Rohr-in-Rohr-Sanierung – Innovative Methode zur Sanierung von Abwasserrohren OHNE Grabungsarbeiten

Einleitung

Im Bereich der Sanitär- und Abwasserrohre ist die Rohr-in-Rohr-Sanierung mittlerweile eine etablierte Methode zur Instandsetzung von defekten oder altersschwachen Rohrsystemen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sanierungsverfahren, bei denen die Rohre oft vollständig ausgebaut und durch neue ersetzt werden müssen, zeichnet sich die Rohr-in-Rohr-Sanierung durch eine grabenlose, schnellere und weniger störende Ausführung aus. Sie eignet sich besonders gut für Bestandsobjekte, in denen Aufbrecharbeiten an Wänden, Decken oder Böden unerwünscht oder nicht wirtschaftlich sinnvoll sind.

Die Technik beruht darauf, ein neues Rohr in das bestehende alte Rohr einzuziehen oder durch Sprühen oder Bürsten eine neue Schicht als Rohroberfläche zu erzeugen, sodass sich ein neues, belastbares Rohr im alten Rohr bildet. Dieser Vorgang kann bei unterschiedlichen Rohrwerkstoffen wie Faserzement, PVC, Kupfer oder Loro-X durchgeführt werden und kommt insbesondere bei Undichtigkeiten, Rissen oder Verstopfungen in Frage.

In diesem Artikel werden die Vorteile, Funktionsweise, Anwendungsgebiete sowie Kosten der Rohr-in-Rohr-Sanierung detailliert erläutert, damit Eigentümer und Handwerker eine fundierte Entscheidung für oder gegen eine solche Sanierungsvariante treffen können.

Funktionsweise der Rohr-in-Rohr-Sanierung

Die Rohr-in-Rohr-Sanierung erfolgt in mehreren zentralen Schritten. Zunächst wird über eine Kamerainspektion die aktuelle Zustandsanalyse des Rohres durchgeführt. Hierbei wird festgestellt, ob das Rohr stark beschädigt oder nur partiell undicht ist. Nur dann, wenn die tragende Funktion der Rohrleitung erhalten bleibt, ist eine Rohr-in-Rohr-Sanierung infrage kommend. In diesem Verfahren wird also in erster Linie nur die Oberfläche des Rohres restauriert, nicht das Rohr selbst.

Daraufhin wird das Rohr intensiv gereinigt, meist durch Hochdruck- oder mechanische Methoden. Allen Ablagerungen und Rückständen wird somit Einhalt geboten, was notwendig ist, damit das neue Material optimal auftritt oder an die Wand anhaftet.

Anschließend kommt die eigentliche Sanierung zum Einsatz. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Verfahren:

1. Inlinersanierung (Schlauchlining)

Bei diesem Verfahren wird ein flexibler Schlauch in das Rohr eingezogen. Der Schlauch, bezeichnet als Inliner, besteht aus einem kunstharzgetränkten Glasfaser- oder Polyesterstoff. Vor der Installation wird er mit einer Harzschicht getränkt. Sobald der Inliner in das bestehende Rohr eingezogen wurde – entweder manuell, durch Wasserdruck oder Druckluft – wird das Harz reaktiviert und verhärtet. Nachdem es vollständig ausgehärtet ist, entsteht eine neue, dicht liegende Rohroberfläche im Inneren der bestehenden Rohrleitung.

Die Inlinersanierung ist besonders effektiv bei größeren Defekten und Rissen, die über mehrere Strecken sich über das Rohr erstrecken können.

2. Spraycoating-Verfahren

Im Spraycoating-Verfahren wird Harz als Flüssigkeit direkt in mehreren Schichten auf die Rohrinnenwand aufgetragen und härtet dort aus. In der Regel wendet man hier ein technologisch hochentwickeltes Harz an, das sich über eine Rotationsbürste besonders gleichmäßig auftragen lässt. Dieses Verfahren ist ideal geeignet für Rohre mit komplexen Verläufen, Abzweigungen oder schwierig zugänglichen Abschnitten.

