Die Archäologische Staatssammlung München (ASM) erstrahlt nach achtjähriger Sanierung in neuem Glanz. Das zentrale Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Bayern wurde umfassend modernisiert und erweitert, um den Anforderungen an Nachhaltigkeit, Digitalität und Barrierefreiheit gerecht zu werden. Mit einem Investitionsvolumen von 66 Millionen Euro entstand eines der bedeutendsten Museen für Archäologie in Europa. Der Artikel beleuchtet die umfangreichen Bau- und Renovierungsarbeiten, die architektonischen Innovationen und die neuen Möglichkeiten für Besucher.
Historischer Hintergrund
Die Archäologische Staatssammlung in München wurde 1885 gegründet und zunächst unter dem Namen "Prähistorische Sammlung" geführt. Sie ist das zentrale Landesmuseum für die öffentliche Darstellung der Archäologie in Bayern. Die Sammlung verfügt über fünf Abteilungen: Vorgeschichte, Römerzeit, Mittelalter und Neuzeit, die Mittelmeersammlung und Numismatik. An die Hauptinstitution sind acht Zweigmuseen über ganz Bayern verteilt, wodurch Archäologie in alle Ecken des Freistaats gebracht wird.
Mit jährlich 200.000 bis 300.000 Besuchern und einer Sammlung, die 15.000 Objekte in der Dauerausstellung, über 20 Millionen Objekte im Depot sowie weitere rund 6.000 Exponate in den Zweigmuseen umfasst, gehört die ASM zu den großen und zentralen europäischen Sammlungen. Das Museum an der Lerchenfeldstraße, das seit 1974 besteht, wurde im Jahr 2009 für eine Sanierung in Aussicht genommen, bevor es 2016 für die umfangreichen Bauarbeiten geschlossen wurde.
Das Renovierungsprojekt
Die Sanierung der Archäologischen Staatssammlung dauerte insgesamt acht Jahre und umfasste sowohl die generalsanierten Bestandsgebäude als auch eine Erweiterung um etwa 1.200 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Das Projekt wurde vom Staatlichen Bauamt München 1 geleitet, das die Verantwortung als Auftraggeber und damit die Gesamtkoordination von etwa hundert projektbeteiligten Planungsbüros und Baufirmen übernahm.
Die Kosten für die Generalsanierung und Wiederherstellung des Museums beliefen sich auf rund 66 Millionen Euro, die vom Freistaat Bayern investiert wurden. Ministerpräsident Dr. Markus Söder betonte die Bedeutung dieser Investition: "Archäologen sind nicht wie bei Indiana Jones, sondern moderne Detektive der Geschichte. Man muss die Vergangenheit verstehen, um Gegenwart und Zukunft begreifen und gestalten zu können. Die Staatssammlung ist das historische Gewissen Bayerns."
Im Zuge der Sanierung wurde nicht nur das Bestandsgebäude umgebaut, sondern auch eine 600 Quadratmeter große, stützenfreie unterirdische Sonderausstellungsfläche geschaffen, die für München einmalig ist. Die Planungen für diese Erweiterung stammten vom international bekannten spanischen Architekturbüro Nieto Sobejano Arquitectos, das auch für den Erweiterungsbau und die Neugestaltung des Eingangsbereichs verantwortlich zeichnete.
Architektonische Innovationen
Das ursprüngliche Gebäude der Archäologischen Staatssammlung stammt aus dem Jahr 1974 und geht auf den Entwurf des renommierten Architekturbüros von Werz, Ottow, Bachmann und Marx zurück. Die Sanierung behielt den Charakter des ursprünglichen Museums bei, das größtenteils unter der Erde liegt und sich durch einen stufenförmig gestaffelten Baukörper über einer Fassade aus Glas und rostfarbenen Stahlplatten auszeichnet.
Die Architekten des spanischen Büros Nieto Sobejano erhielten den Charakter des Gebäudes bei, gestalteten es aber grundlegend neu. Besonders auffällig ist die charakteristische Cortenstahl-Fassade, deren Rost "so sein soll" – wie Bayerns Minister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, stolz betonte. Die Neugestaltung des Eingangsbereichs erfolgte durch einen neuen Gebäudekubus, der den Haupteingang des Museums akzentuiert.
