Einführung
Das Hallenbad Forstenrieder Park, auch bekannt als „Stäblibad“, ist ein etabliertes Schwimmzentrum im Süden Münchens, das seit seiner Eröffnung im Jahr 1976 für sportliche Betätigung und Freizeitgestaltung sorgt. Nach einer langen Nutzungsdauer begannen aber vor einigen Jahren erste bauliche und technische Probleme, zu bemerkbar zu werden. Die Stadtwerke München (SWM) haben mittlerweile entschieden, dass das Gebäude aufgrund von Standsicherheitsmängeln abgerissen werden muss. Stattdessen ist vorgesehen, auf dem gleichen Areal ein modernes Hallenbad mit erweiterten Freizeitantreten und besseren Schwimmbögen zu errichten. Der Planungsprozess läuft bereits und wird nun im Detail analysiert – mit einem Fokus auf die technischen Herausforderungen, den geplanten Neubau sowie die Auswirkungen für Betreiber, Vereine und Nutzer.
Abschließend wird auch geprüft, ob die geplante Sanierungsstrategie ausreichend transparent und mit den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung übereinstimmt.
Begründung für den Abbruch
Bauliche und technische Mängel
Die Entscheidung für den Abriss des Hallenbads Forstenrieder Park erfolgte nach jahrelangen Mangelkatalogen, die sich nicht mehr durch sanierteinzelmaß-nahmen beheben ließen. Im Jahr 1976 erbautes Gebäude wies in den letzten Jahren immer wieder schwere Defizite auf:
- Dachabdichtung und Duschversorgungen: Die Dusche blieb mehrfach für Besucher nutzlos, sobald die Schläuche verstopft oder die Steuerung defekt war. Gleichzeitig drang Regenwasser durchs Dach in den Innenraum ein, sodass Duschbereiche und Umkleiden überflutet wurden.
- Schimmelbildung: Gegenwärtige Schimmelkolonien führten zur Dauer-Schließung der Finnischen Sauna.
- Deckenstabilität: In der Vergangenheit war das Dach bereits zum Teil abgehängt worden, um herabfallende Bauteile im Schwimmbecken zu verhindern.
- Tragwerksprobleme: Teile des Schwimmbeckens mussten durch Balkenstützen gesichert werden, was die Nutzung kompliziert machte und Sicherheitsrisiken beinhaltete.
- Standsicherheit: Mehrere Bereiche des Gebäudes waren nicht mehr sicher genug, um für den regulären Betrieb genutzt zu werden.
Laut Angaben der Stadtwerke München (SWM) seien bauliche und technische Mängel der Grund für den geplanten Abriss. Die Standsicherheit sei zentrales Problem, das die Stadtwerke nicht länger durch provisorische Lösungen kompensieren wollten [7].
Die SWM betonen allerdings, dass das Gebäude durch kontinuierliche Investitionen immer instandgehalten wurde. Unter den Bedingungen modernen Schwimmbadbaus – sowohl aus stadtbaurätlicher als auch aus ökologischer Sicht – seien die heutigen Voraussetzungen aber nicht mehr tragbar [2].
Zeitplan und Abbruchplanung
Der letzte Öffnungstag des Bads Forstenrieder Park war der 11. April 2025, wie mehrere Quellen bestätigen, darunter auch das lokale Nachrichtenportal Wochenanzeiger und die Tageszeitung tz [7]. Gleichzeitig steht ein weiteres wichtiger Termin in Kalkulation: Ab Mitte 2026 ist mit dem Beginn der Abrissarbeiten zu rechnen. Vorher ist ein Großaufwand in der Sicherheit der Bausubstanz nötig, da das Areal im Zweiten Weltkrieg als Flugabwehrstellung genutzt wurde und somit potenzielle Munitionsreste auf dem Gelände vermutet werden [2].
Im Zuge der Verkehrsberuhigung durch Schadstoffe bei Altbauern ist ein technischer Sicherheitsauftrag für die SWM gegeben. Für die Prüfung, dem Abbruch und der Entsorgung sind daher Fachunternehmen hinzugezogen, da bei Bauten aus den 1970er Jahren oft Lasten wie Asbest oder Schimmelschäden anfallen [3].
Die Planung und Detailentwicklung des Neubaus durch die SWM begann bereits 2024, und Doris Betzl von den Stadtwerken München bestätigte, dass die Realisierung spätestens 2025 beginnen und 2027 abgeschlossen sein soll [1].
Im Kontext der Planung ist besonders hervorzuheben, dass SWM kein Ersatzbad zwischendurch bauen will. Nach aktuellem Planungsstand sollen die Besucher eines der anderen Bäder nutzen, bevor das Ersatzbad in Betrieb geht. Dies wird weitere Herausforderungen hervorbringen, insbesondere im Bereich der Jugend- und Kinderschwimmbewegung [5][4].
