Ökologisch Bauen und Renovieren: Praktische Wege zu Klimaschutz, Artenschutz und Selbstversorgung

In den letzten Jahren hat das Thema Nachhaltigkeit im Bauwesen an immer größerer Bedeutung gewonnen. Die Herausforderungen, die sich aus Klimawandel, Ressourcenverbrauch und urbaner Dichte ergeben, erfordern neue Denkweisen und praxisnahe Lösungen. Insbesondere im Bereich der Neubauten und Sanierungen stehen Bauherren und Sanierer vor der Aufgabe, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte in Einklang zu bringen. Dieser Artikel stellt auf der Grundlage vertrauenswürdiger Quellen die aktuellsten Entwicklungen, Methoden und Empfehlungen im Bereich ökologischen Bauens und Renovierens vor, mit dem Ziel, eine nachhaltige Zukunft im Wohnungsbau und in der Urbanisierung zu unterstützen.


Der BUND-Jahrbuch 2020: Ein praxisnahes Handbuch für nachhaltige Bau- und Sanierungsprojekte

Eine der wichtigsten Quellen für Bauherren und Sanierer, die sich für ökologisch optimierte Projekte interessieren, ist das BUND-Jahrbuch 2020 – Ökologisch Bauen und Renovieren. Herausgegeben vom BUND Baden-Württemberg, bietet das Handbuch umfassende Informationen zu Planung, Finanzierung, Materialauswahl und Technik, wobei besonderer Wert auf Artenschutz, Klimaschutz und Selbstversorgung gelegt wird.

Das Jahrbuch ist explizit auf die Bedürfnisse von Bauherren und Sanierern ausgerichtet, die sich für ein nachhaltiges Bauen oder Renovieren entscheiden. Es bietet praktische Tipps, die sich in verschiedenen Phasen der Bauplanung und -umsetzung einsetzen lassen. Insbesondere in der Planungsphase ist das Handbuch ein wertvolles Instrument, um die richtigen Entscheidungen zu treffen – sei es bei der Wahl der Baustoffe, der Gestaltung der Gebäudehülle oder der Auswahl der Haustechnik.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf Dach- und Fassadenbegrünung, die nicht nur optische Vorteile bieten, sondern auch zur Reduzierung des Flächenverbrauchs und zum Schutz bedrohter Arten, insbesondere Insekten und Vögel, beitragen können. Mit der wachsenden Bedeutung von Biodiversität im urbanen Raum wird hier ein praxisnaher Beitrag zur Schaffung von Lebensräumen geleistet.


Nachhaltige Förderkriterien und staatliche Unterstützung

Ein weiterer wichtiger Aspekt des BUND-Jahrbuchs ist der Überblick über staatliche Förderprogramme. Der Wohnungsbau ist in Deutschland stark durch Fördermaßnahmen geprägt, die insbesondere in den Bereichen Energieeffizienz, Klimaschutz und Barrierefreiheit eingesetzt werden. Das Jahrbuch veranschaulicht, wie Bauherren und Sanierer von diesen Förderungen profitieren können, und gibt konkrete Hinweise, welche Kriterien erfüllt werden müssen, um Fördermittel in Anspruch zu nehmen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf Heizkostenvergleichen, die vom Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart erstellt wurden. Diese Vergleiche berücksichtigen auch CO2-Bepreisungen, was in der aktuellen Debatte um Klimaschutz und Klimafinanzierung immer mehr an Relevanz gewinnt.


Ökologische Baustoffe: Stärken, Schwächen und Entsorgung

Ein zentraler Punkt in der Debatte um nachhaltiges Bauen und Renovieren ist die Wahl der Baustoffe. Welcher Dämmstoff ist der beste? Dies ist eine Frage, die in der Baubranche immer wieder gestellt wird. Die Antwort hängt jedoch stark von der Konstruktion und den ökologischen Anforderungen ab. Ein ganzheitlicher Vergleich, der nicht nur die Stärken, sondern auch die Schwächen der verschiedenen Dämmstoffe berücksichtigt, ist daher unerlässlich.

