Einführung
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind Erreger, die aufgrund ihrer Resistenz gegenüber wichtigen Antibiotika besondere Aufmerksamkeit erfordern. In klinischen Einrichtungen und unter häuslichen Bedingungen können sie nicht nur schwerwiegende Infektionen, sondern auch die Verbreitung im Umfeld verursachen. Eine systematische Sanierung von MRSA-Besiedlungen ist daher entscheidend, um Gesundheitsrisiken zu minimieren und Infektionsketten zu unterbrechen.
Diese Artikel fasst aktuelle Empfehlungen, Maßnahmen und Vorgehensweisen zusammen, die sowohl in medizinischen als auch in sogenannten ambulanten oder häuslichen Bereichen relevant sind. Die Empfehlungen basieren auf Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) und weiteren Fachstellen, die in den Quellen detailliert angegeben werden.
Standardverfahren der MRSA-Sanierung
Die Sanierung einer nasalen MRSA-Besiedlung ist im medizinischen Einrichtungen und unter häuslichen Bedingungen ein entscheidender Schritt. Das RKI empfiehlt den systematischen Einsatz der Mupirocin-Nasensalbe, die sich als bewährtes Mittel zur lokalen Sanierung etabliert hat.
Dabei empfiehlt sich die tägliche Anwendung der Nasensalbe über einen Zeitraum wie in einem Sanierungsprotokoll festgelegt. Ergänzend hierzu sind desinfizierende Mundspülungen sowie Ganzkörperwaschungen mit antiseptischen Seifen und Lösungen, deren Wirksamkeit nachweislich bestätigt wird, ebenfalls von Bedeutung.
Diese Maßnahmen zielen im Wesentlichen darauf ab, die MRSA-Besiedlung auf der Haut, in den Schleimhautbereichen wie Rachen, und besonders in der Nase zu reduzieren. Gegenüber rein lokalen Anwendungen wie Nasenbehandlung ist die Ganzkörperbehandlung sinnvoll, um die Übertragung auf weitere Hautareale oder die Umwelt zu vermeiden.
Kriterien für die Erfolgskontrolle
Nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen ist eine Kontrolluntersuchung relevant. Es wird empfohlen, frühestens drei Tage nach Sanierung Kontrollabstriche zu entnehmen. Die Proben sollten aus den Bereichen wie Nase, Rachen, Leistenraum, Perineum, ggf. aus offenen Wunden oder Katheterstellen und an der ursprünglichen Befallsstelle genommen werden.
Diese Vorgehensweise ermöglicht es, die Wirksamkeit der Sanierungsbehandlung objektiv nachzuweisen. Wichtig ist, dass die Abstriche bei einer kombinierten Anwendung mit Antibiotika keinen praxistauglichen Wert haben, da die Anwesenheit von MRSA aufgrund der systemischen Antibiotika beeinflusst werden kann.
Präventive Hygienemaßnahmen im häuslichen Milieu
Die Einhaltung grundlegender Hygienemaßnahmen ist besonders im häuslichen Bereich von hoher Relevanz. Besonders bei ambulant erworbenen MRSA, kurz cMRSA, die auch in Deutschland zunehmend vorkommen, bestehen zusätzliche Risiken. Diese Erreger können schwere Haut- und Weichteilinfektionen verursachen. Träger dieser Erreger sollten daher immer saniert werden, ggf. begleitet durch eine systemische Antibiotikatherapie.
Die MRSA-Sanierung unter häuslichen Bedingungen geht in der Regel einher mit der Empfehlung, auch Familienmitglieder einzu beziehen, da die engen Kontakte zwischen den Personen eine kontinuierliche Verbreitung ermöglichen können. Einfache Prophylaxemaßnahmen wie die tägliche Händewaschung, Desinfektionsmaßnahmen sowie die Desinfektion benutzter Gegenstände sind hier von besonderem Wert.
Desinfektionsmaßnahmen bei MRSA-Infizierte
Um eine Kontamination im häuslichen Kontext zu vermeiden, reichen hygienische Grundmaßnahmen nicht immer aus. Sowohl der RKI als auch andere Hygieneempfehlungen betonen die Notwendigkeit spezifischer Desinfektionsschritte. Dazu zählen:
- Desinfektion von persönlichen Gegenständen, darunter Rasierer, Zahnbürsten, lose Zahnprothesen, In-Ear-Kopfhörer oder ähnliche Gegenstände.
- Keine Verwendung von Deorollern – diese sollten möglichst durch alternative Methoden wie Deos mit minimiertem Kontakt zur Haut ersetzt werden.
- Täglicher Wechsel der Wäsche, notamment von Bekleidung, Bettwäsche, Handtüchern, Schwämmen und anderen Utensilien der Körperpflege.
- Verwerfen von Atemtrainingsgeräten oder CPAP-Schläuchen (z. B. bei Schlafapnoe) während der Sanierungsphase.
- Tägliche Reinigung entsprechend Herstellerangaben der Schlafapnoe-Masken zu gewährleisten.
