Das Renovieren von Bauernhäusern ist in den letzten Jahren durch steigendes Interesse an historischen Objekten, landwirtschaftlich geprägten Landschaften und nachhaltiger Architektur wieder einen Schwerpunkt im real estate- und Baubereich geworden. Egal ob um ein städtisches Loft-Stilwohnhaus zu erstellen, eine Arztpraxis in historischen Räumlichkeiten unterzubringen oder eine Familie mit modernem Komfort und rustikalem Flair unterzubringen – die Sanierung eines Bauernhauses bietet zahlreiche Möglichkeiten, sofern die richtigen Schritte und Materialien gewählt werden.
Dieser Artikel bietet eine detaillierte Betrachtung der Renovierungsstrategien und Techniken, die bei der Sanierung von Bauernhäusern eingesetzt werden. Die Fokussierung liegt dabei auf dem Erhalt des historischen Werts, der Integration moderner Komponenten und der Vermeidung von häufigen Fehlern bei solchen Projekten.
Die Grundlagen der Bauernhaussanierung
Erhalt des historischen Fassadenbildes
Ein Bauernhaus, das im Laufe der Jahrzehnte in Vergessenheit geraten ist, hat oft eine beeinträchtigte Fassade mit beschädigtem Mauerwerk, lose sitzenden Ziegeln und abblätterndem Putz. Die Renovierung zielt darauf ab, solche Zerstörungen wiederherzustellen, um das historische Bild des Hauses zu bewahren.
Insbesondere in den Weinbergen bei Stuttgart und in Oberbayern wurden solche Sanierungsmaßnahmen vorgenommen, wobei stark auf die Verbesserung des Komforts gesetzt wurde. Beispielsweise wurde großer Wert darauf gelegt, die natürlichen Materialien im Bauernhaus zu erhalten und zu nutzen, da diese einen wesentlichen Teil des rustikalen Charakters ausmachen.
Traditionelle Materialien: Ein Schlüssel zur Sanierung
Bei der Renovierung von Bauernhäusern ist es entscheidend, die ursprünglich verwendeten Materialien in den Vordergrund zu stellen. Werden diese nicht beachtet, wird die Charakteristik des Hauses verloren gehen. Insbesondere bei der Ausbesserung der Außenmauern ist darauf zu achten, dass Kalk-Gips-Putz wieder aufgebracht wird, da dieser im Originalmehr verwandt und mit den heutigen Materialen oft nicht kompatibel ist.
Bei Holzfachwerken, welche für den Bauernhaustyp besonders typisch sind, wurde im beschriebenen Beispiel der Lehm-Stroh-Verputz eingesetzt. Dies verleiht den Gefachen einen natürlichen und harmonischen Ausdruck. Es ist zudem wichtig, dass die Holzkonstruktionen weitgehend sichtbar bleiben, um die offene und traditionelle Optik zu bewahren und die bautechnischen Strukturen sichtbar auszustellen.
Feuchtigkeitsaustausch: Eine entscheidende Herausforderung
Die Sanierung eines Bauernhauses erfordert nicht nur optische und inhaltliche Maßnahmen, sondern auch umfassende Überlegungen zur Bauökologie. Bei der Integration von Dämmmaterialien sollte immer auf eine hohe Dampfdiffusionsoffenheit geachtet werden, damit Feuchtigkeit, die sich aus der Raumluft bildet, nach außen abgegeben werden kann, aber nicht in das Mauerwerk zurückfließt. Dazu eignen sich Holzfaserplatten oder Lehm-Fertigteile, die aufgrund ihrer natürlichen Zusammensetzung bestens dafür geeignet sind, den Feuchtigkeitsaustausch zu gewährleisten.
Die Rolle der Sanierung in ländlichen Regionen
Bauernhäuser als kulturelle und wirtschaftliche Anlaufstelle
Die Verpflichtung zur Erhaltung von Kulturlandschaften und historischen Bauformen ist in vielen Regionen nicht nur ein ästhetisches, sondern auch ein wirtschaftliches und kulturelles Anliegen. So werden in Oberbayern Bauernhäuser in Kombination mit landwirtschaftlichen Gebäuden nicht nur modernisiert, sondern in eine neue funktionale Rolle geführt, die zur Bevölkerungsversorgung beitragen kann.
