Einleitung
Fäkalschäden in Gebäuden gehören zu den gravierendsten Problemen, die in Innenräumen auftreten können. Diese Art von Schäden entsteht durch den Austritt von Schwarzwasser, das Fäkalien enthält, und kann sowohl durch defekte Abwasserrohre als auch durch Überschwemmungen verursacht werden. Die Sanierung solcher Schäden erfordert ein systematisches Vorgehen, um gesundheitliche Risiken zu minimieren und eine vollständige Wiederherstellung der betroffenen Bereiche zu gewährleisten.
Fäkalschäden entstehen durch den Austritt von Flüssigkeiten und Feststoffen aus Schmutzwasserleitungen, die an Toiletten angeschlossen sind, durch Rückstau aus dem öffentlichen Kanalnetz oder durch Überschwemmungen. Im Gegensatz zu anderen Wasserschäden geht es bei der Sanierung fäkalienhaltiger Wasserschäden um mehr als nur die technische Bautrocknung, sondern um die hygienische Beseitigung von kontaminiertem Abwasser, das in unterschiedliche Verschmutzungsgrade unterteilt wird.
Gefährdungsbeurteilung bei Fäkalschäden
Gesundheitsrisiken und Gefährdungsgruppen
Bei einem Fäkalschaden ist mit einem sehr hohen Vorkommen an gesundheitsgefährdenden Bakterien und Viren zu rechnen. Diese Gesundheitsgefährdungen betreffen mehrere Gruppen:
Nutzer des Gebäudes: Für die Nutzer des betroffenen Objekts stellt ein Fäkalschaden ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Daher ist für die Nutzer eine Gefährdungsbeurteilung in Anlehnung an die Biostoffverordnung (BioStoffV) durchzuführen. Der Gutachter muss gegebenenfalls darauf hinweisen, dass das Objekt nur noch eingeschränkt genutzt werden sollte bzw. dass eine weitere Nutzung nicht anzuraten ist.
Unternehmer und deren Mitarbeiter: Die nicht gezielte Tätigkeit mit biologischen Arbeitsstoffen erfordert nach BioStoffV ebenfalls eine Gefährdungsbeurteilung und Festlegung der erforderlichen Schutzmaßnahmen für die Unternehmer und deren Mitarbeiter (Sanierungsbetriebe, Sachverständige etc.).
Durchführung der Gefährdungsbeurteilung
Die Gefährdungsbeurteilung schafft Klarheit über die Notwendigkeit sowie Art und Umfang von Sofortmaßnahmen. Anschließend wird das Sanierungsziel definiert, das nicht nur Art und Umfang der kompletten Sanierungsmaßnahmen und somit die Kosten beeinflusst, sondern auch Grundlage für Ausschreibung, Angebot und Abrechnung ist.
Hinweise für eine Belastung durch Fäkalien können sein: - Bekannte Schadensereignisse - Geruch - Rückstände auf Oberflächen, insbesondere auf Fußböden
Schutzmaßnahmen bei der Sanierung
Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
Der Schutz der Bewohner, der ausführenden Arbeiter und nachfolgenden Gewerke hat oberste Priorität. Bei der Sanierung von Fäkalschäden ist eine umfassende persönliche Schutzausrüstung erforderlich, die Folgendes umfasst:
- Atmungsschutz: FFP-3-Masken
- Augen- und Gesichtsschutz: Schutzbrillen
- Hautschutz: Handschuhe und Schutzanzüge
Detaillierte Anforderungen an den Arbeitsschutz
Schutzkleidung
Als Schutz vor Staubbelastung und direktem Hautkontakt ist partikeldichte, luftdurchlässige (so genannte "atmungsaktive") Einwegschutzkleidung, Kategorie III, Typ 5 zu empfehlen. Eine Verschleppung von Stäuben über die Haare ist beispielsweise durch das Tragen einer Kapuze zu minimieren. Bei Arbeiten, bei denen die Entstehung von Spritzwasser nicht zu vermeiden ist, ist das Anlegen von wasserdichter Schutzkleidung erforderlich.
