Empfehlungen zur Sanierung von MRSA-Besiedlungen – Leitlinien und Praxisanleitung

Die Verbreitung von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) stellt ein zunehmendes Problem in der medizinischen Praxis und auch in häuslichen Umgebungen dar. Insbesondere in der Nachsorge und im häuslichen Umfeld von Patienten, die mit MRSA besiedelt sind, erfordern die Präventions- und Sanierungsmaßnahmen ein hohes Maß an Hygiene, Kenntnis der Infektionsverbreitung und klare Vorgehensweisen. Die aktuelle Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut (RKI) sowie weiterer Fachgesellschaften bilden die Grundlage für evidenzbasierte Sanierungsverfahren und präventive Strategien. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Übersicht über die Empfehlungen zur Sanierung von MRSA-Besiedlungen, mit Schwerpunkt auf den praktischen Umsetzungshinweisen, die auch für Bauherren, Renovierer und Haushaltsplaner von Interesse sein können – insbesondere bei der Sanierung von Räumen, in denen MRSA-Besiedelte lebten oder sich aufhielten.

Was ist MRSA?

Staphylococcus aureus ist ein weit verbreiteter Bakterienstamm, der unter physiologischen Bedingungen in der menschlichen Nase und auf der Haut vorkommt. Er kann sowohl harmlos als auch pathogen wirken. MRSA bezeichnet Stämme dieses Bakteriums, die resistent gegen Methicillin und andere Beta-Lactam-Antibiotika sind. Diese Resistenz macht MRSA besonders problematisch, da herkömmliche Therapien oft wirkungslos sind.

MRSA kann sich in verschiedenen Körperregionen ansiedeln: Nase, Rachen, Haut, Leistenbereich und Wunden. Eine asymptomatische Besiedlung kann zu schweren Infektionen führen, besonders bei immungeschwächten Personen oder bei engem Hautkontakt. Zudem kann MRSA in häuslichen Umgebungen durch direkten Kontakt mit besiedelten Personen oder durch kontaminierte Gegenstände weitergegeben werden.

Phasen der MRSA-Sanierung nach RKI-Leitlinien

Die Sanierung von MRSA-Besiedlungen erfolgt nach einem strukturierten Ablauf, der aus mehreren Phasen besteht. Diese Phasen sind in den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und der Deutschen Krankenhausgesellschaft detailliert beschrieben. Die Einhaltung dieser Phasen ist entscheidend, um eine erfolgreiche Sanierung zu gewährleisten und eine erneute Besiedlung zu verhindern.

Phase A: Diagnostik

Zu Beginn der Sanierung ist eine eindeutige Bestätigung der MRSA-Besiedlung erforderlich. Dazu werden Abstriche aus relevanten Körperregionen (Nase, Rachen, Leistenbereich, Wunden) entnommen und im Labor auf MRSA getestet. Die Diagnose ist Voraussetzung für die weiteren Schritte und hilft, die Ausbreitung zu begrenzen.

Phase B: Behandlung

Die Behandlungsphase beinhaltet die eigentliche Sanierung der MRSA-Besiedlung. Sie erfolgt individuell und ist abhängig von der Art der Besiedlung (z. B. Nasenbesiedlung, Hautbesiedlung) sowie von der Grunderkrankung des Betroffenen. Die Standardmaßnahmen umfassen:

  • Mupirocin-Nasensalbe: zur Sanierung der nasalen Besiedlung.
  • Antiseptische Mundspülungen: zur Sanierung der Rachenschleimhaut.
  • Desinfizierende Körperwaschungen: mit antiseptischen Seifen, die die Haut und Haare befreien.
  • Antibiotische Tabletten: in bestimmten Fällen, insbesondere bei Haut- oder Wundinfektionen.
  • Desinfizierendes Shampoo/Haarspülung: zur Behandlung des Haaransatzes und des Kopfes.

Die Dauer der Behandlungsphase liegt in der Regel bei drei bis fünf Tagen. Bei der Anwendung dieser Maßnahmen ist darauf zu achten, dass die Medikamente und Desinfektionsmittel nur nach ärztlicher Verordnung angewandt werden und im Einzelfall individuell angepasst werden.

