Einleitung
Das ehemalige Sporthotel "Aktivist" in Oberwiesenthal am Fuße des Fichtelbergs steht seit über 20 Jahren leer und wurde zu einem der bekanntesten "Lost Places" im Erzgebirge. Doch nun wird das traditionsreiche Gebäudeensemble nach jahrzehntelangem Verfall umfassend saniert und in ein modernes Luxus-Resort verwandelt. Das ehrgeizige Projekt des Chemnitzer Unternehmens Fasa AG, das rund 25 Millionen Euro investiert, verwandelt nicht nur den verlassenen Schandfleck in ein attraktives Reiseziel, sondern setzt auch neue Maßstäbe im Bereich nachhaltiger Bauweise durch innovative Solartechnologie. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Gebäudes, die Herausforderungen der Sanierung und die Vision für die Zukunft des Tourismus in Oberwiesenthal.
Historie des Sporthotels Oberwiesenthal
Das Sporthotel Oberwiesenthal hat eine bewegte Geschichte, die bis in die frühen 1900er Jahre zurückreicht. Ursprünglich wurde das repräsentative Gebäude im Jahr 1911 im Reformstil der damaligen Zeit von einem Rechtsanwalt in Auftrag gegeben. Der dreigeschossige Bau mit kräftigen Seitenrisaliten, Sockel und Eingangsvorbauten aus Naturstein, massivem Erdgeschoss, zwei Obergeschossen und ausgebautem Walmdach mit Dachhechten, Schieferdeckung und zentralem Dachreiter ist sowohl bau- als auch ortsgeschichtlich von großer Bedeutung.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Hotel in ein Lazarett umfunktioniert, um nach Kriegsende ab 1955 wieder als Erholungs- und Ferienhotel zu dienen. In dieser Zeit zählte es zu den bedeutendsten Wintersportzentren der Region und beherbergte sogar internationale Sporzensportler. In der DDR-Zeit entwickelte sich das Anlage zu einem der führenden Reiseziele für Wintersporttouristen in der Region.
Der Niedergang begann nach der Wende. Im Jahr 1994/1995 wurde das Hotel schließlich komplett verlassen und begann, Jahr für Jahr weiter zu verfallen. Aus einem einstigen Prachtbau wurde einer der bekanntesten "Lost Places" im Erzgebirge, der den sonst idyllischen Wintersportkurort Oberwiesenthal entstellte. Die Bausubstanz verschlechterte sich zusehends, und das Gebäude wurde zum Schandfleck, der dringend einer Lösung bedurfte.
Das Sanierungsprojekt: Vom Verfall zur Wiederbelebung
Die Rettung des denkmalgeschützten Sporthotels ist ein ehrgeiziges Projekt, das von der Chemnitzer Fasa AG unter der Leitung von Ullrich Hintzen vorangetrieben wird. Das Unternehmen, das bereits mit seinen Mehrfamilienhaus-Projekten hohen solaren Deckungsgraden für Schlagzeilen sorgte, hat sich der Aufgabe gestellt, das historische Ensemble zu erhalten und ihm neues Leben einzuhauchen.
Erste Sicherungsmaßnahmen
Bevor mit der eigentlichen Sanierung begonnen werden konnte, mussten dringend erste Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden. Das Wichtigste war zunächst, das alte Sporthotel vor dem endgültigen Verfall zu bewahren. Ein Jahr vor Beginn der Hauptarbeiten wurde mit den Sicherungsarbeiten begonnen, da sich der Zustand des Gebäudes extrem verschlechtert hatte. Die Wände waren vergammelt, und in einigen Räumen war bereits die Decke eingestürzt. "Hätten wir mit der Dach-Sanierung des Hotels noch länger gewartet, wäre uns das Dach diesen Winter eingestürzt", so Ullrich Hintzen.
Die erste entscheidende Maßnahme war die Abdichtung des Daches des markanten Altbaus, um den weiteren Verfall aufzuhalten. Gleichzeitig wurde mit dem Entkerning des denkmalgeschützten Gebäudes begonnen. Für diese Sicherungsmaßnahmen sowie für die Verwendung von Originalmaterial stellte der Freistaat Sachsen Denkmalschutzfördermittel in Höhe von 250.000 Euro bereit. Insgesamt wurden seit 2021 bereits rund eine Million Euro in die Sicherung des historischen Sporthotels investiert.
