Vom Sanierungsfall zum Neubau: Die Transformation des Freizeitbads Azur in Ramstein-Miesenbach

Einleitung

Das Freizeitbad Azur in Ramstein-Miesenbach steht vor einer grundlegenden Transformation. Nach jahrzehntelanger Nutzung seit seiner Eröffnung im Jahr 1991 hat die Anlage ihre technische und infrastrukturelle Belastbarkeit erreicht. Die ursprünglich geplante umfassende Sanierung erwies sich aufgrund stark gestiegener Kosten als nicht finanzierbar, was zu einer Neuausrichtung des Projekts führte. Stattdessen soll nun ein moderner Neubau mit einem überdachten 50-Meter-Becken entstehen. Dieser Artikel beleuchtet die Entwicklung des Projekts, die Herausforderungen bei der Planung und die Vorteile für die Bevölkerung der Region.

Historischer Hintergrund und Ausgangssituation

Das Freizeitbad Azur in Ramstein-Miesenbach hat eine lange Geschichte, die bis ins Jahr 1991 zurückreicht. Damals wurde das Hallen-Freizeitbad offiziell eröffnet, als Investition, die für Jahrzehnte ausreichen sollte. Die Anlage, die ursprünglich als Hallenbad konzipiert wurde, ist inzwischen stark in die Jahre gekommen und befindet sich an den Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Vor etwa fünf Jahren – also um das Jahr 2017 herum – lag erstmals eine Planung für eine umfangreiche Sanierung des Bades im Bestand vor. Diese ursprüngliche Planung sah eine umfassende Modernisierung der bestehenden Anlage vor, bei geschätzten Kosten von 20 Millionen Euro. Damals wurden vom Land Rheinland-Pfalz bereits Fördermittel in Höhe von 3 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Die Bedeutung des Bades für die Region kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das Azur-Bad dient nicht nur der reinen Erholung, sondern ist auch ein wichtiger Standort für Schwimmvereine, Schulen und Familien, die auf Schwimmunterricht und Freizeitangebote angewiesen sind. Die Anlage hat sich über die Jahre zu einem zentralen kommunalen Fokus entwickelt, dessen Erhalt und Modernisierung für die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach von großer Bedeutung ist.

Die Herausfordernden Kostenentwicklungen

In den folgenden Jahren stiegen die für die Sanierung erforderlichen Investitionen bedeutsam an. Die ursprünglich veranschlagten 20 Millionen Euro für die Generalsanierung kletterten auf rund 32 Millionen Euro an. Diese Kostenerhöhung resultierte aus den "extrem gestiegenen Preisen" für Baumaterial und Arbeitskräfte, wie Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) gegenüber der Presse erklärte.

Die finanzielle Belastung für die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach als alleiniger Träger des Bades erwies sich als untragbar. Bei weiterhin nur 3 Millionen Euro an Fördermitteln aus dem Landeshaushalt wäre der Eigenanteil für die kleine Kommune zu hoch gewesen. "Da war dann aber der Eigenanteil für uns als kleine Kommune zu hoch. So etwas muss auch in einem gesunden Verzeichnis bleiben", so Marcus Klein (CDU), der Beigeordnete der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach.

Die Kostenentwicklung spiegelte eine allgemeine Herausforderung im öffentlichen Bausektor wider, in dem sich die Preise für Material und Personal in den vergangenen Jahren stark erhöht haben. Diese Entwicklung machte die ursprüngliche Planung für die Generalsanierung wirtschaftlich untragbar und erforderte eine grundlegende Neuausrichtung des Projekts.

Der Wendepunkt: Besuch aus Mainz und neue Planungsansätze

Im Sommer des vergangenen Jahres kam es zu einem entscheidenden Wendepunkt im Projektverlauf. Innenminister Michael Ebling (SPD) besuchte das Azur-Bad in Ramstein-Miesenbach, um sich ein eigenes Bild von der Situation zu machen. Dieser Besuch führte zu einer wichtigen Weichenstellung für die Zukunft des Projekts.

Auf Initiative des Ministers hin wurde in Mainz gefordert, einen Plan B für eine Sanierung gemeinsam mit einer Wirtschaftlichkeitsberechnung vorzulegen. Die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach erstellte daraufhin eine alternative Planungsvariante, die als kleiner und preiswerterer Ansatz konzipiert wurde.