Phase C: Pause

Nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen folgt eine kurze Pause von zwei bis vier Tagen (RKI empfiehlt drei Tage), um sicherzustellen, dass Rückstände antimikrobieller Substanzen nicht zu falsch negativen Abstrichergebnissen führen. In dieser Phase ist es wichtig, die Hygienemaßnahmen beizubehalten, um eine erneute Besiedlung zu vermeiden.

Phase D: Erfolgskontrolle

Zur Erfolgskontrolle sind drei kulturelle Abstriche aus allen vorher positiven Bereichen innerhalb von drei aufeinanderfolgenden Tagen im Krankenhaus zu entnehmen. In der Arztpraxis genügt oft eine einzige Abstrichkontrolle. Wichtig ist, dass die Laboruntersuchungen zuverlässig sind und die Proben ordnungsgemäß gesammelt und transportiert werden.

Phase E: Kontrollabstriche

Da bis zu 50 % der erfolgreich sanierten Personen innerhalb eines Jahres erneut besiedelt werden können, sind Kontrollabstriche notwendig. Die Häufigkeit der Abstriche hängt davon ab, ob der Patient stationär oder ambulant behandelt wird. Im Krankenhaus erfolgen Kontrollen nach einem Monat, zwischen dem 3. und 6. Monat. Im ambulanten Bereich genügen meistens ein- bis zweimalige Kontrollen innerhalb des ersten Jahres.

Hygienemaßnahmen zur Verhütung der MRSA-Übertragung

MRSA-Besiedelungen können durch unvorsichtige Handhabung von Gegenständen und unzureichende Hygienemaßnahmen leicht in häuslichen Umgebungen verbreitet werden. Um dies zu verhindern, sind folgende Maßnahmen entscheidend:

1. Desinfektion von Gegenständen

Alle Pflegehilfsmittel, die einem MRSA-Besiedelten zugeordnet sind, sollten entweder patientengebunden verwendet oder nach jeder Anwendung gründlich desinfiziert werden. Besonders wichtig sind die Desinfektion von Stühlen, Rollstühlen, Pflegewagen, Sauerstoffgeräten und anderen Geräten, die direkt mit der Haut oder den Schleimhäuten des Patienten in Kontakt kommen.

2. Wäschepflege

Die Wäsche von MRSA-Besiedelten sollte mit Desinfektionsmittel gewaschen werden. Dies gilt besonders für Bettwäsche, Handtücher, Kleidungsstücke und andere Textilien, die im häuslichen Umfeld verwendet werden. Eine Temperatur von mindestens 60 °C ist empfohlen, um die Bakterien abzutöten.

3. Handhygiene

Die häufigste Übertragung von MRSA erfolgt über die Hände. Deshalb ist eine konsequente Handhygiene unerlässlich. Sowohl für die Pflegepersonen als auch für Familienangehörige ist es wichtig, nach dem Umgang mit dem Patienten und vor dem Berühren von gemeinsamen Gegenständen (z. B. Türen, Tastaturen, Töpfe) die Hände mit Seife oder Alkohol-Lösung zu reinigen.

4. Schutz vor Übertragung in der Familie

MRSA kann sich leicht zwischen Familienmitgliedern übertragen, vor allem durch engen Körperkontakt. Um eine Ausbreitung zu verhindern, sollten auch die Familienangehörigen in die Sanierungsmaßnahmen einbezogen werden. Dies beinhaltet:

  • Regelmäßige Abstriche zur Überprüfung auf MRSA-Besiedlungen.
  • Getrennte Pflegeutensilien für den MRSA-Besiedelten und andere Familienmitglieder.
  • Vermeidung von engem Hautkontakt, bis die Sanierung erfolgreich abgeschlossen ist.

MRSA in der Schwangerschaft und im Säuglingsalter

MRSA-Besiedlungen bei Schwangeren und Müttern mit Säuglingen erfordern besondere Aufmerksamkeit. Eine MRSA-Besiedlung der Nase, der Schleimhäute oder der Brustdrüsen kann sich auf das Kind übertragen. Insbesondere bei der Geburt und beim Stillen bestehen erhöhte Risiken.

Schwangerschaft

Bei Schwangeren, die MRSA-träger sind, sollte vor der Entbindung eine Abstrichkontrolle des Genitalbereichs erfolgen. Ist MRSA nachweisbar, wird empfohlen, die Scheide und den Nasen-Rachenraum zu sanieren. Zudem ist eine sorgfältige Händedesinfektion besonders wichtig, um die Geburtsvorbereitungen und den Umgang mit dem Neugeborenen sicherzustellen.

