Renovieren und Bohren in der Schwangerschaft: Risiken, Schutzmaßnahmen und Empfehlungen

Einführung

Die Renovierung einer Wohnung, insbesondere während der Schwangerschaft, birgt zahlreiche Risiken sowohl für die werdende Mutter als auch für das ungeborene Kind. Zahlreiche Studien zeigen, dass Schadstoffe aus Farben, Lacken, Klebstoffen und Bodenbelägen in die Raumluft gelangen und das Wohnumfeld für eine Schwangere belasten können. Gerade bei Tätigkeiten wie Streichen, Tapezieren oder dem Verlegen von Bodenbelägen entstehen gefährliche Ausdünstungen, die über die Lunge oder die Haut aufgenommen werden können. Diese Schadstoffe können die Plazentaschranke überwinden und in den Stoffwechsel des Fötus gelangen, was schwerwiegende Entwicklungsstörungen oder erhöhte Risiken für Allergien und Atemwegserkrankungen nach sich ziehen kann.

Die vorliegenden Erkenntnisse stammen hauptsächlich aus Studien des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung (UFZ), die seit über 15 Jahren den Zusammenhang zwischen Umweltfaktoren in der Schwangerschaft und dem Allergierisiko von Kindern untersuchen. Diese Erkenntnisse sind von besonderer Bedeutung für werdende Eltern, die im Zuge des Nestbaubtriebs oft in die Versuchung geraten, bereits während der Schwangerschaft umfangreiche Renovierungsarbeiten durchzuführen.

Im Folgenden werden die Risiken, Empfehlungen und Alternativen zur Renovierung und zum Bohren in der Schwangerschaft detailliert beschrieben.

Schadstoffe und ihre Auswirkungen

Flüchtige organische Verbindungen (VOC)

Flüchtige organische Verbindungen (VOC) sind chemische Substanzen, die aus Farben, Lacken, Klebstoffen und neuen Bodenbelägen wie Laminat oder Teppichboden in die Raumluft ausdünsten. Diese Stoffe können sich über einen längeren Zeitraum in der Raumluft befinden – oft bis zu sechs Monate oder länger.

In einer Studie des UFZ wurde festgestellt, dass in 25 bis 30 Prozent der Fälle, in denen Eltern während der Schwangerschaft renovierten, die Konzentrationen von VOCs deutlich erhöht waren. Solche Konzentrationen können sich negativ auf die Gesundheit des Fötus auswirken, da VOCs über die Lunge der werdenden Mutter aufgenommen und über die Plazentaschranke in den Fötus gelangen können.

Lösungsmittel in Lacken und Farben

Lösungsmittel, die in Lacken und Farben enthalten sind, können besonders gefährlich sein. Studien haben gezeigt, dass Mütter, die beruflich häufiger Lösungsmitteln ausgesetzt sind, ein erhöhtes Risiko haben, Kinder mit Neuralrohrdefekten, Herzfehlern oder anderen Missbildungen zu gebären. Auch private Renovierungsarbeiten können, wenn sie nicht sorgfältig geplant sind, ähnliche Risiken mit sich bringen.

Auswirkungen auf das Immunsystem des Fötus

Die UFZ-Forscher fanden zudem Hinweise darauf, dass die Ausdünstungen von Schadstoffen sich negativ auf das Immunsystem des ungeborenen Kindes auswirken können. Besonders gefährdet sind Säuglinge, deren Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist. Eine Zunahme von Allergiesymptomen, insbesondere Säuglingsekzeme und Atemwegserkrankungen, wurde in Studien nachweisbar in Verbindung mit frisch renovierten Räumen gebracht.

Ein bestimmter Typ weißer Blutzellen, die Th1-Zellen, spielt eine entscheidende Rolle bei der Abwehr allergischer Reaktionen. Diese Zellen sind in den ersten Lebensmonaten in geringer Zahl vorhanden. Eine Exposition gegenüber VOCs könnte diese Abwehr weiter unterdrücken und so das Allergierisiko erhöhen.

Risiken beim Bohren und Schrauben

Auch Tätigkeiten wie Bohren, Schrauben oder das Verlegen von Schränken und Möbeln bergen Risiken. Diese Arbeiten führen oft zu erhöhten Staubbelastungen in der Raumluft. Der Staub kann Schadstoffe enthalten, die aus dem Holz oder dem Klebstoff freigesetzt werden. Bei ungeschütztem Atem tritt eine Gefährdung ein, die über die Lunge in den Blutkreislauf gelangt und letztendlich auch das Fetus erreichen kann.

Besonders bei Holzbearbeitung kann feiner Holzstaub entstehen, der Atemwegreizungen verursachen kann. Zudem können Bohr- und Schrauarten durch die körperliche Belastung der werdenden Mutter unvorteilhaft sein, da sie zu Ermüdung, Schmerzen oder sogar vorzeitiger Wehen führen können.

Empfehlungen für sichere Renovierungsarbeiten

Da die Risiken im Zusammenhang mit Renovierungsarbeiten in der Schwangerschaft hoch sind, gibt es mehrere Empfehlungen, wie werdende Eltern vorgehen können, um sich und ihr ungeborenes Kind zu schützen.

1. Verzicht auf Renovierungsarbeiten, soweit möglich

Die klare Empfehlung von Wissenschaftlern ist, Renovierungsarbeiten während der Schwangerschaft so weit wie möglich zu vermeiden. Insbesondere das Verlegen von Laminat, Teppichboden oder anderen Bodenbelägen wird abgeraten. Laut Ulrich Franck vom UFZ kann das Verlegen von neuen Bodenbelägen, insbesondere mit Klebstoff, das Risiko für Atemwegsinfektionen und Allergien bei Säuglingen deutlich erhöhen.

