Donnersbergerbrücke: Sanierung nicht mehr sinnvoll - Neubau innerhalb von 10 bis 15 Jahren geplant

Einleitung

Die Donnersbergerbrücke in München ist eine der am stärksten frequentierten Brücken Europas, täglich passieren über 120.000 Fahrzeuge diese wichtige Verkehrsader. Das Bauwerk aus dem Jahr 1972 steht seit Längerem im Fokus der Stadtplaner, da es nach fünf Jahrzehnten intensiver Nutzung dringend saniert werden muss. Ein kürzlich veröffentlichtes Gutachten des Münchner Ingenieurbüros Zilch + Müller kommt jedoch zu einem überraschenden Ergebnis: Statt einer Sanierung wird ein kompletter Neubau empfohlen. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe der Entscheidung, den technischen Zustand der Brücke, die geplanten Maßnahmen und die Auswirkungen auf den Verkehr in München.

Die Donnersbergerbrücke - Eine der am stärksten befahrenen Brücken Europas

Die Donnersbergerbrücke ist ein zentrales Element der Münchner Verkehrsinfrastruktur und Teil des Mittleren Rings. Mit einer täglichen Belastung von mehr als 120.000 Fahrzeugen gilt sie als eine der meistbefahrenen innerstädtischen Brücken Europas. Diese enorme Verkehrsdichte stellt seit Jahrzehnten eine Herausforderung dar, was sich in den Staumeldungen widerspiegelt, in denen die Brücke als "Dauerbrenner" bezeichnet wird.

Das Bauwerk wurde im Jahr 1972 im Zuge der Vorbereitungen für die Olympischen Spiele fertiggestellt und seither mehrfach erweitert und angepasst. Laut Bauingenieur Matthias Gunsch vom Baureferat "wurde seit 1935 viel angebaut, beispielsweise zu den Olympischen Spielen". Diese jahrzehntelange Dauerbelastung hat das Bauwerk stark in Mitleidenschaft gezogen, was sich in einem zunehmenden Sanierungsbedarf äußert.

Die Brücke verbindet die Stadtteile Schwanthalerhöhe und Neuhausen und überquert dabei nicht nur die Bahnanlagen, sondern auch mehrere Straßen und Parkflächen. Ihre Bedeutung für den Verkehr in München kann kaum überschätzt werden, da sie eine wichtige Nord-Süd-Verbindung darstellt und sowohl den Individualverkehr als auch den öffentlichen Nahverkehr (S-Bahn, Tram, Bus) trägt.

Zustandsanalyse und Gutachterempfehlung

Im Auftrag des Münchner Stadtrats hat das Ingenieurbüro Zilch + Müller eine umfassende Untersuchung des Zustands der Donnersbergerbrücke durchgeführt. Das Ergebnis dieser Analyse ist eindeutig: Eine umfassende Sanierung des gesamten Bauwerks ist nicht mehr sinnvoll, stattdessen wird ein Neubau empfohlen.

Die Brücke lässt sich in drei deutlich unterscheidbare Abschnitte unterteilen:

  1. Die 120 Meter lange Trogbrücke im Süden, die die Landsberger Straße überquert
  2. Der 300 Meter lange Mittelteil, der die Bahngleise und Teile der Parkplatzflächen nördlich und südlich der Gleise überspannt
  3. Die 445 Meter lange Brücke im Norden, die von der Erika-Mann-Straße bis zum nördlichen Widerlager an der Schulstraße führt

Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die Trogbrücke im Süden sowie die Brücke im Norden "für sich betrachtet eine sinnvolle Instandsetzung durchgeführt werden könnten". Der kritische Punkt ist jedoch der Mittelteil, der die Bahnanlagen überquert. Dieser Abschnitt wird aufgrund seines Alters und seines Zustands als "nicht mehr zielführend instand zu setzen" bewertet.

Die Zustandsnoten der verschiedenen Bauteile variieren zwischen 1,9 und 3,0, was auf unterschiedlich starken Sanierungsbedarf hindeutet. Laut Gunsch hat die Donnersbergerbrücke "eine begrenzte Restlebensdauer" und müsse innerhalb der nächsten 20 Jahre komplett ersetzt werden.

Die Ingenieure argumentieren, dass bei einer Sanierung des Mittelteils die Substanz des Bauwerks nicht ausreiche, um eine langfristige Lösung zu gewährleisten. Stattdessen bestehe die Gefahr, dass kurzfristig auf Standsicherheitsprobleme reagiert werden müsste, was wiederum langfristige massive Verkehrsbeeinträchtigungen auf Straße und Schiene zur Folge hätte.