Der geplante Neubau – Baukonzept und Ausstattung
Grundfläche und Ersatzangebot
Auf einer Gesamtfläche von ungefähr 4.430 Quadratmetern entsteht das neue Hallenbad, was dem Volumen des alten Baus entsprechen soll. Die Neuauflage des Bades soll jedoch im Wesentlichen verbessert und diversifiziert sein, um den modernen Bedürfnissen der Nutzer zu entsprechen [3].
Planmäßige Ausstattung des Neubaus
Laut den Planungen der Stadtwerke München entsteht ein komplett neues Schwimmbad mit folgenden Anlagen [1]:
- Schwimmerbecken: Eines der Grundelemente eines Sport- und Spielbads.
- Nichtschwimmerbecken (Sprudelbecken): Besonders für Familien mit jüngeren Kindern wichtig.
- Innen- und Außenkinderplanschbecken: Verstärkter Schwerpunkt auf Familien- und Freizeitangebot.
- Außenbecken: Ergänzung der Anlagen zum Nutzungsspektrum über den Tag und in den Sommermonaten.
- Rutsche: Um die Beliebtheit für Familien zu steigern.
- Saunalandschaft: Teil der Neuorientierung des Forstenrieder Parks auf moderne Freizeit- und Wohlfühlanlagen.
Die SWM betonen in der Mitteilung des Nachwuchskräftechefs des Stäblistraße 27b-Areals, dass sie mit diesem neuen Hallenbad eine kombinierte Sport- und Freizeiteinrichtung für die Bürger*innen im Münchner Südwesten schaffen wollen [3].
Finanzierungskonzept
Die Stadtwerke München erwarten, dass der Neubau im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegt, da sowohl die Baumaßnahmen als auch die technischen Anlagen hochwertig spezifiziert sind [3].
Außerdem erwähnt die Stadtwerke-Geschäftsführerin Dr. Gabriele Jahn, dass der Aufsichtsrat der SWM bereits grünes Licht für die Planung gegeben habe, eine klare Priorisierung entlang der Daseinsvorsorge politisch abgesegnet [3].
Die Kosten sollen ausschließlich von den Stadtwerken getragen werden, und es ist nicht bekannt, ob Bund, Land oder Stadtkasse Unterstützung zugesagt haben.
Auswirkungen der Schließung und Umverteilung der Beanspruchung
Sportvereine und Schwimmanbieter
Die Schließung des Bads Forstenrieder Park wirft massive Fragen auf, insbesondere was den Sportbereich angeht. In dem betroffenen Schwimmbad trainieren aktuell elf Schwimmgruppen insgesamt, wöchentlich bis zu 99 Kinder und Jugendliche [1], was die zentrale Bedeutung für die lokalen Sportvereine unterstreicht.
Ein besorgtes Gremium ist der Bezirksausschuss 19. Dorle Baumann (SPD) kritisiert in den Medien ausdrücklich, dass die SWM nicht die Klarheit über die Schließung gegeben hätten, was Planungssicherheit für die Vereine unmöglich mache [1].
Auch Elena Erlanger, Leiterin der Schwimmbadsport-Abteilung des TSV Solln, bestätigte in einer öffentlichen Aussprache, dass es für ihre Anhänger schwierig sei, alternative Trainingsorte zu finden [4]. In der Tat sind nahegelegene Schulschwimmbäder im gleichen Zeitfenster 2024–2025 von Sanierungsarbeiten betroffen, was den Ausweichbedarf drastisch erhöht.
Alternative Bäder im Umkreis
Die SWM erwähnten in einer Pressemitteilung, dass mehreren anderen Bädern mögliche Ausweichorte dienen könnten, allerdings fallen diese entweder durch Sanierung (z.B. bei Westbad) oder durch aktuelle Bauzeit (z.B. Zielstattschule) zeitlich unpraktikabel aus [4].
Die verfügbaren Alternativen umfassen:
- Schulschwimmbad an der Fürstenrieder Str. 159 a (Ludwigs-Gymnasium) – nach zweijähriger Sanierung ab Q3/2025 in Betrieb.
- Schulschwimmbad in Gilmstraße 46
- Schulschwimmbad in Von-der-Pforten-Str. 80
- Schulschwimmbad in Guardinistr. 60
- Die neue Zielstattschule – geplant für den Abschluss der Bauarbeiten im April 2028, mit nicht zeitgleicher Nutzung.
Die Notwendigkeit, Trainingszeiten umzubauen, unterbricht den sportlichen Fortschritt junger Schwimmer*innen. Eine Verzögerung kann auch die Erfüllung von Schwimm-Leistungsstandards unter Umständen erschweren, was schulisch, sozial und bei Badeunfällen riskant werden kann.
Familien- und Gesundheitliche Auswirkungen
Zentral für die Schließung des Bads ist auch die Familien- und Gesundheitsversorgung im südlichen Teil Münchens. Die Planung des Neubaus ist auch deshalb so stärker nach modernisierten Erlebnis- und Erziehungsgestaltung abgestellt, um auch diesem Ansatz gerecht zu werden [1].
