Einleitung
Die Schwimmhalle Schilksee in der Landeshauptstadt Kiel stellt seit ihrer Erbauung im Jahr 1972 einen bedeutenden Teil der sportlichen Infrastruktur im Norden der Stadt dar. Nach fünf Jahrzehnten intensiver Nutzung ist die Sanierung dieses denkmalgeschützten Baus dringend erforderlich. Dieser Artikel beleuchtet die komplizierte Sanierungsgeschichte der Schwimmhalle, die anhaltenden Verzögerungen und den aktuellen Zeitplan für die Fertigstellung. Die Entwicklung vom ursprünglich geplanten Abschluss Ende 2024 bis zur nunmehrigen Prognose für das zweite Quartal 2026 zeigt, wie komplex solche Bauprojekte sein können, insbesondere wenn historische Bauten und unvorhergesehene Schäden eine Rolle spielen.
Geschichte und Bedeutung der Schwimmhalle
Die Schwimmhalle Schilksee ist untrennbar mit der Geschichte Olympischer Spiele in Deutschland verbunden. Nachdem Kiel den Zuschlag für die Austragung der Segelwettkämpfe der Olympischen Spiele 1972 erhalten hatte, entstand am Standort Kiel-Schilksee das Olympiazentrum. In diesen Komplex wurde auch die Schwimmhalle integriert, die im selben Jahr eröffnet wurde. Das Gebäudeensemble wurde von den Architekten Hinrich Storch und Walter Ehlers gestaltet und wird seitdem als anerkanntes Werk der Baukultur der 1970er Jahre geschätzt.
Die Halle besteht aus zwei Gebäudeteilen, die über eine Brücke miteinander verbunden sind. Sie diente über Jahrzehnte als Trainings- und Wettkampfstätte für Schwimmer und war gleichzeitig ein wichtiger Treffpunkt für die lokale Bevölkerung. Besonders im Stadtteil Schilksee, in dem viele ältere Menschen leben und zunehmend junge Familien hinzuziehen, hat die Schwimmhalle eine soziale Funktion als generationsübergreifender Treffpunkt.
Sanierungsbedarf und Ursachen
Die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung ergab sich aus mehreren Faktoren. Ein wesentlicher Problemfaktor war die lange Zeit mit Meerwasser betriebene Schwimmbadtechnik, die zu einem hohen Chloridgehalt im Wasser führte. Dieser hohe Chloridgehalt hat die Bewehrung der Stahlbetonkonstruktion der Schwimmbecken sowie der Technikräume korrosionsgefährdet und in vielen Bereichen bereits geschädigt.
Langjährig erfolgte ein Monitoring des Konstruktionszustands von Lehr- und Sportbecken mit den darunter liegenden Technikräumen. Dabei zeigte sich, dass sich der Zustand vieler Bauteile über die Jahre zunehmend verschlechtert hatte. Im Jahr 2018 wurde daraufhin ein erstes Instandsetzungskonzept aufgestellt. Im Zuge der Instandsetzungsplanung wurden weitere Untersuchungen durchgeführt, um den Ist-Zustand der betreffenden Bauteile vertieft zu ermitteln.
Die Landeshauptstadt Kiel beabsichtigte, das Olympiazentrum Kiel-Schilksee mit zugehöriger Schwimmhalle im Rahmen eines Energetischen Quartiers nach KfW 432 nachhaltig zu sanieren. Dieses Vorhaben sollte nicht nur die baulichen Mängel beheben, sondern auch den Energiebedarf durch den Einsatz nachhaltiger und umweltschonender Technik um ein Drittel senken.
Ursprüngliche Planungen und Zeitrahmen
Die ursprünglichen Planungen für die Sanierung der Schwimmhalle Schilksee sahen einen zügigen Ablauf vor. Laut einer Ausschreibung von 2020 sollten die Planungsleistungen im Zeitraum November 2020 bis März 2021 erbracht werden. Die eigentliche Baumaßnahme sollte dann Anfang 2023 beginnen und ebenfalls im Jahr 2023 abgeschlossen werden. Die Abrechnung war für Mitte 2023 vorgesehen.
In einer Pressemeldung aus dem Jahr 2021 hieß es, dass mit einem Förderbescheid des Bundes in Höhe von drei Millionen Euro die Sanierung im Frühjahr 2022 beginnen könnte. Der Bund sollte damit rund 40 Prozent der Sanierungskosten übernehmen, die sich zu diesem Zeitpunkt auf insgesamt 7,4 Millionen Euro beliefen.
Bei einer Presseführung im März 2023 konnte man sich davon überzeugen, dass die Abrissarbeiten im Foyer, im Umkleidebereich, im Schwimmbecken selbst und in der Technikebene weitgehend abgeschlossen waren. Damals hieß es noch, dass der Zeitplan eingehalten werde und die Schwimmfreunde und Schulklassen Ende 2024 ein runderneuertes Bad zurückbekommen sollten.
