Malervlies: Das vielseitige Material für die Renovierung – Vorteile, Anwendung und Testberichte

Die Renovierung von Wänden und Räumen ist ein zentraler Bestandteil der Instandsetzung und Modernisierung von Immobilien. Ein Material, das hier immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist Malervlies. Unter diesem Begriff werden verschiedene Arten von Vliestapeten zusammengefasst, die sich durch ihre Glätte, Reißfestigkeit und Anstrichfähigkeit auszeichnen. In diesem Artikel werden die Eigenschaften, Anwendungsgebiete, Verarbeitungshinweise und Testberichte zu Malervlies detailliert vorgestellt. Ziel ist es, eine umfassende Übersicht zu geben, die Bauherren, Renovierer und Handwerker bei Entscheidungen und Planung unterstützt.

Was ist Malervlies?

Malervlies, auch bekannt als Renoviervlies, Glattvlies, Saniervlies oder Anstrichvlies, ist ein dünnes, aber stabiles Gewebe aus Zellstoff- und Textilfasern. Es wird hauptsächlich als Tapetenuntergrund verwendet, kann aber auch als eigenständige Tapetenversion eingesetzt werden. Das Material hat sich in der Renovierungsbranche als Universalmaterial etabliert und bietet zahlreiche Vorteile gegenüber herkömmlichen Tapeten und Putzen.

Vorteile von Malervlies

  1. Optimiert die Haftung:
    Malervlies verbessert die Haftung von Tapeten, Putz und Farbe auf der Wand. Es schafft eine gleichmäßige Untergrundstruktur, auf der sich Anstriche besser haften.

  2. Untergrundveredelung:
    Es gleicht kleine Mängel wie Risse, Nagel- und Schraubenlöcher aus. So entsteht eine homogene Fläche, die sich ideal für die Endveredelung eignet.

  3. Diffusionsoffenheit:
    Atmungsaktives Malervlies ist besonders in ökologischen Bau- und Sanierungsprojekten gefragt. Es unterstützt ein gutes Raumklima und ist oft auch für Allergiker geeignet.

  4. Mehrfach überstreichbar:
    Ein weiterer Pluspunkt ist die Fähigkeit, das Malervlies mehrfach mit Wandfarbe zu überstreichen. Das ermöglicht eine flexible Gestaltung der Wände im Laufe der Zeit.

  5. Reißfestigkeit und Dimensionsstabilität:
    Das Material ist robust und verformt sich kaum, was eine gleichmäßige Verlegung erleichtert und das Risiko von Falten oder Rissen minimiert.

  6. Vorbeugung von Rissbildung:
    Durch seine Armierungseigenschaften hilft Malervlies, späteren Rissbildungen vorzubeugen. Es ist daher auch bei alten, instabilen Wänden eine gute Wahl.

Arten und Varianten von Malervlies

Das Angebot an Malervlies hat sich in den letzten Jahren stark diversifiziert. Neben dem klassischen Glattvlies sind heute auch pigmentierte, strukturierte und fotografisch bedruckte Varianten erhältlich. Diese ermöglichen nicht nur eine bessere Haftung und Ausgleich der Untergründe, sondern auch kreative Gestaltungsmöglichkeiten.

Standardstärken (Grammaturen)

Malervlies wird in verschiedenen Grammaturen angeboten, die sich vor allem auf die Dicke und Stabilität des Materials beziehen. Die gängigsten Stärken sind:

  • 60 g/m² – für besonders flache und gleichmäßige Untergründe
  • 120 g/m² – für normale Renovierungsarbeiten
  • 130 g/m² – etwas stabiler, eignet sich gut für strukturierte Anstriche
  • 150 g/m² – für besonders belastete Räume oder komplexe Untergründe

Die Wahl der richtigen Grammatur hängt vom Zustand der Wand, der geplanten Endveredelung (z. B. Lack oder Farbe) und den individuellen Anforderungen ab. Bei unsicherer Wahl ist es ratsam, die Verkaufsberatung zu konsultieren oder Herstellerangaben zu prüfen.

Anwendungsbereiche von Malervlies

Malervlies wird in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Die häufigsten Anwendungen sind:

1. Als Tapetenuntergrund (Untertapete)

Das Malervlies wird unter einer dekorativen Tapete verlegt und dient als Vorveredelung der Wand. Es verbessert die Haftung der Tapete, gleicht den Untergrund aus und verhindert, dass Farben oder Strukturen durchschimmern. In diesem Fall ist es oft als Renoviervlies oder Makulaturvlies bekannt.