Ein typisches Beispiel ist ein großzügiges Bauernhausim Umland von Rosenheim, das in eine moderne Wohnanlage und ein Büro für eine Arztpraxis umgewandelt wurde. Hierbei wurden die Wände ertüchtigt, das Dachtragwerk komplett ausgesteift und eine hochwertige Dämmung angebracht, um den Wohnkomfort im Einklang mit den historischen Strukturen zu sicherstellen.
Der rustikale Charme als Designelement
Die Einrichtung und Gestaltung solcher Hausherstehungen folgen oft einem bewussten Plan, um die individuelle Geschichte des Hauses wieder zum Leben zu erwecken. In dem Stuttgarter Bauernhaus-Loft-Project integrierten Renovierungsexperten die alten Ziegelwände als zentrales Designelement. So bildeten Ziegel, Beton, Glas und Stahl eine harmonische Symbiose aus Industrie- und Landhausstil.
Auch bei der Bodengestaltung und der Nutzung von Möbeln aus Holz oder anderen natürlichen Materialien wurde Wert auf den Erhalt des rustikalen Charakters gelegt. Die offene Grundrissgestaltung und das Fehlen schwerer Möbelwände tragen dazu bei, dass die Einrichtung einen Leichtigkeits- und Großzügigkeits-Eindruck vermittelt.
Spezielle Gestaltungselemente bei Bauernhaus-Renovierungen
Die Integration von Loft-Elementen
Eine moderne Alternative zur traditionellen Nutzung von Bauernhäusern ist die Umgestaltung im Loft-Style, der besonders in städtischen und suburbanen Umgebungen beliebt ist. Dabei wird Wert auf helle Räume, freie Oberfläche und offene Grundrisse gelegt. Große Fensterfronten sind zentral zur Schaffung von Tageslicht und einer sinnlichen Raumwirkung.
Einige Renovierungsprojekte, wie das an der Nordsee oder in der Umgebung von Rosenheim, nutzen den Loft-Style, um das historische Bauelement mit zeitgenössischen Ästhetiken zu verbinden. Die rustikale Struktur der alten Wände steht in Kontrast zu modernen Materialien wie Glas oder Metall, wodurch ein einzigartiges Ambiente entsteht, das sowohl urban als auch ländlich wirkt.
Funktionalität und Zugänglichkeit verbessern
Eine wichtige Erweiterung bei der Renovierung von Bauernhäusern ist die Schaffung einer Außentreppe. Diese verbessert nicht nur die Zugänglichkeit, sondern unterstreicht auch optisch und funktional den Charakter des Hauses.
Die Neigung einer Außentreppe muss etwa 30° bis 35° betragen, um eine rollstuhlgerechte Zufahrt sicherzustellen. Die Materialien sollten sorgfältig ausgesucht werden, um in den traditionellen Baukontext einzugehen. Naturstein und Eichenholz sind hierbei besonders geeignet, da sie authentisch wirken und gleichzeitig robust und langlebig sind.
Darüber hinaus kann die Planung der Außentreppe dazu beitragen, den Wert des Hauses zu steigern. Ein fachgerecht geplantes und gestaltetes Treppensystem verbessert die Barrierefreiheit und erlaubt künftigen Eigentümern eine bessere Raumnutzung.
Vorteile und Herausforderungen: Bauernhaus-Renovierungen in der Praxis
Vorteile einer Bauernhausrenovierung
Bei der Sanierung und Renovierung von Bauernhäusern gibt es zahlreiche Vorteile, sowohl für den Käufer als auch für die Gemeinschaft. Die Wiederbelebung historischer Gebäude trägt zur Erhaltung regionaler Baugeschichte bei. Gleichzeitig können Bauernhäuser durch eine moderne Dämmung und eine durchdachte Grundrissgestaltung Energieeffizienz standards erfüllen und somit auch in heutigen Umweltstandards mitbestehen.
Ein weiterer Pluspunkt liegt in der Schaffung von zusätzlichen Räumlichkeiten, wie beispielsweise für eine Arztpraxis oder für Mietwohnungen. Dies ermöglicht nicht nur eine bessere Nutzung des Baugrundes, sondern kann auch zum Aufbau von Dorfzentren oder Gemeinschaftsstrukturen beitragen.
Herausforderungen bei der Sanierung
Trotz all der Vorteile ist ein Bauernhaus kein typisches Wohnhaus und bringt daher besondere Herausforderungen mit sich. Dazu zählen:
- Veraltete bauliche Strukturen, die einen Sanierungsaufwand erfordern.