Herausforderungen und Verzögerungen
Trotz der optimistischen Anfangsprognosen kam es zu erheblichen Verzögerungen, die mehrere Ursachen hatten. Bürger beklagten bereits 2023 die "quälenden Zeiten des Baustillstands" und forderten mehr Tempo. Insbesondere das Schulschwimmen sowie der Senioren- und Vereinsschwimmsport wurden ohne die Schwimmhalle massiv behindert.
Sportdezernent Gerwin Stöcken musste im März 2024 im Ortsbeirat erklären, dass "die Schwere der Schäden und Denkmalschutzfragen zu Verzögerungen geführt" hätten. Die Kombination aus technischen Herausforderungen und den Anforderungen des Denkmalschusses erwies sich als komplexer als ursprünglich angenommen.
Eine Hiobsbotschaft war die Feststellung, dass das Lehrschwimmbecken wegen gravierender Schäden komplett abgerissen werden müsse. Dieser zusätzliche Eingriff führte zu einer weiteren Verzögerung im Zeitplan und zu zusätzlichen Kosten.
Aktueller Zeitplan und Fertigstellungsdatum
Nach mehreren Anpassungen des Zeitplans ist die aktuelle Prognose für die Fertigstellung der Schwimmhalle Schilksee das zweite Quartal 2026. Allerdings wird die Halle zunächst ohne Lehrbecken fertiggestellt. Ein verbindlicher Termin für die Fertigstellung des neuen Lehrbeckens steht noch nicht fest.
Bei einer öffentlichen Begehung im November 2024 befand sich die Halle noch überwiegend im Rohbauzustand, nur erste Arbeiten für den Einbau des neuen Edelstahlbeckens waren angelaufen. Der Zeitplan für die Fertigstellung, der vor einem Jahr noch Ende 2026 oder Anfang 2027 vorsah, wurde erneut angepasst.
Kostenentwicklung und Finanzierung
Die Kosten für die Sanierung der Schwimmhalle Schilksee haben sich im Laufe des Projekts erheblich entwickelt und erhöht:
- Sommer 2021: 8,4 Millionen Euro
- Später: 10,24 Millionen Euro
- Aktuelle Prognose: Rund 13,4 Millionen Euro
Zusätzlich kommen für das kleinere Lehrbecken geschätzte sechs Millionen Euro hinzu. Die ursprüngliche Kostenschätzung hat sich damit mehr als verdoppelt.
Die Finanzierung des Projekts erfolgt durch mehrere Quellen. Der Bund hat im Jahr 2021 eine Förderung in Höhe von drei Millionen Euro bewilligt, was rund 40 Prozent der ursprünglichen Sanierungskosten entspricht. Die Stadt Kiel hat den Großteil der Kosten übernommen, wobei die Haushaltslage durch die Einnahmeausfälle durch die Corona-Pandemie erschwert wurde.
Oberbürgermeister Ulf Kämpfer betonte die Bedeutung der Bundesförderung: "Gerade in Zeiten, in denen Kommunen mit Einnahmeausfällen durch die Corona-Pandemie zu kämpfen haben, werden solche Förderungen vom Bund dringend benötigt."
Technische Aspekte der Sanierung
Die Sanierung der Schwimmhalle Schilksee umfasst mehrere technische Bereiche:
Beton- und Schadstoffsanierung: Aufgrund der Korrosionsschäden an der Bewehrung der Stahlbetonkonstruktion ist eine umfassende Sanierung der Tragwerke erforderlich.
Edelstahlbeckeneinbau: Die Schwimmbecke werden durch Edelstahlbecken ersetzt, die eine längere Lebensdauer und geringere Wartungskosten versprechen.
Technische Gebäudeausrüstung (TGA): Die Haustechnik, einschließlich Schwimmbadtechnik, wird vollständig erneuert, um den Energiebedarf zu senken und die Betriebssicherheit zu erhöhen.
Architektonischer Wiederaufbau: Gestalt und Anmutung des anerkannten Werks der Baukunst sollen erhalten bleiben, während die Halle an moderne Anforderungen angepasst wird.
Ein wichtiges Ziel der Sanierung ist die Erreichung eines Effizienzhausniveaus, um erhebliche Endenergie- und CO2-Einsparungen zu erreichen. Diese Einsparungen wurden im Rahmen des energetischen Quartiers nach KfW 432 "Olympiazentrum Energiequartier" bereits prognostiziert.
Bedeutung für die lokale Gemeinschaft
Die Schwimmhalle Schilksee ist ein wichtiger Bestandteil der sportlichen und sozialen Infrastruktur im Kieler Norden. Sie bietet vielen Menschen ein niedrigschwelliges Freizeitangebot – ob Vereinssportler aller Alters- und Leistungsklassen, Schwimmbegeisterte aus dem Kieler Umland oder Freizeitsportler.