Diese Maßnahmen sind in der Praxis erforderlich, um die Anzahl der Übertragungswege zwischen Personen und Umweltobjekten im häuslichen Bereich drastisch zu reduzieren.
Sanierung im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Stillen
Auch bei schwangeren Frauen, die bekannterweise MRSA-träger sind, ist Vorsicht geboten. Nach Eintritt der Mutterschutzphase empfiehlt es sich, Abstriche aus dem Genitalbereich zu entnehmen. Bei positivem Befund ist eine nahtvorbereitende Sanierung der Scheide sowie der Nasen- und Rachenregion erforderlich. Dies dient der Begrenzung von Wundinfektionen oder dem Vermeiden der MRSA-Übertragung auf das Neugeborene.
Für das Stillen gibt es keine einheitliche Regelung, da es auf die individuellen Gegebenheiten und das Vorliegen von MRSA-Besiedlungen auf der Brust oder in den Brustdrüsengängen ankommt. Es wird empfohlen, den behandelnden Kinderarzt anzusprechen, um gemeinsam eine Risikoeinschätzung vorzunehmen und ggf. Alternativen zu erwägen.
Hygienemaßnahmen bei MRSA-Trägern im privaten Haushalt
MRSA-infizierte oder kolonisierte Personen, die vorerst asymptomatisch und zur Genesung nach Hause entlassen werden, können das persönliche Umfeld mit Erregern besiedeln. In einem Haushalt mit solchen Personen müssen daher konzeptionell die folgenden Grundmaßnahmen umgesetzt werden:
- Tägliche Händedesinfektion durchgeführt werden, insbesondere bevor es zum Umgang mit dem Säugling kommt.
- Abdecken offener Wunden, soweit keine medizinische Wundstabilität gegeben ist.
- Sofortige Desinfektion von Patientenkontaktflächen, z. B. Oberflächen nach dem Krankenhausaufenthalt oder in der häuslichen Umgebung.
- Isolation von Benutzungsgegenständen, die nicht voneinander verwürfelt werden sollen.
Die Einhaltung solcher Maßnahmen ist nach Ansicht des RKI in der Regel nicht aufwendig, kann aber effektiv dazu beitragen, Ansteckungsrisiken über den direkten Körperkontakt oder indirekt über Gegenstände und Umweltflächen stark zu minimieren.
Umgang mit MRSA-Ausbrüchen
Scheidet man MRSA-Ansteckungen im häuslichen Bereich, kann es zu einer rasch eskalierenden Ausbreitung kommen, insbesondere bei wechselweise Nutzung gemeinsamer Nass- oder Umkleideräume, die überall in einem mehrpersonenhaushalt vorkommen.
Ein Ausbruch innerhalb einer Familie ist ein ernsthaftes Problem, das professionelle Strukturen erfordert. MRSA-genotypisierungen sind in solchen Fällen dringend erforderlich, um festzustellen, ob die identischen Erreger über die gleiche Quelle eingeschleppt und sich gleichzeitig innerhalb der Familie verbreitet haben.
Daher ist das RKI zuständig für die Beratung zur Epidemiologie von MRSA, insbesondere was Tipisierungen anbelangt. Zudem existiert die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, die Empfehlungen zum Management des Ausbruches gäbe.
Diagnostik von MRSA-Besiedlungen
Die Labortestung als Grundlage für MRSA-Nachweise und die Beurteilung ihrer Resistenz ist essentiell. MRSA-Isolate müssen sowohl nach dem S. aureus-Typ bestätigt werden als auch nach einer Methicillinresistenz durch Oxacillin- oder Cefoxitin-Resistenztests.
Einige Testmethoden, wie der Agardiffusionstest, sind hierbei nicht sensitiv genug, um eine einwandfreie Diagnose zu ermöglichen. Cefoxitin-Testblättchen oder Latexagglutination mit monoklonalen Antikörpern gegen PBP2a als Methoden sind hingegen in der Praxis empfehlenswert, da sie eine Sensitivität und Spezifität von über 88 % aufweisen.
Zudem wird insbesondere in der Anwendung moderner Automatensysteme wie VITEK-2 und Phoenix eine zuverlässige MRSA-Diagnostik ermöglicht. Solche Systeme sind heute vielfach in Kliniken und Labors im Routineeinsatz, wodurch Methicillinresistenz nachweisbarer wird.
Wichtig erachtet wird außerdem der genaue Nachweis von GISA-Phänotypen (Glykopeptidintermediäre Staphylococcus aureus), die besonders anfällig für eine falsche Diagnostik sind. Hier sind ebenfalls frische Primärkulturen erforderlich.
Hygienemaßnahmen im Rettungsdienst bei MRSA-positiven Personen
MRSA-träger können sich überall dort verbreiten, wo mehrere Personen engen Kontakt miteinander haben, insbesondere im Rettungsdienst, in dem Gerätschaften wie Transportfahrzeuge, Verbandmaterial und Behandlungsutensilien in kürzester Zeit mehrfach genutzt werden.