2. Als eigenständige Tapetenversion

In letzter Zeit hat sich auch die Anwendung des Malervlies als eigene Tapete etabliert. In diesem Fall wird das Vlies direkt an der Wand verklebt und anschließend überstrichen. So entsteht eine glatte, farbige Fläche, die sich später nochmal neu streichen lässt. Diese Methode ist besonders bei Wohnräumen beliebt, die flexibel gestaltet werden sollen.

3. Als Strukturträger

Strukturierte Malervliese tragen bereits ein dreidimensionales Muster. Sie wirken nach dem Überstreichen wie Strukturtapeten oder Strukturputze. Dies ist eine kosteneffiziente Alternative zu teureren Strukturverputzarbeiten.

4. Für Fototapeten

Einige Hersteller bieten Fototapeten aus hochwertig bedrucktem Malervlies an. Diese eignen sich besonders gut für Räume mit hohen ästhetischen Anforderungen, da sie durch die hohe Druckqualität und die Flexibilität im Anstrich beeindrucken.

Verarbeitung und Anbringung

Die korrekte Verarbeitung ist entscheidend für die Langlebigkeit und das Erscheinungsbild von Malervlies. Im Folgenden werden die wichtigsten Schritte bei der Anwendung beschrieben.

1. Untergrundvorbereitung

Der Untergrund muss trocken, sauber, glatt und farbneutral sein. Vor der Verlegung des Malervlieses sollte die Wand mit einem Tapetengrund oder Kleistergrund vorbehandelt werden. Dies sorgt für eine bessere Haftung und verhindert, dass Farben oder Strukturen durchschimmern.

2. Verkleben des Malervlieses

Malervlies wird mit Vlieskleister oder Tapetenkleister bestrichen. Wichtig ist, dass die Kleisterflächen gut getrocknet sind, bevor die Tapete aufgeklebt wird. Es empfiehlt sich, die Tapetenrollen vorher zu entrollen und an die Raumtemperatur zu gewöhnen. So vermeiden Sie Falten und ungleichmäßige Haftung.

3. Trocknungszeit

Die Trocknungszeit hängt von der Art des Kleisters, der Raumtemperatur und der Luftfeuchte ab. In der Regel ist die Trocknungszeit mit anderen Vliestapeten vergleichbar. Es ist wichtig, dass das Malervlies genügend Zeit zum Aushärten hat, damit der Kleber ausreichend Haftung aufbauen kann. Zugluft oder hohe Luftfeuchte sollten vermieden werden.

4. Überstreichen

Wenn das Malervlies als eigenständige Tapete verwendet wird, kann es nach dem Aushärten mit Dispersionsfarbe oder Latexfarbe überstrichen werden. Es ist wichtig, die Farben auf die Wandoberfläche abzustimmen und ggf. mehrere Schichten aufzutragen, um eine gleichmäßige Deckkraft zu erreichen. Bei pigmentierten Malervliesen kann die Farbe direkt aufgetragen werden, ohne dass ein Vorstreichen erforderlich ist.

Alternativen zum Malervlies

Obwohl Malervlies ein vielseitiges und effektives Material ist, gibt es auch Alternativen, die je nach Projektbedarf in Betracht gezogen werden können. Dazu gehören:

1. Haftgrund oder Kleistergrund

Diese Alternativen können als Vorbehandlung für die Wand eingesetzt werden, um die Haftung von Tapeten oder Lacken zu verbessern. Sie sind jedoch meistens nicht in der Lage, den Untergrund gleichmäßig auszugleichen oder Risse zu verdecken.

2. Ausgleichputz

Ein Ausgleichputz kann zur Beseitigung von Unebenheiten dienen. Er ist allerdings zeitaufwendiger und kostspieliger als Malervlies, da mehrere Schritte und Materialien erforderlich sind.

3. Meistervlies Tapeten

Ein spezielles Produkt ist die Meistervlies Tapete, die aus einem hochwertigen Vliesträger mit einer Vinylbeschichtung besteht. Sie eignet sich besonders gut für den Anstrich mit Wandfarbe und ist in der Regel mit dem Hinweis „Überstreichbar“ gekennzeichnet. Diese Tapeten bieten neben glatten Oberflächen auch eine Vielzahl an Strukturmustern.

