Einleitung
Die Mülheimer Brücke, eine der wichtigsten Verkehrsachsen Kölns, befindet sich seit April 2018 in einer umfassenden Sanierungsphase. Das denkmalgeschützte Bauwerk verbindet die Stadtteile Mülheim und Riehl und wird täglich von Zehntausenden Fahrzeugen sowie den KVB-Linien 13 und 18 genutzt. Ursprünglich sollte die Mitte 2026 abgeschlossen sein, doch das Großprojekt hat sich erheblich verzögert und die Kosten sind stark gestiegen. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über den aktuellen Zeitplan, die technischen Herausforderungen und die Auswirkungen auf den Kölner Verkehr.
Historische Bedeutung und Bauwerk
Die heutige Mülheimer Brücke ist bereits die zweite an dieser Stelle. Ihre Vorgängerin, eine unechte Hängebrücke, wurde 1929 eröffnet und im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der Wiederaufbau von 1949 bis 1951 machte sie zur ersten deutschen Hängebrücke, die nach dem Krieg neu errichtet wurde. Sie gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Ingenieurbaukunst der Nachkriegszeit.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Brücke bereits bei ihrer Eröffnung die Stadtbahn trug – eine Innovation ihrer Zeit. Nach ihrer Zerstörung im Krieg wurde sie 1951 wieder aufgebaut und später als erste Kölner Brücke im charakteristischen "Kölner Brückengrün" gestrichen. Diese besondere Farbgebung hat sich bis heute erhalten und prägt das Stadtbild.
Die Brücke hat eine Gesamtlänge von rund einem Kilometer und besteht aus mehreren Abschnitten: der Deichbrücke, der Flutbrücke, der Strombrücke (dem 485 Meter langen Teilstück über den Rhein) und den Rampen auf beiden Rheinseiten.
Sanierungsprojekt im Überblick
Die Gesamtinstandsetzung der Mülheimer Brücke ist unvermeidbar und umfasst sowohl den vollständigen Neubau einiger Teile als auch eine grundhafte Sanierung anderer Bereiche. Die Bauarbeiten konzentrieren sich auf:
- Neubau der rechtsrheinischen Rampe
- Sanierung und Verstärkung der Strombrücke (das 485-Meter lange Teilstück über den Rhein)
- Sanierung der Flutbrücke (das zweite Brückenstück linksrheinisch)
- Neubau der Deichbrücke (das erste Brückenstück linksrheinisch)
- Erneuerung des Belags von Fahrbahn sowie Geh- und Radwegen
- Austausch/Neubau von Entwässerungseinrichtungen
- Erneuerung des Korrosionsschutzes der Seile und des Bauwerkes
- Sanierung von Schweißnahtrissen
- Austausch der Hängerseile
- Austausch der Lastverteilungsträger
Aktueller Zeitplan und Bauphasen
Die Stadt Köln hat einen aktualisierten Zeitplan für die umfassende Sanierung vorgelegt. Die komplexen Arbeiten am denkmalgeschützten Bauwerk werden sich weiter verzögern, was neue Herausforderungen für den Verkehr und die städtische Planung mit sich bringt. Die Fertigstellung wird nun für Ende 2026 angestrebt.
Der ursprüngliche Zeitplan sah eine deutlich frühere Fertigstellung vor. Doch während der Arbeiten wurden immer wieder neue Schäden entdeckt, die im Vorfeld nicht absehbar waren. Korrosion an tragenden Stahlteilen und Risse im Beton erforderten umfangreiche Nachplanungen und zusätzliche Arbeitsschritte.
Die Stadtverwaltung hat die verbleibenden Bauphasen neu terminiert:
- Phase 1 (Abgeschlossen): Sanierung der linksrheinischen Rampe und erste Arbeiten an der Strombrücke.
- Phase 2 (Laufend): Instandsetzung der Fahrbahn in Fahrtrichtung Mülheim. Diese Phase soll bis Mitte 2025 andauern.
- Phase 3 (Geplant ab Mitte 2025): Sanierung der Fahrbahn in Fahrtrichtung Innenstadt sowie der Stadtbahngleise.
- Phase 4 (Bis Ende 2026): Abschlussarbeiten, Erneuerung der Rad- und Gehwege sowie Rückbau der Baustelleneinrichtung.
Ein Sprecher des Amtes für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau betonte, dass dieser Zeitplan ehrgeizig sei und von einem reibungslosen Ablauf der weiteren Arbeiten abhängt.
Für die zweite Phase sind bereits konkrete Termine bekannt: Die Arbeiten finden von Mittwoch, 03.09.2025 ca. 03:00 Uhr bis Freitag, 05.09.2025 ca. 03:00 Uhr statt. Während dieser Zeit wird die Linie 13 zwischen den Haltestellen Nußbaumer Straße und Slabystraße getrennt.