Stillen bei MRSA-Besiedlung

Die Übertragung von MRSA auf das Neugeborene durch das Stillen ist möglich, wenn die Brustdrüsen oder die Brustwarzen besiedelt sind. In solchen Fällen ist eine individuelle Risikobewertung durch den behandelnden Kinderarzt erforderlich. In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, alternative Fütterungsmethoden in Betracht zu ziehen, um das Neugeborene vor einer Infektion zu schützen.

MRSA im häuslichen Umfeld – Bau und Renovierung

In häuslichen Umgebungen, in denen MRSA-Besiedelte lebten oder sich aufhielten, ist es wichtig, bei Renovierungsarbeiten und dem Bau neuer Räume hygienisch sensibel vorzugehen. Besonders bei der Sanierung von Bädern, Küchen oder Schlafzimmern, in denen ein MRSA-Besiedelter lebte, ist es sinnvoll, die Räume vor und nach den Arbeiten gründlich zu desinfizieren.

Vorarbeiten

Bevor Renovierungsarbeiten beginnen, ist eine gründliche Analyse des Raumes notwendig. Dazu gehören:

  • Identifikation von möglichen Kontaminationsschwerpunkten (z. B. Wände, Böden, Türen).
  • Analyse der Sanierungsgeschichte des MRSA-Besiedelten und möglicher Kontaminationswege.
  • Sicherstellung, dass alle Bauarbeiter über die Hygienemaßnahmen informiert sind und entsprechend ausgestattet sind (z. B. Schutzkleidung, Handschuhe).

Desinfektion

Bei Renovierungsarbeiten in Räumen, in denen MRSA-Besiedelte lebten, ist die Desinfektion entscheidend. Die folgenden Maßnahmen sind zu beachten:

  • Alle Gegenstände, die mit dem MRSA-Besiedelten in Kontakt standen (z. B. Möbel, Türen, Böden), sollten vor der Demontage gründlich gereinigt und desinfiziert werden.
  • Die Verwendung von antiseptischen Reinigungsmitteln ist empfehlenswert.
  • Nach Abschluss der Arbeiten ist eine erneute Desinfektion der Räume durchzuführen, um eine erneute Kontamination zu vermeiden.

Nacharbeiten

Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten ist es wichtig, die Räume zu überprüfen und gegebenenfalls eine Nachkontrolle durchzuführen. Dies kann insbesondere in sensiblen Bereichen wie Bädern oder Küchen erforderlich sein.

Ausbrüche und Meldepflicht

Bei einem Ausbruch von MRSA-Infektionen in häuslichen oder stationären Einrichtungen ist die Meldepflicht ein entscheidender Aspekt. Nach den Empfehlungen des RKI ist bei gehäuftem Nachweis von MRSA bei mehreren Personen, die räumlich und zeitlich zusammenhängen, eine Genotypisierung durchzuführen, um die Klonalität der Stämme zu bestätigen. Dies hilft, die Ausbreitung zu verfolgen und gezielte Maßnahmen zu ergreifen.

Fazit

MRSA-Besiedlungen stellen eine erhebliche Herausforderung für die häusliche und medizinische Hygiene dar. Die Sanierungsmaßnahmen nach den RKI-Leitlinien sind klar strukturiert und effektiv, sofern sie konsequent umgesetzt werden. Besonders wichtig ist die Einbeziehung von Familienangehörigen, die Handhygiene und die Desinfektion von Gegenständen und Räumen. Für Bauherren und Renovierer ist es entscheidend, bei der Sanierung von Räumen, in denen MRSA-Besiedelte lebten, hygienisch sensibel vorzugehen und die Räume gründlich zu reinigen. Eine sorgfältige Planung und Umsetzung der Hygienemaßnahmen ist nicht nur zur Vermeidung von Infektionen notwendig, sondern auch zur Sicherheit aller Beteiligten.

Quellen

  1. RKI: Ratgeber zu Staphylokokken und MRSA
  2. Kassenärztliche Vereinigung Berlin (KBV): MRSA-Informationen
  3. RKI: Empfehlung zur Prävention und Kontrolle von MRSA in medizinischen Einrichtungen

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