- Geringe Dämmung, bei der vorsichtige Materialwahl erforderlich ist, um die statischen Eigenschaften des Mauerwerks zu erhalten.
- Planungskomplexität, da die Verbindung zwischen alten und neuen Elementen besonders fachlich betreut werden muss.
- Baurechtliche Aspekte, die in Ermittlung von Denkmalschutz, regionalen Bauvorschriften und Erschließungsbedingungen berücksichtigt werden müssen.
- Baugrund und Fundamente, die oft nicht den aktuellen Normen entsprechen und daher aufmerksam geprüft werden müssen.
Kombination von Vintage-Elementen und modernen Details
Ein entscheidender Punkt bei der Bauernhaus-Renovierung ist die geschickte Kombination von Vintage-Elementen, die eine emotionale Verbindung zur Vergangenheit stiften, mit modernen Komponenten, die den heutigen Anforderungen entsprechen.
In den beschriebenen Beispielen wurde beispielsweise viel Wert auf die Nutzung von Vintage-Möbeln, originalgetreuen Holzbalken, alten Türen oder Tischen aus regionalem Holz gelegt. Diese Elemente integrieren sich gut in ein Loft- oder modernes Wohnbild und tragen damit zur Einzigartigkeit des Hauses bei.
Die Integration moderner Details, wie bezieht sich beispielsweise auf die Ausstattung der sanitären Anlagen oder auf die Installation von energieeffizienten Heizungen oder Fensterkonstruktionen. Diese Komponenten sorgen für Komfort und Energieeffizienz, ohne den historischen Charakter vollständig zu übertünchen.
Modernisierungschancen: Von der Tenne zur Arztpraxis
Multifunktionale Nutzung
Eines der spannendsten Entwicklungen bei der Renovierung von Bauernhäusern ist ihre multifunktionale Nutzung nach der Modernisierung. So wurden in den beschriebenen Projekten sowohl Mietwohnungen als auch Arztpraxen in den historischen Teilen untergebracht.
Die Tenne – eine ursprünglich als Getreidelager gedachte Holzhalle – wurde umfunktioniert und ermöglicht so Wohnraum mit unveränderter, historischer Architektur. Solche Modernisierungen zeigen, dass Bauernhäuser nicht nur kulturell wertvoll, sondern auch wirtschaftlich relevant sein können.
Dämmung im Einklang mit der originalen Struktur
Die Anbringung einer hochwertigen Dämmung ist bei der Sanierung eines Bauernhauses notwendig, um den Wohnkomfort für heutige Anforderungen zu schaffen. Allerdings muss bei der Wahl der Dämmmaterialien großer Wert auf den Schutz der Originalstruktur und auf eine optimale Dampfbewegung gelegt werden.
Moderner Dämmstandard im Innenraum setzt oft auf Holzfaserplatten oder mineralische Wärmedämmverbundsysteme. Allerdings sind bei traditionellem Bau- wie z. B. bei Holzfachwerk, mineralische Dämmstoffe nicht immer geeignet, da sie den Feuchtigkeitsaustausch begrenzen können. Stattdessen eignen sich natürliche Wärmedämmmaterialien, die diffusionsoffen sind, wie Lehm, Holzfasern oder Kalkwolle.
Schutz und Wiederbelebung zur gleichen Zeit
Die Sanierung eines Bauernhauses bedeutet stets eine Balance zwischen Schutz des Denkmals oder der historischen Bauleistung und einer nachhaltigen Modernisierung. Dabei ist es wichtig, dass die äußere Erscheinung bewahrt wird, während im Inneren beispielsweise Schäden infolge von Feuchtigkeit beseitigt oder Energie-Effizienz-Maßnahmen getroffen werden.
Ein Beispiel für eine solche Wiederbelebung ist ein Bauernhof, der in die Region Oberbayern gehört. Dort wurde die äußere Erscheinung der Tenne bewusst nicht verändert, um die ländliche Optik aufrechtzuerhalten. Innerlich wurde das Dach vollständig ausgesteift, die Wände ertüchtigt und eine moderne Dämmung eingesetzt, wodurch ein geräumiger, bequemer Wohnraum mit historischen Elementen entstand.