2. Verwendung von lösungsmittelfreien Materialien

Wenn Renovierungsarbeiten unvermeidbar sind, sollten lösungsmittelfreie Materialien verwendet werden. Farben und Lacke auf Wasserbasis sind in diesem Zusammenhang empfehlenswert. Zudem sollte immer Handschuhe getragen werden, um eine direkte Hautkontamination zu vermeiden. Ein Mundschutz kann zudem dazu beitragen, die Einatmung von Schadstoffen zu reduzieren.

3. Intensive Lüftung nach Arbeiten

Nach erfolgter Renovierung, beispielsweise nach dem Streichen einer Wand oder dem Tapezieren, sollte der Raum intensiv gelüftet werden. Wird die Arbeit in einem energieeffizienten Haus durchgeführt, bei dem der Luftaustausch naturgemäß geringer ist, ist eine aktive Lüftung besonders wichtig. Werdende Mütter sollten nach der Renovierung mehrere Tage lang nicht in dem betroffenen Raum schlafen.

4. Vermeidung von Frischverlegten Bodenbelägen

Ein weiterer Punkt ist die Vermeidung von frisch verlegten Bodenbelägen. Laut UFZ-Studien können neue Bodenbeläge, insbesondere wenn Klebstoffe verwendet werden, einen erheblichen Schadstoffausstoß verursachen. Selbst wenn keine Klebstoffe verwendet werden, bleiben die VOC-Konzentrationen hoch genug, um das Risiko für Atemwegsbeschwerden bei Säuglingen zu erhöhen.

5. Vorverlegen von Möbeln

Wenn Eltern dennoch Kindermöbel oder andere Möbel anschaffen, sollte dies möglichst acht Wochen vor der Geburt erfolgen. Die Möbel sollten in einem gut gelüfteten Raum ausdünsten, bevor sie in den Schlafraum des Neugeborenen gebracht werden.

6. Renovierung nach der Geburt

Eine gute Nachricht aus den UFZ-Studien ist, dass Renovierungsarbeiten nach der Geburt deutlich weniger Auswirkungen auf das Baby haben. Wer also schwanger ist oder es in Kürze wird, sollte die Renovierung lieber bis nach der Geburt verschieben. Ideal ist es, bis das Kind etwa ein Jahr alt ist, mit der Renovierung zu beginnen.

Alternativen zur Renovierung während der Schwangerschaft

1. Renovierung durch Dritte

Eine sichere Alternative ist, Renovierungsarbeiten von Dritten durchführen zu lassen. Wird die Arbeit von Profis erledigt, kann der Schadstoffeintrag minimiert werden. Zudem entfällt die körperliche Belastung für die werdende Mutter. Wichtig ist jedoch, dass auch hier auf lösungsmittelfreie Materialien und sorgfältige Lüftung geachtet wird.

2. Nutzung von vorbereiteten Räumen

Oft ist es nicht unbedingt notwendig, das Kinderzimmer während der Schwangerschaft zu renovieren. Ein Neugeborenes benötigt in den ersten Lebensmonaten ohnehin kein eigenes Zimmer. Babys fühlen sich meistens am wohligsten in der Nähe ihrer Eltern. Daher kann auf eine Renovierung verzichtet werden, wenn das Baby in einem anderen Raum oder im Elternschlafzimmer untergebracht wird.

3. Praktische Vorbereitungen

Wenn keine Renovierung stattfindet, können praktische Vorbereitungen wie der Kauf von Babyausstattung oder die Anschaffung von sicheren Möbeln alternativ vorgenommen werden. Diese können in einem anderen Raum aufbewahrt und dort ausdünsten, bis das Baby geboren ist.

Fazit

Renovierungsarbeiten, insbesondere während der Schwangerschaft, sollten aufgrund der damit verbundenen Risiken möglichst vermieden werden. Flüchtige organische Verbindungen, Lösungsmittel und Staub aus Renovierungsarbeiten können die Gesundheit des ungeborenen Kindes beeinträchtigen und das Risiko für Allergien und Atemwegserkrankungen erhöhen. Studien des UFZ belegen diese Zusammenhänge eindrucksvoll und warnen insbesondere vor dem Verlegen von Laminat, Teppichboden oder anderen Bodenbelägen.

Wird eine Renovierung dennoch unumgänglich, sollten lösungsmittelfreie Materialien verwendet, Handschuhe und Mundschutz getragen sowie der Raum intensiv gelüftet werden. Wichtig ist zudem, dass werdende Mütter nicht im renovierten Raum schlafen. Alternativ kann die Renovierung bis nach der Geburt verschoben werden, was nachweislich geringere Risiken für das Baby birgt.

Wer dennoch in eine frisch renovierte Wohnung zieht, sollte in den ersten Wochen nach der Geburt besonders auf eine gute Lüftung achten. Fenster sollten regelmäßig geöffnet werden, um Schadstoffe aus der Raumluft zu entfernen.

Zusammenfassend ist vorsichtiger Umgang mit Renovierungsarbeiten in der Schwangerschaft unerlässlich. Die Gesundheit von Mutter und Kind sollte im Vordergrund stehen, weshalb eine sorgfältige Planung und Durchführung der Arbeiten oder deren Verzicht in diesem Zeitraum empfohlen werden.

Quellen

  1. Luftanalyse-Zentrum.de – Renovieren in der Schwangerschaft
  2. Wohnglück.de – Renovieren in der Schwangerschaft

Ähnliche Beiträge