Sanierung der Ahr-Thermen in Bad Neuenahr: Von der Flutkatastrophe zum Wiederaufbau am Originalstandort

Einleitung

Die Ahr-Thermen in Bad Neuenahr-Ahrweiler, ein bedeutendes touristisches Aushängeschild der Region, wurden bei der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 schwer beschädigt. Nach anfänglichen Überlegungen, die Therme an einem anderen Standort neu zu errichten oder mit dem benachbarten Freizeitbad TWIN zu kombinieren, hat der Stadtrat am 7. Dezember 2023 den Beschluss gefasst, die Anlagen am ursprünglichen Ort zu sanieren. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe des Wiederaufbaus, die geplanten Maßnahmen, die Finanzierung sowie die Bedeutung für die Region.

Geschichte und aktueller Zustand der Ahr-Thermen

Die Ahr-Thermen in Bad Neuenahr-Ahrweiler sind ein historisch gewachsener Badekomplex, der in den 1990er Jahren von der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr erbaut und später von der Stadt übernommen wurde. Seit 2014 gehören die Thermen offiziell der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, während die operative Betreuung durch die von der Stadt gegründete Tochtergesellschaft Walburgis-Thermen GmbH erfolgt.

Die Anlage, die als wichtiger Imageträger und touristischer Magnet der Kreisstadt gilt, umfasst sowohl Innen- als auch Außenbereiche, eine Saunalandschaft, eine Wellnessabteilung sowie gastronomische Einrichtungen. Vor der Flutkatastrophe waren die Ahr-Thermen nach rund acht Monaten coronabedingter Schließung wieder vollständig geöffnet und boten Besuchern ein "komplettes Wohlfühlerlebnis" mit Badbereich, Saunalandschaft, Wellnessabteilung und Restaurant.

Bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 wurden die Ahr-Therma so schwer beschädigt, dass laut Gutachter in verschiedenen Bereichen die Statik des Gebäudes beeinträchtigt wurde. Insbesondere der Technikbereich wurde laut damaligem Geschäftsführer Maternus Fiedler als Totalschaden eingestuft. Auch die freistehenden Gebäude mit ehemaliger Saunanutzung sind laut aktueller Bewertung als Totalschaden zu klassifizieren, während das markante Dach der Haupttherme zwar nicht einsturzgefährdet ist, aber Unterspülungen im Bereich der Sauna und Gastronomie die Tragfähigkeit des Gebäudes beeinträchtigen.

Schadensbewertung und Finanzierungsaspekte

Die Höhe der durch die Flut entstandenen Schäden wird in den Quellen unterschiedlich beziffert. Während eine Quelle von etwa 9,2 Millionen Euro an reinen Materialschäden spricht, geht eine andere von einer Schadenssumme von rund 21,3 Millionen Euro aus. Diese Diskrepanz könnte auf unterschiedliche Bewertungsmethoden oder unterschiedliche Schadensarten (reine Materialschäden vs. Gesamtschäden) zurückzuführen sein.

Für die Finanzierung des Wiederaufbaus wurde der Wiederaufbaufonds von Bund und Ländern in Anspruch genommen. Die Abwicklung erfolgt über den Unternehmensstrang der Verwaltungsvorschrift Wiederaufbau, die einen Fördersatz von grundsätzlich 80 Prozent vorsieht. Auf dieser Basis wurde ein Förderantrag bei der ISB (Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz) im April mit einem positiven Bescheid über 17,8 Millionen Euro bewilligt, was 80 Prozent der errechneten Summe entspricht.

Die Verwaltungsvorschrift sieht jedoch eine Härtefallregelung vor, "bei Unternehmen, bei denen einen Wegfall der Unternehmenstätigkeit droht, die Förderung auf 100 Prozent erhöht werden kann". Nach Vorgesprächen mit dem Wirtschaftsministerium geht die Verwaltung davon aus, dass für die Ahr-Thermen ein Härtefall gut begründet werden kann. Ein Förderbescheid über 17,8 Millionen Euro wurde bereits erlassen, der nicht an einen Dritten weitergegeben werden kann, sodass die Sanierungsarbeiten auf jeden Fall auf Rechnung der Stadt ausgeführt werden müssen.