Ursachen der Verzögerungen
Die Sanierungsarbeiten verzögern sich erheblich. Ursprünglich sollten die Stadtbahnlinien 13 und 18 bereits im April wieder über die Brücke rollen. Doch seit Mitte Februar 2025 steht fest, dass es noch einmal länger dauern wird, bis die Straßenbahn-Linien das linke und das rechte Rheinufer wieder miteinander verbinden können.
Besonders von den Verzögerungen betroffen ist der Bereich der rechtsrheinischen Rampe, wo der Übergang zwischen dem alten Bauwerk und den Neubauten für Probleme sorgt. Konkret geht es um den Anschluss des Stadtbahntrogs, der in den 90er-Jahren gebaut wurde und erhalten bleibt, sowie den angrenzenden Ankerpfeiler. Während der Abrissarbeiten stellte sich heraus, dass die Bewehrung des Bestands anders liegt als angenommen – und teils beschädigt wurde. Nun müssen die betroffenen Bereiche neu geplant und berechnet werden, was den Zeitplan durcheinanderbringt.
Ein entscheidender Meilenstein war das "Lösen" der Brücke aus ihren Widerlagern auf beiden Rheinseiten. Dieser technische Prozess, der im Februar 2025 gelang, war für die weiteren Arbeiten unerlässlich. Weil das im Februar nicht geklappt hatte, war die Stadtverwaltung von ihrem bis dahin geltenden Zeitplan zurückgetreten und nennt seitdem kein festes Datum mehr für die Wiederinbetriebnahme der Stadtbahn.
Die guten Nachrichten: An anderen Stellen der Brücke läuft alles nach Plan. Die Fahrbahnplatte im Bereich der Flut- und Strombrücke wurde bereits erneuert. Die 650 Meter langen Teilstücke wurden pünktlich an die KVB übergeben, die dort jetzt die Schienen und Schwellen verlegt. Auch die Gleisbögen und Kabeltrassen auf der linken Rheinseite sind fertig, und erste Schienen sowie Weichen wurden gesetzt.
Kostenentwicklung des Projekts
Die Kosten für das Großprojekt sind ebenfalls gestiegen. Neue Schätzungen belaufen sich auf rund 385 Millionen Euro, eine deutliche Erhöhung gegenüber früheren Prognosen. Als Gründe werden unvorhergesehene Schäden an der Bausubstanz und gestiegene Materialpreise genannt.
Die Entwicklung der Projektkosten hat sich wie folgt gestaltet: - Ursprünglich geplant: 164 Millionen Euro - Spätere Schätzung: 302 Millionen Euro (fast Verdopplung) - Aktuelle Schätzung: 385 Millionen Euro
Die Stadt teilte mit, dass seit September 2024 bekannt ist, dass die Sanierung noch einmal teurer werden wird. Wie hoch der Nachschlag ausfällt, soll im ersten Halbjahr 2025 feststehen.
Auswirkungen auf den Verkehr
Die Sanierung der Mülheimer Brücke hat erhebliche Auswirkungen auf den Verkehr in Köln. Durch die Einrichtung der dauerhaften Verkehrsführung über den nördlichen Teil der Brücke wird die Kapazität der Brücke um rund 50 Prozent reduziert. Pro Fahrtrichtung gibt es nur noch eine Fahrspur. Statt der sonst 50.000 Autos können nur etwa die Hälfte der Autos über die Brücke fahren.
Die Verkehrseinschränkungen betreffen nicht nur den motorisierten Individualverkehr, sondern auch den ÖPNV und den Radverkehr. Die genauen Beschränkungen sind:
- Motorisierter Individualverkehr: Kann in beiden Richtungen auf je einer Spur auf der Nordseite der Brücke fahren. Die Südseite bleibt weiterhin gesperrt.
- Fuß- und Radverkehr: Kann weiterhin den Geh- und Radweg auf der Nordseite der Brücke nutzen.
- Höhenbegrenzung: Fahrzeuge bis zu 2,80 Meter dürfen die Brücke befahren.
- Gewichtsbeschränkung: Maximal 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Als Ausweichroute für Lastkraftwagen über 3,5 Tonnen steht der Tunnel Kalk zur Verfügung. Aus Sicherheitsgründen ist der Tunnel für den Gefahrstoffgüterverkehr gesperrt.
- Zoobrücke: Für die Zoobrücke gilt eine Gewichtsbeschränkung auf maximal 30 Tonnen tatsächliches Gesamtgewicht in beide Fahrtrichtungen.
Umleitungen und Ersatzverkehre
Für die Stadtbahnlinien 13 und 18 gelten seit April 2024 erhebliche Änderungen. Die Linien fahren nicht mehr ihren gewohnten Weg über die Brücke. Ursprünglich angekündigt waren sieben Monate Unterbrechung, tatsächlich hat die Unterbrechung bereits mindestens 15 Monate gedauert.
Die Linien 13 und 18 werden getrennt betrieben: - Linie 13: Endet an der Haltestelle Nußbaumerstraße. - Linie 18: Fährt vom Reichenspergerplatz in nördlicher Richtung auf der Linie 16 bis zur Nesselrodestraße.