Praktische Tips und Empfehlungen
Planung und Fachplaner einbeziehen
Vor Beginn einer Renovierung ist eine umfassende Planung unerlässlich. Renovierungsexperten empfehlen ein frühzeitiges Hinzunehmen eines fachlich erfahrenen Bauunternehmens. Dieses unterstützt bei der Erstellung einer Kostenplanung, bei der Wahl der Materialien und im Umgang mit baulichen Besonderheiten oder Statuten.
Zudem ist es wichtig, ob ein Bauernhaus unter Denkmalschutz steht, da dies erhebliche Auswirkungen auf die verwendbaren Materialien und die baurechtliche Handlungsfreiheit hat.
Wichtige Renovierungs-Schritte
Die Sanierung eines Bauernhauses verläuft meist nach folgenden Schritten – wenn auch je nach individuellem Zustand und Nutzungswunsch variieren. Im Allgäu, Ravensburg oder Ulm, wo die Sanierung im Fokus steht, wird oft anhand solcher Meilensteine gearbeitet:
- Abnahme des gesamten Zustands der Gebäudehülle und des Technikanteils.
- Sanierung der Außenfassade und Bewahrung der ursprünglichen Materialien.
- Dämmung von Innen- und Außenwänden unter Beachtung der Dampfdiffusionsoffenheit.
- Umbau der Innenräume nach individuellem Konzept.
- Erstellung einer Außentreppe oder anderer Zugangsvarianten für optimale Barrierefreiheit.
- Anpassung der Schallschutzkonzepte in alten Gebäuden.
- Neue Installation moderner Haustechnikanlagen (Heizung, Sanitäranlagen, Elektro), die möglichst unauffällig integriert sind.
- Schaffung von Ersatz oder Ergänzungen in Form von Anbauten, Carports oder Hinterhofnutzungen.
Diese Schritte liegen oft im Ermessen des Bauherrn und der lokalen Gegebenheiten, weshalb eine projektbezogene Gutachten von Renovierungsfirmen oder Architekten hilfreich ist.
Sicherheit und Wartung
Auch bei der Renovierung von Bauernhäusern ist Sicherheit ein zentrales Anliegen. Gerade bei umfangreich umgeplanten Gebäuden gilt es, Brandschutzmaßnahmen, Schutz vor Überflutung sowie Schadensvermeidung bei Feuchtigkeit zu prüfen.
Zudem sind Wartung und Standhaftigkeit entscheidend. Beispielsweise sollte eine umgangsweise und robuste Außentreppe, die im Loft-Stil umgebaut wird, spätestens nach den Renovierungsmassnahmen auf Langlebigkeit und Sicherheit überprüft werden. Ehemalige Elemente, die weitergenutzt werden sollen, müssen einer technischen Prüfung unterzogen und gegebenenfalls gefasst oder verstärkt werden.
Finanzielle Überlegungen und Realisierung
Kalkulation des Aufwandes
Die Renovierung eines Bauernhauses ist oftmals ein Investitionsvorhaben, das im Fünfstelligen Bereich liegen kann. Die Kosten variiert je nach Ausmaß der notwendigen Sanierungsarbeiten sowie nach der Umgestaltung der Nutzung. Im beschriebenen Beispiel, bei dem aus einem Bauernhof eine Mischung aus Mieterwohnung, Arztpraxis und geräumigem Wohnraum für die Bauherren entstand, war eine umfassende bauliche Ertüchtigung notwendig.
Es ist ratsam, eine detaillierte Kalkulation der Investition mit einem Experte vorzunehmen. Häufig tragen die Kosten in solchen Projekten auf drei Hauptsektoren ab:
- Grundsanierung von Fassaden und Mauerwerk.
- Neuaufbau oder Anpassung der Dachkonstruktion.
- Modernisierung der Haustechnik (Heizung, Elektro, Sanitär).
Förderungsmöglichkeiten
Da die Erhaltung historischer Gebäude oft auch ein überregionaler Schwerpunkt ist, werden in einigen Regionen durch rundfertige Förderprogramme oder zinsverbilligte Darlehen unterstützt. Diese Förderungen können in Abhängigkeit vom Ausmaß der Sanierung und der baulichen Kategorie des Hauses, wie etwa ob es unter Denkmalschutz steht, variieren.
Vor Vertragsabschluss ist es daher stets sinnvoll, sich bei örtlichen Ämtern oder im Rahmen des Landesprogramms für historische Gebäude über mögliche finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren.