Die ursprünglich erwogene Option eines Neubaus an anderer Stelle wurde verworfen, da aus dem Wiederaufbaufonds in diesem Fall nur der Zeitwert der alten Therme vor der Flut finanziert worden wäre. Ein Gutachten der Stadt zeigte auf, dass ein Neubau zwischen 30 und 40 Millionen Euro gekostet hätte, während eine Sanierung am alten Standort wirtschaftlicher ist, da die Reparaturkosten gefördert werden.

Planungs- und Entscheidungsprozess

Nach der Flutkatastrophe beschloss der Stadtrat zeitnah den Wiederaufbau sowohl der Ahr-Thermen als auch des Freizeitbades TWIN. Zunächst wurde eine Kombilösung angedacht, bei der die Therme und das Schwimmbad zusammen an einer anderen Stelle der Stadt errichtet werden sollten. Dieser Plan wurde jedoch aufgrund von Schwierigkeiten bei der Förderung verworfen.

Inzwischen hat sich die Situation geändert: Wie Bürgermeister Guido Orthen mitteilte, wäre bei einem Ersatzbau der Therme an anderer Stelle die Stadt aus dem Wiederaufbaufonds nur mit dem Zeitwert der alten Therme vor der Flut finanziert worden. Deshalb sprach sich die Verwaltung für einen Wiederaufbau am alten Standort aus.

Der Beschluss des Stadtrats vom 7. Dezember 2023, die flutgeschädigten Ahr-Thermen an Ort und Stelle zu sanieren, markierte einen Wendepunkt im Planungsprozess. Im nächsten Schritt wurde ein Sanierungs- sowie Zukunftskonzept für die Therme erarbeitet. Dabei fanden 2024 vier Workshops zur Ideenfindung zum Thema Konzeptfindung und Betreibermodell statt, an denen Vertreter von Verwaltung, Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft, Marketing-Gesellschaft, Ahr-Thermen und Architekturbüros teilnahmen.

Auf Basis dieser Workshops wurde ein Anforderungsprofil erarbeitet und eine Machbarkeitsstudie mit einer ersten Konzeptplanung erstellt. Ein Gutachten mit Wirtschaftlichkeitsprognose und Handlungsempfehlungen der Sportstättenbetriebs- und Planungsgesellschaft mbH & Co KG, Herne (Stand Dezember 2024), liegt vor.

Sanierungskonzept und Zukunftsvision

Die geplante Sanierung umfasst eine umfassende Überarbeitung des Hauptgebäudes und der Außenanlagen der Ahr-Thermen. Die Beauftragung der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft (AuEG) für diese Sanierungsmaßnahmen erfolgte am 8. Mai 2024.

Die Schätzkosten für das geplante Modell belaufen sich laut Angaben des Planers auf rund 36 Millionen Euro. Ein erheblicher Kostenanteil in Höhe von rund 15,6 Millionen Euro entsteht durch den Neubau eines zweigeschossigen Kopfgebäudes für Zugang, gastronomische Nutzung und Saunabereich.

In den Workshops wurden unterschiedliche Möglichkeiten für die zukünftige Ausgestaltung der Thermen erörtert, darunter: - Erweiterung des Wellness- und Saunabereiches - Einführung von Spezialangeboten wie einer Salzgrotte - Modernisierung der bestehenden Infrastruktur

Es zeigte sich jedoch, dass ein marktgängiges Modell ohne frühzeitige Beteiligung eines potenziellen Betreibers der Therme nicht erarbeitet werden kann. Angedacht ist daher, Planung, Bau und Betrieb an ein externes Unternehmen zu vergeben, das die Sanierungen durchführt und ergänzende Maßnahmen wie den Bau- und Betrieb eines Thermenhotels gesondert darstellt.

Die Walburgis-Thermen GmbH, die bisherige Betreiberin der Thermen, wird in diesem neuen Konzept wahrscheinlich eine modifizierte Rolle spielen oder durch den neuen externen Betreiber ersetzt werden.

Zeitplan und Bauablauf

Der Startschuss für die Sanierungsarbeiten soll voraussichtlich im Frühjahr 2025 fallen, wie Bürgermeister Guido Orthen in einer Einwohnerversammlung bekanntgab. Die Bauzeit wird sich nach Auskunft von Bürgermeister Orthen auf voraussichtlich etwa zwei Jahre belaufen.

Die ISB hat den Förderantrag für Reparatur und Schadenersatz in Höhe von 17.849.202 € brutto (80%) bereits im Januar 2025 eingereicht. Dies unterstreicht den fortgeschrittenen Stand der Planungsarbeiten und die Verbindlichkeit der Zeitplanung.