Der große Vorteil des Sprühschleuderverfahrens ist, dass es weniger Platz beansprucht und oftmals eine geringere Druckbeanspruchung erzeugt. Allerdings können sich im Vergleich zur Inlinersanierung etwas mehr Verfestigungsschichten bilden, die den Rohrdurchmesser geringfügig verändern.

3. Brush-Coating (Bürstenverfahren)

Eine weitere Variante des Spraycoating-Verfahrens ist das Brush-Coating (Bürstenverfahren). Hierbei wird das Harz nicht sprüht, sondern durch eine Rotationsbürste gleichmäßig aufgebracht. Dies gewährleistet eine besonders homogene Schichtbildung, was die Funktionalität des neu geschaffenen Rohrs stark verbessert.

Vorteile der Rohr-in-Rohr-Sanierung

Die Rohr-in-Rohr-Sanierung bietet zahlreiche Vorteile gegenüber der herkömmlichen Sanierung durch Austausch der Rohre mithilfe aufwendiger Grabungsarbeiten.

1. Geringer Bau- und Aufbruchaufwand

Im Vergleich zu herkömmlicher Sanierung ist die Rohr-in-Rohr-Sanierung erheblich weniger zerstörerisch. Da die Rohre von innen erneuert werden, entfällt das Aufstemmen und Aufbrechen von Wänden, Böden oder Estrichen. Damit entstehen keine zusätzlichen Schäden an Fliesen oder Estrich, die nachträglich wiederhergestellt werden müssten. Allerdings sollte der alte Rohrquerschnitt durch eine professionelle Planung bereits vor der Sanierung vollständig vorbereitet werden.

2. Minimale Beeinträchtigungen im Alltag

Mieter oder Eigentümer sind bei einer Rohr-in-Rohr-Sanierung nur minimal gestört. Da keine großen Baustellen entstehen müssen, ist das Badezimmer oder die Küche zumeist weiterhin nutzbar – auch während der Sanierungsarbeiten. Dies ist insbesondere in Mietwohnungen oder privaten Haushalten wertvoll, in denen eine langfristige Nutzungsausfall schwerwiegend ist.

3. Zeit- und kosteneffizient

Die Sanierung kann meist innerhalb weniger Tage abgeschlossen werden. In der herkömmlichen Baumeister-Methode können Wochen bis hin zu mehreren Wochen erforderlich sein, ohne Gewährleistung auf einen dauerhaften Erfolg. Eine schnelle Sanierung minimiert nicht nur die Dauer der Sanierungsarbeiten, sondern auch die anfallenden Kosten. Zudem fallen keine zusätzlichen Handwerkerarbeiten an, da Sanitäranlagen oder Fliese- und Malerarbeiten entfallen.

4. Geringere Lärmbelästigung

Da keine schweren Baumaschinen wie Bagger oder Bohrer eingesetzt werden, entfällt auch die lärmintensive Umweltbelastung, die bei herkömmlichen Sanierungsarbeiten unvermeidbar ist.

5. Nachhaltigkeit und Umweltvorteile

Die sanften Sanierungsverfahren sorgen für weniger Abfall und keine Notwendigkeit zur Nutzung neuer Rohre. Zudem wird durch die geringere Einsatzdauer deutlich weniger CO2 emittiert. Im Zuge der Nachhaltigkeitsforderungen ist somit die Rohr-in-Rohr-Sanierung auch eine umweltfreundliche Option.

6. Lange Lebensdauer der sanierten Rohre

Moderne Harzschichten oder Inliner-Liner garantieren eine beträchtliche Lebensdauer der sanierten Rohre – üblicherweise mindestens 50 Jahre. Dies führt zu geringeren Reparaturkosten in der Zukunft.

7. Wiederverwendbarkeit des alten Rohrs

Im Gegensatz zur herkömmlichen Sanierung, bei der die ganze Rohrleitung demontiert und weggegeben werden muss, wird bei der Rohr-in-Rohr-Sanierung das ursprüngliche Rohrsystem im Fundament beizubehalten. Dies schützt zudem vor Materialverlusten und macht die Sanierung besonders in veralteten Baustoffen wirtschaftlich sinnvoll.