Auch in diesem Umfeld hat das RKI Hygienestandards definiert. Standardhygienemaßnahmen sind besonders entscheidend, und zwar auch beim Transport unkundig bekannter cMRSA-Träger. Behandlungsutensilien müssen nach Kontakt desinfiziert werden, Patientenwunden müssen maschinell abgedeckt werden, und Hände- sowie Schutzkleidungsmaßnahmen sind besonders bei engem personenbehaftetem Kontakt erforderlich.
Das Tragen von hochprofessionellen Schutzanzüge (Overalls) ist hier aber nicht notwendig und wird von offiziellen Empfehlungen abgeraten, da diese Schutzbekleidung übermäßig stigmatisierend und unnötig wirken können.
Sanierung in der Klinik
MRSA-Besiedlungen oder Infektionen können in klinischen Einrichtungen schwerwiegende Bedingungen schaffen und Ausbrüche verursachen. Hier ist eine strenge Hygieneüberwachung und Protokollbehandlung entscheidend. Der Einhaltung von Maßnahmen wie Desinfektion der Oberflächen, Verwendung patientengebundener Geräte, sowie Wäsche mit desinfizierender Anpassung für den Raum und den Personelleistungsbereich ist Pflicht.
Auch hierbei sind Maßnahmen zur Einhaltung und Überwachung entscheidend. Kliniken müssen nachweisen, dass sie MRSA-Infektionscluster bereits im Vorfeld verhindern, um Ausbrüche und Übertragungsketten zu unterbinden.
Handhabung und Empfehlung für den Sanierungsprozess
Die MRSA-Sanierung setzt nicht nur die Anwendung effektiver Medikamente voraus, sondern auch die korrekte Verwendung unterstützender Maßnahmen.
Medikamentöse Therapie
Die bekannte lokalsanierende Behandlung, in Form einer Nasensalbe (Mupirocin) oder bei komplexeren Fällen einer kombinierten Antibiotika-Typisierung, ist essentiell. Wichtig ist, dass die Behandlung ärztlich bestätigt wird. Bei schwerwiegenden oder sekundär aufgetretenen Hautläsionen ist eine ägyptische Wundbehandlung notwendig, die nach ärztlicher Anordnung durchgeführt wird.
Hilfsmittel und Lebensstil
Unterstützt werden die Sanierungsmaßnahmen durch eine hygienische Lebensgestaltung. In einer sanitären Umgebung beispielsweise sind Duschen oder Waschen täglich zu empfehlen. In der häuslichen Umgebung ist hierbei eine regelmäßige Reinigung, insbesondere der Körperpflegeprodukte, wichtig.
Sozialstruktur im Haushalt
Ein MRSA-Träger in einem Haushalt kann nicht immer sicher sein, dass Familienmitglieder nicht betroffen sind. Daher sollte die Sanierung auch mit dem Partner/Enkeln etc. abgestimmt werden, sofern MRSA-Besiedlung bereits dokumentiert ist. Besonders in Haushalten mit Kindern sollten zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden.
Grenzen der aktuell verfügbaren Maßnahmen
Obwohl die Sanierung von MRSA-Besiedlungen bereits weit in der Praxis verwirklicht ist, bleiben offene Fragen und Grenzen. Einige Stellen der RKI-Empfehlungen deuten darauf hin, dass nicht jeder MRSA-Beleg in der Praxis eine Infektionsbedrohung darstellt.
Desweiteren können nach der Verwendung medikamentöser Therapien wie lokaler Nasen- oder Hautbehandlungen keine weiteren sinnvollen Kontrolle durch MRSA-Abstriche durchgeführt werden. Der Wartungseffekt der Befallsbekämpfung ist in diesen Fällen nicht nachweisbar, was in einigen Vorgaben eindeutig formuliert wird.
Auch bei der Beratung zur MRSA-Übertragung in der ambulanten Umgebung ist zu beachten, dass es keine offizielle Vorschrift oder Standardleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Infektion gibt, die vollständig anwendbar im häuslichen Milieu ist.
Fazit
Die Sanierung von MRSA-Besiedlungen是一项 komplexer und vielmehrisch gestaltbarer Prozess, der sowohl auf medizinische Behandlungsmaßnahmen als auch auf hygienische Standards angewiesen ist. Im klinischen Umfeld, im Rettungsdienst und insbesondere innerhalb des häuslichen Bereiches müssen konkrete Vorgehensweisen umgesetzt werden, um eine Weiterverbreitung solcher multiresistenten Erreger zu vermeiden.
Im häuslichen Kontext sind einfache, aber konsekutive Maßnahmen wie Desinfektion von Utensilien und Wachsung, Desinfizierung der Hände, sowie Trennung von persönlichen Dingen hilfreich. In der Klinik können ausgewogene Maßnahmen wie Nasen- oder Wundbehandlungen sowie systemische Antibiotika den Sanierungsprozess entscheidend beeinflussen.
Für alle Betroffenen ist es wichtig, sich über ihre persönliche Rolle in der MRSA-Kette bewusst zu sein, um im Geschilderten Risiken aktiv vorzubeugen.
Quellen
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