinnvoll und kostensparend. Bei komplexeren Arbeiten, insbesondere im Bereich Elektro, Sanitär oder Dach, ist jedoch der Einsatz von Fachleuten unerlässlich. Diese Arbeiten sind oft gefährlich und erfordern besondere Kenntnisse, die Laien nicht haben.

Mieter sollten sich außerdem bewusst sein, dass sie vor umfangreichen Renovierungsarbeiten die Zustimmung des Vermieters einholen müssen. Dies gilt insbesondere bei Änderungen an der baulichen Struktur der Wohnung. Zudem ist es sinnvoll, im Zweifelsfall einen Gutachter hinzuzuziehen, um zu klären, ob die Arbeiten den geforderten Qualitätsstandard erfüllen.

Für Mieter, die unsicher sind, ob sie in Eigenregie oder mit Profis arbeiten sollen, bieten seriöse Handwerksbetriebe oft kostenlose Beratung und können bei der Planung der Renovierungsarbeiten helfen. So kann man nicht nur die Kosten senken, sondern auch die Gefahr von Fehlern minimieren.


Quellen

  1. Muss die Wohnung von einem Fachmann renoviert werden?
  2. Tipps für die Renovierung auf eigene Faust
  3. Selber renovieren oder Fachleute beauftragen?
  4. Renovierungsarbeiten – wer übernimmt was?
  5. Wann Mieter streichen müssen – Schönheitsreparaturen

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