Handschutz
Der Handschutz ist auf die mechanische, chemische und biologische Belastung abzustimmen. Bei Feuchtarbeiten sind flüssigkeitsdichte, längerstulpige Handschuhe einzusetzen.
Fußschutz
Es ist ein den Arbeiten angepasstes Schuhwerk einzusetzen. In jedem Fall muss es abwaschbar sein, bei Arbeiten mit Kontakt zu Abwässern sind flüssigkeitsdichte Schuhe zu verwenden.
Arbeitsmedizinische Untersuchung
Die Arbeitnehmer sind regelmäßig einer arbeitsmedizinischen Untersuchung zu unterziehen, die erforderlichen Schutzimpfungen sind einzuhalten.
Sanierungsprozess bei Fäkalschäden
Unterscheidung der Abwasserarten
Zur korrekten Behandlung von Fäkalschäden ist die Unterscheidung der Abwasserarten wichtig:
- Grauwasser: Relativ sauberes Abwasser, z.B. aus Waschmaschinen oder Duschen, das in der Regel keine Fäkalien enthält.
- Schwarzwasser: Stark verschmutztes Abwasser aus Toiletten, das Fäkalien und Urin enthält. Dieses Wasser stellt die Hauptquelle für Fäkalschäden dar.
Schritt-für-Schritt-Anleitung der Sanierung
Die Sanierung von Fäkalschäden umfasst mehrere wichtige Schritte, die sorgfältig geplant und ausgeführt werden müssen, um eine vollständige Beseitigung der Kontamination zu gewährleisten:
1. Abpumpen und Reinigung
Das freie Wasser wird abgepumpt, und alle Oberflächen werden gründlich gereinigt, um sichtbare Verunreinigungen zu entfernen.
2. Rückbau betroffener Materialien
Durchfeuchtete und kontaminierte Baumaterialien wie Bodenbeläge, Putz und Dämmstoffe müssen entfernt und fachgerecht entsorgt werden. Die Sanierung hat den über den sichtbaren oder durch Feuchtemessungen festgestellten Bereich in der Fläche mit einem Zuschlag von mindestens 0,5 m zu umfassen.
3. Technische Trocknung
Nach der Entfernung der kontaminierten Materialien werden die verbleibenden Oberflächen technisch getrocknet, um Restfeuchte zu beseitigen und Schimmelbildung zu verhindern. Grundsätzlich ist ein Fäkalschaden nicht zu trocknen, da die Kontamination vollständig entfernt werden muss.
4. Feinreinigung und Desinfektion
Nach dem Rückbau erfolgt eine Feinreinigung aller freigelegten Oberflächen. Anschließend werden diese Oberflächen desinfiziert, um sicherzustellen, dass alle Krankheitserreger abgetötet wurden. Nicht ausbaubare Konstruktionen wie z.B. die Bodenplatte oder tragende Konstruktionen sind zu desinfizieren.
5. Abschluss der Sanierung
Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten ist es unerlässlich, den Erfolg der Maßnahmen zu überprüfen. Dies kann durch mikrobiologische Tests und eine abschließende Inspektion der sanierten Bereiche geschehen.
Besonderheiten bei kleinen Schäden
Bei kleinen Schäden ist eine Sanierungskontrolle in der Regel nicht notwendig und nicht angemessen. Sichtbare Verunreinigungen sind durch feuchtes Abwischen mit entspanntem Wasser vollständig zu entfernen. Die gereinigten Oberflächen und ein darüber hinaus gehender Bereich von mind. 0,5 m müssen desinfiziert werden.
Qualitätskontrolle und Erfolgsmessung
Sanierungskonzept und -kontrolle
Ein Sanierungskonzept ist ebenso unumgänglich wie eine Sanierungskontrolle. Bei der Sanierungskontrolle wird zum einen nach einer optischen Kontrolle eine Partikelsammlung aus der Raumluft mit Auszählung der Gesamtsporenanzahl durchgeführt und zum anderen die desinfizierten Oberflächen auf Bakterien beprobt.