Typische Projekte und Beispiele
Das Reetdachhaus an der Nordsee: Tradition trifft Moderne
Ein typisches Projekt aus dem Bereich der Bauernhausrenovierung ist das Reetdachhaus an der Nordsee, bei dem der traditionelle Baustoff Reet wieder aufgenommen wurde. Dies hat nicht nur einen optischen, sondern auch einen ökologischen Vorteil. Reet ist ein nachwachsender Rohstoff und sehr attraktiv optisch, eignet sich aber zur Dämmung und zum Schutz vor Kälte.
In solchen Fällen wird die ursprüngliche Struktur weitestgehend beizubehalten, und moderne Fenster und Dämmungen zur Erhöhung der Energieperformance eingefügt. So entstanden nach der Renovierung Wohnräume, die den Charme eines historischen Reetdachhauses bewahren, aber dennoch modernen Komfort bieten.
Modernisierung zur Arztpraxis
Ein weiteres Beispiel ist die Umwandlung eines beeindruckenden Bauernhofs, der durch Renovierungsarbeiten in zwei Mietwohnungen und eine geräumige Arztpraxis umgewandelt wurde. Diese Nutzung des Bauernhauses zeigt, wie multifunktional und zukunftsfähig traditionelle Gebäude sein können.
Im Inneren wurde der Kuhstall, der ursprünglich als Tierstall genutzt wurde, mit einer hohen Decke, viel Tageslicht und moderner technischer Ausstattung in einen hellen, sonnigen Wohnraum verwandelt. Auch hier wurde bei der Sanierung großer Wert auf die Traditionsachtung gelegt, etwa durch die Einbeziehung von historischen Elementen wie tragenden Holzbalken und rustikalen Mauerwerkstächen.
Anbauten und Hausexpansion
Wohin mit alten Nebengebäuden?
Bei der Sanierung von Bauernhäusern bleiben oftmals die originalen Nebengebäude stehen, wie Ställe, Wirtschafts- oder Scheunengebäude. Diese können in die Erneuerung miteinbezogen werden, wodurch der ursprüngliche Baukontext erhalten bleibt.
Zum Beispiel können Ställe mit minimaler Zerstörung in moderne Wohnungen integriert werden, wobei die ursprünglichen Tore oder Mauern als Teil des Designs bleiben. Solche Anbauten oder Umbauten sollten geprüft werden, ob sie den baurechtlichen Vorschriften entsprechen oder ob sie in eine städtebauliche Zone eingebunden werden müssen.
Neue Erschließung möglich?
Je nach Lage eines Bauernhauses können zusätzliche Erschließungsarbeiten auf dem Hof oder in der Umgebung notwendig sein. Häufiger Bedarf:
- Neue Strom- und Gasanschlüsse.
- Neuausrichtung von Dachrinnen und Abwassersystem.
- Moderner Erschließung der Flächen mit Auffahrtsicherung und Sicherheitsmaßnahmen (z. B. für eine Arztpraxis).
Bei der Erneuerung eines Bauernhauses sollte daher auch der Zugang der Infrastruktur geplant werden können, gerade wenn das Gebäude eine neue Funktion übernehmen wird.
Farbgestaltung und Einrichtung
Farbigkeit als Gestaltungsinstrument
Eine bewusste Farbauswahl macht einen erheblichen Unterschied in der Atmosphäre des Hauses aus. Bei Bauernhäusern, die nicht unter strengen Denkmalschutz fallen, kann mit modernen und kräftigen Farben gearbeitet werden, wobei warmen Erdtöne besonders gut mit der architektonischen Grundhaltung harmonieren.
In einem Sanierungsfall von einem Stuttgarter Bauernhaus – das mittlerweile ein harmonisch gestaltetes Loft ist – wurde ein warmes Farbschema gewählt, um das urige Bild des Hauses zu unterstreichen. Solche Farben sind oft als Pastelltöne, Rottöne und Lehmfarben zu beobachten und tragen zur Wahrnehmung von authentischem Flair bei.
Möbelwahlen: Vintage bei zeitgenössischer Wohnkultur
Moderne Bauherren bevorzugen oft ein Design, das sich zwischen Vintage und moderner Eleganz bewegt. In diesem Zusammenhang sind Holzmöbel mit rustikaler Struktur oder antike Stühle und Tische gern als Einrichtungsteile im sanierten Bauernhaus genutzt.