Besonders wichtig ist die Halle für das Schulschwimmen im Norden Kiels. Solange das marode Bad nicht fertig saniert ist, müssen Kinder lange Wege zum Schwimmunterricht auf sich nehmen. Die fehlende Lehrschwimmhalle stellt dabei ein besonderes Problem dar.
Die Sanierung bietet die Chance, die Halle an die veränderten Bedarfe der Bevölkerung anzupassen und einen generationsübergreifenden Treffpunkt im Stadtteil zu schaffen. Die Barrierefreiheit wird durch die notwendigen Sanierungsmaßnahmen hergestellt, was die Teilhabe von Menschen mit Behinderung erleichtert.
Politische Bewertung und Zukunftsaussichten
Trotz der bekannten Kostensteigerungen bekennen sich die schulpolitische Sprecherin und Schilkseer Ratsfrau Antje Möller-Neustock (SPD) sowie die sportpolitische Sprecherin Daniela Sonders (Bündnis 90/Die Grünen) zur Bedeutung der Schwimmhalle: "Die Schwimmhalle Schilksee gehört zur Schwimmlandschaft der Landeshauptstadt Kiel. Wie beim neuen Hörnbad, dem sanierten Freibad Katzheide, dem Eiderbad Hammer und der wachsenden Zahlen öffentlich zugänglicher Badestellen muss auch hier die Daseinsvorsorge für die Kielerinnen oberste Priorität haben."
Die Sprecherinnen der Rathaus-Kooperation begrüßen, dass es mit der Sanierung erkennbar vorangeht: "Toll, dass die Sanierungsperspektive für die Schwimmhalle Schilksee nun sehr konkret wird! Dafür haben wir lange gekämpft und vor drei Jahren rechtzeitig Geld in den Haushalt eingestellt. Dass die Untersuchungen nun doch weitere Schäden offenbart haben und damit auch die Kosten deutlich steigen, ist allerdings keine gute Nachricht. Die Schwimmhalle Schilksee ist jedoch nicht wegzudenken. Deswegen werden wir die Kostensteigerungen mittragen."
Aus Sicht der sportpolitischen Sprecherinnen Benjamin Walczak (SPD) und Daniela Sonders (Bündnis 90/Die Grünen) ist es wichtig, dass durch die neuen Planungen die vom Bund zugesagten Fördermittel nicht in Gefahr geraten und es zügig vorangehen kann.
Fazit
Die Sanierung der Schwimmhalle Schilksee zeigt exemplarisch, wie komplex die Renovierung von historischen Sportbauten sein kann. Was zunächst als überschaubares Projekt mit geplanter Fertigstellung Ende 2024 begann, entwickelte sich aufgrund unvorhergesehener Schäden und Denkmalschutzanforderungen zu einem langwierigeren Unterfangen. Die Verzögerungen von ursprünglich Ende 2024 auf nun voraussichtlich das zweite Quartal 2026 und die Kostensteigerungen von zunächst 7,4 Millionen Euro auf aktuell rund 13,4 Millionen Euro plus sechs Millionen Euro für das Lehrbecken sind erheblich.
Dennoch bleibt die Sanierung notwendig und sinnvoll. Die Schwimmhalle Schilksee ist ein unverzichtbarer Teil der sportlichen Infrastruktur Kiels, insbesondere für das Schulschwimmen im Norden der Stadt. Die nachhaltige Sanierung wird nicht nur die baulichen Mängel beheben, sondern auch den Energiebedarf deutlich senken und die Halle für zukünftige Generationen nutzbar machen.
Die Erfahrung zeigt, dass bei der Sanierung historischer Bauten ausreichend Zeit- und Finanzierungsreserven eingeplant werden sollten, um unvorhergesehene Herausforderungen bewältigen zu können. Die positive Haltung der Politik und die Wertschätzung der Schwimmhalle durch die Bevölkerung geben Anlass zu der Hoffnung, dass die lange Sanierungsgeschichte der Schwimmhalle Schilksee bald ein glückliches Ende finden wird.
Quellen
- Mathias Stein: Drei Millionen Euro vom Bund für die Sanierung der Schwimmhalle Schilksee
- WTM Engineers: Projekt Schwimmhalle Schilksee
- Konsalt: Drei VgV-Verfahren zur Sanierung der Olympiaschwimmhalle Kiel-Schilksee
- Kieler Nachrichten: Sanierung der Schilkseer Schwimmhalle dauert noch gut zwei Jahre
- Sport-Jugend-Kultur: Steckbrief Schwimmbad Schilksee
- Bündnis 90/Die Grünen Kiel: Schwimmhalle Schilksee
- Mercell: Sanierung Schwimmhalle Schilksee, Architektenleistungen Wiederaufbau
- Kieler Nachrichten: Schwimmhalle Schilksee in Kiel: So ist der Stand der Sanierung