Zeitplan und Kosten der Maßnahmen

Das Gutachten empfiehlt, spätestens innerhalb von 10 bis 15 Jahren mit dem Ersatzneubau der Donnersbergerbrücke zu beginnen. Baureferentin Rosemarie Hingerl hat daher angekündigt, dass die Planungen bereits 2024 beginnen müssen. Vor dem Neubau werden jedoch kleinere Instandsetzungen und Behelfsmaßnahmen notwendig sein, um die Verkehrssicherheit aufrechtzuerhalten.

Der genaue Zeitplan und die Kosten für das gesamte Vorhaben sind derzeit noch unklar. Wie das Baureferat mitteilt, "können belastbare Kosten für die genannten Erhaltungsmaßnahmen erst nach Abschluss der Vorplanungen im Rahmen der Projektaufträge genannt werden". Bisher wurde lediglich der bereits begonnene Ersatzneubau der Kreuzhofbrücken mit 54 Millionen Euro genehmigt.

Bei der zeitlichen Planung gibt es ebenfalls noch Unsicherheiten: "Aufgrund finanzieller Abhängigkeiten und Entscheidungen des Stadtrates kann es zu zeitlichen Anpassungen kommen", heißt es aus dem Baureferat. Ein nächster Sachstandsbericht soll Ende 2025 dem Stadtrat vorgelegt werden, gefolgt von regelmäßigen Berichten im Zweijahresrhythmus.

Die Donnersbergerbrücke ist Teil eines größeren Programms zur Sanierung maroder Brücken in München. Weitere Großprojekte sind die Hackerbrücke (Zustandsnote 3,0) und die denkmalgeschützte Wittelsbacherbrücke (Zustandsnote 3,3). Die Hackerbrücke soll von 2027 bis 2029 generalsaniert werden, während die Arbeiten an der Wittelsbacherbrücke ab 2028 geplant sind.

Besonders bei der Hackerbrücke ist die Vorbereitungszeit lang, da mit der Deutschen Bahn zusammengearbeitet werden muss: "Sperrpausen müssen fünf Jahre vorher angemeldet werden", erklärt Gunsch.

Auswirkungen auf Verkehr und Stadtentwicklung

Die Erneuerung der Donnersbergerbrücke wird erhebliche Auswirkungen auf den Verkehr in München haben. Schon während der Bauphase ist mit erheblichen Verkehrsbehinderungen zu rechnen, insbesondere wenn die Brücke vollständig ersetzt werden muss. Das Baureferat befürchtet "langfristige massive Verkehrsbeeinträchtigungen auf Straße und Schiene", falls nicht rechtzeitig gehandelt wird.

Als unmittelbare Maßnahme zur Verbesserung der Situation plant die Stadt die Einrichtung von Behelfsbrücken. "Ende des Jahres wird der Verkehr auf die Behelfsbrücken umgeleitet, der Bestand anschließend abgebrochen", heißt es in den Unterlagen.

Ein weiteres drängendes Problem ist die Lärmbelastung für die Anwohner. Um die Lärmbelastung in den oberen Geschossen der Borstei zu senken, plant die Stadt eine Lärmschutzwand, die rund 330 Meter lang und bis zu fünfeinhalb Meter hoch sein soll. Realisiert werden soll diese Maßnahme von Herbst 2024 bis Sommer 2025. Laut Stadtverwaltung könnte dadurch die Lärmbelastung in den oberen Geschossen um bis zu drei Dezibel und im Erdgeschoss um bis zu elf Dezibel gemindert werden. Eine Zunahme um zehn Dezibel entspricht in der menschlichen Wahrnehmung einer Verdoppelung der Lautstärke.

Neben den Verkehrs- und Lärmaspekten bietet die Erneuerung der Donnersbergerbrücke auch die Chance, einen zukunftsweisenden Raum der Mobilität zu schaffen. Laut IBA-Projekt sollen neben dem Angebot multimodaler Mobilitätsformen (DB AG, MIV, Tram, Bus, S-Bahn, Rad- und Fußverkehr) auch Aufenthaltsflächen sowie eine Verbindung der angrenzenden Quartiere geschaffen werden.