Anwendungsgebiete und Rohrwerkstoffe

Die Rohr-in-Rohr-Sanierung eignet sich für eine breite Palette an Rohrwerkstoffen. Besonders gängig sind sie in Anwendungen, bei denen:

  • Bestehende Rohre noch tragfähig, aber undicht oder verstopft sind
  • Faserzementrohre (SML) oder Loro-X-Rohre defekt sind
  • Alte Rohrsysteme aus PVC oder Kupfer beschädigt wurden

Je nach Anforderung wird zwischen PE-X-, PVC- oder Kupferrohren entschieden. Diese Werkstoffe sind meist flexibel genug, um in das bestehende Rohr eingezogen zu werden. Bei den neuesten Verfahren, wie dem Brush- oder Spraycoating-Verfahren, ist es nicht einmal nötig, ein Rohr als Schlauch einzubringen – stattdessen wird direkt eine neue Schicht aufgetragen, wodurch das Rohr neu und dicht gemacht wird.

Entscheidung zwischen Inlinersanierung, Spraycoating und herkömmlicher Sanierung

Bei der Entscheidung für eine Rohr-in-Rohr-Sanierung ist es wichtig, folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Bestehender Zustand des Rohres: Muss das Rohr komplett instand gesetzt werden, oder reicht eine Oberflächensanierung aus?
  • Bodenbeläge und Estrich: Ist ein Aufstemmen und Neuanbringen wirtschaftlich sinnvoll, oder ist das Verbleiben der Estriche von Vorteil?
  • Zeitlichen Prioritäten: Ist eine schnelle Sanierung notwendig, oder kann Zeit genutzt werden?
  • Kosten: Was ist der wirtschaftliche Unterschied zwischen herkömmlichen Arbeiten mit großer Planung und dem schnellen, minimalistischen Verfahren der Rohr-in-Rohr-Sanierung?

In der folgenden Tabelle sind die Vorteile dieser drei Sanierungsforms sichtbar:

Kriterium Traditionelle Sanierung Inlinersanierung (Rohr-in-Rohr) Spraycoating / Brush-Coating
Baustellenaufwand Großfläche erforderlich Kleine, kompakte Baustelle Sehr kompakt
Aufbrucharbeiten Boden- und Wänden müssen geöffnet werden Ganz ohne Ganz ohne
Sanitäranlagen ausbauen Ja, oft nötig Nein Nein
Bauzeit Mehrere Wochen Täglicher Fortschritt Schnell durchgeführt
Nutzung im Baustellenvorgang Küchen- und Badnutzung oft unmöglich Meist möglich Meist möglich
Kosten Hoch, durch viele Arbeiten Geringer Sehr gering
Lebensdauer 50 Jahre 50 Jahre 50 Jahre
Komplexität in Anwendung Hohe Anforderung durch viele Handwerker Mittlere Komplexität Geringe Komplexität

(Quelle: [6])

Pflege und Wartung nach der Sanierung

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten ist eine gründliche Qualitätsprüfung notwendig, um sicherzustellen, dass die neue Rohroberfläche vollständig ausgebildet ist und dicht bleibt. Meist wird dies durch eine finale Kameraaufnahme geschehen.

Zur Wartung ist wichtig, dass durch regelmäßige Prüfungen auf Undichtigkeiten und das Vermeiden von Verstopfungen die Lebensdauer des Neuanstrichs oder des nuevos Rohrs erhalten bleibt. Zudem sollten niemals aggressive Reinigungsmittel verwendet werden, die die Harzschicht oder Flächenschutz beschädigen könnten.

Wie wird die Rohr-in-Rohr-Sanierung durchgeführt – Detaillierter Ablauf

1. Vorbereitung und Zustandsanalyse

Die Sanierungsarbeiten beginnen stets mit einer detaillierten Inspektion. Mithilfe einer vidéo-betriebenen Rohrinspektion wird die gesamte Rohrleitung überprüft. In dieser Phase wird der genaue Ort der Schäden, die Art und Ausmaß der Defekte sowie die Tragfähigkeit der bestehenden Rohrleitung erfasst.

Diese Kamerainspektion ist ein essentieller Schritt, der sicherstellt, dass die Rohr-in-Rohr-Sanierung durchführbar ist und ein wirtschaftlicher Erfolg werden kann.