Das Bettenhaus: Erster Sanierungsschritt
Parallel zur Sicherung des Hauptgebäudes wird das in den 1970er Jahren an das Sporthotel angebaute Bettenhaus grundlegend saniert. Hier entsteht das erste nutzbare Teil des neuen Resort-Komplexes. Die Bauarbeiten am Bettenhaus begannen im März 2023, und am 3. November 2023 konnte bereits Richtfest gefeiert werden.
Das Bettenhaus wird nach der Sanierung etwa 70 luxuriöse Ferienapartments im Vier-Sterne-Bereich beherbergen. Nach aktuellen Planungen sollen diese ab dem 19. Dezember 2024 für Gäste verfügbar sein. Die Apartments werden vielfältige Grundrisse aufweisen, vom klassischen 1-Raum-Apartment bis hin zu 90 m² großen Rooftop Penthouses mit begehbarer Terrasse. Alle Wohneinheiten verfügen über Balkone oder Terrassen mit Blick auf die Skihänge des Fichtelbergs.
Für die Sanierung des Bettenhauses hat die Fasa AG bisher etwa zwölf Millionen Euro investiert. Das Gebäude erhält nicht nur eine grundlegende Modernisierung, sondern auch eine zusätzliche Penthaus-Etage, die die Nutzfläche erheblich erweitert.
Nachhaltige Energienutzung: Das Aktivsonnenhaus
Ein besonderes Merkmal des Sanierungsprojekts ist der konsequente Einsatz nachhaltiger Energietechnologie. Das Oberwiesenthaler Sporthotel wird zum "Aktivsonnenhaus" – ein Leuchtturmprojekt im Bereich Solarthermie. Die Fasa AG verwandelt das Bettenhaus in ein weitgehend solar beheiztes Apartment-Haus und setzt damit Maßstäbe für nachhaltiges Bauen in Tourismusregionen.
Solarthermie-Anlage
Die nachhaltige Energieversorgung des Resort-Komplexes umfasst eine umfassende Solarthermie-Anlage mit einer Kollektorfläche von rund 800 Quadratmetern. Diese verteilt sich auf die Fassade des Bettenhauses sowie die neu entstehende Penthaus-Etage. Für dieses Großprojekt hat die Fasa AG 2018 das Know-how und die Rechte eines regionalen Unternehmens erworben und damit die Retec Solar GmbH gegründet. Diese Tochterfirma fertigt Solarkollektoren in kostengünstigen Standardformaten sowie in individuellen Sonderformaten, um Dächer und Fassaden vollflächig zu belegen. Neben Rechtecken sind auch Dreiecke, Trapeze und Parallelogramme möglich.
Wärmespeicher-System
Ein zentraler Bestandteil der solarthermischen Anlage ist ein Langzeitwärmespeicher mit 60.000 Liter Fassungsvermögen. Mitte November 2022 wurde dieser Speicher von Jenni Energietechnik aufgestellt und ermöglicht eine effiziente Nutzung der solar erzeugten Wärme auch während der kalten Wintermonate. Das System soll einen Großteil des Wärmebedarfs des Apartmenthauses decken und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern minimieren.
Tochterunternehmen als Kompetenzzentren
Die Fasa AG hat für das Projekt mehrere Tochterunternehmen gegründet, die spezifische Kompetenzen bündeln. Neben Retec Solar, das die Solarkollektoren fertigt, existiert die Werkform GmbH, die Spielgeräte aus Holz für den Außenbereich herstellt. 2020 wurde die Summit of Saxony Immobilien GmbH gegründet, die eigens für das Revitalisierungsprojekt des Sporthotels ins Leben gerufen wurde. Diese Struktur ermöglicht es der Fasa AG, alle Gewerke aus einer Hand zu koordinieren und die Qualitätsstandards konsequent umzusetzen.
Der Hauptbau: Sanierung des denkmalgeschützten Sporthotels
Während das Bettenhaus bereits konkrete Fortschritte zeigt, ist die Sanierung des historischen Hauptgebäudes eine deutlich komplexere Aufgabe. Der dreigeschossige Bau steht unter Denkmalschutz und erfordert eine besonders behutsame Vorgehensweise.
Herausforderungen der Denkmalsanierung
Die Sanierung des denkmalgeschützten Sporthotels ist keine einfache Aufgabe für Ullrich Hintzen und sein Team. Das Gebäude befand sich in einem extrem schlechten Zustand, nachdem es über 27 Jahre lang leerstand und verfiel. Die Wände waren vergammelt, in einigen Räumen war bereits die Decke eingestürzt, und die gesamte Bausubstanz litt unter der Vernachlässigung.
