Einleitung
Die Sanierung des Hallenbads Weingarten stellt eines der bedeutendsten Bauprojekte der Stadt dar. Das Anfang der 1970er-Jahre erbaute Schwimmbad wird umfassend und nachhaltig erneuert, um den Sport- und Freizeitanforderungen für die kommenden Jahrzehnte gerecht zu werden. Die Maßnahmen reichen von der Badewasseraufbereitung und den Wasserkreisläufen über die Gebäudetechnik und Wärmedämmung bis zur Fassade, Lüftung, Sanitäranlagen, einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und einem neu gestalteten Kleinkindbereich. Mit der grundlegenden Sanierung rüstet die Stadt Weingarten ihr Hallenbad für die Zukunft, wobei die Finanzierung durch eine erhebliche Bundesförderung gesichert ist. Dieser Artikel beleuchtet die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen, die finanziellen Aspekte sowie die Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Weingarten, die zu einer beispielhaften Win-Win-Situation für alle Beteiligten führt.
Projektübersicht und Historie
Das Hallenbad Weingarten, Anfang der 1970er-Jahre erbaut, bildet seit Jahrzehnten einen wichtigen Teil der sportlichen Infrastruktur der Stadt. Es liegt im Landkreis Ravensburg unweit des Bodensees und ist fußläufig von den umliegenden Schulen erreichbar. Die Anlage verfügt über ein 25-Meter-Becken, ein Nichtschwimmerbecken mit Hubboden sowie einen Eltern-Kind-Bereich. Das Bad wird von Familien, Ruheständlern, Schulen, Schwimmvereinen und Gästen aus dem Umland intensiv genutzt.
Aufgrund des Baujahrs und der intensiven Nutzung war eine umfassende Sanierung des Gebäudes und seiner technischen Anlagen notwendig geworden, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten und die Effizienz zu steigern. Die Stadt Weingarten entschied sich für eine grundlegende Erneuerung, die nicht nur die technischen Aspekte berücksichtigt, sondern auch die energetische Modernisierung und die Barrierefreiheit in den Mittelpunkt stellt.
Finanzierung und Förderung
Die Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen stellt eine der größten Herausforderungen dar. Die Stadt Weingarten erhielt Mitte März 2024 die freudige Nachricht, dass der Bund die Sanierung des Hallenbades mit 5.273.574 Euro fördern wird. Dies entspricht 75 Prozent der geplanten Investitionskosten von knapp über 7 Millionen Euro. Die Förderung stammt aus dem Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur" des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.
Der erhöhte Fördersatz von 75 Prozent statt der sonst üblichen 45 Prozent konnte aufgrund der finanziellen Lage der Stadt als finanzschwache Kommune beantragt werden. Die Entscheidung über die Förderanträge hatte sich infolge des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes zum Bundeshaushalt mehrfach verzögert. Zudem wurde das Fördervolumen des Bundesprogramms von ursprünglich 400 auf 200 Millionen Euro halbiert. Dennoch konnte sich das Projekt im bundesweiten Wettbewerb durchsetzen: Am 13. März 2024 entschied der Haushaltsausschuss des Bundestages über die Anträge und bewilligte insgesamt 68 Vorhaben deutschlandweit sowie acht in Baden-Württemberg. Die Sanierung des Hallenbades in Weingarten ist dabei das einzige Projekt, das in der Region Bodensee-Oberschwaben ausgewählt wurde.
Die hohe Nachfrage unterstreicht die Bedeutung der Maßnahme: Eingereicht wurden insgesamt 812 Projektskizzen mit einem beantragten Fördervolumen von rund 2,55 Milliarden Euro. Die erfolgreiche Bewilligung der Förderung für das Weingartener Hallenbad wird von der Stadtverwaltung als großer Erfolg gewertet, der dem Engagement aller Beteiligten zu verdanken ist.
Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen
Die Sanierung des Hallenbads Weingarten umfasst ein breites Spektrum von Maßnahmen, die sowohl die bauliche Substanz als auch die technische Ausstattung des Gebäudes betreffen. Die Modernisierungen zielen darauf ab, die Energieeffizienz zu steigern, die Betriebssicherheit zu erhöhen und die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern.
Gebäudesanierung und Fassade
Ein Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf der energetischen Modernisierung der Gebäudehülle. Die Fassade wird vollständig gedämmt und erneuert, um den Wärmeverlust im Winter und die Überhitzung im Sommer zu reduzieren. Gleichzeitig wird die Glasfassade ausgetauscht, um bessere wärmedämmende Eigenschaften zu gewährleisten. Diese Maßnahmen tragen maßgeblich zur Erreichung des angestrebten Energieeffizienzstandards bei.