Besonders wichtig ist dabei auch die Entsorgung der Materialien nach dem Bauschluss. Viele Dämmstoffe, die heute verbreitet eingesetzt werden, erfordern aufwendige Recyclingverfahren oder können nicht ohne weiteres entsorgt werden. Hier zeigt sich, dass die ökologische Bilanz eines Materials nicht nur durch die Produktion und Anwendung, sondern auch durch die Entsorgung entschieden wird.


Nachhaltigkeitsstandards: Der Mindeststandard der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG)

Ein weiteres wichtiges Beispiel für die Verankerung von Nachhaltigkeit im Bauwesen ist der BIG Mindeststandard, der seit Anfang 2020 für alle Neubauten und Generalsanierungen der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und deren Tochtergesellschaft ARE gilt. Der Standard geht über gesetzliche Anforderungen hinaus und stellt sicher, dass alle Projekte mindestens den klimaaktiv SILBER-Standard erreichen.

Der BIG Mindeststandard verpflichtet alle Projekte, 43 Maßnahmen des BIG Holistic Building Program (HBP) umzusetzen und mindestens 750 klimaaktiv-Punkte zu erreichen. Damit wird Nachhaltigkeit nicht nur als Randthema betrachtet, sondern als zentrales Kriterium in der Planung und Ausführung von Immobilienprojekten. Dieses Vorgehen setzt Maßstäbe und zeigt, wie staatliche Unternehmen aktiv zur Verbesserung der ökologischen Bilanz beitragen können.


Förderrichtlinien mit klimafreundlichen Kriterien: Das Beispiel Vorarlberg

Ein weiteres spannendes Beispiel für die Integration von Nachhaltigkeit in den Bauwesen ist der Förderungsrahmen des österreichischen Bundeslands Vorarlberg. Die Förderrichtlinien für Wohnhaussanierung und Neubau in privaten und öffentlichen Bereichen enthalten klare Kriterien für klimafreundliche Beschaffung von Holz und Holzprodukten. Die Herkunft des Holzes muss durch das Label „Holz von Hier“ oder vergleichbare Zertifikate nachgewiesen werden.

Diese Maßnahme setzt Maßstäbe, wie regionale Ressourcen in den Bauwesen einbezogen werden können, um den Klimaschutz und die Nachhaltigkeit zu stärken. Sie unterstreicht die Bedeutung von örtlichem, nachhaltig bewirtschaftetem Holz und trägt so zu einer Reduktion des CO2-Fußabdrucks bei.


Nachhaltige Quartiere: Der Schlüssel zum Klimaschutz und zur Bewältigung des Wohnraummangels

In der Debatte um den Wohnungsmangel und Klimaschutz hat sich in den letzten Jahren immer mehr die Erkenntnis etabliert, dass Sanierung im Bestand und der Aufbau nachhaltiger Quartiere der Schlüssel zur Lösung vieler Probleme sind. In einem Positionspapier von Umweltbundesamt (UBA) und Kommission Nachhaltiges Bauen (KNBau) wird betont, dass der Erhalt und die Sanierung des bestehenden Gebäudebestandes eine zentrale Rolle spielt. So lassen sich Klimaemissionen und Rohstoffverbräuche am effektivsten reduzieren.

In Großstädten und Ballungsräumen ist der Wohnraummangel ein immenses soziales Problem. Gleichzeitig verfehlt der Gebäudebestand seine Umwelt- und Klimaziele. Nachhaltige Quartiere, die in klimafreundlichen Energieversorgungssystemen, raumsparenden Mobilitätsangeboten und ökologischen Bauweisen verankert sind, bieten hier eine vielversprechende Lösung.