Besonders herausfordernd ist die Kombination aus Denkmalschutzanforderungen und modernen energetischen Standards. Das historische Gebäude muss in seiner charakteristischen Gestalt erhalten bleiben, gleichzeitig soll es jedoch zeitgemäße Komfort- und Energieeffizienzstandards erfüllen. Diese Balance zu finden, erfordert hohe Fachkompetenz und sorgfältige Planung.
Zeitplan und Investitionen
Die vollständige Sanierung des Hauptgebäudes wird länger dauern als die des Bettenhauses. Während die ersten Gäste bereits 2024 in den neuen Apartments übernachten können, wird es noch etwas dauern, bis auch das historische Sporthotel wieder Gäste beherbergen wird. Insgesamt plant die Fasa AG, rund 25 Millionen Euro in das gesamte Bauvorhaben zu investieren.
Die Sanierung des Bettenhauses soll voraussichtlich 2025 abgeschlossen sein. Parallel dazu wird die Sanierung des denkmalgeschützten Hauptgebäudes vorangetrieben, wobei hier besonders viel Zeit in die detailgetreue Restaurierung historischer Bauelemente und die Integration moderner Technik fließen muss.
Zukunftsvision: Summit of Saxony Resort
Die Vision hinter dem Projekt ist die Schaffung eines modernen Luxus-Resorts, das die Tradition des Wintersporttourismus in Oberwiesenthal aufgreift und gleichzeitig neue Maßstäbe setzt. Das "Summit of Saxony Resort" soll eine herausragende Destination für Feriengäste im Erzgebirge werden.
Verbindung der Gebäudekomplexe
Nach Fertigstellung beider Gebäudekomplexe sollen diese durch Durchgänge miteinander verbunden werden. So entsteht ein einheitliches Resort, das sowohl die historische Pracht des Sporthotels als auch die moderne Ausstattung des Bettenhauses vereint. Die Gäste werden in der Lage sein, zwischen den verschiedenen Bereichen des Resorts flexibel zu wechseln und die jeweiligen Vorzüge zu nutzen.
Integration in das Ortsbild
Ein besonderes Augenmerk wird auf die Integration des sanierten Ensembles in das Ortsbild von Oberwiesenthal gelegt. Das historische Sporthotel ist ein prägender Bau für den Kurort und soll seine architektonische Bedeutung zurückgewinnen. Durch die behutsame Sanierung unter Bewahrung der charakteristischen Merkmale wird das Gebäude wieder zu einem Wahrzeichen von Oberwiesenthal und leistet einen Beitrag zur Aufwertung des gesamten Ortsbildes.
Infrastruktur und Service
Neben den Wohn- und Aufenthaltsräumen plant das Projektteam auch die Integration weiterer Serviceangebote. So ist die Schaffung einer integrierten Einkaufsmall mit kleinteiligen Gewerbeeinheiten vorgesehen, die Gäste mit allem Notwendigen versorgen soll. Diese Infrastruktur wird nicht nur den Hotelgästen, sondern auch den Einwohnern von Oberwiesenthal zugutekommen.
Ungelöste Fragen: Die ehemalige Schwimmhalle
Eine noch ungelöste Frage betrifft die ehemalige Schwimmhalle im Erdgeschoss des Sporthotels. In der unteren Etage des Hotels befand sich früher ein Friseur, kleine Läden, Lagerräume für Skier, eine Sauna und eine große Schwimmhalle, in der während der DDR-Zeiten internationale Wettkämpfe stattfanden. Heute ist das Becken verfallen und ungenutzt.
Was aus der Schwimmhalle werden soll, steht noch nicht fest. Es gibt grundsätzlich zwei Optionen: Entweder wird an dieser Stelle ein Parkhaus errichtet, um die Parkplatzsituation in Oberwiesenthal zu verbessern, oder die Schwimmhalle wird saniert und als solche weitergenutzt. Letzteres würde die sportliche Tradition des Hotels aufgreifen und eine attraktive Ergänzung des Resort-Angebotes darstellen. Die endgültige Entscheidung darüber steht noch aus und wird von verschiedenen Faktoren abhängig gemacht, darunter die Wirtschaftlichkeit, denkmalschutzrechtliche Aspekte und die Nachfrage seitens der zukünftigen Gäste.