Das ATELIER BRÜCKNER aus Stuttgart, das international für Projekte wie das Museum of London oder das Grand Egyptian Museum in Gizeh bekannt ist, gestaltete das gesamte Innenleben des Museums neu. Nach dem Motto "Form follows content" gingen Architektur und Ausstellungsgestaltung bei der narrativen Umsetzung der Archäologischen Staatssammlung Hand in Hand.
Technische Aspekte der Sanierung
Die technische Sanierung des Gebäudes brachte erhebliche Verbesserungen in Bezug auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Statt Tropenhölzern wurden nun heimische Eichen verwendet, und das gesamte Gebäude wurde gedämmt und energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Die barrierefreie Gestaltung des Gebäudes war ein zentrales Anliegen des Projekts.
Die Besonderheit des neuen Konzepts ist, dass beide Rundgänge barrierefrei und unabhängig voneinander begehbar sind, was eine offene, inklusive und integrative Atmosphäre schafft. Oliver Schubert, Projektleiter des Staatlichen Bauamtes München 1, erklärt: "Das neu gestaltete Gebäude ermöglicht eine abwechslungsreiche und zeitgemäße Präsentation der Exponate, die das Museumsleben prägen wird. Wir haben in den zurückliegenden Jahren mit vielen Gewerken gemeinsam daran gearbeitet, eines der bedeutenden Münchner Museen in die Gegenwart zu transportieren."
Die Dachfläche des unterirdischen Neubaus wurde für den Garten und Spielplatz der benachbarten Kindertagesstätte genutzt. Die restlichen Kubendächer wurden begrünt, um Insekten aus dem benachbarten Englischen Garten eine Anflugstation zu bieten. Diese Maßnahmen tragen zur ökologischen Nachhaltigkeit des Gebäudes bei und verbessern das Mikroklima im direkten Umfeld.
Ausstellungskonzept
Die inhaltliche Gestaltung der "neuen" Archäologischen Staatssammlung oblag dem international agierenden ATELIER BRÜCKNER. Das neue Konzept ermöglicht eine abwechslungsreiche und zeitgemäße Präsentation der Exponate. Die etwa 1.200 Quadratmeter Ausstellungsfläche beinhalten in der neuen Dauerausstellung auf zwei Ebenen mehr als 15.000 archäologische Objekte, die Aufschluss über mehrere Tausend Jahre Menschheitsgeschichte geben.
Vertreten sind Funde aus sämtlichen Abteilungen des Museums: Vor- und Frühgeschichte, Römerzeit, Mittelalter und Neuzeit, Numismatik sowie der Abteilung Mittelmeer und Vorderer Orient. Das älteste Objekt in der Sammlung ist ein Faustkeil aus der Zeit um 100.000 bis 10.000 v. Chr., während das jüngste Objekt ein Serviergeschirr aus dem ehemaligen Café Deistler in München ist, das 1945 verschüttet und 2012 bei Ausgrabungen am Marienhof gefunden wurde.
Künftig gibt die Ausstellung mit zwei Rundgängen einen Einblick in das fasszinierende Abenteuer Archäologie. Ab Herbst 2024 sind zudem Sonderausstellungen in der neuen unterirdischen Halle vorgesehen. Museumsdirektor Rupert Gebhard betont: "Archäologie ist durchaus auch spröde. Aber wenn man Räume schafft, die einfach schön sind und man sieht etwas, was man dann doch ganz toll findet und sagt dann, das war jetzt eine schöne Stunde, die ich hier verbracht habe, dann haben wir unsere Arbeit richtig gemacht."
Zusätzliche Einrichtungen
Neben den Ausstellungsräumen bietet die sanierte Archäologische Staatssammlung weitere Einrichtungen, die das Museumsangebot ergänzen. Das Foyer bietet nun Platz für Museumspädagogik und Vorträge. Ein frei zugängliches Café mit Dachterrasse lädt zum Verweilen ein.
Die Dachterrasse, die auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten gastronomisch genutzt wird, bietet einen Blick auf den Englischen Garten und ist als "SOLÂ" von den beiden erfahrenen Münchner Gastronomen Maximilian Gradl und Alexander Recknagel (Herzog Bar, Frau im Mond, Ory Bar im Mandarin Oriental) bespielt. Diese Einrichtungen bereichern nicht nur das Museumsangebot, sondern auch das Münchner Stadtleben im Allgemeinen.