2. Rohrreinigung und Oberflächenvorbereitung

Sobald feststeht, dass eine Sanierung möglich ist, wird die Rohrleitung gründlich gereinigt. Dies ist eine Voraussetzung, damit der Inliner, Harzbüschel oder Schicht sich optimal einsetzen lässt. Die Reinigung erfolgt meist durch Hochdruckreiniger, wobei Wasser druckseitig eingebracht wird, um Verstopfungen entfernen zu können. Gleichzeitig wird die Oberfläche auf Unebenheiten und Verschmutzungen überprüft.

3. Anfertigung des sanierenden Materials

Je nach gewählter Sanierungsvariante (Inliner oder Sprühen) wird ein passender Schlauch, Farb- oder Harzmix vorbereitet. Der Inliner muss in der Regel für das genaue Rohrmaß gefertigt werden, damit er später sicher und dicht einsetzbar ist.

4. Anwendung der Sanierungsform

Abhängig vom Verfahren wird entweder der flexible Schlauch über die Rohre gefädelt oder der Harzmix direkt in mehreren Schichten aufgetragen. Die Technik und Ausrüstung, die dafür eingesetzt werden, sind hochmodern und minimieren Zeitaufwand und Fehlerquelle.

5. Härten und Aushärten

Bei der Inlinersanierung wird ein Aktivierungsmittel eingesetzt, um das Harz in den Inliner einsetzen und aushärten zu lassen. Dieser Prozess kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Bei Spray- oder Brushcoating-Verfahren ist das Härten aufgrund der Schichtform schneller. Dennoch ist es erforderlich, dass das Rohr in dieser Zeit ruht und nicht genutzt wird.

6. Endkontrolle und Dokumentation

Zum Abschluss der Sanierungsarbeiten wird eine finale Kameraaufnahme durchgeführt, die die neue Rohristung dokumentiert. Dies ist oft Voraussetzung für die Absicherung der Leistungen und ein Qualitätsnachweis.

Fazit

Die Rohr-in-Rohr-Sanierung ist eine moderne, zeit- und kostensparende Alternative zur herkömmlichen Grabungssanierung. Sie bietet dabei keine Kompromisse in Punkto Dichtigkeit, Funktionalität oder Langlebigkeit – im Gegenteil, sie kann im Endeffekt sogar stabiler und länger haltbar sein als das ursprüngliche Rohr.

Zentrale Vorteile sind: - Die fast vollständige Vermeidung von aufwendigen Bauarbeiten - Geringer zeitlicher und finanzieller Aufwand durch schnelle Durchführung - Die Möglichkeit, auch komplexes Rohrleitungsnetze ohne Einschränkung sanieren zu können - Geringere Umweltbelastung und Abfallmenge - Hohe Lebensdauer der sanierten Rohre - Geringere Belastungen des alltäglichen Lebens von Mieter und Eigentümer

Gerade für Eigentümer von älteren Häusern, in denen herkömmliche Sanierungsarbeiten aufgrund von Dach-, Estrich- oder Betonaufbau nicht praxistauglich oder wirtschaftlich unrentabel sind, ist die Rohr-in-Rohr-Sanierung eine sinnvolle Lösung. Sie ermöglicht nicht nur die Instandsetzung des Rohrsystems, sondern auch die Vermeidung großer finanzieler Risiken.

Eine fachgerechte Durchführung ist Voraussetzung für einen nachhaltig positiven Effekt. Deshalb ist der Einbezug von qualifizierten, spezialisierten Handwerker erforderlich, von denen Sie eine sorgfältige Planung und umfassende Nachbetreibung verlangen können.

Quellen

  1. Rohrgruppe – Rohr-in-Rohr-Sanierung
  2. Rohr-Kanaltechnik Höfer – Inlinersanierung
  3. Staats Rohrreinigung – Rohr-in-Rohr-Sanierung
  4. Pundn Kanaltechnik – Rohr-in-Rohr-Sanierung
  5. Rohr + Abwassertechnik – Rohr-in-Rohr-Sanierung
  6. Feucht GmbH – Rohr-in-Rohr-Sanierung

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