Bedeutung für den Tourismus in Oberwiesenthal
Die Revitalisierung des Sporthotels hat eine übergeordnete Bedeutung für die Tourismusentwicklung in Oberwiesenthal und dem gesamten Erzgebirge. Nach 27 Jahren Leerstand wird das alte Hotel endlich wieder gerettet, was für den Kurort eine erhebliche Bereicherung darstellt.
Aufwertung des Wintersportortes
Oberwiesenthal, als höchstgelegene Stadt Deutschlands und wichtiger Wintersportort, hat durch das verfallene Sporthotel lange Zeit einen Makel gehabt. Die Umwandlung in ein modernes Luxus-Resort wird die Attraktivität des Ortes erheblich steigern und ihn für neue Gästegruppen interessant machen. Besonders in den Wintermonaten, wenn die Skihänge des Fichtelbergs in voller Pracht erstrahlen, wird das neue Angebot eine wertvolle Ergänzung zum bestehenden Tourismusangebot darstellen.
Wirtschaftliche Impulse
Das Projekt wird nicht nur architektonische und touristische Impulse setzen, sondern auch wirtschaftliche Vorteile für die Region bringen. Während der Bauphase werden zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen, und nach Fertigstellung werden im Resort dauerhaft Mitarbeiter beschäftigt sein. Zudem werden die neuen Gäste zusätzliche Umsätze in den örtlichen Geschäften, Restaurants und Dienstleistungsbetrieben generieren.
Vorbildfunktion für nachhaltiges Bauen
Das Projekt setzt auch ein Zeichen im Bereich nachhaltigen Bauens und sanieren im Tourismussektor. Durch den konsequenten Einsatz von Solartechnologie und die Verwendung modernster Energiestandards wird das Resort zu einem Vorzeigeprojekt, das zeigt, wie historische Bauten zeitgemäß und umweltfreundlich genutzt werden können. Diese Vorbildfunktion kann andere Projekte inspirieren und zu einer nachhaltigeren Entwicklung des Tourismus in alpenähnlichen Regionen beitragen.
Fazit
Die Sanierung des Sporthotels Oberwiesenthal ist ein eindrucksvolles Beispiel für die gelungene Revitalisierung eines historischen Bauensembles. Aus einem seit über 20 Jahren verlassenen "Lost Place" entsteht nach und nach ein modernes Luxus-Resort, das die Tradition des Wintersporttourismus aufgreift und gleichzeitig neue Maßstäbe setzt. Das Projekt der Fasa AG vereint Denkmalschutz, moderne Architektur und nachhaltige Energietechnologie auf beeindruckende Weise.
Die Herausforderungen der Sanierung sind erheblich, insbesondere bei der denkmalgerechten Wiederherstellung des Hauptgebäudes. Doch die bereits sichtbaren Fortschritte beim Bettenhaus und die klare Vision für die Zukunft lassen hoffen, dass das Projekt erfolgreich umgesetzt wird. Für Oberwiesenthal und das Erzgebirge bedeutet die Wiederbelebung des Sporthotels eine erhebliche Aufwertung als Tourismusdestination und einen wichtigen Schritt in die Zukunft.
Wenn das Projekt wie geplant abgeschlossen wird, wird das "Summit of Saxony Resort" nicht nur ein Ort zum Übernachten, sondern ein Erlebnisort, der die Schönheit des Erzgebirges mit modernem Komfort und nachhaltigem Wirtschaften verbindet. Die Transformation vom verfallenden Schandfleck zum Juwel des Tourismus zeigt, was visionäres Engagement und behutsame Sanierung bewirken können.
Quellen
- Antenne Sachsen: Sporthotel Oberwiesenthal soll wieder Urlauber beherbergen
- Hotelvor9: Sporthotel in Oberwiesenthal startet mit Apartments
- Finanznachrichten: Fasa saniert Oberwiesenthaler Sporthotel zum Aktivsonnenhaus
- Tag24: Vom Lost Place zum Luxus-Quartier: Sporthotel im Erzgebirge wird saniert
- Erzgebirge gedacht gemacht: Richtfest im Summit of Saxony Resort Oberwiesenthal
- Solarserver: Fasa saniert Oberwiesenthaler Sporthotel zum Aktivsonnenhaus
- Summit of Saxony: Zukunft