Technische Anlagen
Die Gebäude- und Schwimmbadtechnik wird umfassend erneuert und optimiert. Dazu gehören die Lüftungsanlage, die Heizung, die Badewasseraufbereitung und die Wasserkreisläufe. Die Optimierung der Einbindung des Blockheizkraftwerks und die Umstellung auf Biogas sowie der Anschluss an ein geplantes Nahwärmenetz weiter die Energieeffizienz der Anlage.
Erneuerbare Energien
Ein zentrales Element der Sanierung ist die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Hallenbads. Diese Anlage wird zur Eigenstromerzeugung beitragen und den Betrieb nachhaltiger gestalten. Die Kombination aus Photovoltaik, Biogas und Nahwärme schafft ein effizientes und umweltfreundliches Energiesystem für das Schwimmbad.
Barrierefreiheit und Nutzerkomfort
Der Sanitär- und Duschbereich wird barrierefrei umgebaut, um die Zugänglichkeit für alle Besucher zu gewährleisten. Dazu gehört auch die Installation eines Schwimmbadlifts, der Menschen mit eingeschränkter Mobilität den Zugang zum Becken erleichtert. Eine kontrastreiche Signalisierung sorgt für eine gute Sichtbarkeit der Verkehrswege und erhöht die Sicherheit im Bad.
Kleinkindbereich
Für die kleinsten Gäste wird der Eltern-Kind-Bereich umgestaltet und durch eine Erlebniswelt für Kleinkinder erweitert. Diese Maßnahme soll den Besuch des Bades für Familien noch attraktiver machen und die frühe Wassergewöhnung fördern.
Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Weingarten
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Projekts ist die Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH). Die Nutzung des städtischen Hallenbads ist künftig offiziell geregelt: Die PH wird das Bad nach dessen Sanierung für die Lehrerausbildung, den Hochschulsport sowie für Forschungszwecke nutzen.
Bürgermeister Alexander Geiger und Thomas Pehle als Vertreter des Landes Baden-Württemberg unterzeichneten am 5. Juni 2025 im Rathaus den entsprechenden Kooperationsvertrag. Die Vereinbarung bringt klare Vorteile für beide Seiten: Die Stadt Weingarten modernisiert ihr Anfang der 1970er-Jahre erbautes Hallenbad umfassend. Im Gegenzug gibt die PH ihr eigenes, ebenfalls veraltetes Bad auf und zieht nach Abschluss der Bauarbeiten an die Brechenmacherstraße um – voraussichtlich ab 2027.
Durch diese Zusammenarbeit entstehen wertvolle Synergien: Die Maßnahme spart CO₂ bei Bau und Betrieb, schont Flächenressourcen, verbessert die Auslastung des Bades und reduziert Kosten. "Es ist eine Win-Win-Situation", so die Beteiligten übereinstimmend. Vermutlich konnte Weingarten mit diesem Alleinstellungsmerkmal punkten, dass aus zwei Hallenbädern eins wird.
Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
Ein zentrales Ziel der Sanierung ist die Erhöhung der Energieeffizienz und die Förderung des Klimaschutzes. Durch die Einsatz regenerativer Energien und die Optimierung der technischen Anlagen wird die Effizienzgebäude-Stufe 55 gemäß der Bundesförderung für effiziente Gebäude erreicht.
Die energetischen Maßnahmen umfassen: - Dämmung und Erneuerung der Fassade - Erneuerung der Glasfassade - Installation einer Photovoltaikanlage - Optimierung der Einbindung eines Blockheizkraftwerks - Umstellung auf Biogas - Anschluss an ein geplantes Nahwärmenetz - Anpassung der Gebäudeleit- und Badewassertechnik
Diese Maßnahmen führen nicht nur zu einer signifikanten Reduzierung des Energieverbrauchs und der Betriebskosten, sondern auch zu einer nachhaltigeren und umweltfreundlicheren Nutzung des Hallenbads. Die langfristige Perspektive zeigt, dass die Investitionen in die Modernisierung sich durch geringere Energie- und Unterhaltskosten rentieren werden.