Während der Bauzeit werden die Ahr-Thermen weiterhin nicht in Betrieb sein. Die Stadt hat bereits darauf hingewiesen, dass sie die Bevölkerung und Interessierte über den Fortschritt der Sanierungsarbeiten informieren wird, sobald es Neuigkeiten gibt.

Für das benachbarte Freizeitbad TWIN ist ein anderer Zeitplan vorgesehen. Die Eröffnung des neuen TWIN ist für Sommer 2027 geplant, wie Birgit Stupp, Bewegungsmanagerin des Kreises Ahrweiler, mitteilte: "Dieser Termin sollte auch eingehalten werden, damit zum Beispiel endlich wieder ganzjährig Schwimmkurse angeboten werden können."

Bedeutung für die Region

Die Sanierung der Ahr-Thermen hat eine erhebliche Bedeutung für die Region Ahrtal und insbesondere für die Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Thermen gelten als einer der wichtigsten touristischen Magneten der Stadt und tragen wesentlich zum Image als Kurort bei.

Bürgermeister Guido Orthen hatte bereits vor der Flut das Ziel verfolgt, die Ahr-Thermen zu privatisieren. Auch nach der Katastrophe bleibt dieser Aspekt relevant, da die Planung, der Bau und der Betrieb nun an ein externes Unternehmen vergeben werden sollen, das ergänzende Maßnahmen wie den Bau- und Betrieb eines Thermenhotels gesondert darstellt.

Die Sanierung der Ahr-Thermen ist Teil des umfassenden Wiederaufbaus im Ahrtal nach der Flutkatastrophe. Orthen erwartet, dass das Ahrtal noch einige Jahre "die größte Baustelle Deutschlands" bleiben wird. Auch die Kreisstadt werde 2024 an vielen Stellen "wie eine große Baustelle aussehen".

Die Wiedereröffnung der Ahr-Thermen wird nicht nur touristische Impulse für die Region setzen, sondern auch Arbeitsplätze schaffen und die lokale Wirtschaft stärken. Die Stadt beabsichtigt, die Therme nach der Sanierung wieder "zu einem der attraktivsten Besuchermagneten im Ahrtal" zu machen.

Fazit

Die Sanierung der Ahr-Thermen in Bad Neuenahr-Ahrweiler stellt ein wichtiges Projekt im Rahmen des Wiederaufbaus nach der Flutkatastrophe 2021 dar. Nach anfänglichen Überlegungen für einen Neubau an anderer Stelle oder eine Kombilösung mit dem TWIN wurde entschieden, die Therme am ursprünglichen Standort zu sanieren. Diese Entscheidung basiert vor allem auf wirtschaftlichen Überlegungen, da nur so die vollen Fördermittel aus dem Wiederaufbaufonds in Anspruch genommen werden können.

Mit einem geplanten Baubeginn im Frühjahr 2025 und einer geschätzten Bauzeit von zwei Jahren könnte die Therme voraussichtlich 2027 wiedereröffnet werden. Die Kosten von rund 36 Millionen Euro werden zu 80% durch Fördermittel des Landes Rheinland-Pfalz abgedeckt, wobei eine Erhöhung der Förderung auf 100% im Rahmen einer Härtefallregelung angestrebt wird.

Das zukünftige Konzept sieht neben der Sanierung der bestehenden Anlagen auch den Neubau eines zweigeschossigen Kopfgebäudes für Zugang, Gastronomie und Saunabereich vor. Die Planung, der Bau und der Betrieb werden voraussichtlich an ein externes Unternehmen vergeben, das auch den Bau und Betrieb eines möglichen Thermenhotels übernehmen könnte.

Die Sanierung der Ahr-Thermen ist nicht nur eine Reaktion auf die Katastrophe, sondern auch eine Chance für die Modernisierung und Weiterentwicklung eines der wichtigsten touristischen Akteure der Region. Nach der Fertigstellung soll die Therme wieder "zu einem der attraktivsten Besuchermagneten im Ahrtal" werden und einen wesentlichen Beitrag zum Wiederaufbau und zur Stärkung der Wirtschaft in der Region leisten.

Quellen

  1. Blick Aktuell
  2. Ahrthal.com
  3. Wandern und Mehr
  4. Blick Aktuell
  5. General-Anzeiger
  6. Rhein-Zeitung
  7. SWR
  8. Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler
  9. Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft

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