Ein Beispiel ist das Neubauviertel an der Westseite des Merwedekanals in Utrecht, das bis 2024 entstehen soll. Das Quartier ist als Mischnutzung geplant und soll 6.000 bis 9.000 Wohnungen für etwa 12.000 Bewohner beinhalten. Es ist als Vorzeigeobjekt für nachhaltiges und gesundes Leben konzipiert und beinhaltet innovative Konzepte für Recycling, Klimaanpassung und Mobilitätslösungen.


Innovationen in der Sanierung: Der Bundespreis UMWELT & BAUEN

Um Projekte zu würdigen, die die Idee eines neuen Bauhauses in der Praxis umsetzen, wurde der Bundespreis UMWELT & BAUEN ins Leben gerufen. Der Preis, der unter der Schirmherrschaft von Bundesministerin Svenja Schulze steht, wird seit 2021 verliehen und richtet sich an alle Akteurinnen und Akteure des Baubereichs. Er hat sich als Plattform etabliert, um innovative und nachhaltige Bauprojekte bekannt zu machen und zu fördern.

Der Preisträger wird nach strengen Kriterien ausgewählt, die auf ganzheitlicher Nachhaltigkeit, ökologischer Bauweise und sozialer Verantwortung basieren. Damit wird nicht nur ein Wettbewerb ausgetragen, sondern auch ein Impuls gesetzt, die Branche in Richtung einer nachhaltigen Zukunft zu führen.


Praktische Tipps für Bauherren und Sanierer

Die Verbindung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten ist entscheidend, um nachhaltige Bau- und Sanierungsprojekte erfolgreich umzusetzen. Einige konkrete Empfehlungen lassen sich aus den Quellen ableiten:

  • Planung und Finanzierung: Nutzen Sie staatliche Förderprogramme, die Energieeffizienz und Klimaschutz fördern. Informieren Sie sich frühzeitig über die Kriterien und beantragen Sie Fördermittel.

  • Baustoffe: Wählen Sie regionale, nachhaltig produzierte Baustoffe, insbesondere Holz, das mit Zertifikaten wie „Holz von Hier“ nachgewiesen wird. Achten Sie auf die Ökobilanz und die Entsorgungsmöglichkeiten der Materialien.

  • Gebäudehülle: Dämmung, Fenster, Dächer und Fassaden sollten so gestaltet werden, dass sie energieeffizient sind und gleichzeitig ökologische Vorteile bieten. Dach- und Fassadenbegrünung können zudem zum Schutz von Arten beitragen.

  • Haustechnik: Moderne Haustechnik, wie Wärmepumpen, Solarenergie und regenerative Stromquellen, sollten in die Planung einbezogen werden. Die Kombination mit Klimafinanzierungen kann hier eine große Unterstützung bieten.

  • Quartiersplanung: Wohnquartiere sollten so geplant werden, dass sie möglichst raumsparend, klimafreundlich und mobilitätsarm sind. Der Fokus liegt auf klimafreundlicher Wärme- und Stromversorgung, ökologischer Mobilität und sozialer Integration.


Fazit

Die Nachfrage nach ökologischen Bau- und Sanierungsprojekten steigt stetig. Die Herausforderungen, vor denen Bauherren und Sanierer stehen, sind jedoch ebenso vielfältig wie die Lösungsvorschläge. Der Schlüssel zu einem nachhaltigen Wohnungsbau liegt in der Integration von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten, die in der Planung und Umsetzung von Projekten berücksichtigt werden müssen.

Mit Handbüchern wie dem BUND-Jahrbuch 2020, staatlichen Förderkriterien wie dem BIG Mindeststandard, und Initiativen wie dem Bundespreis UMWELT & BAUEN steht eine breite Palette an Instrumenten zur Verfügung, die Bauherren und Sanierer dabei unterstützen können. Gleichzeitig zeigen Projekte wie die Sanierung im Bestand oder die Planung nachhaltiger Quartiere, dass es möglich ist, den Wohnraummangel und die Klimaziele miteinander in Einklang zu bringen.


Quellen

  1. BUND-Jahrbuch Ökologisch Bauen und Renovieren
  2. sdg21.eu Newsblog

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