Diese Elemente sollten jedoch nicht zur Last für die bauliche Stabilität gemacht werden. Die Ertüchtigung des Dachsystems, das Aussteifen des Dachtragwerks und die Auswahl diffusionsoffener Dämmstoffe sind daher Schwerpunkte der Renovierungskette, die nicht zur Gefahr von Überlastung oder Feuchtschäden führen dürfen.
Kombination und Symbiose: Ein Gleichgewicht herstellen
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Renovierung ist, nicht nur die baulichen Merkmale, sondern auch die Atmosphäre des Originalbaus zu bewahren. Dazu zählt, dass bei der Einrichtung des Bauernhaus-Innenraums eine klare Linie, minimalistische Elemente und zeitlose Accessoires genutzt werden.
Die Symbiose aus modernen Betonflächen, gläsernen Türen und sorgfältig restaurierten Fachwerkfenstern oder Stützen ermöglicht eine erstaunliche Wohnatmosphäre. Diese Kombination aus Alt und Neu ist besonders bei jüngeren Eigentümern und Investoren populär, da sie sowohl die Emotionen als auch die Funktionalitäten adressieren.
Bauherrenerfahrung und individuelles Raumkonzept
Bauherren-Planung: Vom Traum zur Realität
Ein Bauernhaus ist kein Standardobjekt, weshalb eine sorgfältige Planung notwendig ist, um die Ziele des Bauherrens zu erreichen. Vier Bauherrn, die im Rahmen von Renovierungsvorhaben tätig waren, teilten ihre Erfahrungen mit den Herausforderungen, sowie den erzielten Ergebnissen.
Die Erfahrungsberichte zeigen, dass es bei der Renovierung immer auf feine Balance zwischen Erhaltung des Stils und Modernisierung hinausläuft. Wichtig ist es, dass der Bauherr frühzeitig mit Fachplanern zusammenarbeitet, um die baulichen Bedingungen korrekt einzuordnen.
Raumkonzepte für individuelle Bedürfnisse
Jeder Bauherr hat individuelle Vorstellungen – sei es durch die Nutzung von mehreren Wohneinheiten, durch die Installation einer Arztpraxis oder durch die Schaffung von mehr Privatsphäre und Raumzellularkeit im privaten Bereich.
Bei der Erstellung eines Raumkonzepts ist daher ein konzeptioneller Planungsaufwand erforderlich. So werden in Loft-Style-Renovierungen oft offene Grundrisse gewählt, die die ursprünglichen Erscheinungselemente widerspiegeln.
In anderen Projekten wird jedoch auf geschlossene Raumeinteilungen zurückgegriffen, um mehr Privatsphäre zu schaffen. Jede dieser Entscheidungen sollte im Vorfeld geprüft werden, um nicht baulich in Konflikt zu geraten.
Fazit
Die Sanierung und Renovierung eines Bauernhauses bietet nicht nur Chancen für eine individuelle Nutzung, sondern auch für die Wiederbelebung einer kulturellen Kulturlandschaft. Durch den behutsamen Umgang mit traditionellen Elementen, die Integration moderner Technologien und eine sorgfältige Planung kann ein alterbau in eine neue moderne Wohnform oder in eine multifunktionale Objekt umgewandelt werden.
Wichtig ist es, die individuellen Grundelemente wie Mauerwerk, Holzkonstruktionen oder Stalleinbauten zu erhalten. Gleichzeitig sollte die Energie-effiziente Dämmung, eine wasserdichtete Haltung und eine klare Konzeption von Zugängen und Haustechnik im Fokus stehen.
Durch die Wahl diffusionsoffener Dämmmaterialien, den Erhalt des rustikalen Charakters und die Erstellung von sicherer Außentrapppe bleibt das Erbe des älteren Bauens lebendig und funktional. In vielen Fällen können Bauherren zudem von finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten profitieren, die mitunter große Teile der Investmentkosten abdecken.
Wer die Sanierung eines Bauernhauses in Betracht zieht, muss aber stets die Kosten, die Planung und die technischen Besonderheiten kritisch beleuchten. Nur mit einem fachlichen Herangehen lässt sich aus einem veralteten Landbürgerhauses ein neues Zuhause, eine Werkstatt, eine Geschäftsstätte oder ein Luxushaus mit historischem Hintergrund machen.