Im November des vergangenen Jahres erhielt die Gemeinde ein positives Signal aus dem rheinland-pfälzischen Innenministerium. Staatsminister Michael Ebling gab grünes Licht für die "Neuausrichtung der Generalsanierung" des Bades. Er erklärte, dass die bisher für die Generalsanierung avisierten Fördermittel grundsätzlich auch auf die neue Planung übertragen werden können. Darüber hinaus stellte das Ministerium zusätzliche Fördermittel in Aussicht: bis zu 4 Millionen Euro an Unterstützung für das Projekt.

Diese Zusage aus Mainz war ein entscheidender Durchbruch, der die Verwirklichung des Projekts ermöglichte. "Das ist für uns ein wichtiger Schritt. Wir können damit die weiteren Planungen angehen und dann tatsächlich unser Azur-Bad sanieren", so Marcus Klein gegenüber dem SWR.

Das neue Konzept: Neubau statt Sanierung

Die neue Planungsvariante unterscheidet sich grundlegend von der ursprünglichen Sanierungsstrategie. Anstelle einer umfassenden Modernisierung der bestehenden Anlage ist nun ein vollständiger Neubau eines überdachten 50-Meter-Beckens in Planung. Dieser Ansatz zeigt, wie notwendig es ist, Realismus in die Planung einzubringen – besonders in Zeiten, in denen die Kosten für Material und Personal stark gestiegen sind.

Die neue Konzeption sieht vor, im Bereich der heutigen Umkleiden für das Freibad einen Neubau mit einem überdachten 50-Meter-Becken zu errichten. Besonderes Merkmal dieses Neubaus soll ein "Cabrio-Dach" sein, das im Sommer geöffnet werden kann. Eine große Fensterfront und ein direkter Zugang zur Liegewiese sind ebenfalls vorgesehen. Im Gegensatz zur ursprünglichen Planung soll das alte Hallenbad zurückgebaut werden.

Ein entscheidendes technisches Detail des neuen Beckens ist die geplante Ausstattung mit einem so genannten Hub-Boden. Diese Technik ermöglicht eine flexible Nutzung des Beckens: Schwimmer können in einem Bereich ihre Bahnen ziehen, während ein anderer Teil des Beckens von Nichtschwimmern genutzt werden kann, indem der Boden auf eine höhere Position eingestellt wird. Diese multifunktionale Nutzung erhöht die Attraktivität und Wirtschaftlichkeit der Anlage erheblich.

Die Kostenschätzung für diese neue Planung liegt bei rund 20 Millionen Euro einschließlich der Baunebenkosten. Dies stellt eine signifikante Reduzierung der ursprünglich geplanten 32 Millionen Euro dar und macht das Projekt für die Verbandsgemeinde finanzierbar – insbesondere in Kombination mit den zusätzlichen Fördermitteln aus dem Landeshaushalt.

Der Zeitplan vom Spatenstich zur Eröffnung

Obwohl konkrete Pläne für das neue Freizeitbad vorliegen, wird es noch einige Jahre dauern, bis die Anlage fertiggestellt und eröffnet werden kann. Wie Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) auf Nachfrage mitteilte, ist eine neue Zeitschiene für das Projekt festgelegt worden.

Im zweiten Halbjahr des aktuellen Jahres soll der Verbandsgemeinderat über die Entwurfsplanung entscheiden, die dann bis zum Frühjahr des kommenden Jahres eingereicht werden kann. Der symbolische Spatenstich ist für das Jahr 2026 geplant. "Bis das neue Bad steht und in Betrieb gehen kann, wird es bis 2028 dauern", so Hechler.

Diese Zeitschiene ermöglicht eine sorgfältige Planung und Durchführung des Bauprojekts, ohne die Nutzung des bestehenden Bades voreilig zu beenden. Gleichzeitig stellt sie sicher, dass die neue Anlage zeitnah realisiert wird, um den zukünftigen Anforderungen an moderne Freizeitbäder gerecht zu werden.