Kinder- und Jugendschwimmkurse sind eng mit dem Sicherheitsbedarf und der sozialen Integration verknüpft. Mit dem Verlust eines der wichtigsten Kurseinrichtungen für jungen Schwimer*innen bleibt ein klaffender Lückenpunkt, der von keinem anderen Bad übernommen werden kann [5].
Transparenz, Beteiligung und zukünftige Planung
Die Stadtwerke München betonen, dass sie in der Vorbereitung des Neubaues auf Nutzernähe und Umfragekultur setzen. Ab dem 9. April 2025 sollen Fragebögen in allen M-Bädern verteilt werden, mit denen Besucher ihre Wünsche zu der Gestaltung des neuen Bades äußern können [1].
Die konkrete Befragung soll folgende Aspekte beinhalten:
- „Was war gut und sollte beibehalten werden?“
- „Was können wir besser machen?“
- „Was hat Ihnen gefehlt?“
- Freie Eingabefelder für ergänzende Vorschläge
Die Stadtwerke hoffen, dass diese Befragung auch dazu führt, dass Betreiber, Vereine und Familien die neuen Anlagen frühzeitig hineinplanen und einbinden können. So müsse der Neubau nicht nur technisch, sondern vor allem hinsichtlich Nutzerbedürfnisse realisiert werden [3].
Kritik an der Beteiligung und Transparenz
Ein wiederkehrendes Problem ist allerdings die fehlende Transparenz der SWM über die Schließungsbedingungen. Vereine und Betreiber erfahren oftmals erst durch externe Medien oder Behörden über die geplante Schließungszeit, nicht direkt von den Verantwortlichen [1].
So kritisiert etwa Dorle Baumann (SPD) in einer Presseverlautbarung ausdrücklich: „Sehr, sehr bedauerlich ist es, dass für die Sanierung jetzt mindestens zwei Jahre angesetzt werden. Anders ist die Formulierung ‚mehrjährige Baumaßnahme‘ im Schreiben nicht zu verstehen.“
Die Vereinsvertreterin wirft der SWM fehlende Kommunikation und eine unklarere zeitliche Abgrenzung vor, wodurch Planungssicherheit und Kalkulationen für Vereine in Frage gestellt werden.
Fazit
Der Abbruch des Hallenbads Forstenrieder Park und die Planung des neuen Schwimmbades markieren einen gewichtigen Meilenstein in der lokalen Sport- und Freizeitkultur im Süden Münchens. Mit einer Schließungsphase, die bis zu drei Jahre umfassen kann, und einer Neuorientierung des Angebots im Neubau wird der Schwimm- und Freizeitsektor erhebliche Herausforderungen meistern müssen.
Während die Gründe für den geplanten Neubau wie die bauliche Veraltung, die Standsicherheitsmängel und das Alter des Baus mit 50 Jahren nachvollziehbar erscheinen [2], entstehen durch das Fehlen alternativer Schwimmflächen erhebliche logistische und soziale Nebenfolgen. Besonders jugendliche und schulische Schwimmanbietungen müssen umstrukturiert werden, was bei mangelnden Alternativen eine hohe Belastung darstellt.
Gleichzeitig steht das Projekt im Zeichen der Transparenz und Nutzerbeteiligung. Die Umfragekultur, wie sie im April 2025 eingesetzt wird, ist ein entscheidender Schritt, um die neuen Anlagen an die Bedürfnisse der Bevölkerung anzupassen. Ob dies in der Gesamtplanung ausreichend aufgenommen wird und eine zeitgerechte Nutzung für die Bevölkerung bis 2027 gewährleistet werden kann, bleibt aber noch zu prüfen.
Da das Hallenbad Forstenrieder Park nicht nur eine sportliche, sondern auch soziale Schnittstelle ist, ist eine stabile Planung notwendig, um den sozialen und sportlichen Kontext nicht weiter zu untergraben. Was die aktuelle Informationssituation anbelangt, ist der Tenor: Es muss klarere Kommunikation und bessere zeitliche Planung für die Interessensgruppen und Nutzergruppen geben, um Schäden durch Überraschungen zu vermeiden.
Quellen
- Münchner Tageszeitung: Forstenrieder Park – BA fürchtet wegen Abriss des SWM-Bads in München um örtliche Schwimmvereine
- Süddeutsche Zeitung: München – Bad Forstenrieder Park – Schließung, Abriss, Wiedereröffnung
- SWM-Mitteilung vom 07/2025: Neubau Forstenriederpark-Bad
- Wochenanzeiger München: Das Stäblibad bekommt keine weitere Galgenfrist
- CSU-Stadrrat München: Bad Forstenrieder Park – Auf den Abriss folgt der Neubau
- Münchner Tageszeitung: Update – SWM plant Stäblibad-Neubau
- Münchner Merkur: Hallenbad Forstenrieder Park wird abgerissen – Bausubstanz macht es nötig