Zeitplan und Bauablauf
Die Sanierungsmaßnahmen am Weingartener Hallenbad haben planmäßig begonnen. Das Gelände ist eingezäunt, das große Bauschild steht, und die ersten Arbeiten am und im Gebäude sind angelaufen. Der derzeitige vorläufige Zeitplan sieht vor, dass die Bauarbeiten im Laufe des Jahres 2025 beginnen und das umfänglich sanierte Hallenbad voraussichtlich im Jahr 2027 wiedereröffnet wird.
Die Stadt Weingarten konnte nach der Bewilligung der Bundesförderung das Auswahlverfahren für Architekten- und Fachplaner-Leistungen abschließen. Die beauftragten Planer nehmen nun ihre Arbeit auf, und die Planungsleistungen sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Der Werkleiter des Eigenbetriebes Stadtwerke Weingarten, Bürgermeister Alexander Geiger, betont: "Diese Nachricht gibt uns Rückenwind für die weitere Planung der Sanierungsarbeiten im Hallenbad."
Die Bauarbeiten werden voraussichtlich in mehreren Phasen durchgeführt, um die Belastung für Anwohner und Nutzer so gering wie möglich zu halten. Dabei wird auch darauf geachtet, dass das Bad während der Bauphase weiterhin zugänglich bleibt, soweit dies möglich ist.
Herausforderungen und Lösungen
Die Sanierung eines Hallenbads stellt besondere Herausforderungen dar, die von den Planern und Ausführenden gemeistert werden müssen. Einerseits müssen die technischen Anforderungen an Schwimmbadanlagen erfüllt werden, andererseits müssen die Nutzer während der Bauphase bestmöglich informiert und betreut werden.
Eine besondere Herausforderung stellt die Koordination der verschiedenen Gewerke dar, die zeitgleich am Gebäude arbeiten. Die enge Abstimmung zwischen Architekten, Fachplanern und ausführenden Firmen ist entscheidend für den reibungslosen Ablauf der Bauarbeiten. Auch die Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Weingarten erfordert eine sorgfältige Planung, um die Interessen aller Beteiligten zu berücksichtigen.
Erwartete Ergebnisse und Nutzen
Die Sanierung des Hallenbads Weingarten wird vielfältige positive Effekte für Stadt, Region und Nutzer haben. Durch die energetische Modernisierung und die Nutzung erneuerbarer Energien wird der Energieverbrauch signifikant reduziert, was zu geringeren Betriebskosten und einer nachhaltigeren Nutzung führt.
Die Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Weingarten schafft Synergien, die zu einer besseren Auslastung des Bades und zu Kosteneinsparungen führen. Die Aufgabe des PH-eigenen Hallenbads und die gemeinsame Nutzung des städtischen Bads sparen Ressourcen und Flächen, während gleichzeitig die sportliche Infrastruktur für die Hochschule gesichert wird.
Für die Nutzer des Hallenbads bedeutet die Sanierung eine deutliche Verbesserung des Angebots: Barrierefreie Einrichtungen, eine modernisierte Technik und ein attraktiverer Kleinkindbereich machen den Besuch des Bads noch angenehmer und zugänglicher für alle Bevölkerungsgruppen.
Fazit
Die Sanierung des Hallenbads Weingarten ist ein vorbildliches Beispiel für gelungene Stadtentwicklung, bei der Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Nutzerfreundlichkeit in Einklang gebracht werden. Die erhebliche Bundesförderung von über 5 Millionen Euro unterstreicht die nationale Bedeutung des Projekts, während die Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Weingarten eine innovative Lösung für die zukünftige Nutzung des Bads darstellt.
Mit der Fertigstellung der Sanierung im Jahr 2027 wird die Stadt Weingarten über eine moderne, energieeffiziente und nachhaltige Sporteinrichtung verfügen, die den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte gerecht wird. Das Projekt zeigt, wie große Bauvorhaben erfolgreich geplant und finanziert werden können und dient als Vorbild für ähnliche Projekte in anderen Kommunen.
Quellen
- RV-News: Sanierung des Hallenbades Weingarten hat begonnen
- Sport-Jugend-Kultur: Sanierung des Hallenbads in Weingarten
- Wochenblatt-News: Bund fördert Sanierung des Hallenbades mit über fünf Millionen Euro
- Stadt Weingarten: Sanierung des Hallenbades hat begonnen
- Stadt Weingarten: Bund fördert die Sanierung des Hallenbades mit mehr als fünf Millionen Euro
- EAP-Magazin: Modernisierung des Hallenbads Weingarten
- Wochenblatt-News: Hallenbad-Sanierung in Weingarten: Stadt und Land ziehen an einem Strang
- Schwäbische: Das Hallenbad in Weingarten bleibt offen