Vorteile während der Bauphase

Ein wesentlicher Vorteil der neuen Planung ist, dass während des Neubaus das bestehende Schwimmbad weiterhin genutzt werden kann. Zwar sind die Technik und die Infrastruktur des alten Bades altersschwach, aber solange sie noch funktionieren, bleibt es für die Bevölkerung nutzbar. Dies ist besonders für Sportvereine, Schulen und Familien wichtig, die auf den Schwimmunterricht und Freizeitangebote angewiesen sind.

Marcus Klein schränkt ein: "Während des Neubaus kann das Azur noch weiter genutzt werden - 'solange es das alte Mädchen tut', mit Blick auf die Technik." Diese pragmatische Herangehensweise stellt sicher, dass die Bevölkerung während der gesamten Bauphase weiterhin Zugang zu Schwimmangeboten hat.

Besonders hervorzuheben ist, dass das große Außenbecken schon im zweiten Jahr nicht mehr genutzt werden konnte, da es täglich zwischen 70.000 und 80.000 Liter Wasser verlor und mit einfachen Mitteln nicht mehr dicht zu bekommen war. Die neue Planung löst dieses Problem, indem sie auf eine moderne und wasserdichte Bauweise setzt.

Die Bedeutung des Projekts für die Region

Die Sanierung des Azur-Bads in Ramstein-Miesenbach ist mehr als nur ein lokales Projekt. Es ist ein Symbol für die Notwendigkeit, öffentliche Einrichtungen auch in ländlichen Gebieten zu erhalten und modern zu halten. Die Entscheidung für einen Neubau anstelle einer Generalrenovierung zeigt, wie notwendig es ist, Realismus in die Planung einzubringen – besonders in Zeiten, in denen die Kosten für Material und Personal stark gestiegen sind.

Das neue Freizeitbad wird nicht nur eine bessere Ausstattung bieten, sondern auch langfristig für einen nachhaltigen Betrieb sorgen. Es wird einen attraktiven Freizeitort für Familien, Vereine und Touristen schaffen und somit auch wirtschaftlich eine positive Wirkung entfalten. Zudem wird es ein Angebot bleiben, das für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich und erschwinglich ist.

Die Unterstützung durch das Land Rheinland-Pfalz war entscheidend, um das Projekt umsetzen zu können. Ohne diese Finanzhilfe wäre die Umsetzung nicht machbar gewesen. Zudem hat die Verbandsgemeinde bewiesen, dass sie in der Lage ist, auch in schwierigen finanziellen Zeiten kluge Entscheidungen zu treffen – im Interesse der Bevölkerung und der langfristigen Sicherheit des Bades.

Fazit

Die Geschichte des Azur-Bads in Ramstein-Miesenbach ist die Geschichte eines kommunalen Projekts, das sich an den Herausforderungen der Zeit orientiert. Aus einer umfassenden Sanierung wurde ein Neubau, der in seiner Konzeption moderner und kostengünstiger ist. Die Entscheidung, auf ein überdachtes 50-Meter-Becken mit Hub-Boden zu setzen, zeigt, dass die Planung nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist.

Mit dem Start des Neubaus im Jahr 2026 wird das Azur-Bad in Ramstein-Miesenbach in eine neue Ära eintreten. Es wird nicht nur ein Ort der Erholung, sondern auch ein Symbol für das Engagement der Kommune, ihre Infrastruktur auf moderne Standards zu heben. Die neue Anlage wird den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte gerecht werden und den Bürgern der Region weiterhin einen attraktiven und zugänglichen Ort für Sport und Erholung bieten.

Die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach hat mit der Umsetzung dieses Projekts gezeigt, dass sie in der Lage ist, auch in schwierigen finanziellen Zeiten kluge Entscheidungen zu treffen – im Interesse der Bevölkerung und der langfristigen Qualität ihrer öffentlichen Einrichtungen.

Quellen

  1. Treffpunkt Pfalz - Planung für Neubau eines Bades in Ramstein kann weitergehen
  2. Austrasse Zürich - Azur Bad in Ramstein-Miesenbach Sanierung im Wandel von Generalrenovierung zum Neubau
  3. Wochenblatt Reporter - Neues Kapitel für das Azur: Verbandsgemeinde stellt Weichen
  4. SWR Aktuell - Land Rheinland-Pfalz wird Sanierung des Azur-Bades in Ramstein-Miesenbach unterstützen

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