Zusätzlich verkehrt: - Linie 118: Wurde bis zur Nußbaumerstraße verlängert. - Ersatzbus E: Fährt zwischen Ebertplatz und Niehl Betriebshof Nord.
Auf der rechten Rheinseite wurde die Trennung der Linie 18 bis zur Haltestelle Mülheim Wiener Platz verlängert. Die Linie 118 fährt von der Stegerwaldsiedlung weiter geradeaus zum Mülheimer Wiener Platz (Bussteig C) und wurde bis zur Buchheim Herler Straße verlängert.
Für die Anbindung verschiedener Stadtteile gelten folgende Umleitungen: - Aus Mülheim und Schlebusch in die Innenstadt und zurück - Aus Thielenbruch und Dellbrück in die Innenstadt und zurück - Aus Niehl und Riehl ins Rechtsrheinische und zurück - Aus Nippes ins Rechtsrheinische und zurück - Aus Ossendorf ins Rechtsrheinische und zurück - Aus dem Kölner Westen ins Rechtsrheinische und zurück - Aus Klettenberg ins Rechtsrheinische und zurück
Die KVB sucht in einer öffentlichen Ausschreibung bis mindestens Ende Juni nach einem Busunternehmen, das den Schienenersatzverkehr bereitstellt.
Technische Herausforderungen der Sanierung
Die Sanierung der Mülheimer Brücke stellt die Ingenieure vor besondere technische Herausforderungen. Das denkmalgeschützte Bauwerk erfordert eine sorgfältige Balance zwischen notwendigen Verstärkungen und dem Erhalt des bauhistorischen Charakters.
Ein zentrales Problem waren die unvorhergesehenen Schäden an der Bausubstanz. Während der Arbeiten wurden Korrosion an tragenden Stahlteilen und Risse im Beton entdeckt, die umfangreiche Nachplanungen und zusätzliche Arbeitsschritte erforderlich machten. Besonders komplex war die Lösung der Brücke aus ihren Widerlagern auf beiden Rheinseiten – ein technisch anspruchsvoller Prozess, der im Februar 2025 gelang.
Ein weiteres Problem stellte der Übergang zwischen dem alten Bauwerk und den Neubauten dar. Insbesondere die Verbindung des in den 90er-Jahren gebauten Stadtbahntrogs mit dem angrenzenden Ankerpfeiler erwies sich als schwierig. Die Bewehrung des Bestands lag anders als angenommen und war teils beschädigt, was Neuplanungen erforderlich machte.
Fazit
Die Sanierung der Mülheimer Brücke ist eines der größten und komplexsten Bauprojekte in der jüngeren Geschichte Kölns. Was ursprünglich als Mitte 2026 abgeschlossenes Projekt geplant war, hat sich erheblich verzögert und verteuert. Die Fertigstellung wird nun für Ende 2026 angestrebt, wobei dieser Zeitplan ehrgeizig ist und von einem reibungslosen Ablauf der weiteren Arbeiten abhängt.
Die Kosten des Projekts haben sich von ursprünglich 164 Millionen Euro auf nun rund 385 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Hauptursachen für die Verzögerungen und Kostensteigerungen sind unvorhergesehene Schäden an der Bausubstanz und gestiegene Materialpreise.
Für die Kölner Bevölkerung bedeutet die Sanierung erhebliche Einschränkungen im Verkehr. Die Brücke steht nur mit reduzierter Kapazität zur Verfügung, und die Stadtbahnlinien 13 und 18 fahren seit April 2024 nicht mehr über die Brücke. Die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs wird nun voraussichtlich erst im Juli 2025 möglich sein.
Trotz der Herausforderungen hat die Sanierung bereits wichtige Meilensteine erreicht. Die Lösung der Brücke aus ihren Widerlagern auf beiden Rheinseiten war ein entscheidender Durchbruch, und an anderen Stellen der Brücke läuft die Arbeit planmäßig weiter. Die Fahrbahnplatte im Bereich der Flut- und Strombrücke wurde bereits erneuert, und die 650 Meter langen Teilstücke wurden pünktlich an die KVB übergeben.
Die Mülheimer Brücke nach der Sanierung wird nicht nur sicherer und leistungsfähiger, sondern auch das historische Erbe dieses bedeutenden Bauwerks der Nachkriegszeit wird erhalten bleiben. Für die Kölner Bevölkerung bedeutet das weiterhin viel Geduld bis zur vollständigen Fertigstellung voraussichtlich Ende 2026.
Quellen
- KVB - Baustelle Mülheimer Brücke
- Cologne News Today - Mülheimer Bridge Renovation Timeline Update
- WDR - Sanierung der Mülheimer Brücke verzögert sich
- KSTA - Sanierer der Mülheimer Brücke lösen Problem
- Stadt Köln - Brückenamt
- Verliebt in Köln - Die 300-Millionen-Baustelle
- Rheinische Anzeigenblätter - Brückenbau dauert länger