Messtechnische Verfahren zur Erfolgskontrolle
Zur messtechnischen Überprüfung des Sanierungserfolges können folgende Methoden eingesetzt werden:
Gesamtsporenmessung: Es ist davon auszugehen, dass Fäkalkeime nicht in der Raumluft vorzufinden sind. Aus diesem Grund wird geprüft, ob andere Feuchteindikatororganismen wie z.B. Schimmelpilzsporen in auffälligen Konzentrationen nachzuweisen sind, die Hinweise auf eine nicht fachgerechte Sanierung geben.
Bakterienproben: Die desinfizierten Oberflächen werden auf Bakterien beprobt, um sicherzustellen, dass keine gesundheitsgefährdenden Keime mehr vorhanden sind.
Grenzwerte für Keimzahlen
Das Sanierungsziel muss immer die vollständige Beseitigung sämtlicher fäkalienbelasteter Verschmutzungen sein. Nach 12 Stunden dürfen auf allen gereinigten und desinfizierten Oberflächen keine Keimzahlen von mehr als 25 Bildende Einheiten (CFU) Bakterien auf einer Fläche nachgewiesen werden.
Durchführung der Kontrolle
Im Rahmen von Sanierungskontrollen ist zunächst eine visuelle Kontrolle und olfaktorische Prüfung des Sanierungsbereiches durchzuführen. Falls noch sichtbare Staubablagerungen auf Oberflächen zu erkennen sind, sollten keine Messungen, sondern direkt Nachreinigungsarbeiten durchgeführt werden.
Besondere Anforderungen an die Sanierung
Unterscheidung von Abwasserarten
Die Unterscheidung zwischen Grauwasser und Schwarzwasser ist entscheidend für die Bewertung und Sanierung von Fäkalschäden. Während Grauwasser relativ sauber ist und in der Regel keine Fäkalien enthält, ist Schwarzwasser stark mit organischen Stoffen und Krankheitserregern belastet, was erhebliche Gesundheitsrisiken für die Bewohner und Sanierungsarbeiter bedeutet.
Umgang mit mehrschichtigen Baukonstruktionen
Fäkalschäden können Innenräume sowie mehrschichtige Baukonstruktionen kontaminieren. Bei der Sanierung ist darauf zu achten, dass die Kontamination vollständig aus allen Schichten entfernt wird, auch wenn dies einen aufwendigeren Rückbau erfordert.
Vollständige Beseitigung der Kontamination
Die vollständige Beseitigung der Kontamination erfordert in der Regel den Austausch aller betroffenen Materialien. Eine oberflächliche Behandlung ist bei Fäkalschäden nicht ausreichend. Die Sanierung von Fäkalschäden ist ein Spezialgebiet bei der Sanierung von Wasserschäden, das besondere Fachkenntnisse erfordert.
Fazit
Die Sanierung von Fäkalschäden stellt eine der anspruchsvollsten Aufgaben im Bereich der Bausanierung dar. Im Gegensatz zu anderen Wasserschäden geht es hier nicht nur um die Beseitigung von Feuchtigkeit, sondern um die vollständige Entfernung gesundheitsgefährdender Kontamination. Die besondere Gefährdung durch Krankheitserreger erfordert ein systematisches Vorgehen mit umfassenden Schutzmaßnahmen für alle Beteiligten.
Die wichtigsten Erkenntnisse für die Praxis sind: - Fäkalschäden müssen immer von Fachbetrieben mit Erfahrung in Wasserschaden- und Schimmelpilzanierungen saniert werden - Persönliche Schutzausrüstung ist Pflicht und muss den Anforderungen an biologische Arbeitsstoffe entsprechen - Grundsätzlich ist ein Fäkalschaden nicht zu trocknen, sondern alle betroffenen Materialien müssen ausgebaut werden - Nicht ausbaubare Konstruktionen müssen gründlich desinfiziert werden - Ein Sanierungskonzept und eine Sanierungskontrolle sind unerlässlich - Das Sanierungsziel ist die vollständige Beseitigung der Kontamination mit Grenzwerten von maximal 25 CFU Bakterien pro Oberfläche nach 12 Stunden
Nur eine fachgerechte Sanierung gewährleistet, dass die Gesundheitsrisiken für zukünftige Nutzer des Gebäudes ausgeschlossen sind und die betroffenen Bereiche wieder uneingeschränkt genutzt werden können.