Ein alternativer Ansatz wird von der FDP/Bayernpartei-Fraktion im Münchner Stadtrat verfolgt. Sie schlägt vor, statt einer neuen Brücke eine Unterführung zu prüfen, um "Lärm und Abgase von der Oberfläche verschwinden und oben mehr Platz [zu] schaffen". Bereits vor einem Jahr hatte die Fraktion einen Autotunnel unter den Gleisen beantragt, der die Stadtteile Schwanthalerhöhe und Neuhausen verbinden soll. Das Baureferat hatte diesen Vorschlag jedoch mit der Begründung abgelehnt, dass der Tunnel aufgrund der Zweiten Stammstrecke, die dort ebenfalls im Untergrund verläuft, weit in der Tiefe liegen müsste.

Technische Herausforderungen und Lösungsansätze

Der Neubau der Donnersbergerbrücke stellt hohe technische Herausforderungen dar. Das Bauwerk muss nicht nur die gleiche hohe Verkehrskapazität wie das bisherige gewährleisten, sondern auch modernen Anforderungen an Sicherheit, Lärmschutz und Ästhetik gerecht werden.

Ein besonderes Problem ist die Tatsache, dass die Brücke über aktive Bahnanlagen führt. Dies erfordert eine sorgfältige Planung, um den Bahnverkehr nicht unnötig zu beeinträchtigen. Bei der Hackerbrücke, die ebenfalls über Bahngleise führt, hat sich bereits gezeigt, dass Sperrpausen fünf Jahre im Voraus angemeldet werden müssen.

Ein weiterer Aspekt ist die Integration verschiedener Verkehrsmittel. Die neue Brücke soll nicht nur den Individualverkehr aufnehmen, sondern auch optimal für Tram, Bus, S-Bahn, Rad- und Fußverkehr ausgelegt werden. Dies erfordert eine durchdachte Planung der Verkehrsflächen und der Übergänge zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern.

Die Gestaltung der Brücke bietet auch die Chance, die Verbindung zwischen den angrenzenden Quartieren zu verbessern. Bisher ist die Donnersbergerbrücke eher als Hindernis wahrgenommen worden, das Stadtteile voneinander trennt. Ein Neubau könnte die Chance nutzen, diese Trennung aufzuheben und attraktivere Übergänge und Aufenthaltsräume zu schaffen.

Die Materialwahl für den Neubau wird ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Neben den technischen Anforderungen müssen auch Aspekte der Langlebigkeit und Wartungsarmheit berücksichtigt werden. Moderne Baustoffe und Bauverfahren könnten eine längere Lebensdauer des Bauwerks gewährleisten als das ursprüngliche Bauwerk aus den 1970er Jahren.

Fazit

Die Donnersbergerbrücke steht vor einem der größten Umbauprozesse in ihrer Geschichte. Das Gutachten des Ingenieurbüros Zilch + Müller macht deutlich, dass eine Sanierung des Bauwerks nicht mehr zielführend ist und ein Neubau innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahre notwendig sein wird. Diese Entscheidung hat erhebliche Auswirkungen auf den Verkehr in München und die Lebensqualität der Anwohner.

Der geplante Neubau bietet jedoch auch die Chance, eine moderne, zukunftsfähige Verkehrsverbindung zu schaffen, die verschiedenen Mobilitätsformen berücksichtigt und die angrenzenden Stadtteile besser verbindet. Gleichzeitig müssen die Herausforderungen des Baus über aktiven Bahnanlagen und die Minimierung von Verkehrsbeeinträchtigungen bewältigt werden.

Die genauen Planungen beginnen voraussichtlich 2024, bis dahin werden kleinere Instandsetzungsmaßnahmen und Behelfslösungen notwendig sein, um die Sicherheit des Bauwerks zu gewährleisten. Obwohl die Kosten und der genaue Zeitplan noch nicht abschließend geklärt sind, steht fest, dass die Erneuerung der Donnersbergerbrücke eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der kommenden Jahre in München sein wird.

Quellen

  1. Süddeutsche München - Donnersbergerbrücke: Neubau statt Sanierung geplant
  2. TZ München - Donnersbergerbrücke soll abgerissen werden
  3. TZ München - Marode Brücken: Sanierungsprogramm der Stadt
  4. IBA München - Projekt Neubau Donnersbergerbrücke
  5. Abendzeitung München - Abriss geplant: Die Donnersbergerbrücke zum Tunnel?
  6. Abendzeitung München - Sanierung lohnt sich nicht

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