Die gastronomische Nutzung der Dachterrasse trägt zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit des Museums bei und schafft zusätzliche Einnahmequellen. Kunstminister Markus Blume hob besonders die "fantastische Dachterrasse mit Blick auf den Englischen Garten" hervor: "Sie ist eine Bereicherung für unsere Museumslandschaft und das Münchner Stadtleben."
Bedeutung für die bayerische Kulturlandschaft
Die Wiedereröffnung der Archäologischen Staatssammlung ist ein Highlight für die bayerische Museumslandschaft. Ministerpräsident Dr. Markus Söder bezeichnete die Staatssammlung als "historisches Gewissen Bayerns" und betonte ihre Bedeutung für das Verständnis der Menschheitsentwicklung im Freistaat über 250.000 Jahre.
Die ASM ist ein Museum der Superlative, das weit über München hinausstrahlt und als besonderer Referenzstandort für Archäologie in ganz Europa gilt. Mit der Sanierung wurde nicht nur ein bedeutendes Kulturdenkmal erhalten, sondern auch für die Zukunft gerüstet. Die Kombination aus historischer Bedeutung und moderner Präsentation macht die ASM zu einem attraktiven Ziel für Touristen und Bildungseinrichtungen gleichermaßen.
Kunstminister Markus Blume betonte: "Die Archäologische Staatssammlung macht vor, wie das Museum für morgen aussieht: Sie richtet nicht nur den Blick auf Exponate der Vergangenheit, sondern kommt modernsten Anforderungen bei Nachhaltigkeit, Digitalität und Barrierefreiheit nach. Das Entdecken von Geschichte war noch nie so spannend!"
Lehren für Bau- und Renovierungsprofis
Die Sanierung der Archäologischen Staatssammlung bietet wertvolle Erkenntnisse für Bau- und Renovierungsprojekte im Kulturbereich:
Balance zwischen Erhalt und Innovation: Das Projekt zeigt, wie man den Charakter eines historischen Gebäudes bewahren kann, während es gleichzeitig modernen Anforderungen angepasst wird.
Nachhaltigkeit als zentraler Aspekt: Die Verwendung heimischer Materialien, die energetische Sanierung und die ökologischen Dachgestaltungen zeigen, wie Nachhaltigkeit in Bauprojekten umgesetzt werden kann.
Barrierefreiheit als Standard: Die unabhängig begehbaren Ausstellungsrouten und die durchgängig barrierefreie Gestaltung setzen Maßstäbe für öffentliche Gebäude.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Die Koordination von etwa hundert projektbeteiligten Planungsbüros und Baufirmen unterstreicht die Bedeutung einer professionellen Projektsteuerung.
Wirtschaftliche Nachhaltigkeit: Die Kombination aus kultureller Nutzung und gastronomischem Angebot auf der Dachterrasse zeigt innovative Wege zur Finanzierung von Kulturinstitutionen.
Fazit
Die Sanierung der Archäologischen Staatssammlung München ist ein gelungenes Beispiel für die Modernisierung eines kulturhistorisch bedeutenden Gebäudes. Mit einem Investitionsvolumen von 66 Millionen Euro und einer Bauzeit von acht Jahren entstand ein Museum, das den Anforderungen an Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und moderne Präsentation gerecht wird. Die Kombination aus architektonischer Innovation und respektvollem Umgang mit dem historischen Erbe macht die ASM zu einem Vorzeigeprojekt für die bayerische und europäische Museumslandschaft.
Die Wiedereröffnung am 15. April 2024 markiert nicht nur den Abschluss eines langen Bauvorhabens, sondern auch den Beginn einer neuen Ära für die Archäologische Staatssammlung München, die als "historisches Gewissen Bayerns" ihre Besucher auf eine abwechslungsreiche Entdeckungsreise durch die Menschheitsgeschichte begleitet. Die Investition des Freistaats Bayern hat nicht nur ein bedeutendes Kulturdenkmal erhalten, sondern auch einen Ort geschaffen, an dem Geschichte lebendig wird und für zukünftige Generationen zugänglich bleibt.
Quellen
- Sanierung der Archäologischen Staatssammlung
- Highlight für bayerische Museumslandschaft: Wiedereröffnung der Archäologischen Staatssammlung
- Sanierung der Archäologischen Staatssammlung München
- Wiedereröffnung der Archäologischen Staatssammlung
- Archäologische Staatssammlung München: Sanierung, Wiedereröffnung
- Wiedereröffnung Archäologische Staatssammlung München