Testberichte und Bewertungen

Um die Qualität und Eignung von Malervliesobjekten zu beurteilen, sind Testberichte und Nutzermeinungen hilfreich. Im Folgenden werden ausgewählte Testberichte aus unabhängigen Quellen vorgestellt.

1. Testberichte von Ökotest

In einem Testbericht des Ökotest wird aufgezeigt, dass viele Vliestapeten, darunter auch Malervlies, nicht immer die gleichen Qualitätseigenschaften aufweisen. Einige Produkte erzielen gute Ergebnisse in der Farbdeckkraft und Diffusionsoffenheit, andere hingegen weisen Mängel auf. Besonders hervorzuheben sind die zwei Produkte, die als „gut“ eingestuft wurden. Diese sind auch explizit dafür vorgesehen, nach dem Tapezieren überstrichen zu werden.

Ein Kritikpunkt ist, dass einige Hersteller nicht ausreichend über die Überstreichbarkeit informieren. Verbraucher könnten so in die Situation geraten, nach dem Tapezieren festzustellen, dass sie die Tapete nochmals streichen müssen. Um solche Missverständnisse zu vermeiden, ist es wichtig, die Produktbeschreibung und Anweisungen genau zu prüfen.

2. Testtabelle: Überstreichbarkeit und Untergrundveredelung

In der Testtabelle werden die Eigenschaften der einzelnen Vliestapeten detailliert vorgestellt. Wichtige Kriterien sind:

  • Überstreichbarkeit
  • Untergrunddurchscheinung
  • Kleisterflecken
  • Reinigungseigenschaften
  • Diffusionsoffenheit

Die Ergebnisse zeigen, dass atmungsaktives Malervlies besonders in ökologischen Bau- und Sanierungsprojekten empfehlenswert ist. Es verbessert das Raumklima und ist oft auch für Allergiker geeignet.

3. Praxisnähe und Verarbeitungshinweise

Ein weiterer Aspekt, der in den Testberichten thematisiert wird, ist die Verarbeitungshinweise. Experten wie Malermeister Peter Hoffmann betonen die Bedeutung einer sorgfältigen Untergrundvorbereitung. Er empfiehlt, die Wand vor dem Tapezieren mit einem Tapetengrund zu streichen, um eine gleichmäßige Haftung zu gewährleisten. Zudem ist es wichtig, das Malervlies sorgfältig zu entrollen und im richtigen Winkel anzuheften, um Falten oder Wellen zu vermeiden.

Zertifizierung und Normen

Als Werkstoff für den Innenausbau muss Malervlies bestimmten technischen Anforderungen und genormten Produktstandards entsprechen. Dazu gehören:

  • EN 15012 – europäische Norm für Tapeten
  • EN 13501-1 – Brandschutzklasse
  • RAL Gütezeichen – Zertifizierung durch die unabhängige Gütegemeinschaft Tapete e.V.

Diese Zertifizierungen garantieren, dass das Malervlies in Bezug auf technische Eigenschaften, Gesundheits- und Ökologiekriterien den hohen Anforderungen entspricht. Im Handel sind oft nur CE-gekennzeichnete und RAL-zertifizierte Produkte erhältlich, die für die Verwendung in Wohnräumen zugelassen sind.

Fazit

Malervlies hat sich in der Renovierungsbranche als vielseitiges und effektives Material etabliert. Es kombiniert die Vorteile von Tapete, Putz und Lack in einem Produkt und eignet sich sowohl als Untertapete als auch als eigenständige Tapetenversion. Durch seine Reißfestigkeit, Diffusionsoffenheit und Überstreichbarkeit ist es besonders in Sanierungsprojekten und bei der Renovierung von Altbauten ein wertvolles Werkzeug.

Die Verarbeitung des Materials ist vergleichsweise einfach, erfordert jedoch eine sorgfältige Untergrundvorbereitung und richtige Kleisterwahl. Testberichte zeigen, dass einige Produkte in puncto Qualität und Anwendbarkeit überzeugen, andere hingegen verbesserungswürdig sind. Eine präzise Planung, die auch auf Herstellerangaben und Zertifizierungen zurückgreift, ist daher unerlässlich.

Quellen

  1. Renoviervlies/Malervlies – Vorteile und Verarbeitung
  2. Vliestapeten im Test – Acht fallen mit ungenügend
  3. Malervlies – Universal-Genie im Tapezierprojekt

Ähnliche Beiträge